Schule im Umbruch. Das Konzept "Flipped Classroom"


Seminararbeit, 2017
22 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Delokalisierung des Lernens

2.1. Begriffsdefinition

2.1.1. Klassische Lerntheorien

2.1.2. Neue Lerntheorie

2.2. Lernvideos

2.3. YouTube als Plattform des Lernens

III. Schule von Morgen

3.1. Forschungsstand und Entwicklung

3.2. Projekt Flipped Classroom in der Sekundarstufe

3. 3. Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken

VI. Schlussfolgerungen

VII. Anhang

A. Literaturverzeichnis

A1. Sammelbänder

A2. Monografien

B. Onlinequellen

C. Transkription des Interviews

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Eigenschaften von Bewegbild

I. Einleitung

«Unser Lehrer sagt: Geht doch lieber auf Youtube» - www.20min.ch Lern Tutorials

Für Bruchrechnung, Physikformeln, der Satz des Pythagoras oder chemische Reaktionen brauchen Schüler und Schülerinnen heutzutage kaum noch einen Input von Lehrperson, die ihnen die wichtigen Sachverhalte der Allgemeinbildung näherbringen, denn es gibt YouTube. Besser gesagt Lern Tutorials, welche die Schritt für Schritt Erklärungen aus dem Unterricht bis ins Kinderzimmer auf den Laptop, auf das Smartphone oder auf das Tablett bringen. Es wird sogar behauptet, dass YouTube bereits den herkömmlichen Unterrichtsalltag verändert hat und somit Lehrer sowie Lehrerinnen in eine neue unerwartete Situation bringt.

Meine Arbeit beschäftigt sich mit dem Bereich der Unterrichtsmethoden und -konzepte. Im Zuge dieser Proseminararbeit werde ich mich intensiver mit dem Flipped Classroom-Konzept beschäftigen, wobei mein Hauptaugenmerk auf der Einbindung von YouTube Tutorials liegen wird. Meine Forschungsfrage bezieht sich auf die Sicht der Lehrperson und dessen Umgang mit dem neuen Unterrichtskonzept.

Zu Beginn meiner Arbeit werden Begriffe wie Unterrichtsmethoden und –konzepte insbesondere in Bezug auf traditionelle und neue beziehungsweise medienbezogene Unterrichtsformen näher erläutert, um einen Überblick über die Thematik zu bekommen. Im nächsten Schritt wird auf die Schule von morgen eingegangen, indem zuerst der letzte Forschungsstand thematisiert wird und danach das Unterrichtskonzept Flipped Classroom der Sekundarstufe I und II im Unterrichtsfach Mathematik vorgestellt wird. Darauf folgt eine SWOT-Analyse des Modells. Zu diesem Kapitel wird ein Interview mit einer Lehrperson aus dem Fachbereich Mathematik der Sekundarstufe I und II geführt, welches als Ergänzung dienen soll. Im Fazit werden alle Standpunkte der Arbeit noch einmal zusammengefasst sowie ein Resümee über das Unterrichtskonzept Flipped Classroom der Sekundarstufe I und II im Unterrichtsfach Mathematik gezogen. Zusätzlich erfolgt die Beantwortung meiner Forschungsfrage und schlussendlich wird eine Prognose für das innovative Unterrichtskonzept erstellt.

II. Delokalisierung des Lernens

In diesem Kapitel werden verschiedene Lehr- sowie Lernkonzepte vorgestellt, von traditionellen Unterrichtsmethoden bis Methoden, die durch die Digitalisierung möglich wurden.

2.1. Begriffsdefinition

2.1.1. Klassische Lerntheorien

Die klassischen Lerntheorien lassen sich auf drei zentrale Ansätze eingrenzen: den behavioristischen Ansatz, den kognitivistischen Ansatz sowie den konstruktivistischen Ansatz (vgl. Hamann 2007: 7).

Die behavioristische Lerntheorie basiert auf der Lerntheorie des Reiz-Reaktions-Lernens. Dabei wirken äußere Reize auf einen Lernenden ein, welche auf ein gewünschtes Verhalten abzielen. Dieses Verhalten kann durch Verstärkung in Form von einer Belohnung oder einer Strafe gesteuert oder verändert werden. Die Lehrenden übernehmen hier die Funktion des Korrektors, welche eingreifen, korrigieren und kontrollieren. Auf diese Weise greifen sie bedeutsam in den Lernprozess der Lernenden ein. Die Lernenden werden somit als passives Wesen wahrgenommen, welche als eine Art ‚Black-Box‘ agieren (vgl. Hamann 2007: 8-9).

