Handlungsorientierung in dualen Ausbildungsberufen durch Lernortkooperation zwischen Betrieben und Schulen

Rahmenlehrpläne und Ausbildungsrahmenpläne


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verfahren der Neuordnung dualer Ausbildungsberufe

3. Handlungsorientierung in dualen Ausbildungsberufen

4. Durch Lernortkooperation zur Handlungsorientierung

5. Die Situation Lernortkooperation in der Praxis

6. Die durch die Rahmen- und Ausbildungspläne bestimmte Situation – Am Beispiel des Industriemechanikers

7. Fazit / Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Tabellenverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

„Es gibt Dinge, die wir lernen müssen, bevor wir sie tun können. Und wir lernen sie indem wir sie tun.“ (Aristoteles, zit. nach: Prediger; Vernay 2005, S. 1). Welche hohe Bedeutung die Selbsttätigkeit für die Selbstständigkeit und die Entwicklung einer Handlungskompetenz des Einzelnen hat, wusste scheinbar Aristoteles zu seiner Zeit schon. Durch das selbstständige Handeln, Ausprobieren, Fehler machen und Erfolge erleben, durchlaufen Menschen verschiedene Lernprozesse. Auch wenn bestimmte Handlungen mehrmals durchgeführt werden, heißt das nicht, dass der Ablauf immer derselbe ist. Veränderte Rahmenbedingungen und ungeplante Vorkommnisse haben den Effekt, dass der Mensch solange er handelt, auch lernt. In der heutigen Zeit, die durch ständige technische Fortschritte und wachsenden Anforderungen an künftige Facharbeiter sowie steigendem Medienkonsum geprägt ist, lernen die Jugendlichen noch immer aus den Erfahrungen und Handlungen anderer. Wobei es doch so wichtig ist, gerade an beruflichen Schulen eine Handlungskompetenz für zukünftige Facharbeiter zu vermitteln. Das Erreichen der Handlungskompetenz ist ein wichtiger Teil des Bildungsauftrages der Berufsschulen. Die Schulen müssen zunehmend Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten schaffen, die den Auszubildenden im Privatraum fehlen. An dieser Stelle setzt das Konzept der Handlungsorientierung im Berufsschulunterricht an. Insbesondere die Kooperation mit verschiedenen Lernorten soll die Umsetzung handlungsorientierten Unterrichts ausbauen.

Die folgende Arbeit behandelt inwiefern die Lernortkooperation und die damit einhergehende Umsetzung der Handlungsorientierung im Unterricht umgesetzt werden kann. Hierzu wird zunächst das Verfahren der Neuordnung dualer Ausbildungsberufe erläutert. Anschließend soll der Begriff der Handlungsorientierung, besonders hinsichtlich dualer Ausbildungsberufe, geklärt werden. Weiter erfolgt eine Darstellung des Zusammenhangs zwischen der Lernortkooperation und der Handlungsorientierung bevor die tatsächliche Situation in der Praxis abgebildet wird. Erst dann soll die Darstellung der, durch die Rahmen- und Ausbildungsrahmenpläne bestimmten, Situation der Lernortkooperation folgen. Hierzu werden, am Beispiel des Industriemechanikers, der Rahmen- und Ausbildungsrahmenplan gegenübergestellt und nach inhaltlichen Kooperationsmöglichkeiten „gesucht“.

Ihren Abschluss findet die vorliegende Arbeit in einem kurzen Fazit / Ausblick.

2. Verfahren der Neuordnung dualer Ausbildungsberufe

Das Abstimmungsverfahren von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen wurde in dem Bund-Länder-Koordinierungsschuss beschlossen und weiterentwickelt, dabei bildete das gemeinsame Ergebnisprotokoll die Grundlage (siehe Anhang: Abbildung 1). Demnach werden Rahmenlehrpläne, von der Kultusministerkonferenz für Berufsschulen, auf Landesebene und Ausbildungsordnungen, für Ausbildungsbetriebe, auf Bundesebene ausgearbeitet und dabei aufeinander abgestimmt. Mit dem Beschluss über einen Antrag zur Neuordnung eines Berufs des Bund-Länder-Koordinierungsausschusses beginnt die Erarbeitungs- und Abstimmungsphase.

Der Antrag zur Neuordnung eines Berufs wird auch als Projektantrag bezeichnet, dieser kann von Kultus- oder Bundesseite gestellt werden. Zuvor muss der Antragsteller allerdings ein Konzept für die Neuordnung des Berufs erarbeiten. Dieses Konzept sollte alle Eckwerte zur Neuordnung enthalten, beispielsweise Struktur und Dauer der Ausbildung sowie die Art des Abschlusses insbesondere in Hinsicht auf seine Spezialisierung und Breite. Zudem sollte der Projektantrag eine Übersicht mit den zu vermittelten Qualifikationen „Fertigkeiten und Kenntnissen“ enthalten (vgl. KMK 01.09.2007, Seite 24).

