Die Validität von Einstellungsmessungen zu abweichendem Verhalten

Untersuchung zur Dimensionalität der Performance Enhancement Attitude Scale (PEAS)


Bachelorarbeit, 2018

51 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einstellung und Verhalten zum Thema Doping
2.1 Abweichendes Verhalten
2.2 Definition Doping
2.3 Dopingverhalten im Freizeit- und Breitensport
2.4 Forschungsstand

3 Fragestellung

4 Konzeption und Methode
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Durchführung
4.2.1 Modellspezifikation
4.2.2 Modellidentifikation
4.2.3 Schätzmethoden
4.2.4 Modellgüte/Modelltestung

5 Ergebnisse

6 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Die folgende Arbeit zur „Validität von Einstellungsmessungen zu abweichenden Verhalten – Untersuchungen zur Dimensionalität der Performance Enhancement Attitude Scale (PEAS)“ untersucht in erster Linie einzelne Skalen, die zur Messung der Einstellung aktiver Sportler zum Thema Doping verwendet wurden. Neben der Überprüfung der Dimensionalität dieser Skalen wird weiterführend untersucht, ob die PEAS nur die Einstellung zum Thema Doping misst, oder ob andere Dimensionen in der Skala vorkommen. Außerdem soll anhand der Ergebnisse deutlich werden, welche der einzelnen Skalen für die Messung der Einstellung zum Thema Doping in späteren Studien verwendet werden kann.

Die Erhebung der Daten wurde mithilfe von einer Online-Umfrage an US-amerikanischen Radsportlern erhoben, an der insgesamt über 3700 Athleten aus verschiedenen Disziplinen, Alterskategorien und Leistungsniveaus teilgenommen haben. Anhand dieser Daten wurde im weiteren Verlauf der Arbeit eine konfirmatorische Faktorenanalyse an den einzelnen Skalen durchgeführt. Die daraus resultierenden Modell-Fits zeigen, welche der drei Skalen für die Einstellungsmessung geeignet ist, und ob möglicherweise mehrere Dimensionen in den Skalen vorzufinden sind.

Die Ergebnisse bestätigten die Annahme, dass die PEAS keine eindimensionale Skala zur Einstellungsmessung zu abweichenden Verhalten darstellt. Jedoch verbesserten sich die Modell-Fit-Ergebnisse leicht, wenn man verschiedene Items/Fragen aus der Skala entnimmt. Dies eröffnet die Möglichkeit, die PEAS trotzdem anzuwenden, wenn man Modifikationen an den einzelnen Skalen vornimmt.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilung Geburtsjahr

Abbildung 2: Verteilung Lizenz-Kategorie

Abbildung 3: Verteilung Disziplinen

Abbildung 4: Modellspezifikation der 17-Item PEAS (Petróczi & Aidman, 2009)

Abbildung 5: Modellspezifikation der 8-Item PEAS (Vargo et al., 2015)

Abbildung 6: Modellspezifikation der 6-Item PEAS (Elbe & Brand, 2016)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich zwischen spanischen Radfahrerinnen und Triathletinnen anhand von der PEAS*

Tabelle 2: Zusammenhänge zwischen der PEAS und persönlichen Eigenschaften

Tabelle 3: Modell-Fit Indizes der konfirmatorischen Faktorenanalyse der einzelnen Altersklassen

Tabelle 4: Häufigkeiten Geschlecht

Tabelle 5: Fehlende Werte

Tabelle 6: Häufigkeiten Geburtsjahr

Tabelle 7: Häufigkeiten Lizenz-Kategorie

Tabelle 8: Häufigkeiten Disziplinen

Tabelle 9: Modell Fit Indizes der CFA

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In Deutschland gibt es 90.000 Sportvereine (Deutscher Olympischer Sportbund, 2016) mit rund 28 Millionen Mitgliedschaften (Breuer, 2013). Dazu kommen noch zahlreiche Sportler, die nicht in Vereinen registriert sind und ihre sportliche Betätigung in Eigenregie durchführen. Laut dem BDR (Bund Deutscher Radfahrer e.V.) betreiben alleine in Deutschland 45 Millionen Bürgerinnen und Bürger regelmäßig Radsport. Diese verteilen sich auf alle Altersgruppen, Leistungsniveaus und alle erdenklichen Radsportkategorien, wie z.B. im Leistungssport (Radrennsport auf Straße und Bahn, BMX oder Mountain-Bike), aber auch im Breiten- und Freizeitsport (Radwanderungen, Radtouren oder Country-Touren). Hundertfünfzigtausend von ihnen vertreten 2500 Vereine in Deutschland. (Wolf, 2017)

