Schwierigkeiten im Lernen kann jeder bekommen und hat die Mehrheit bereits erfahren. Allerdings gelingt es meistens, Lernschwierigkeiten zu bewältigen, sodass diese nur vorübergehend und bereichsspezifisch auftreten. Die Lernprobleme, die sich aber manifestieren, können persistieren und sich bis zu einer Lernbehinderung weiterentwickeln. Auch im Erwachsenenalter können Lernprobleme weiter bestehen bleiben und in verschiedenen Lebensbereichen Unterstützung bedürfen.
Mit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich seit 1999 der Begriff des sonderpädagogischen Förderbedarfs etabliert, der den Wechsel von einem defizitorientierten Begriff zu einem ressourcenorientierten Begriff bewältigen soll. Einen Wandel bringen gegenwärtig auch die Inklusionsdebatten mit sich, die ebenfalls seit Jahren geführt werden und die Problematik der Lernbehindertenpädagogik aktuell hält. Denn mit der Problemstellung, wie didaktisch und methodisch dem inklusiven Unterricht begegnet werden soll, entsteht gleichzeitig die nächste Problemlage: Lernschwierigkeiten scheinen ständig zu wachsen und demzufolge kommt die Frage nach den Ursachen für diese Entwicklung leicht auf.
Hieraus ergibt sich, dass die vorliegende Arbeit der Frage nachgeht, welche Determinanten die Genese einer Lernbehinderung beeinflussen können und welche Möglichkeiten der Prävention und Intervention die Sonderpädagogik bietet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Begriffsbestimmung von Lernbehinderung
2.1 Kernsymptome und Kriterien zur Feststellung
2.2 Die Klassifikationssysteme
2.2.1 Lernbehinderung nach ICD-10
2.2.2 Lernbehinderung nach DSM-V
2.3 Abgrenzung zu verwandten Begriffen
2.4 Komorbiditäten und Differentialdiagnostik
2.4.1 Lernbehinderung und Verhaltensprobleme
2.4.2 Lernbehinderung und Aggression
2.4.3 Lernbehinderung und Angst
2.4.4 Lernbehinderung und AD(H)S
2.4.5 Teilleistungs- und kombinierte Störungen als Differentialdiagnose
2.5 Prävalenz
2.6 Mögliche Auswirkungen und Folgestörungen
3 Die Ätiologie von Lernbehinderung
3.1 Ein entwicklungspsychologischer Ansatz
3.2 Das Resilienzkonzept
3.2.1 Zum Begriff Resilienz
3.2.2 Die Risiko- und Schutzfaktoren
3.2.2.1 Die Vulnerabilität
3.2.2.2 Personale Faktoren
3.2.2.3 Der familiäre Faktor: Das häusliche Umfeld
3.2.2.4 Der institutionelle Faktor: Die Schule
3.2.3 Weitere Determinanten aus der Umwelt
3.2.3.1 Der sozio-ökonomische Status
3.2.3.2 Der Migrationshintergrund
3.3 Psychologische Erklärungsmodelle
4 Frühförderung von Risikokindern
4.1 Was bedeutet Frühförderung?
4.2 Die allgemeinen Prinzipien der Frühförderung
4.3 Möglichkeiten der Frühförderung
5 Förderung von Schülern mit dem FS Lernen
5.1 Differenzierungsformen
5.1.1 Äußere Differenzierung
5.1.1.1 Das deutsche Schulsystem
5.1.1.2 Die Differenzierung nach Unterrichtsformen
5.1.1.3 Differenzierung durch Förderunterricht
5.1.2 Innere Differenzierung
5.1.2.1 Die natürliche Differenzierung
5.1.2.2 Binnendifferenzierung nach Wember
5.2 Möglichkeiten der Förderung im Unterricht
5.2.1 Prinzipien der Förderplanung und -arbeit
5.2.2 Die Förderung von Schutzfaktoren
5.2.3 Die Förderung von Kognition
5.2.4 Der Nachteilsausgleich
6 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ätiologie von Lernbehinderungen unter Berücksichtigung von personalen sowie sozialen Determinanten und analysiert Möglichkeiten der sonderpädagogischen Prävention und Intervention, um betroffenen Kindern bessere Bildungschancen zu eröffnen.
- Genese und Bedingungsfaktoren von Lernbehinderungen
- Die Bedeutung des Resilienzkonzepts und der Schutzfaktoren
- Einfluss sozio-ökonomischer Bedingungen und des Migrationshintergrunds
- Sonderpädagogische Förderkonzepte und Differenzierungsformen
- Diagnostik und Prävention im frühkindlichen und schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Ätiologie von Lernbehinderung
Eine Lernbehinderung ist ein komplexes Bedingungsgefüge, welches verschiedene Einflussfaktoren beinhaltet, die einzeln oder im Kollektiv wirken (Mähler et al., 2008, S. 415). Ähnlich drückt es auch Schröder (2005) aus, der eine Lernbehinderung als das Resultat kumulierter Ereignisse der Lernbiographie sieht (S. 189).
