n der heutigen Zeit beschleicht die Bürger (nicht nur) unseres Staates immer öfters das Gefühl, als ob politisches Handeln immer mehr aus bloßen Phrasen, Polemiken und Unterstellungen besteht. Hieraus entsteht - vor allem vor dem politischen Hintergrund der letzten Jahre - vermehrt die Forderung, dass sich die Politik(er) wieder verstärkt der Bewertung von Fragestellungen aus ethischer Sicht annehmen sollte(n). Gerade im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen, wie neuartige Formen der Kriegsführung und Terrorismus, Ethikkommissionen, die wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen, Genforschung sowie technischem und medizinischem Fortschritt etc. könnte und sollte ein vermehrtes Interesse entstehen, politische Fragestellungen eingehender unter ethischen Aspekten zu betrachten.
In diesem Sinne beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, was Politik und Ethik in der heutigen Zeit überhaupt (noch) verbindet, ob und inwiefern man heutzutage ethische Überlegungen überhaupt noch in politische Entscheidungsfindung mit einfließen lassen kann und auch tatsächlich einfließen lässt. Es wird der Fragestellung nachgegangen, inwiefern sich angesichts neuester politischer Entwicklungen die Politik des 21. Jahrhunderts der Ethik noch verpflichtet fühlt bzw. sich überhaupt noch an ethischen Maßstäben orientiert oder ob die Politik prinzipiell losgelöst von ethischen Zielen handelt und auch handeln kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Klassifizierung der politischen Ethik
2.1. Begriffsbestimmung
2.1.1. Ethik
2.1.2. Politik und Staat
2.2. Die Stellung der Staatsethik im Rahmen des ethischen Gesamtkonzepts
3. Die Bedeutung der Ethik für die politische Praxis des Staates
3.1. Die historische Entwicklung des Verhältnisses von Politik und Ethik
3.2. Die Bedeutung politischer Praxis im Zeitalter funktional differenzierter Gesellschaften
3.2.1. Die (Werte-)Pluralität der modernen Gesellschaft
3.2.2. Politische Institutionen und kollektives Handeln
3.2.3. Politik zwischen Macht und Moral
4. Ziele der Politik und Grenzen der Staatsethik
4.1. Politisches Handeln in der Praxis und dessen ethische Bewertung
4.2. Ethische Konflikte politischer Praxis
4.2.1. Der Konflikt zwischen technischem Fortschritt/ medizinischen Möglichkeiten und ethischen Grundfragen
4.2.2. Kriegsführung
5. Diskussion der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen politischer Realität und ethischen Werten in modernen Gesellschaften. Das primäre Ziel ist es, die Frage zu klären, inwieweit Politik heute noch moralisch verpflichtend ist oder ob sie prinzipiell losgelöst von ethischen Zielen handelt.
- Historische Entwicklung des Verhältnisses von Politik und Ethik
- Die Rolle der Staatsethik im Kontext funktional differenzierter Gesellschaften
- Unterscheidung zwischen individuellem und kollektivem Handeln
- Umgang mit ethischen Dilemmata in der politischen Praxis, etwa bei technologischem Fortschritt oder Kriegsführung
Auszug aus dem Buch
3.2.3. Politik zwischen Macht und Moral
Wie bereits im Rahmen der Ausführungen zu der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Politik und Moral in Kapitel 3.1 dargestellt, geht seit der Neuzeit die enge Beziehung zwischen Ethik und Politik nach und nach verloren. „An die Stelle der Idee der Gerechtigkeit tritt das Prinzip der Gewalt im Kampf um die Macht.“61 Dies äußert sich vor allem in der Vorstellung, dass in Angelegenheiten, die die Staatsgeschäfte betreffen, die Zwecke der Staatszielbegründung und -verfolgung den unbedingten Vorrang vor ethischen Gesichtspunkten und der Freiheit des einzelnen haben. „Moralität […] (wird hierdurch) in den Bereich des Privaten abgedrängt […], der politisch völlig irrelevant ist.“62