Da es sich hierbei um eine Ausdauersportart handelt, ist das Interesse der Dopingforschung an dieser Sparte generell sehr groß und zudem sowohl im Leistungssport, wo Doping als allgegenwertiges Problem auftritt, als auch im Freizeitsport. In diesem Bereich wird das sogenannte „Doping“ aber eher als Substanzgebrauch/-konsum beschrieben. Eine Studie über die Einschätzung des Dopingproblems, außerhalb des Spitzensports, in Deutschland belegt, dass 68% der Befragten (N: 674) der Aussage zustimmen, dass Doping im Breitensport ein Problem darstellt. 15% der Befragten geben an, dass sie Personen kennen, die verbotene Substanzen einnehmen (Melchinger, Schwetje & Wiegmann, 1997).

Wenn man die Begriffe Radsport und Doping hört, denken Radsport affine Personen an Einzelfälle, wie z.B. an den Skandal um Lance Armstrong. Die Dopingfälle von Puerto (2006) und Lance Armstrong (2012) sind prägnante Beispiele für den illegalen Substanzgebrauch im Radsport und legen das Problem des Dopings offen dar. Vor allem Lance Armstrong hat die Thematik des Dopings sichtlich geprägt. Er versuchte, sich mit der Aussage „Das war die Kultur“ (Morente-Sánchez et al., 2013, S.45) zu verteidigen. Wenn man diese Aussage als Pauschalisierung sieht, macht dies ein erhebliches Problem in der Grundeinstellung der gesamten Radsport Sparte (Leistungssport & Freizeitsport) deutlich. Dieses Problem wurde unter anderem in der folgenden Arbeit mit Hilfe von Datensätzen von US-Amerikanischen Amateur Radsportlern näher untersucht. Anhand eines Fragebogens wurden Amateur Radsportler zu ihrer Einstellung zum Thema Doping befragt. Mit Hilfe einer konfirmatorischen Faktorenanalyse werden im Folgenden die Güte und die Dimensionalität der unterschiedlichen Fragebögen überprüft, um somit die Validität von Einstellungsmessungen zu abweichendem Verhalten zu untersuchen.

2 Einstellung und Verhalten zum Thema Doping

2.1 Abweichendes Verhalten

Um im späteren Verlauf auf das Thema Doping, Dopingverhalten und die damit verbundenen Einstellungen einzugehen, wird zunächst abweichendes Verhalten im Sport konkretisiert. Bevor es speziell um relevante Sachverhalte zum Thema abweichendes Verhalten in Bezug auf die Einstellung zum Thema Doping geht, wird vorab das abweichende Verhalten allgemein betrachtet. Abweichendes Verhalten wird als Verletzung von Normen, Regeln, Gesetzen und Vorschriften bezeichnet. Im Sport ist dies ein zentrales Thema, da man durch einige Phänomene im Sport dazu neigt gewisse Regeln und Vorschriften zu missachten.

Die sogenannte Entkriminalisierung des Sports ist eins dieser Phänomene. So werden in einem sportlichen Kontext teilweise Handlungen geduldet, die in einem außersportlichen Zusammenhang zu Sanktionen führen würden. Beispiele hierfür sind, ein Tackling im Fußball oder auch jegliche Anwendung von Schlägen in den Kampfsportarten. Solche Handlungen würden im Alltag mit Sanktionen bestraft werden. Im sportlichen Kontext sind sie jedoch in einer gewissen Art und Weise geduldet und werden sogar gefordert.

Ein weiterer Aspekt ist die Ritualisierung von abweichenden Verhaltensweisen. Dieser Punkt umfasst z.B. ein Schwalbe im Fußball oder alle erdenklichen hinterrücks Aktionen, die zu einem Vorteil im Spiel führen könnten. Obwohl es hierfür klare Regeln gibt, werden solche Formen des abweichenden Verhaltens im Sport akzeptiert und sogar durch Trainer, Mitspieler oder Fans gefördert.