Die Betrachtungsweise kann sich beziehen auf (intra)personale Faktoren, die Lebensbedingungen, das System Schule und weitere soziale Faktoren (Orthmann, 2004, S. 9). Diese werden von jedem Individuum unterschiedlich verarbeitet und können daher teilweise eine Lernbehinderung begünstigen. Dieser Abschnitt beginnt mit einer Determinante, die im Gegensatz zu den anderen, nicht direkt beeinflussbar ist: Die Heritabilität.
Der genetische Faktor ist ein möglicher Einflussfaktor von Behinderungen und Entwicklungsstörungen. Das Ausmaß von funktionalen Beeinträchtigungen zeigt sich oft erst im Entwicklungsverlauf des Kindes und ist nicht bereits bei der Geburt, wie bei körperlichen Fehlbildungen, feststellbar. Einschränkungen der Kognition sowie sozialer Kompetenzen werden erst ab dem dritten Lebensjahr diagnostiziert (Ziegenhain, 2008, S. 172-173).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das komplexe Phänomen der Lernbehinderung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die sich mit den Einflussfaktoren der Genese sowie Förderansätzen befasst.
2 Zur Begriffsbestimmung von Lernbehinderung: Das Kapitel definiert den Begriff, erläutert Klassifikationssysteme und geht auf Komorbiditäten sowie die Auswirkungen der Störung auf Betroffene ein.
3 Die Ätiologie von Lernbehinderung: Hier werden die verschiedenen Ursachenfaktoren beleuchtet, wobei das Resilienzkonzept sowie personale und umweltbedingte Risikofaktoren im Zentrum stehen.
4 Frühförderung von Risikokindern: Der Fokus liegt auf der Bedeutung frühzeitiger präventiver Maßnahmen und der Identifikation von Risikokindern vor dem Eintritt in das Schulsystem.
5 Förderung von Schülern mit dem FS Lernen: Dieses Kapitel behandelt konkrete Differenzierungsformen wie äußere und innere Differenzierung sowie spezifische Methoden der Förderung im schulischen Alltag.
6 Diskussion: Die Abschlussdiskussion fasst die zentralen Erkenntnisse zu Determinanten und Förderansätzen zusammen und kritisiert den Umgang mit Begrifflichkeiten sowie das selektive Schulsystem.
Schlüsselwörter
Lernbehinderung, Ätiologie, Resilienzkonzept, sonderpädagogische Förderung, Frühförderung, Risiko- und Schutzfaktoren, Lernschwierigkeiten, Inklusion, Differenzierung, Diagnostik, sozio-ökonomischer Status, Kausalattribution, Metakognition, Schulversagen, Teilleistungsstörungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Ätiologie von Lernbehinderungen und untersucht, wie verschiedene Einflussfaktoren die Genese dieses Störungsbildes beeinflussen können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Autorin ab?
Zentrale Felder sind die Begriffsbestimmung, die Ursachenforschung im Rahmen des Resilienzkonzepts, die Rolle der Frühförderung sowie pädagogische Interventionsstrategien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche Determinanten die Genese einer Lernbehinderung beeinflussen können und welche Möglichkeiten der Prävention und Intervention die Sonderpädagogik bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur und empirischer Studien zur Lernbehindertenpädagogik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition des Begriffs, eine tiefgehende Analyse der Ätiologie (einschließlich persönlicher und umweltbedingter Risikofaktoren) sowie die Darstellung von Frühförderprogrammen und schulinternen Fördermaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Lernbehinderung, Resilienz, Prävention, Frühförderung, Differenzierung und das sozio-ökonomische Umfeld des Kindes.
Inwiefern spielt der sozio-ökonomische Status eine Rolle bei der Entstehung von Lernbehinderung?
Der sozio-ökonomische Status wird als einer der bedeutendsten Einflussfaktoren identifiziert, da prekäre Lebensumstände die Entwicklung des Kindes hemmen können und häufig mit einer Überrepräsentation von Schülern in Förderschulen korrelieren.
Warum wird das Resilienzkonzept in dieser Arbeit thematisiert?
Das Resilienzkonzept dient dazu, die Unterschiede in der Entwicklung von Kindern bei vergleichbaren Risikolagen zu erklären und ressourcenorientierte Ansätze für die sonderpädagogische Förderung abzuleiten.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schule bei der Entstehung von Lernbehinderungen?
Die Schule wird nicht nur als Ort der Förderung, sondern auch als potenzieller (mit)verursachender Faktor betrachtet, insbesondere durch das selektive deutsche Schulsystem und Prozesse der Etikettierung.
Was bedeutet "Nachteilsausgleich" in diesem Kontext?
Ein Nachteilsausgleich dient als schulische Maßnahme, um den Lernprozess bei Lernschwierigkeiten zu unterstützen, wobei der Notenschutz ein zentrales Element darstellt, um den zeitlichen Druck bei der Leistungsbewertung zu mildern.
- Citation du texte
- Carina Schiavulli (Auteur), 2018, Zur Ätiologie von Lernbehinderung und ihren Auswirkungen auf sonderpädagogische Förderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441365