Weithin gilt vielerorts und in den Köpfen des größten Teils der Bürger die „Politik als schmutziges Geschäft,“63 wobei die Skepsis vorwiegend den einzelnen Politikern gegenüber ausgesprochen wird. Paradox ist daran, dass man hierbei insbesondere den Menschen misstraut (misstrauen muss?), welche aufgrund ihrer Position als Politiker gerade für das Gemeinwohl verantwortlich sind. Man sollte also der Frage nachgehen, woher diese Skepsis stammt und ob tatsächlich begründet werden kann, “dass das unmittelbare Ziel politischen Handelns selten das Gemeinwohl, umso öfter die Erhaltung und Erweiterung der eigenen Macht ist.“64
Allerdings stellt sich die Frage, ob über den moralisch richtigen Gebrauch von Macht überhaupt begründete Urteile abgegeben werden können. Zumindest sollte ein guter Politiker neben der Ausstattung mit Macht „auch über das Reservoir der anderen, nicht mit Zwang ausgestatteten Mittel (insbesondere über ein ausgeprägtes ethisches Verständnis) verfügen,“65 um zur Erfüllung der wesentlichsten Aufgabe der Politik beizutragen, nämlich „die Gesellschaft als ein System der friedlichen Kooperation zu erhalten“66
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Die Arbeit thematisiert die zunehmende Entfremdung zwischen Politik und ethischen Werten sowie die daraus resultierende gesellschaftliche Skepsis.
2. Klassifizierung der politischen Ethik: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe Ethik, Politik und Staat sowie deren Einordnung in ein ethisches Gesamtkonzept.
3. Die Bedeutung der Ethik für die politische Praxis des Staates: Hier wird der historische Wandel des Politik-Ethik-Verhältnisses analysiert und die Komplexität politischen Handelns in modernen, differenzierten Gesellschaften beleuchtet.
4. Ziele der Politik und Grenzen der Staatsethik: Anhand konkreter Problemfelder wie Gentechnologie und Kriegsführung werden ethische Konflikte der heutigen politischen Praxis aufgezeigt.
5. Diskussion der Ergebnisse und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Politik und Ethik einander nicht ausschließen, jedoch ethische Maßstäbe in der heutigen Politik gegen andere Sachzwänge abgewogen werden müssen.
Schlüsselwörter
Staatsethik, Politische Ethik, Politik, Moral, Gemeinwohl, Macht, Kollektives Handeln, Demokratischer Konsens, Wertepluralität, Ethische Konflikte, Verantwortungsbegriff, Institutionelle Ethik, Machtmissbrauch, Politische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen politischer Realität und moralisch-ethischen Wertvorstellungen im 21. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition politischer Ethik, den Wandel des Verhältnisses von Politik und Moral, kollektives Handeln und den Umgang mit ethischen Konflikten in der Praxis.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob es eine Brücke zwischen politischer Realität und ethischen Werten gibt und ob Politik zwangsläufig ein „schmutziges Geschäft“ ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen moralphilosophischer Konzepte auf die heutige politische Praxis anwendet.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, die Herausforderungen durch gesellschaftliche Pluralität sowie die moralischen Dilemmata, mit denen Politiker in konkreten Konfliktsituationen konfrontiert sind.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch den Fokus auf die notwendigen Kompromisse in einer modernen, komplexen Welt aus, in der ethische Ideale oft gegen andere staatliche Notwendigkeiten abgewogen werden müssen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen individuellem und politischem Handeln?
Politik wird als „kollektive Handlung“ innerhalb von Organisationen definiert, die einer anderen Logik unterliegt als das Handeln einer Privatperson, da sie für das Gemeinwohl verantwortlich ist.
Wie beurteilt die Arbeit den Einfluss des technischen Fortschritts?
Der technische Fortschritt stellt die Politik vor ungelöste ethische Fragen (z. B. Stammzellenforschung), bei denen oft ein Konflikt zwischen moralischer Zurückhaltung und globaler Wettbewerbsfähigkeit entsteht.
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- Tanja Lorenz (Author), 2004, Staatsethik. Gibt es eine Brücke zw. politischer Realität und ethischen Werten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43957