Als letzter Aspekt sei die Ambivalenz der Bewertungen zu nennen, die den wichtigsten Aspekt rund um die Einstellung zum Thema Doping darstellt. Jeder kann den einzelnen Sport so bewerten, wie er es für richtig hält. Wenn man der Ansicht ist, dass das Gewinnen im Vordergrund steht, wird man nicht davor zurückschrecken verbotene Mittel zu verwenden, um seine Ziele zu erreichen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Einnahme von Dopingmitteln, sondern auch z.B. auf Fouls in einem Fußballspiel. Es hängt immer sozusagen davon ab, wie man den einzelnen Sport bewertet und welche Werte man mit einer Sportart in Verbindung setzt. Würde eine Person den Radsport mit dem Thema Doping verbinden, so würde seine Intention sich zu dopen auch vermutlich höher liegen. (Heinemann, 2007)

Holzer (2006) behauptet in seinem Artikel in der FAZ, dass man daran zweifeln könnte, ob Doping im Sport überhaupt noch zu einer Form des Abweichenden Verhaltens zählt.

Beim Abweichenden Verhalten geht man davon aus, dass man bestimmte Regeln und Normen nicht erfüllt. Heinemann (2007) weist aber darauf hin, dass es auch eine „Übererfüllung“ dieser Normen geben kann. Es kann vorkommen, dass ein Sportler so sehr in seinem Sport vertieft ist, dass er sein ganzes Leben danach ausrichtet. Man eignet sich zum Beispiel bestimmte Essgewohnheiten an. Diese Besessenheit bezüglich des Sports kann jedoch auch zu noch gravierenderen Maßnahmen des Sportlers führen, wie z.B. Doping.

Die Gründe für ein abweichendes Verhalten von Sportlern sind sehr schwer herauszufinden. Zwar gibt es viele Theorien, die Gründe belegen wollen allerdings kann man nicht von der „einen“ richtigen Theorie ausgehen und sich auf diese beschränken. Volkamer (1971) weist auf die „Situativen Begebenheiten“ hin, indem er behauptet, dass nicht alleine der Charakter und die Einstellung des Sportlers über ein abweichendes Verhalten entscheiden, sondern viel mehr die Situation, in der er sich befindet (z.B. Sieg oder Niederlage). Allgemein formuliert könnte man sagen, dass in Tabellen oder im Wettkampf Führende weniger dazu neigen, sich abweichend zu verhalten, da sie keinen wirklichen Vorteil mehr daraus ziehen können. Ein Sportler, der sich jedoch auf einer tieferen Position in der Rangliste befindet, versucht, seine Lage durch abweichendes Verhalten zu verbessern.

Ein weiterer Aspekt, den man hervorheben kann, ist der Einfluss von Medien. Hier geht man davon aus, dass Vorbilder eine große Rolle spielen. Man erkennt den Erfolg anderer Sportler durch die Medien und versucht ihnen nachzueifern. Gelingt einem dies jedoch nicht, versucht man andere Wege (abweichendes Verhalten z.B. Leistungssteigerung durch Doping) zu finden, um die Ziele zu erreichen.

Im Spitzensport spielt die Kommerzialisierung eine große Rolle. Hier gehen Erfolg und Misserfolg mit erheblichen Summen an Geld einher. Im Freizeit- und Breitensport hat dieser Aspekt jedoch weniger Einfluss. (Heinemann, 2007)

