Diese Arbeit soll sich aus politikwissenschaftlicher Sicht mit der Frage befassen, warum es in Estland zu der Entscheidung kam die öffentliche Verwaltung zu reformieren und zu digitalisieren. Die Forschungsfrage lautet dementsprechend: Inwiefern kann der Multiple-Stream Ansatz nach John W. Kingdon die Digitalisierung der estnischen Verwaltung und Gesellschaft erklären?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Multiple-Stream Ansatz nach John W. Kingdon
2.1 Darstellung des Multiple-Stream Ansatzes
2.1.1 Die Grundannahmen
2.1.2 Entscheidungssituationen in den drei Strömen
2.1.3 Öffnung eines Policy-Fenster und möglicher Agendawandel
2.2 Kritische Auseinandersetzung mit dem Multiple-Streams Ansatz
2.2.1 Zur Unabhängigkeit der Ströme
2.2.2 Falsifizierbarkeit des Ansatzes
3. Anwendung des Multiple-Stream Ansatzes auf das Fallbeispiel Estland
3.1 Die drei Ströme in Estland
3.1.1 Der Problem-Strom am Anwendungsbeispiel Estland
3.1.2 Der Politics-Strom am Anwendungsbeispiel Estland
3.1.3 Der Policy-Strom am Anwendungsbeispiel Estland
3.2 Verknüpfung der Ströme und Entstehung eines Policy-Fenster zur Implementierung der Digitalisierungspolitik im Fallbeispiel Estland
4. Der Fall Estland - Ansatzproblem oder empirische Wirklichkeit: Eine Debatte der Ergebnisse der Anwendung des MSA auf das Fallbeispiel
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht politikwissenschaftlich die Ursachen für die Entscheidung Estlands, seine öffentliche Verwaltung seit den 1990er Jahren umfassend zu reformieren und zu digitalisieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern der Multiple-Streams Ansatz nach John W. Kingdon diesen Prozess erklären kann.
- Analyse des Multiple-Streams Ansatzes (MSA) nach John W. Kingdon
- Theoretische Auseinandersetzung mit der Kritik am MSA
- Anwendung der drei Ströme (Problem-, Politics- und Policy-Strom) auf das Fallbeispiel Estland
- Diskussion der Eignung des MSA zur Erklärung des estnischen Digitalisierungserfolgs
- Debatte über die empirische Validität versus der theoretischen Grenzen des Modells
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Grundannahmen
Der Multiple-Stream Ansatz basiert auf dem Gedanken, dass Organisationen „organisierte Anarchien“ im Sinne des „garbage can model of choice“ nach Cohen/March/Olsen aus dem Jahr 1972 sind (Kingdon, 2014, S. 84-86). Außerdem gibt es drei weitere Grundannahmen: Erstens, dass Organisationen ihre Aufmerksamkeit (im Gegensatz zu Menschen) aufteilen können; zweitens, dass Entscheidungsträger unter Zeitdruck Entscheidungen fällen müssen; drittens, dass die drei durch das System fließenden Ströme unabhängig voneinander sind (Zahariadis, 2003, S. 5-7).
Zunächst eine kurze Erläuterung zu der wichtigsten Grundlage: Organisierte Anarchie - also Organisationen wie Universitäten, Verwaltungen oder Regierungen - besteht aus folgenden Elementen: problematische Präferenzen, unklare Technologien und einem wechselnden Teilnehmerkreis (Zahariadis, 2007, S. 67). Unter dem Begriff „Problematische Präferenzen“ versteht man eine durch die Akteure mehrdeutig interpretierbare Entscheidungssituation. Den Akteuren ist das Problem nicht klar ersichtlich und damit ist seine Lösung nicht einfach gegeben. Auch ein mehr an Informationen vermag diesen Zustand nicht zu lösen. Die Vieldeutigkeit der Situation bliebe weiterhin bestehen. (Zahariadis, 2003, S. 3f) Muss beispielsweise darüber entschieden werden, ob die Währung unterschiedlicher Länder zusammengefasst wird ohne eindeutige Informationen über die positiven oder negativen Folgen, handelt es sich um eine solche „ambigue“ Entscheidungssituation (Wu, Zhang, & Gonzalez, 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsinteresse, die zentrale Fragestellung zur Digitalisierung Estlands und das methodische Vorgehen dar.
2. Der Multiple-Stream Ansatz nach John W. Kingdon: Hier erfolgt eine theoretische Einführung in den Multiple-Streams Ansatz sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Kernannahmen.
3. Anwendung des Multiple-Stream Ansatzes auf das Fallbeispiel Estland: In diesem Kapitel werden die theoretischen Ströme des MSA konkret auf den Digitalisierungsprozess in Estland angewendet.
4. Der Fall Estland - Ansatzproblem oder empirische Wirklichkeit: Eine Debatte der Ergebnisse der Anwendung des MSA auf das Fallbeispiel: Dieses Kapitel diskutiert die Ergebnisse der Analyse und hinterfragt kritisch, ob die beobachteten Phänomene das Modell bestätigen oder dessen Grenzen aufzeigen.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Eignung des MSA zur Untersuchung des estnischen Falls.
Schlüsselwörter
Multiple-Streams Ansatz, John W. Kingdon, Digitalisierungspolitik, Estland, e-Government, Agenda-Setting, Policy-Fenster, Policy-Entrepreneur, Entscheidungsprozesse, Verwaltung, Reform, Theorieanwendung, Garbage-Can-Modell, Politikanalyse, Politikwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert politikwissenschaftlich, warum und wie Estland nach seiner Unabhängigkeit den Prozess einer umfassenden Digitalisierung seiner Verwaltung initiierte und erfolgreich umsetzte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Agenda-Setting, die Digitalisierungspolitik, Verwaltungsinnovationen im Baltikum und die Anwendung des theoretischen Modells der Multiple-Streams.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern der Multiple-Streams Ansatz nach John W. Kingdon den Erfolg der Digitalisierung der estnischen Verwaltung und Gesellschaft erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Methodisch wurde eine Sekundäranalyse nach dem Schneeballverfahren durchgeführt, um Informationen für die Beantwortung der Forschungsfrage zu generieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Multiple-Streams Ansatzes inklusive seiner Kritik sowie die empirische Anwendung dieses Ansatzes auf das Fallbeispiel Estland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Multiple-Streams Ansatz, Digitalisierungspolitik, Estland, Policy-Fenster und Agenda-Setting charakterisiert.
Warum ist das Fallbeispiel Estland für den Multiple-Streams Ansatz besonders?
Estland ist aufgrund seines rasanten digitalen Wandels seit der Unabhängigkeit 1991 ein ideales, aber auch herausforderndes Testfeld für Agendawandel-Theorien.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Modells?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Multiple-Streams Ansatz zwar ein nützliches Rahmenwerk für den Einstieg bietet, für eine tiefgehende Analyse der estnischen Digitalisierung aber an seine Grenzen stößt.
- Citation du texte
- Georg Mastorikou (Auteur), 2018, Die digitale Regierungsagenda in Estland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439359