3. Handlungsorientierung in dualen Ausbildungsberufen

Um die Ziele einer Berufsausbildung zu erreichen, sollte sich der Unterricht an einer Pädagogik orientieren, die auf den Bildungsauftrag der Berufsschulen zugeschnitten ist. Die Auszubildende dazu befähigt Arbeitsaufträge aus ihrer Berufstätigkeit eigenständig zu planen, durchzuführen sowie zu beurteilen. Zudem sollte die Pädagogik die Handlungsorientierung betonen. Das Lernen an berufsbildenden Schulen erfolgt in verschiedenen fiktiven Operationen und bezieht sich hauptsächlich auf konkrete, berufliche Handlungen. Es kann auch das Reflektieren der Handlungen anderer bedeuten. Dabei steht vor allem das Nachvollziehen der vollzogenen Handlungen im Vorderrund. Das Reflektieren der beruflichen Arbeit fördert das Lernen während und nach der Arbeit. Für den Rahmenlehrplan hat dies zur Folge, dass die inhaltliche Auswahl und die Zielformulierungen sich auf den Beruf beziehen (vgl. KMK 01.09.2007, Seite 12f.). Lerntheoretische und didaktische Erkenntnisse bilden die Grundlage für folgende Orientierungspunkte zur Gestaltung eines handlungsorientierten Unterrichts:

- Situationen, die für die Berufstätigkeit wichtig sind, stellen didaktische Bezugspunkte dar (Lernen für Handeln).
- Handlungen, die eigenständig ausgeführt oder gedanklich reflektiert werden, bilden den Ausgangspunkt des Lernens (Lernen durch Handeln).
- Lernende sollen die Handlungen weitestgehend eigenständig planen, durchführen, überprüfen sowie korrigieren und bewerten.
- Handlungen sollen außerdem sicherheitstechnische, ökonomische, technische, ökologi­sche sowie rechtliche und soziale Aspekte einbeziehen um ein ganzheitliches Erfassen der beruflichen Realität zu fördern.
- Handlungen sollen in die Erfahrungen der Auszubildenden integriert und reflektiert werden.

Nach Hilbert Meyer ist der handlungsorientierte Unterricht „ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer/der Lehrerin und den Schüler/ und Schülerinnen vereinbarten Handlungsprodukte die Gestaltung des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler und Schülerinnen in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können." (Jank und Meyer 1991, Seite 354).

Anders als bei seinem Gegenmodell, dem faktenbasierten Auswendiglernen (Schüler als Konsumenten des Lernstoffes), ist für das handlungsorientierte Lernen besonders die hohe Eigenaktivität der Lernenden von Bedeutung. Im Rahmen der Learning by doing Methode sollen die Lernenden vorliegende Lerninhalte aktiv und zielgerichtet bearbeiten, hierzu werden sie von Anfang an in die Unterrichtsplanung und -gestaltung eingebunden. Die Herstellung von geistigen oder materiellen Handlungsprodukten steht dabei immer im Mittelpunkt des Unterrichts. Diese Handlungsprodukte dienen zur Versinnbildlichung der Lernziele und können dabei in verschiedenen Formen auftreten (Tafelbild, Plakat, Leserbriefe oder sogar selbstkonstruierte Bauteile). Um ein nachhaltiges und experimentierendes Lernen mit allen Sinnen zu ermöglichen, arbeitet der handlungsorientierte Unterricht auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kopf- und Handarbeit hin. Die Lernenden müssen dazu die Aufgabenstellung erfassen/verstehen um diese dann selbstständig zu bearbeiten/lösen. Der Unterricht gliedert sich immer in folgende Unterrichtsphasen: Erläuterung der Problemstellung, Festlegung der Handlungsprodukte, Bildung von Arbeitsgruppen, Bearbeitungsphase und Präsentationsphase. Der handlungsorientierte Unterricht ist vielseitig und kann beispielsweise durch Gruppen- und Projektarbeit, Freiarbeit oder Stationslernen umgesetzt werden. Er fördert die kommunikative Kompetenz, das fachübergreifende und vernetzende Lernen sowie die Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung (vgl. Habermaaß (Hrsg.) 2016). Bei dem handlungsorientierten Unterricht handelt es sich um ein didaktisches Konzept, bei dem handlungs- und fachsystematische Strukturen miteinander verbunden werden. Dieses Konzept ist durch verschiedene Unterrichtsmethoden realisierbar. Berufsschulen adressieren ihr Unterrichtsangebot an junge Erwachsene und Erwachsene, welche sich hinsichtlich ihrer anthropogenen Voraussetzungen unterscheiden. Ihren Bildungsauftrag und der damit einhergehenden Orientierung an handlungsorientiertem Unterricht, kann die Berufsschule nur erfüllen, wenn sie diese unterschiedlichen Vorrausetzungen berücksichtigt und alle Lernende individuell fördert. Die Kooperation der beiden Lernorte, Schule und Betrieb, ist dabei ein tragender Faktor. Besonders hinsichtlich der individuellen Förderung der Lernenden.