2.2 Definition Doping

Eine einheitliche Definition von Doping im Sport, die alle erdenklichen Dopingarten und Leistungsniveaus umfasst, ist schwer aufzustellen. Jedoch gibt es einige Definitionsversuche, die jedoch zum größten Teil auf den Leistungssport ausgelegt sind und weniger auf den Freizeit- oder Breitensport. So definierte der Deutsche Sportbund 1952 Doping als „Die Einnahme eines jeden Medikaments – ob es wirkt oder nicht – mit der Absicht der Leistungssteigerung während des Wettkampfs“ (Donike, 1976). Wie man hier schon kritisch erkennen kann, gibt es zahlreiche Schlupflöcher. Nach dieser Definition wäre ein Doping außerhalb des Wettkampfs -z.B. im Training- erlaubt, da man nur „während des Wettkampfs“ kein Doping betreiben darf. Des Weiteren ist das Wort Medikament nicht genau definiert. In einer neueren Definition, die ein paar Jahre später erschien, wurden diese Kritikpunkte überarbeitet. Der Deutsche Sportbund legte 1977 folgende Definition vor: „Doping ist der Versuch einer unphysiologischen Steigerung der Leistungsfähigkeit des Sportlers durch Anwendung (Einnahme, Injektion oder Verabreichung) einer Dopingsubstanz durch den Sportler oder eine Hilfsperson (z.B. Trainer, Mannschaftsleiter, Betreuer, Arzt, Pfleger oder Masseur) vor einem Wettkampf oder während eines Wettkampfs und für die anabolen Hormone auch im Training“ (Donike, 1984). Im zweiten Punkt der Definition werden dann noch Eingrenzungen zu den Substanzen gemacht und verbotene Substanzen aufgeführt. Trotzdem ist es bis heute sehr schwer, eine geeignete Definition von Doping aufzustellen.

Die Voraussetzungen im Freizeit- und Breitensport sind hingegen ganz andere. Zu dem Aspekt der reinen Leistungssteigerung kommen hier noch andere Motive wie z.B. Körperästhetik und Wohlbefinden dazu. Zudem gibt es nahezu keine Dopingkontrollen und daraus folgend können auch keine Strafen gegen den Missbrauch von Medikamenten und anderen leistungssteigernden Substanzen verhängt werden. Wobei wir auch schon bei einem der Hauptprobleme im Freizeit- und Breitensport wären, dem Missbrauch oder der außermedizinischen Nutzung von Medikamenten. Hier beschreibt man den Gebrauch von Medikamenten als Missbrauch oder auch „Doping“, wenn Medikamente, die für eine medizinische Verwendung vorgesehen sind, für einen anderen Zweck, in dem Fall zur Erreichung von körperlichen und sportlichen Zielen, benutzt werden (Emrich, Frenger & Pitsch, 2013). Eine weitere Definition beschreibt den Arzneimittelmissbrauch im Freizeit- und Breitensport als „die übermäßige regelmäßige oder sporadische Verwendung eines Arzneimittels, das vom medizinischen Standpunkt nicht erforderlich ist“ (Müller-Platz et al., 2006).

2.3 Dopingverhalten im Freizeit- und Breitensport

Um einen Einblick in das Verhalten und die Einstellung zum Thema Doping im Freizeit- und Breitsport zu bekommen, wird folgend kurz auf einige Studien zu dem Thema eingegangen.

Studien und Befragungen zum Thema Missbrauch von Arzneimitteln, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt wurden, liegen in Deutschland, auch sicherlich aufgrund der heiklen Thematik, eher weniger vor. Verlässliche Daten basierend auf Untersuchungen hauptsächlich in Form von Dopingkontrollen bei Marathongroßereignissen, liegen auch keine vor, da hier größtenteils nur die Erstplatzierten untersucht werden, die als Profis meistens dem Spitzensport zugeordnet werden. (Müller-Platz et al., 2006)

Die Lübecker Studie aus dem Jahr 1998 und die daraus folgende Multicenter-Studie, die die in zahlreichen Fitnessstudios anhand von Fragebögen durchgeführten Erhebungen berücksichtigen, versuchen, einen Einblick in die Szene des Arzneimittelmissbrauchs im Freizeit- und Breitensport zu geben. 454 Bögen wurden ausgewertet und 19% der Befragten mussten zu diesem Zeitpunkt einem Arzneimittelmissbrauch zugerechnet werden. 88% der befragten Sportler mit Arzneimittelmissbrauch verwiesen auf den Konsum von anabolen Steroiden und 22% auf den Konsum von Stimulanzien hin. (Boos et al., 1998) Wie es allerdings in anderen Sportarten des Freizeit- und Breitensports aussieht kann man jedoch nicht daraus schließen.

