In der vorliegenden Masterarbeit soll theoretisch untersucht werden, ob ein studienbedingter Wohnortwechsel Auswirkungen auf die psychosoziale Entwicklung von Menschen in der Adoleszenz hat. Das besondere Interesse der Untersuchung kommt hierbei den 17- bis 21-jährigen Adoleszent_innen zu, da diese aufgrund ihrer Wesensmerkmale eine Vielzahl an Berührungspunkten zwischen den Themenkomplexen Adoleszenz und Studieneingangsphase bieten und den überwiegenden Teil der betroffenen Gruppe ausmachen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund Adoleszenz
2.1 Begriffsbestimmung Adoleszenz
2.2 Phasen der Adoleszenz
2.2.1 Vorpubertät und Pubertät
2.2.2 Frühe Adoleszenz
2.2.3 Späte Adoleszenz und junge Erwachsene
Exkurs: Physiologische Aspekte von Adoleszenz
3. Theoretischer Hintergrund adoleszenter Persönlichkeitsentwicklung
3.1 Psychologische Theorie der Adoleszenz
3.1.1 Begriffsbestimmung Identität
3.1.2 Identitätsbildung in der Adoleszenz nach Erik H. Erikson
3.1.3 Identität nach Heiner Keupp
3.1.4 Psychologische Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz nach Robert J. Havighurst
3.2 Soziologische Theorie der Adoleszenz
3.2.1 Lebenswelten als Sozialisationsfunktionen
3.2.1.1 Ablösung vom Elternhaus und Beziehungen unter Gleichaltrigen
3.2.1.2 Freizeit und Konsum
3.2.1.3 Werteorientierung und politisches Bewusstsein
3.3 Adoleszenz aus sozialisationstheoretischer Sicht nach Vera King
3.3.1 Begriffsbestimmung Individuation und Generativität
3.3.1.1 Familie
3.3.1.2 Körper
3.3.1.3 Jugendkultureller Raum
4. Die spätmoderne Gesellschaft und ihre Anforderungen an das Individuum
5. Kritische Lebensereignisse
6. Stress und psychologische Stresstheorie
6.1 Das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus
6.2 Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura
7. Theoretischer Hintergrund Sozialraum Hochschule
7.1 Begriffsbestimmung Sozialraum
7.2 Sozialraum Hochschule
7.3 Begriffsbestimmung Statuspassage
7.3.1 Statuspassage Studienbeginn
7.3.2 Der Studienbeginn als kritisches Lebensereignis
7.3.3 Rechtsgrundlage für den Umgang mit minderjährigen Student_innen
8. Theoretischer Hintergrund des studienbedingten Wohnortwechsels
Exkurs: Mobilität
8.1 Psychosoziale Auswirkungen eines Wohnortwechsels
8.2 Gründe für einen studienbedingten Wohnortwechsel
8.3 Finden der geeigneten Wohnform
9. Untersuchung der Grundannahmen
9.1 Ablösung vom Elternhaus und Beziehungen unter Gleichaltrigen
9.2 Freizeit und Konsum
9.3 Werteorientierung und politisches Bewusstsein
10. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht theoretisch, ob ein studienbedingter Wohnortwechsel Auswirkungen auf die psychosoziale Entwicklung von jungen Menschen zwischen 17 und 21 Jahren hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Übergang in die Studieneingangsphase in Verbindung mit einem Umzug als kritisches Lebensereignis und dessen Bewältigung identitätsbildend auf die Adoleszent_innen wirkt.
- Adoleszenz und Identitätsentwicklung
- Studienbeginn als kritische Lebensphase
- Psychosoziale Auswirkungen von Wohnortwechseln
- Rolle von sozialen Netzwerken und Peers
- Bewältigungsstrategien und Selbstwirksamkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Identitätsbildung nach Erik H. Erikson
Erik H. Erikson verbindet Freuds psychoanalytische Theorie der Persönlichkeitsentwicklung mit einer psychosozialen Entwicklungstheorie. Aufbauend auf Freuds Konzept über bewusste und unbewusste Vorgänge in der menschlichen Psyche betrachtet er die Identitätsbildung aus einer sozialen Perspektive. Erikson ist der Auffassung, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen lebenslang entwickelt und sich Identität aus dem Erlebten der Vergangenheit, zwischenmenschlichen Beziehungen und den subjektiven Erwartungen der Person an die Zukunft bildet. „Identität ist […] nicht die Summe der Kindheitsidentifikationen, sondern […] eine neue Kombination alter und neuer Identifikationsfragmente“ (Abels & König 2010, S. 142). Somit geht Erikson anders als Freud nicht von einer grundlegenden Festlegung der Persönlichkeit in der Kindheit aus (vgl. ebd., S. 137).
