In der vorliegenden Arbeit geht es um den Vergleich zwischen zwei Culture-Clash-Komödien aus Frankreich und Deutschland. Wesentlich für diesen Vergleich ist es eingangs, die beiden theoretischen Hauptachsen zu definieren: Kultur und Film. Wobei ersteres das Thema und letzteres die Form der Botschaft von Culture-Clash Komödien darstellt. In einem zweiten Teil werden die Filme als eigentlicher Gegenstand der Betrachtung vorgestellt; hier steht vor allem der Hintergrund der Produktionen im Fokus. Im Anschluss werden die angewendeten Methoden der Analyse vorgestellt und ihre Verwendung begründet. Bei der darauffolgenden Analyse der Schlüsselszenen sollen die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in der Darstellung von Interkulturalität, Selbst- und Fremdwahrnehmung und Humor aufgezeigt werden. Bis dahin werden die beiden Filme als Kunstwerke betrachtet, und zunächst die Intentionen der Autoren getrennt von ihrer Wirkung auf das Publikum analysiert. Zum Schluss wird dann anhand ihrer Rezeption in der Onlinepresse (positiv und negativ) versucht, die Wirkung auf den Zuschauer zu bewerten.
Die Frage, die sich im Rahmen einer deutsch-französischen Vergleichsarbeit stellt, ist, ob sich in den künstlerischen Produktionen der beiden Nachbarländer eine vergleichbare Umsetzung der Kulturkonfrontationen wiederfinden lässt. Mindestens genauso wichtig wird es sein, die Unterschiede in der Darstellung herauszuarbeiten und sich zu fragen, ob diese an kulturellen Charakteristika des jeweiligen Landes festgemacht werden können.
Mit den Filmen „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (D, 2011) und „Qu’est ce qu’on a fait au Bon Dieu“ (FR, 2014) wird der Hypothese einer Andersheit in der filmischen Umsetzung aufgrund kultureller Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich auf den Grund gegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsbericht
3. Begriffsbestimmung und theoretischer Rahmen
3.1. Kulturbegriff
3.2. Interkulturalität
3.3. Selbst- und Fremdwahrnehmung
3.4. Humor
3.5. Medium (Kino)Film
3.6. Culture-Clash-Komödie: Wer lacht über wen?
3.7. Kinounterschiede zwischen Deutschland und Frankreich
4. Betrachtungsgegenstand
4.1. Korpuswahl
4.2. Hintergrund der Produktionen
4.2.1. Regie: Woher der künstlerische Antrieb kam
4.2.2. Filmdaten: David gegen Goliath
4.3. Inhaltsangaben
5. Methodische Grundlagen der Analyse
5.1. Die Erstellung eines Filmprotokolls
5.2. Analyse der filmischen Mittel
6. Analyse der Schlüsselszenen aus beiden Filmen
6.1. Das Familienmittagessen
6.2. Das Einkaufen: Ein kultureller Hürdenlauf
6.3. Religion I: Jesus Christus und der christliche Glaube
6.4. Religion II: Judentum in Frankreich vs. Islam in Deutschland
6.5. Der Kampf der Geschlechter
6.6. Generationenkonflikt
6.7. Der „typische“ Deutsche und der „traditionelle“ Franzose
6.8. Das Happy-End: Pflicht und Kür der Culture-Clash-Komödien
6.9. Handlungsstruktur: Vergangenheit und Zukunft
7. Figurenanalyse: Choleriker und Neugierige Lieblinge
8. Rezeptionen der Filme
8.1. „Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?“(2014)
8.1.1. In Frankreich
8.1.2. In Deutschland
8.2. „Almanya. - Willkommen in Deutschland.“ (2011)
8.2.1. In Deutschland
8.2.2. In Frankreich
8.3. Zusammenfassung der Rezeptionsebene Presse beider Filme
9. Fazit und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die filmische Inszenierung von Interkulturalität, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Humor in den Culture-Clash-Komödien "Almanya – Willkommen in Deutschland" (2011) und "Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?" (2014), um herauszufinden, ob sich kulturspezifische Unterschiede in der filmischen Umsetzung kulturkonfrontativer Situationen nachweisen lassen.