Im Rahmen einer Online-Befragung in der Schweiz wurden Untersuchungen zu dem Konsum von sogenannten Supplementen[1] aber auch zum Gebrauch von Medikamenten und Dopingmitteln im Freizeitsport durchgeführt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass Supplementen eine erhebliche Rolle in den einzelnen Ausdauersportarten des Freizeitsports (darunter auch Radfahrer) spielen. 32,1% (N=2500) der Befragten gaben an mindestens einmal am Tag Supplemente zu sich zu nehmen. Noch besorgniserregender ist aber die Tatsache, dass 53% der Befragten sich nicht genau über den Inhalt der konsumierten Produkte im Klaren waren. Daraus kann man schließen, dass hier eine klare Ungewissheit, aber auch vielleicht eine bestimmte Sorglosigkeit der Sportler zu dem Thema Doping vorliegt. (Stamm, Stahlberger, Gebert, Lamprecht & Kamber, 2011)

Aus dieser aber auch aus anderen Erhebungen kann man eine Tendenz des Verhaltens und der Einstellung zum Thema Doping im Freizeit- und Breitensport erkennen. Klar ist, dass das Ausmaß des Dopings im Freizeit- und Breitensport in der Gesellschaft maßlos unterschätzt wird. Die betroffenen Sportler sind sich der Einnahme der verbotenen Substanzen in einigen Fällen nicht bewusst. Trotz alledem gibt es viele Sportler, die vorsätzlich handeln und das aus verschiedenen Gründen und Motiven. Zudem unterscheiden sich diese teilweise sehr von den Motiven der Leistungssportler. Hier geht es vermutlich nicht immer um das Motiv des Gewinnens, des sportlichen Erfolgs, der Anerkennung in der Gesellschaft und der damit verbundenen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Das Robert-Koch-Institut hat 2006 Körperästhetik und sportlichen Ehrgeiz als Hauptmotive für Doping im Breitensport genannt (Müller-Platz et al., 2006) und das nicht nur bei Bodybuildern, wie man es vielleicht vermuten würde. In einem Artikel der Welt (2011) wird über einen Fußballer der Kreisliga B berichtet, der verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung zu sich nimmt, damit er nach eigener Aussage „besser spielt“. Weiter werden Amphetamine beim Triathlon, Schmerzmittel beim Rad- und Laufsport und Kokain und Ritalin beim Schachspielen aufgezählt (Leveringhaus, 2011).

Die Zeit (Ahr & Uchatius, 2015) beschreibt die Situation in Deutschland mit den Worten:

„Die ZEIT hat mit zahlreichen Freizeitsportlern gesprochen, mit Radfahrern, Fußballern und Kraftsportlern. Viele von ihnen waren auch Freizeitdoper. Außerdem haben wir uns mit Medikamentendealern, Sportärzten, Staatsanwälten, Zollbeamten und Psychotherapeuten getroffen. Setzt man ihre Aussagen zusammen, entsteht das Bild einer leistungssüchtigen Gesellschaft.“

Man findet solche Aussagen zu Genüge und das, obwohl ein wesentlicher Aspekt der aktiven Betätigung in der Freizeit die Aufrechterhaltung oder die Verbesserung der Gesundheit ist. Im Freizeit- und Breitensport haben diese Befunde und Entwicklungen recht wenig mit dem Mangel an Dopingkontrollverfahren zu tun, wie man es vielleicht beim Spitzensport vermuten könnte. Hier spielt die Einstellung der Freizeitsportler zum Thema Doping eine erhebliche Rolle und die damit verbundenen Normen, Regeln und Vorschriften, die in der Gesellschaft verankert sind.

Wichtig zu beachten wäre, dass die Messungen zur Einstellung zum Thema Doping im Freizeit- und Breitensport nicht unbedingt Zahlen offenlegen, die den Missbrauch von Doping repräsentieren. Die Ergebnisse bei solch einer Befragung spiegeln viel eher den Anteil der Sportler wider, die glauben, verbotene Substanzen eingenommen zu haben. Diesen wesentlichen Unterschied sollte man berücksichtigen, da eine Aufklärung und Informationen über verbotene Substanzen im Freizeit- und Breitensport häufig nicht an die Athleten übermittelt werden.

2.4 Forschungsstand

In dem folgenden Kapitel geht es darum, den Forschungsstand über die „Performance Enhancement Attitude Scale“ (PEAS) (Petróczi, 2002) aufzuzeigen und einen allgemeinen Überblick über die bis dato untersuchten Skalen, die in Verbindung mit der PEAS stehen oder aus dieser resultieren, zu geben. Die Skala wurde entwickelt, um die Einstellung zum Thema Doping zu messen. Sie wird meistens in Doping-Verhaltensstudien als Messinstrument genutzt.

