Das größte Problem an der Religion ist der Begriff der Religion selbst. Die Religionssoziologie sucht nach einer allgemeingültigen Definition, mit deren Hilfe sie die Religion wissenschaftlich untersuchen kann. Auch Roland Robertson (1973) sagte aus, „dass wir (die Soziologen) nicht auf der Suche nach dem Wesen der Religion sind, (…), sondern vielmehr eine soziologische Definition anstreben, mit deren Hilfe wir klar und schlüssig analysieren können“. Es geht also nicht vorrangig um die Diskussion ob sich die Religion inhaltlich als wahr erweist, sondern um eine universelle Definition des Begriffs.
Da es zahlreiche Definitionen des Begriffs Religion gibt, fällt es nicht leicht sich auf die eine richtige Definition festzulegen, dadurch ergibt sich in den Sozialwissenschaften eine Definitionspluralität. Diese Vielzahl an Definitionen führt bei einigen Soziologen dazu, dass sie komplett auf eine Definition verzichten wollen. Doch diese Vorgehensweise, gänzlich auf eine Definition zu verzichten, würde jegliche wissenschaftliche Diskussionen ersticken und womöglich zu noch größerer Verwirrung führen. Abgesehen davon ist das Definieren des Religionsbegriffs wichtig um empirisch korrekte Untersuchungen vornehmen zu können.
In dieser Arbeit soll vordergründig die Frage untersucht werden ob der Religionsbegriff beibehalten oder abgelehnt werden sollte.
Dazu werden zunächst im folgenden Kapitel dieser Arbeit einige Definitionsversuche des Religionsbegriffs aufgeführt, um einen kleinen Einblick in die Definitionsvielfalt zu ermöglichen und eine Grundlage für die folgenden Punkte der Arbeit zu schaffen. Die Geschichte der westlichen Moderne brachte 4 verschiedene Epochen von Religionsdiskursen hervor, diese sollen im dritten Kapitel knapp erläutert werden. Anschließend gehe ich über zu dem Punkt 3.5. „Kritik am Religionsbegriff“, wobei ich besonders auf die postmoderne, koloniale und diskurstheoretische Kritik eingehe.
Abschließend wird im letzten Teil der Arbeit auf die Fragestellung eingegangen, dazu betrachte ich zunächst die Probleme die bei der Definition von Religion auftreten. Ihren Abschluss findet die Arbeit dann in einem kurzen Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsversuche von Religion
2.1. Nach Emile Durkheim
2.2. Nach Max Weber
2.3. Nach Michael Hill
2.4. Nach Gert Pickel
2.5. Schlussfolgerung
3. Moderne Religionsdiskurse
3.1. Aufklärungsdiskurs
3.2. Romantischer Diskurs
3.3. Säkularisierungsdiskurs
3.4. Postmoderner Diskurs
3.5. Kritik am Religionsbegriff
3.5.1. Postmoderne Kritik
3.5.2. Koloniale Kritik
3.5.3. Diskurstheoretische Kritik
4. Sollte der Religionsbegriff beibehalten oder abgelehnt werden?
4.1. Probleme bei der Definition von Religion
4.2. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Problematik der Definition von Religion in der Religionssoziologie und widmet sich der zentralen Forschungsfrage, ob der Religionsbegriff in der wissenschaftlichen Praxis beibehalten oder abgelehnt werden sollte.
- Die Pluralität und Problematik bestehender Religionsdefinitionen
- Wichtige soziologische Definitionsversuche (Durkheim, Weber, Hill, Pickel)
- Kritische Analyse moderner Religionsdiskurse
- Die postmoderne, koloniale und diskurstheoretische Religionskritik
- Kontingenzbewältigung als Ansatz für eine kombinierte Religionsdefinition
Auszug aus dem Buch
3.5.1. Postmoderne Kritik
Die Postmoderne Kritik sagt aus, dass Religion ein nicht gegebener, etablierter und variabler Begriff sei, der zudem fest mit Machtphänomen verbunden ist. Diese Aussagen implizieren, dass es sich bei Religion um keinen wissenschaftlichen / analytischen Begriff handelt, weshalb dieser auch nicht universell einsetzbar ist. Die Entstehung des Begriffs Religion, allein aus dem christlichen Kontext, ist ein weiterer Kritikpunkt, da eine Übertragung des Begriffs auf andere Kulturen unangemessen ist.
Die postmoderne Kritik „… untersucht …, wie Sprachregulierungen und Klassifikationssysteme Positionen der Über- und Unterordnung nicht nur zum Ausdruck bringen, sondern selbst hervorbringen helfen …“ (Riesebrodt 2007, Seite 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer allgemeingültigen Definition der Religion und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2. Definitionsversuche von Religion: Dieses Kapitel stellt verschiedene klassische und moderne Ansätze zur Definition von Religion vor, darunter die von Durkheim, Weber, Hill und Pickel.
3. Moderne Religionsdiskurse: Hier werden vier Epochen der westlichen Religionsdiskurse sowie spezifische Formen der Religionskritik, wie die koloniale und diskurstheoretische Kritik, erläutert.
4. Sollte der Religionsbegriff beibehalten oder abgelehnt werden?: Das Kapitel diskutiert die Probleme bei der Definition von Religion, insbesondere im Kontext von Kontingenzbewältigung, und schließt mit einem Fazit zur Debatte.
Schlüsselwörter
Religionssoziologie, Religionsbegriff, Definition, Pluralität, Kontingenzbewältigung, Postmoderne, Machtphänomene, Koloniale Kritik, Diskurstheorie, Substantielle Definition, Funktionale Definition, Transzendenz, Religionskritik, Empirische Analyse, Soziales Handeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der religionssoziologischen Problematik, den Begriff "Religion" wissenschaftlich eindeutig zu definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vielfalt der Definitionsversuche, die unterschiedlichen modernen Religionsdiskurse und die Kritik an der Verwendung des Begriffs selbst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht die kritische Frage, ob der Religionsbegriff angesichts seiner Problematik beibehalten oder abgelehnt werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur, um verschiedene Definitionsansätze und Kritiken gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung klassischer Definitionsansätze, die Analyse moderner Diskurse sowie eine spezifische Untersuchung der Religionskritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind insbesondere Definitionspluralität, Kontingenzbewältigung, postmoderne Kritik und die Abgrenzung zwischen substantiellen und funktionalen Religionsbegriffen.
Welche Rolle spielt die "Kontingenzbewältigung" bei der Definition?
Sie dient als moderner Erklärungsansatz, um die funktionale Bedeutung von Religion für den Menschen in Krisensituationen zu verstehen und substantielle Definitionen zu ergänzen.
Warum wird der Begriff "Religion" postkolonial kritisiert?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass der Begriff ein westlich-christliches Konstrukt ist, das bei der Anwendung auf andere Kulturen Machtstrukturen reproduziert.
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- Garima Singh Uttam (Autor), 2017, Kritik am Religionsbegriff. Sollte der Religionsbegriff beibehalten oder abgelehnt werden?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437514