Mehr als 2,8 Millionen Menschen waren 2015 in Deutschland pflegebedürftig - Tendenz steigend. Den Hauptgrund für diesen Anstieg liefert der demografische Wandel, im Zuge dessen die Menschen immer älter werden. Künftig wird pflegenden Angehörigen damit eine noch größere Bedeutung in der Pflege zuteil als heute, denn bereits 2015 wurden 71% der pflegebedürftigen Menschen zuhause versorgt.
Mit der immensen Verantwortung als größter informeller Pflege- und Betreuungsdienst der Gesellschaft gehen bei den pflegenden Angehörigen auch hohe Belastungen einher. Beginnend mit der Diagnose einer chronischen Krankheit können sowohl die Bewältigung des Alltags als auch physische Beanspruchungen, das Ausmaß der Pflege, die Erkrankungsdauer sowie die zeitliche Beanspruchung ebenso Stressoren für die Angehörigen darstellen wie die emotionale Belastung, die veränderte Beziehung zu den Pflegebedürftigen, Schuldgefühle, Einsamkeit und Isolation. Aufgrund dieser vielfältigen gesundheitlichen Auswirkungen häuslicher Pflege begeben sich pflegende Angehörige in Gefahr, selbst zu Patienten zu werden. Sie werden daher auch als „hidden patients“ oder „second victims“ bezeichnet.
Aufgrund der starken aktuellen Relevanz der Thematik soll es das Ziel dieser Arbeit sein, konkrete Belastungsfaktoren sowie deren wissenschaftlich belegte Auswirkungen auf pflegende Angehörige zusammenfassend und übersichtlich darzustellen. Hierfür werden zunächst die Tätigkeitsbereiche informell Pflegender skizziert. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden dann sowohl psychische als auch physische Auswirkungen der täglichen Belastungssituation pflegender Angehöriger dargestellt. Nachfolgend wird auf weitere Auswirkungen der Pflegeübernahme eingegangen. Im Rahmen dessen wird geklärt, ob aus der zeitlichen Einbindung pflegender Angehöriger berufliche Einschränkungen und/oder finanzielle Einbußen resultieren. Abschließend wird die Geschlechterverteilung pflegender Angehöriger dargestellt. Hierbei wird auch auf geschlechterspezifische Unterschiede bei der Belastungsempfindung sowie den Auswirkungen der Belastung eingegangen. Dies erfolgt, da es für die im Fazit dargestellten möglichen, zukünftigen Implikationen von Bedeutung ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Herausforderungen des Pflegealltags
2 Psychische Auswirkungen der häuslichen Pflege auf pflegende Angehörige
3 Physische Auswirkungen der häuslichen Pflege auf pflegende Angehörige
4 Weitere Auswirkungen der Pflege auf pflegende Angehörige
4.1 Der Faktor Zeit
4.2 Auswirkungen auf das Berufsleben pflegender Angehöriger
4.3 Finanzielle Belastung pflegender Angehöriger
5 Geschlechterspezifische Unterschiede
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die vielfältigen Belastungsfaktoren und deren wissenschaftlich belegte gesundheitliche Auswirkungen auf pflegende Angehörige zusammenfassend darzustellen, um die Relevanz einer besseren Unterstützung für diese Personengruppe zu verdeutlichen.
- Physische und psychische Gesundheitsfolgen für pflegende Angehörige
- Die Rolle zeitlicher Beanspruchung und deren Auswirkungen auf das Berufsleben
- Finanzielle Belastungen und private Zufinanzierung
- Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Belastungsempfindung
- Notwendigkeit politischer und gesellschaftlicher Unterstützungsangebote
Auszug aus dem Buch
3 Physische Auswirkungen der häuslichen Pflege auf pflegende Angehörige
Die körperliche Belastung, die die Pflege eines Angehörigen mit sich bringt ist nicht zu unterschätzen. Je nachdem wie agil und beweglich die zu pflegende Person ist, kann dessen Pflege sehr anstrengend sein und einen großen Kraftaufwand bedeuten. Pflegende Angehörige müssen der betroffenen Person beispielsweise aus dem Bett helfen, sie stützen oder lagern, also die Liegeposition ändern. Aus diesem Grund kommt es bei pflegenden Angehörigen häufig auch zu physiologischen Beschwerden. Diese physischen Auswirkungen der Belastung auf den Körper der Pflegenden äußern sich dadurch, dass die Funktionen der meisten Zellen und Organe des Körpers betroffen sind, wie Gehirn, Herz, Atmungssystem, Muskeln, Haut, Leber, Magen-Darm-Trakt und vor allem auch das Immunsystem.