Durch das Einüben und Vertiefen von Lerninhalten in Form von Wiederholung und Reproduzieren sollen Reize geschaffen werden, die durch Erfolg positiv verstärkt werden (vgl. Hamann 2007: 9-10).

Die kognitivistische Lerntheorie geht davon aus, dass Informationen mit eigenen Erfahrungen sowie dem bereits bestehenden Wissen abgeglichen werden. Hierbei bezieht sich das Lernen auf die Informationsaufnahme, -verarbeitung und –speicherung. Der Lernende wird durch interaktive Reize aktiv an der Problemlösung beteilig. Dieser lernt, indem er eigenständig Informationen aufnimmt, verarbeitet und anhand vorgegebener Problemstellungen Lösungswege entwickelt. Somit wird der Lernprozess von den Lernenden selbst gesteuert, wobei sich die Lernenden durch eigenständiges Beobachten und Entdecken selbstständig neues Wissen aneignen. Anstatt Fakten auswendig zu lernen, sollen Lösungsansätze sowie Lösungswege auf gestellte Probleme entwickelt werden (vgl. Hamann 2007: 11-13).

Der Lehrende ist in erster Linie für die didaktische Aufbereitung von Problemstellungen verantwortlich. Er stellt Informationen zur Verfügung, gibt Problemstellungen vor und unterstützt die Lernenden beim Bearbeiten der Informationen. Er dient somit als Wissensvermittler für die Lernenden.

Die konstruktivistische Lerntheorie versteht Lernen als aktive Konstruktion von Wissen und nicht als passive Wissensaufnahme. Hier haben die Lernenden eine zentrale Rolle am Lernprozess. Lehrende fungieren als Coach und begleiten den Lernprozess durch Denkanstöße und Hilfestellungen, um den von den Lernenden eigenständigen Lernvorgang zu fördern. Der Schwerpunkt liegt hier nicht in der gesteuerten und kontrollierten Vermittlung von Inhalten, sondern in der selbstständigen Bearbeitung von Themen sowie Problemen. Lernende sollen fähig sein, mit Situationen umzugehen und daraus Lösungen zu entwickeln (vgl. Hamann 2007: 13-15).

2.1.2. Neue Lerntheorie

Neben den klassischen Lerntheorien wurden neue Ansätze entwickelt, die insbesondere den sozialen Aspekten der Mediennutzung miteinbeziehen. Unter anderem kann der Konnektivismus nach George Siemens genannt werden, welcher die „Learning Theory for the Digital Age“ thematisiert und der insbesondere auf informelle und vernetzte Lernprozesse eingeht. Aufgrund der stetig immer schneller wandelnden Informationen wird die Relevanz des Inhaltes immer bedeutsamer (vgl. Süss et al 2010, 2013: 179). Siemens beschreibt Lernen folgendermaßen: „Learning […] is focused on connecting specialized information sets, and the connects that enable us to learn more are more important than our current state of knowing.” (Siemens 2004: online).

In seinem Ansatz wird vor allem auf die zunehmende Tendenz des Lernens in Bezug auf das informelle, vernetzte und elektronisch gestützte Lernen eingegangen. Hier wird Lernen als ein Prozess verstanden und Wissen als ein sich ständig veränderbares Gut (vgl. Süss et al 2010, 2013: 179-180).

Die konnektivistische Lerntheorie ähnelt jener des Konstruktivismus, da Lernen als selbstgesteuerten Prozess betrachtet wird. Jedoch wird hier Lernen als Verknüpfung in einem selbstgeschaffenen Netzwerk gesehen. Es wird nicht mehr beobachtet, generiert oder konstruiert, sondern vielmehr verbunden. Dadurch entsteht eine autarke Lernökonomie, die aus einem Netzwerk besteht, welches sich stetig an seine Umgebung anpassen kann.

Downes versteht Lernen als das Knüpfen oder Lösen von Verbinden in einem Netzwerk und die Anpassung der Stärke von dessen Bindungen. „Learning is the creation and removal of connections between the entities, or the adjustment of the strengths of those connections.” (Downes, 2012)

Das Netzwerk entwickelt sich durch den Lernenden selbst. Der Lehrende unterstützt den Lernprozess in Form eines Mentors durch Materialen, Hinweisen und Quellen. Da es keine festen Strukturen gibt, entwickelt sich die Lernumgebung meist dynamisch, dezentral sowie adaptiv (vgl. Heider-Lang 2016: 77).