Nach Eriksons Theorie ist die Jugendphase als eine der wichtigsten Umbildungen im Leben eines Menschen zu betrachten, da hier die Grundlagen für die Entfaltung einer individuellen Persönlichkeit gebildet werden (vgl. Hurrelmann 2007, S. 30). Er bezeichnet die Adoleszenz als jenes Stadium, in dem der_die Heranwachsende sei ne_ihre individuelle Rolle in der Gesellschaft finden muss. Im Allgemeinen steht dem_der Adoleszent_in dabei eine Zeit des Ausprobierens zur Verfügung, welche als „psychosoziales Moratorium“ (Erikson 1980, S. 23) betitelt wird. Die Aussagen Eriksons über die Entwicklung der Identität sind stets als „Erklärung der psychosozialen Entwicklung in einer konkreten Gesellschaft“ (Abels & König 2010, S. 138) zu verstehen. Identität entsteht demnach nicht aus sich selbst, sondern bedarf sozialer und kultureller Bedingungen. Die Suche nach der individuellen Persönlichkeit ist gekennzeichnet durch das Verhältnis zwischen subjektiver Eigenwahrnehmung und Beobachtungen von außen, welche oftmals nicht deckungsgleich sind (vgl. ebd., S. 137f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der psychosozialen Entwicklung von Studienanfängern im Kontext eines studienbedingten Wohnortwechsels.
2. Theoretischer Hintergrund Adoleszenz: Definition des Adoleszenzbegriffs und Einordnung in verschiedene lebenszyklische Phasen.
3. Theoretischer Hintergrund adoleszenter Persönlichkeitsentwicklung: Darstellung psychologischer und soziologischer Theorien zur Identitätsfindung, unter anderem nach Erikson und Keupp.
4. Die spätmoderne Gesellschaft und ihre Anforderungen an das Individuum: Analyse der gesellschaftlichen Transformationsprozesse und deren Auswirkungen auf die individuelle Lebensgestaltung.
5. Kritische Lebensereignisse: Theoretische Erläuterung des Konzepts kritischer Lebensereignisse als Störfaktoren im Lebensalltag.
6. Stress und psychologische Stresstheorie: Betrachtung des transaktionalen Stressmodells und der Rolle der Selbstwirksamkeit.
7. Theoretischer Hintergrund Sozialraum Hochschule: Untersuchung der Hochschule als Sozialraum und des Studienbeginns als spezifische Statuspassage.
8. Theoretischer Hintergrund des studienbedingten Wohnortwechsels: Analyse der Mobilitätsthematik sowie psychosozialer Folgen und Gründe für den Umzug.
9. Untersuchung der Grundannahmen: Systematische Analyse der eingangs formulierten Thesen im Abgleich mit der wissenschaftlichen Literatur.
10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Identitätsbildung, Wohnortwechsel, Studienbeginn, Statuspassage, Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Psychosoziale Auswirkungen, Selbstwirksamkeit, Soziale Netzwerke, Entwicklungsaufgaben, Lebenswelten, Mobilität, Kritische Lebensereignisse, Identitätskrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich ein studienbedingter Wohnortwechsel auf die psychosoziale Entwicklung von adoleszenten Studienanfängern auswirkt.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Adoleszenztheorie, der Prozess der Identitätsbildung, die Soziologie der Lebenswelten sowie der Studienbeginn als kritisches Lebensereignis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis theoretischer Literatur zu analysieren, ob ein Wohnortwechsel im Rahmen des Studienantritts spezifische Herausforderungen oder psychosoziale Belastungen für junge Erwachsene mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die einschlägige psychologische und soziologische Fachliteratur sowie empirische Studien analysiert und verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Adoleszenz und Persönlichkeitsentwicklung, eine Analyse gesellschaftlicher Anforderungen, eine Auseinandersetzung mit Stressmodellen und die spezifische Betrachtung des Sozialraums Hochschule und des Wohnortwechsels.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adoleszenz, Identitätsbildung, Statuspassage, Wohnortwechsel, Selbstwirksamkeit und Sozialisation.
Welche Rolle spielt die "Statuspassage" für Studienanfänger?
Die Statuspassage beschreibt den Übergang von der Schule in die Hochschule, welcher mit einem Rollenwandel und der Notwendigkeit einer neuen persönlichen und sozialen Orientierung verbunden ist.
Wie beeinflusst der Wohnortwechsel die Identitätsentwicklung?
Der Wohnortwechsel kann einerseits als Chance zur Reifung und Autonomie gesehen werden, andererseits birgt er Risiken durch den Verlust vertrauter Netzwerke, was eine Phase der Orientierungslosigkeit oder Identitätsdiffusion auslösen kann.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2016, Auswirkungen eines studienbedingten Wohnortwechsels auf die psychosoziale Entwicklung von adoleszenten Studienanfänger_innen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/440832