Studien bezeichnen dies als physiologisches „Burn-out“, welches oftmals von einem psychologischem Burn-out begleitet wird. Zudem wurde festgestellt, dass pflegende Angehörige von Krebs-Patienten häufig ein Ungleichgewicht des autonomen Nervensystems aufweisen. Pflegende von Demenz-Patienten zeigen hingegen eher ein höheres Herzinfarktrisiko aufgrund erhöhten Blutdrucks. Desweiteren weisen pflegende Angehörige von Alzheimer-Patienten ein erhöhtes Infektionsrisiko und einen geringeren Impfschutz, eine verlangsamte Wundheilung, beschleunigtes Krebswachstum sowie beschleunigtes chromosomales Altern auf. Diese Gegebenheiten werden nicht durch Stress ausgelöst, können aber durch den Einfluss von Stresshormonen und Neurotransmittern die Krankheitsprozesse und Immunantworten beschleunigen. Weiterhin kann chronischer Stress Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und ein Stoffwechselsyndrom auslösen, welches durch Fettleibigkeit, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin sowie Depression zum Ausdruck kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung skizziert die wachsende Bedeutung häuslicher Pflege durch Angehörige und führt in die gesundheitliche sowie soziale Problematik ein, die diese Aufgabe für Pflegende mit sich bringt.
1 Herausforderungen des Pflegealltags: Dieses Kapitel erläutert die vielfältigen täglichen Verrichtungen, die pflegende Angehörige leisten müssen, und verdeutlicht, warum diese Tätigkeiten eine hohe physische und psychische Belastung darstellen.
2 Psychische Auswirkungen der häuslichen Pflege auf pflegende Angehörige: Hier werden Studien analysiert, die belegen, dass pflegende Angehörige signifikant häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Stresssymptomen und Burn-out leiden als die Vergleichsbevölkerung.
3 Physische Auswirkungen der häuslichen Pflege auf pflegende Angehörige: Dieses Kapitel behandelt die körperlichen Folgen, von Muskel-Skelett-Erkrankungen bis hin zu systemischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die durch die physische Anstrengung der Pflege entstehen.
4 Weitere Auswirkungen der Pflege auf pflegende Angehörige: Dieses Kapitel befasst sich mit den sekundären Belastungsfaktoren, insbesondere dem hohen Zeitaufwand, den damit verbundenen Einschränkungen im Berufsleben sowie den finanziellen Einbußen.
5 Geschlechterspezifische Unterschiede: Diese Sektion untersucht die Rollenverteilung in der Pflege und zeigt auf, dass Frauen und Männer unterschiedliche Bewältigungsmechanismen sowie unterschiedliche Belastungsempfindungen aufweisen.
Fazit: Das Fazit fasst die gesundheitlichen Risiken zusammen und betont die dringende Notwendigkeit für verbesserte politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, um pflegende Angehörige zu entlasten.
Schlüsselwörter
häusliche Pflege, pflegende Angehörige, psychische Belastung, körperliche Gesundheit, Burn-out, Depressionen, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Zeitaufwand, soziale Isolation, Geschlechterrollen, Stressoren, Pflegestärkungsgesetz, informelle Pflege, Lebensqualität, Mortalitätsrisiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Auswirkungen, die die häusliche Pflege von Angehörigen für die pflegenden Personen selbst mit sich bringt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die psychische und physische Belastung durch Pflegetätigkeiten, die zeitliche Einbindung, Auswirkungen auf das Berufsleben sowie geschlechterspezifische Unterschiede in der Bewältigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Belastungsfaktoren informell Pflegender und deren wissenschaftlich belegte Auswirkungen übersichtlich zusammenzufassen, um die Notwendigkeit unterstützender Maßnahmen zu unterstreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Studien und Berichte zu den Auswirkungen häuslicher Pflege ausgewertet und in einen systematischen Kontext gebracht wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der täglichen Pflegeherausforderungen, der psychischen Folgen, der physischen Beschwerden sowie der beruflichen und finanziellen Konsequenzen für die Pflegenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie häusliche Pflege, Burn-out, pflegende Angehörige, soziale Isolation, finanzielle Belastung und Vereinbarkeit von Beruf und Pflege definiert.
Was bedeutet der Begriff "hidden patients" in diesem Kontext?
Dieser Begriff beschreibt, dass pflegende Angehörige durch die hohe Belastung der Pflegetätigkeit selbst Gefahr laufen, krank zu werden und somit zu Patienten des Gesundheitssystems zu werden.
Warum spielt das Geschlecht eine Rolle bei der Pflegebelastung?
Studien zeigen, dass Frauen zwar den Großteil der Pflege leisten, aber psychische Belastungen häufig anders erleben als Männer, die wiederum schneller zu einer Heimunterbringung tendieren.
Welchen Einfluss hat die Art der Erkrankung des Pflegebedürftigen auf die Belastung?
Die Pflege von Menschen mit Demenz oder Krebs im fortgeschrittenen Stadium wird meist als deutlich belastender eingestuft als die Pflege körperlich gebrechlicher Menschen, da sie oft mit Verhaltensänderungen und höherem Stress einhergeht.
- Citar trabajo
- B.Ed. Franziska Dürrschmidt (Autor), 2018, Wenn Pflege krank macht. Auswirkungen häuslicher Pflege auf pflegende Angehörige, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438164