Ursprünglich bestand die PEAS aus insgesamt 97 Fragen bei denen es jedoch einige schwache Items gab, die schlussendlich aus der Skala herausgenommen wurden. Auch die Likert-Skala zur Auswertung des Fragebogens wurde von ursprünglichen 4 Items auf 6 Items hochgestuft. Die PEAS Version von Petróczi (2002) umfasst 17 Fragen. Die Antworten werden anhand von einer 6-Punkte Likert-Skala[2] ausgewertet, die von (1) stark nicht einverstanden bis zu (6) stimme voll zu, reicht, jedoch keine neutrale Antwortmöglichkeit zulässt. Die angekreuzten Punkte (1-6) werden nach den 17 Fragen addiert. So kann man einen score von 17-102 Punkten erzielen. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass die 17 Fragen in die gleiche Richtung gewertet werden. Nur so ist eine Auswertung anhand der Punkte möglich. Daraus lässt sich ermitteln, welche Einstellung eine Person zum Thema Doping hat.

Mithilfe einiger Untersuchungen wurden im Verlauf der Jahre weitere Skalen anhand der ursprünglichen 17-Fragen Skala entwickelt, da diese nicht auf alle erdenklichen Untersuchungsgruppen passt. Die Skala wurde z.B. auf eine 11-Fragen Skala oder sogar auf eine 6-Fragen Skala heruntergestuft. Dies wird im Folgenden aber noch näher erläutert.

Morente-Sánchez, Femia-Marzo und Zabala (2014) versuchten eine Validierung der spanischen Version der PEAS (17 Fragen) durchzuführen. Die ursprüngliche englische Fassung der PEAS wurde von Übersetzern ins Spanische und dann wiederum ins Englische zurückübersetzt, um die Übersetzung zu überprüfen. Sie versuchten, die Skala anhand von einer Stichprobe an männlichen und weiblichen Probanden (Fußball und Radfahren), genauso wie an deren Trainern zu validieren. Unter der Stichprobe befanden sich Profisportler, Freizeitsportler und auch Sportstudenten. Unter anderem wurden anhand einer konfirmatorischen Faktorenanalyse (CFA) die Daten auf ihr Passung geprüft. Dabei wurde mithilfe der zahlreichen Fit-Indizes, die benutzt wurden, festgestellt, dass die Daten einen akzeptablen Modell-Fit aufzeigten. Nichts desto trotz fand man hier einige Hinweise darauf, dass Variablen wie z.B. das Alter, die Daten der PEAS beeinflussen können.

Im Jahr 2008 führten Petróczi und Aidman eine Studie an über 1200 Probanden durch. Unter den Probanden befanden sich Amateursportler aber auch Elite-Sportler auf nationalem und internationalem Niveau. Ziel der Untersuchung war es auf die fehlende Bewertung von Instrumenten, die in der Doping-Einstellungsforschung verwendet werden, aufmerksam zu machen, aber vor allem die 17-Fragen PEAS einzuführen und ihre Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität zu untersuchen. Hierfür wurden exploratorische und konfirmatorische Faktorenanalysen durchgeführt, die anhand der Fit-Indizes insgesamt einen akzeptablen Modell-Fit aufweisen konnten. Petróczi und Aidman bewiesen somit, dass die PEAS ein valides und zuverlässiges Instrument zur Beurteilung der allgemeinen Haltung von Sportlern gegenüber Doping ist. Daraus lässt sich laut Aussage der Autoren schließen, dass das Vorhandensein einer positiven Einstellung gegenüber dem Thema Doping eng mit einer Anfälligkeit der Verwendung von Dopingmitteln im Zusammenhang steht.

