In dieser Arbeit wird der Stand der aktuellen Forschung zu Kafkas Kierkegaard-Rezeption und der Bedeutung Kierkegaards für Kafkas Werk kurz dargestellt.
So finden sich im "Landarzt" eindeutige Parallelen zu Sören Kierkegaards "Die Krankheit zum Tode" und aus Tagebüchern und Briefen ist hinreichend belegt, dass Kafka Kierkegaards Werke kannte. Die folgende Arbeit soll daher zeigen, dass sowohl der Landarzt als auch der Junge in "Ein Landarzt" an der Krankheit zum Tode im Sinne Kierkegaards leiden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Forschungsüberblick
III. Kafkas Kierkegaard-Rezeption
IV. Kierkegaards Krankheit zum Tode in Kafkas Ein Landarzt
V. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Parallelen zwischen Franz Kafkas Erzählung „Ein Landarzt“ und Sören Kierkegaards philosophischem Werk „Die Krankheit zum Tode“. Ziel ist es aufzuzeigen, dass sowohl der Landarzt als auch der Patient an der Kierkegaardschen Verzweiflung leiden, einer Krankheit, die nur durch eine Hinwendung zum Christentum geheilt werden kann. Da die Protagonisten jedoch außerhalb des Glaubens stehen, sind ihre Heilungsversuche zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.
- Analyse der Kierkegaard-Rezeption im Werk und Leben von Franz Kafka.
- Untersuchung der „Krankheit zum Tode“ als Verzweiflung im Sinne Kierkegaards.
- Deutung der Wunde und des Arztes als Symbole für existentielle Verzweiflung.
- Kritik an der psychoanalytischen Lesart der Erzählung zugunsten einer philosophischen Interpretation.
- Die Bedeutung von Lichtmetaphorik und Bewusstseinsprozessen in „Ein Landarzt“.
Auszug aus dem Buch
IV. Kierkegaards Krankheit zum Tode in Kafkas Ein Landarzt
Viel wurde bereits über die Krankheit in Kafkas Ein Landarzt geschrieben, in Verbindung mit Kierkegaards Krankheit zum Tode wurde sie jedoch bislang nur von wenigen Autoren gebracht, obwohl sich eindeutige Parallelen zwischen beiden finden. So weisen sowohl der Landarzt als auch der Junge typische Symptome der Kierkegaardschen Krankheit zum Tode auf und ihr Zustand entspricht dem desjenigen, der nach Kierkegaard an der Verzweiflung leidet.
Ebenso passen die Wunde, also die Krankheit des Jungen, sowie die Entwicklung des Arztes in Kierkekaards Beschreibung der Krankheit zum Tode.
Bereits im ersten Satz der Erzählung deutet sich die Verzweiflung des Arztes an, die dann im Laufe der Handlung immer offensichtlicher und damit stärker wird. Er befindet sich „in großer Verlegenheit“, da er dem Ruf eines Schwerkranken nicht Folge leisten kann, weil sein Pferd in der Nacht verendet ist. Zwar versucht er, ein Pferd geliehen zu bekommen, erkennt jedoch bald, dass seine Bemühungen zum Scheitern verurteilt sind: „Es war aussichtslos, ich wußte es“. Es scheint, als ahne der Landarzt bereits die Unmöglichkeit der Heilung des „Schwerkranke[n]“ sowie seiner eigenen Verzweiflung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Notwendigkeit, Kafkas „Landarzt“ jenseits rein psychoanalytischer Lesarten zu interpretieren und führt das zentrale Forschungsthema der Parallelen zu Kierkegaard ein.
II. Forschungsüberblick: Dieses Kapitel gibt einen Abriss der bisherigen Forschung zur Kafka-Kierkegaard-Rezeption und identifiziert die Forschungslücke einer tiefergehenden, textnahen Analyse.
III. Kafkas Kierkegaard-Rezeption: Hier werden Kafkas intensive Auseinandersetzung mit den Werken Kierkegaards sowie seine persönlichen Reflexionen in Tagebüchern und Briefen detailliert nachgezeichnet.
IV. Kierkegaards Krankheit zum Tode in Kafkas Ein Landarzt: Der Hauptteil analysiert konkret die Parallelen zwischen der Erzählung und dem philosophischen Konzept der Verzweiflung, wobei Wunde, Arztfigur und der Verlust des Glaubens als zentrale Elemente hervorgehoben werden.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Heilungsversuche der Charaktere aufgrund des fehlenden religiösen Fundaments zum Scheitern verurteilt bleiben.
Schlüsselwörter
Franz Kafka, Ein Landarzt, Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, Verzweiflung, Existentialismus, Religionsphilosophie, Krankheit, Heilung, Christentum, Bewusstsein, Wunde, Literaturwissenschaft, Interpretation, Glaube
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Verbindungen zwischen Franz Kafkas „Ein Landarzt“ und Sören Kierkegaards Werk „Die Krankheit zum Tode“, um die Erzählung unter einem neuen, existentiellen Blickwinkel zu betrachten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verzweiflung als existentieller Zustand, dem Verlust des Glaubens in der Moderne und der Rolle des Arztes als jemand, der zwar versucht zu heilen, aber an der Unmöglichkeit der Heilung im säkularen Kontext scheitert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die Krankheit, an der die Protagonisten in Kafkas Erzählung leiden, exakt der Kierkegaardschen „Krankheit zum Tode“ entspricht und nur durch eine Hinwendung zum Christentum geheilt werden könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die werksgeschichtliche Kontexte (Tagebücher/Briefe) mit einer komparatistischen Interpretation der Texte von Kafka und Kierkegaard kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Symbole der Erzählung wie das Licht, die Wunde und das Verhalten des Landarztes vor dem Hintergrund von Kierkegaards Definitionen der Verzweiflung und der Bestimmung des Geistes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kafka, Kierkegaard, Verzweiflung, Krankheit, Glaube, Existenzialismus und Interpretation.
Warum scheitert der Landarzt laut der Autorin bei der Heilung des Jungen?
Der Arzt scheitert, weil sowohl er als auch der Junge außerhalb des christlichen Glaubens leben. Kierkegaard sieht jedoch im Christentum die einzige Bedingung, um von der Krankheit zum Tode geheilt zu werden.
Welche Rolle spielt die „Wunde“ in dieser Interpretation?
Die Wunde wird als Symbol für die tief im Selbst verwurzelte, existentielle Verzweiflung interpretiert, die – wie ein Wurm – nicht stirbt und somit ein dauerhaftes Leiden darstellt.
- Citation du texte
- Hannah Mohl (Auteur), 2018, Parallelen zwischen Kafkas "Ein Landarzt" und Kiekegaards "Die Krankheit zum Tode", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438088