4. Durch Lernortkooperation zur Handlungsorientierung

Die duale Berufsausbildung findet an unterschiedlichen Lernorten statt. Diese Lernorte sind, was das Erreichen der Ausbildungsziele angeht, aufeinander angewiesen. Die Kooperation zwischen den Lernorten (Betrieb, Schule, überbetriebliche Ausbildungsstätte) ist, hinsichtlich des Ausbildungserfolgs, empfehlenswert. Dabei eignet sich die Lernortkooperation sowohl für organisatorische als auch für pädagogische und inhaltliche/fachliche Fragen. Das Vermitteln der Handlungskompetenz ist das oberste Ziel einer jeden Ausbildung, wobei jeder Lernort seinen eigenen Weg wählt. Hierbei ist es für den jeweils anderen Lernort von großer Bedeutung, zu wissen wie die Bedingungen im jeweils anderen Lernort sind. Hiervon ist abhängig in welcher Form und welchem Umfang eine Lernortkooperation erfolgen kann. Weshalb es bei der Lernortkooperation keine Musterlösungen geben kann. Für die Anforderungen in der beruflichen Bildung und ihre Bewältigung, spielt die Lernortkooperation eine besonders wichtige Rolle. So kann die Kooperation verschiedener Lernorte dazu beitragen, dass eine moderne/zukunftsorientierte Ausbildung gesichert werden kann. Dies kann im Einzelnen folgendes bedeuten:

- Unterschiedliche Lernorte konfrontieren die Lernenden mit unterschiedlichen Anforderungen. Die Lernenden bilden in verschiedenen Lernprozessen eine berufliche Handlungskompetenz heraus. Sowohl Ausbilder als auch Berufsschullehrer müssen diese Lernprozesse veranlassen, begleiten und fördern.

Dies kann mit entsprechenden Kenntnissen über den jeweils anderen Lernort gezielter/effizienter erfolgen.

- Die Ausbildungsinhalte und –ziele der beruflichen Bildung verändern sich rasant, was auch in der Neuordnung von Ausbildungsberufen sichtbar wird. Um diesen Zielen gerecht werden zu können, erfordert es ganzheitliche Lehr- und Lernkonzepte die zudem handlungsorientiert angelegt sind. Solche Konzepte können durch eine Lernortkooperation wesentlich effizienter gestaltet werden und somit die Ausbildung effektiv verbessert.
- Die vermehrte Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken in alten und neuen Ausbildungsberufen führt zu einer steigenden Nachfrage der Vermittlung entsprechender Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse. Dies hat zur Folge, dass zwischen den Lernorten ein weiterer Konsens besteht.
- Alle Lernorte können zur Individualisierung und Differenzierung der Ausbildung entsprechende Konzepte erstellen.
- Kooperieren die verschiedenen Lernorte, führt das dazu, dass bestehende Ressourcen effizienter eingesetzt werden (vgl. BiBB 27.11.1997, Seite 1 ff.).

5. Die Situation Lernortkooperation in der Praxis

Wie eingangs bereits erwähnt, ist der Ablauf der Kooperation zwischen den Lernorten nicht immer identisch. Dies steht immer im Zusammenhang mit den vorliegenden Bedingungen und beteiligten Personen. Die verschiedenen Lösungsansätze hängen zudem auch vom Beruf der ausgebildet wird, von der Größe des Betriebes und der Zusammensetzung der Klasse in den Schulen ab. Weshalb hinsichtlich der Umsetzung folgende Gesichtspunkte betrachtet werden sollten:

- Überwiegend erfolgt die Lernortkooperation zum Zwecke der Klärung von Fragen, insbesondere hinsichtlich der auftretenden Hindernisse während der Ausbildung. Strategische / didaktisch-methodische Fragen sind eher eine Seltenheit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Handlungsorientierung in dualen Ausbildungsberufen durch Lernortkooperation zwischen Betrieben und Schulen
Untertitel
Rahmenlehrpläne und Ausbildungsrahmenpläne
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut 1: Bildung, Beruf und Medien)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V437519
ISBN (eBook)
9783668782266
ISBN (Buch)
9783668782273
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungsorientierung, duale Ausbildungsberufe, duale Ausbildung, Lernortkooperation, Lernortkooperation zwischen Betrieb und Schule, Rahmenlehrpläne und Ausbildungsrahmenpläne, Handlungsorientierung in dualen Ausbildungen
Arbeit zitieren
Garima Singh Uttam (Autor), 2017, Handlungsorientierung in dualen Ausbildungsberufen durch Lernortkooperation zwischen Betrieben und Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437519

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