- Vergleichende Filmanalyse von zwei Culture-Clash-Komödien aus Deutschland und Frankreich
- Theoretische Fundierung durch Kulturbegriffe, Interkulturalität und Humor-Theorien
- Untersuchung der filmischen Gestaltung von Identitätskrisen und Stereotypen
- Analyse der Rolle von Humor und Sprache als Mittel zur kulturellen Distanzierung oder Annäherung
- Bewertung der Filmrezeption in der Onlinepresse beider Länder
Auszug aus dem Buch
6.2. Das Einkaufen: Ein kultureller Hürdenlauf
Das Einkaufen von Lebensmitteln wird in beiden Filmen als Motiv genutzt, um „clashs“ darzustellen. Bei „Almanya“ wird Fatmas erster Besuch in einem deutschen Krämerladen inszeniert. Durch eine Kamerafahrt - von rechts nach links und einen Schwenk von unten nach oben - wird zunächst die reiche Auswahl an Produkten vermittelt, die in penibler Ordnung in den Regalen eingeräumt sind. Fatma betritt sichtlich überfordert das Geschäft, weil sie noch kein Deutsch spricht und nicht weiß, wie ihr der Einkauf gelingen soll. Auf der Theke thront die Figur von einem Schwein, ausgerechnet dem Tier, das für Fatma als Muslimin für den Verzehr nicht in Frage kommt. Der Krämer begrüßt sie freundlich, aber für den Zuschauer unverständlich, weil er das bereits zuvor in den Rückblenden gehörte „Kauderwelsch“ spricht: „Guuuhter Tack!“. Der Verkäufer wird als Riese dargestellt, wie alle anderen Deutschen in den erzählerischen Rückblenden der Familie Yilmaz. Fatma zögert lange, bevor sie ihr Anliegen, „Ich hätte gerne ein Brot.“ , äußert. Im Schuss-Gegenschuss Verfahren wird der weitere Dialog gefilmt, in dem beide Figuren es nicht schaffen, sich zu verständigen. „Brot, Brot halt!“, insistiert Fatma in der Hoffnung, dass das Wort Brot im Deutschen dem Türkischen Begriff klanglich ähnelt Der Krämer, der sie offensichtlich nicht versteht, antwortet lediglich: „Nö kröte Ingste…dricken nö!“. Dann beginnt sie pantomimisch, einen Laib Brot mit den Händen darzustellen, und gestikuliert die Schneidebewegung mit einem Messer. Der Verkäufer schaut sich ihre Darstellung an und ruft „Ah!“ als Zeichen, dass er sie verstehe. Durch das Einfließen einer kleinen Melodie soll die kurzzeitige Erleichterung von Fatma darüber, dass der Einkauf scheinbar mit einer Verständigung beginnt, verdeutlicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Genre der Culture-Clash-Komödie ein und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie die theoretischen Hauptachsen Kultur und Film.
2. Forschungsbericht: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Film-Genre-Vergleichen und interkulturellen Themen in der Filmwissenschaft.
3. Begriffsbestimmung und theoretischer Rahmen: Es erfolgt eine detaillierte Erläuterung der Begriffe Kulturbegriff, Interkulturalität, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Humor, ergänzt um Aspekte des Mediums Film.
4. Betrachtungsgegenstand: Vorstellung der beiden ausgewählten Filme, ihrer Produktionshintergründe und des Korpus für die Analyse.
5. Methodische Grundlagen der Analyse: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, insbesondere der Erstellung von Filmprotokollen und der Analyse filmischer Mittel.
6. Analyse der Schlüsselszenen aus beiden Filmen: Zentraler Analyseteil, der spezifische Themen wie das Familienessen, Einkaufsszenen, Religion, Geschlechterkampf und Generationenkonflikte vergleicht.
7. Figurenanalyse: Choleriker und Neugierige Lieblinge: Untersuchung der Rollenbilder und der persönlichen Entwicklung der Hauptfiguren im Kontext der Handlung.
8. Rezeptionen der Filme: Analyse der medialen Aufnahme und filmkritischen Pressestimmen zu beiden Filmen in Frankreich und Deutschland.
9. Fazit und Schlussbemerkung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf die komparative Filmanalyse des Genres.
Schlüsselwörter
Culture-Clash-Komödie, Interkulturalität, Filmkomödie, Deutschland, Frankreich, Stereotype, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Identitätskonflikt, Humortheorie, Migrantenkino, Filmrezeption, Interkulturelle Kommunikation, Familienstruktur, Filmische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht einen komparativen Genre-Vergleich zweier Culture-Clash-Komödien aus Deutschland und Frankreich im Hinblick auf ihre Darstellung von Interkulturalität und Humor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Inszenierung kultureller Aufeinandertreffen, die Identitätsbildung in einer Migrationsgesellschaft, der generationenübergreifende Konflikt und die Darstellung von Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es herauszufinden, ob sich künstlerische Umsetzungen der Kulturkonfrontation in den beiden Nachbarländern signifikant unterscheiden und ob diese Unterschiede auf spezifische kulturelle Charakteristika zurückführbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Filmanalyse durchgeführt, gestützt durch die Erstellung detaillierter Filmprotokolle und die Anwendung filmwissenschaftlicher Analysemethoden (z.B. Kameraperspektiven, Einstellungsgrößen).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Schlüsselszenen wie Familienmittagessen, religiöse Rituale, Einkaufssituationen und Geschlechterauseinandersetzungen, um die Gemeinsamkeiten und Differenzen bei der Darstellung von kulturellen "Clashs" herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Culture-Clash", "Interkulturelle Kompetenz", "Autostereotype/Heterostereotype" und "Identitätskrise" geprägt.
Warum ist das "Bon Dieu" Beispiel im Vergleich besonders aufschlussreich?
Der Film wird als Beispiel für eine französische Komödie genutzt, die besonders viele Beispiele für interkulturelle Konflikte bietet und durch eine wohlhabende bürgerliche Kulisse einen spannenden Kontrast zum "Almanya"-Film bildet.
Welche Rolle spielt das Familienmittagessen in der Analyse?
Das Familienmittagessen dient in beiden Filmen als initiale Schlüsselszene, um die Familienordnung sowie das Ausmaß der interkulturellen Spannungen direkt zu Beginn einzuführen.
Wie gehen die Filme mit dem Thema Religion um?
Beide Filme nutzen religiöse Symbolik – wie das Christentum, das Judentum oder den Islam – als humorvolle Quelle, um interkulturelle Missverständnisse und Annäherungsprozesse darzustellen.
- Citar trabajo
- Roman Krieger (Autor), 2017, Culture-Clash-Komödien in Frankreich und Deutschland. Interkulturalität, Selbst- und Fremdwahrnehmung und Humor am Beispiel von "Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?" (2014) und "Almanya – Willkommen in Deutschland" (2011), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441735