Eine weitere Untersuchung führten Morente-Sánchez, Mateo-March und Zabala (2013) durch. Sie verwendeten die 17-Fragen PEAS, um die Einstellung gegenüber Doping bei spanischen Nationalmannschaftsradfahrern aus verschiedenen olympischen Disziplinen zu untersuchen und zu vergleichen. Sie befragten 72 Radfahrer (männlich und weiblich) aus 4 unterschiedlichen olympischen Disziplinen (MTB, BMX, Straße, Track). Mit einer mittleren Gesamtpunktzahl von 36,12 auf der Punkteskala der PEAS werden die Athleten als nicht tolerant gegenüber Doping eingestuft. Wenn man die einzelnen Disziplinen betrachtet, fällt auf, dass BMX- und Track-Fahrer eine etwas positivere Einstellung zu dem Gebrauch von verbotenen Substanzen haben als MTB- oder Straßen-Radfahrer.

Eine ähnliche Studie wurde von Morente-Sánchez, Mateo-March und Zabala im Jahr 2014 nochmals durchgeführt. Bei dieser Studie war das Ziel, Vergleiche im Hinblick auf die Einstellung zum Thema Doping bei der spanischen Nationalmannschaft durchzuführen. Hier beschränkten sich die Erhebungen allerdings nur auf die Kategorie Straßen-Radsport und auf insgesamt 33 Probanden (männlich und weiblich). Interessant wäre hier noch, dass das Durchschnittsalter der Profi-Radfahrer knapp 18 Jahre betrug. Es handelt sich um eine identische Vorgehensweise wie bei der Erhebung von 2013, nur dass die Probanden andere waren. Der Wert der mittleren Gesamtpunktzahl der Skala betrug 34,91 und war somit nahezu identisch mit den Daten von 2013.

Morente-Sánchez, Leruite, Mateo-March und Zabala (2013) führten eine Untersuchung an über 200 Radfahrerinnen und Triathletinnen durch. Ziel der Studie war es die Einstellung zum Thema Doping bei spanischen Radfahrerinnen und Triathletinnen zu erheben und zu vergleichen. Sie benutzen hierfür die 17-Fragen der PEAS. Die durchschnittliche Gesamtpunktzahl der PEAS betrug 34, was mit den anderen erhobenen Untersuchungen sichtlich übereinstimmt. Interessant ist hier noch, dass die Aussage „Athletes are pressured to take performance-enhancing drugs”, den höchsten Wert in der gesamten 17-Fragen Skala aufweist. Wichtig zu betrachten wäre noch, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden befragten Gruppen (Radfahrerinnen und Triathletinnen) gibt. (siehe Tabelle 1)

Tabelle 1: Vergleich zwischen spanischen Radfahrerinnen und Triathletinnen anhand von der PEAS*

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine ähnliche Datenauswertung und Interpretation kam bei einer Untersuchung zur Einstellung zum Thema Doping von verschiedenen Gruppen im spanischen Radsport (Morente-Sánchez & Zabala, 2014) heraus. Hier wurden Trainer, Athleten und Manager anhand der 17-Fragen PEAS befragt. Wie in der Studie zu Tabelle 1 schon bewiesen, verzeichnete auch hier die Aussage „Athletes are pressured to take performance-enhancing drugs” den höchsten Wert. Betrachtet man die einzelnen Gruppen, erzielen die Manager den allgemein höchsten durchschnittlichen Skalen-Wert.

[...]


[1] Supplemente sind Nahrungsergänzungsprodukte (Sportgetränke, Energieriegel), die stellenweise mit verbotenen Substanzen verunreinigt sind. Sie werden häufig als Einsteiger „Droge“ der Dopingszene bezeichnet (Kamber et al., 2000).

[2] Die Likert-Skala ist ein Verfahren zur Messung persönlicher Einstellungen. Sie besteht meistens aus einer mehrstufigen Antwortskala, bei der der Proband die Möglichkeit hat den Aussagen mehr oder weniger stark zuzustimmen. (Statista GmbH, o.D.)

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Details

Titel
Die Validität von Einstellungsmessungen zu abweichendem Verhalten
Untertitel
Untersuchung zur Dimensionalität der Performance Enhancement Attitude Scale (PEAS)
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes)
Note
1.7
Autor
Jahr
2018
Seiten
51
Katalognummer
V440892
ISBN (eBook)
9783668793774
ISBN (Buch)
9783668793781
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Einstellungsmessungen, Abweichendes Verhalten, PEAS, Radsport
Arbeit zitieren
Rick Hess (Autor:in), 2018, Die Validität von Einstellungsmessungen zu abweichendem Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/440892

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