Anwendungen findet der konnektivistische Ansatz vor allem bei Web 2.0 Anwendungen wie unter anderem Wikis, Blogs, sozialen Netzwerken oder Open Source Applikationen. Bei Open Online Courses besteht eine spezielle Offenheit, die das kostenlose Angebot, die Beschränklosigkeit sowie das selbstgewählte Lernziel umfasst. Der Umfang der Interaktion des Lernenden wird von ihm selbst gewählt. Da solche Kurse keine vorgegebenen Strukturen verfolgen, können zum Beispiel auch Blogs, Foren, Twitter, Facebook, etc mitagieren (vgl. Heider-Lang 2016: 78).

2.2. Lernvideos

Mediale Lernhilfen, wie Taschenrechner, Lernplattformen oder ähnliches, die das Lernen unterstützen, treten in den Jahren vermehrt zwischen Inhalt und Lernenden. Mit der Entwicklung von solchen Lernhilfen geht die Tendenz des Lernens vermehrt zum eigenständigen Lernen (vgl. Moser: 2005: 65).

Videos als Informationsträger haben gegenüber Bild- und/oder Textmedien einige folgende Merkmale vorzuweisen (Plag/Riempp 2007: 22):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Eigenschaften von Bewegbild

Um effektives Lernen mit dem Medium Video zu erreichen, müssen Nutzer sowie Nutzerinnen diese als Lernchance wahrnehmen und die neuen Informationen aufmerksam aufnehmen und verarbeiten. Durch die Möglichkeit des Pausierens sowie des Vorspulens behält der Betrachter beziehungsweise die Betrachterin die Kontrolle über das Lerntempo (vgl. Plag/Riempp 2007: 23-24).

Lernvideos unterstützen uns in verschiedenen Lebenslagen. Ob beim Kochen, Heimwerken oder beim Installieren einer neuen Software, es gibt zu fast jedem Thema bereits ein Video-Tutorial. Schüler sowie Schülerinnen suchen ebenso immer gezielter nach Unterrichtsthemen als Video-Version, um die Lerninhalte teilweise besser verstehen zu können (vgl. Schön/Ebner 2013: 12).

Auch im Präsenzunterricht werden Videos immer beliebter bei Lehrkörper, da unter anderem Experimente oder Beispiele gezeigt werden, die entweder in der Schule nicht möglich sind beziehungsweise einen zu hohen Aufwand haben (L: 40-46). Diese Videos bieten zusätzlich Abwechslung zu den trationellen Unterrichtsformen (vgl. Schön/Ebner 2013: 12).

Ebenso der Online-Unterricht mittels Lernvideos nimmt an Bedeutung zu. Bei Blended-Learning-Szenarien- „inverted classroom“ oder „flipped classroom“ -, unter anderem, werden Online-Videos mit dem wichtigsten Inhalt vor der eigentlichen Präsenzzeit bereitgestellt, um davor die Theorie abzuklären, bevor in der Präsenzzeit gezielt auf Fragen und Übungen eingegangen werden kann (vgl. Schön/Ebner 2013: 12).

Es gibt unterschiedliche Präsentationsarten von Lernvideos wie Screencasts und Slidecasts, Legetechnik-Erklärvideos, Tafel- oder Whiteboardanschrift, Vortrag für die Webcam, Aufzeichnungen von Live-Vorträgen und Web-Konferenzen, Trickfilm-Technik, Zeitraffer-Technik, Green-Screen-Technik etc. (vgl. Schön/Ebner 2013: 13-18).

Diese erstellten Lernvideos können auf unterschiedlichen Lern- als auch Internetplattformen vertreten sein. Die größte Videoplattform im Internet ist YouTube.

2.3. YouTube als Plattform des Lernens

YouTube bietet in der heutigen Zeit mehr als das anfängliche Videoportal. Mehr als eine Milliarden Menschen nutzen das Portal in mehr als 88 Länder dieser Welt. YouTube steht insgesamt 76 verschiedenen Sprachen zu Verfügung. Jede Minute werden 300 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen (vgl. Smith 2016: Online).

Das Videoportal YouTube ist ein typisches Phänomen des Web 2.0. Es ermöglicht weltweit Menschen die Mitwirkung an der Plattform, jedoch liegt der Fokus hauptsächlich auf einer Präsentation der Popkultur unter individuellen oder gesellschaftlichen Aspekten (vgl. De Buhr/Tweraser 2010: 71-72).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Schule im Umbruch. Das Konzept "Flipped Classroom"
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Nomadismus digital: Freiheiten des Kommunizierens und Lernens
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V437528
ISBN (eBook)
9783668781207
ISBN (Buch)
9783668781214
Sprache
Deutsch
Schlagworte
normadismus, lernen, Medienpädagogik, medien, neue medien, Schulpädagogik, Pädagogik, flipped classroom
Arbeit zitieren
Karin Bergmann (Autor), 2017, Schule im Umbruch. Das Konzept "Flipped Classroom", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437528

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