Exzerpt zur Historischen Narratologie


Exzerpt, 2016
3 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Exzerpt – Historische Narratologie

(Hartmund Bleumer)

1. Narratologie und historische Narratologie

- Narratologie = theoretische Wissenschft von Geschichte, Erzählung und Erzählen
- Spannung zwischen Gegenstand und distinktivem Wissenschaftsanspruch
- Begründet im Strukturalismus und dessen Semantik und Zeichenbegriff
- Weiterentwicklung der Poetologien des russischen Formalismus
- Abgrenzung zu offenen Begriffskonzepten anderer Erzähltheorien
- Höhere theoretische Geschlossenheit
- Größere kulturhistorische Offenheit und Reichweite
- Strenge Systematik und differenzielle Logik
- Universale Anwendbarkeit
- Ansatz = deduktiv (so, dass das Besondere aus dem Allgemeinen erschlossen wird)
- Strukturale Theorien = induktiv (so, dass von begründeten Einzelaussagen auf eine allgemeine Aussage geschlossen wird)
- Enger Zusammenhang zu vorhergehenden, allgemein-typisierenden Ansätzen
- Ausweiterung zu einer allgemeinen kulturwissenschaftlichen Grundlagentheorie
- Narratologische Grundkategorien werden von kulturellen Situationen und Objekten induktiv neu in Frage gestellt
- Narratologische Begriffsapparate erscheinen ergänzungsbedürftig
- Historische Narratologie
- Historisch-induktiv = keine Narratologie
- Beharren auf theoretischem System- und Unversalitätsanspruch = nicht historisch
- à Dilema
- Lösung: Universalanspruch der narratologischen Theorie von der Universalität der narrativen Praxis (Erzählen als eine anthropologische Konstante) ableiten
- Macht es unabgeschlossen und historisch
- Keine mediävistische Narratologie im Sinne einer allgemeinen, für alle mittelalterliche Erzählformen verbindliche literaturwissenschaftliche Theorie
- Historische Narratologie als ungenauer Sammelbegriff
- Narratologie als Verweis auf die Basisparadoxie des Erzählens
- Geuine Möglichkeiten
- Spezifizierte terminologische Minimalausstattung
- Terminologie muss auf einer integrativen Theorie basieren

2. Narratologische Grundbegriffe, ihre Ebenen und Korrelationen

- Erzählmodell von Schmid
- Gewinnbringende konzeptionelle Spannung zwischen Formalismus und Strukturalismus
- Forschungsübersicht: zentrale erzähltheoretische Begriffe des russischen Formalismus, Orientierung an Poetik von Boris Tomasevskij mit Grundbegriffen des französischen Strukturalismus
- Klassisch-rhetorische Termini
- Ambivalenz von Inhalt und Form
- Zwei gegenläufige narratologische Epistemologien:
- Semantisch = narrative Poetiken, Narration als wissenschaftliche Interpretation, Bedeutungsfunktion, rhetorisch, eher interpretieren
- Pragmatisch = mimetisch Narration als Werkzeug wissenschaftlicher Argumentation, Erklärungsfunktion, hermeneutisch, eher beschreibend
- Histoire- und dicours-Narratologie = oberflählich
- Historie-N. = Erzählebene der Geschichte, keine Handlungstheorien sondern Tiefenstrukturen von diskursiven Bezeichnungs- und Repräsentationsprozessen
- Discours-N. = Erzähler, Erzählakt, Konzentration auf den narrativen Akt des Erzählens
- Grenzziehung löst den Zusammenhang der narratologischen Begriffe wieder auf

3. Die narrativen Ebenen

- Paradoxales Ebenenmodell
- nächst höhere Ebene impliziert darunterliegende, untere Ebene fundiert die höher liegende
- Erzähler scheint über die Geschichte und Perspektivierungen ein Geschehen zu entwerfen
- Geschehen = reicher als der Entwurf, fundiert den Prozess der Geschichte und Narrationstätigkeit des Erzählers
- Doppelte Korrelation des Erzählens

3.1 Geschehen und Geschichte

- narrative Korrelationsapriori
- Leistungsfähigkeit häng von der Annerkennung des Nicht-Narrativen ab
- Geschehen = nicht-narrative Modellbasis, Fülle aller Geschehensmomente
- Semantische Substanz, elementarer Inhalt
- Geschichte = einzelne Elemente aus dem Geschehen
- Durch Selektion in den Rang von narrativen Ereignissen
- Selegierende und kombinierende Struktur
- Formung, Spezialisierung der semantischen Substanz
- Terme / Aktanten = Oppositionsbeziehungen (Gegner-Helfer, Sender-Empfänger, Subjekt-Objekt)
- Aktanten = elementare Träger der Figuren
- Ausgleichsbewegung aus Konfrontation, Domination und Attribution
- Intrige = gegenläufige perspektivische Möglichkeiten der Handlungslinien von Protagonisten und Antagonist
- Axiologie = ideologische Komponente, Wertordnung
- Semantischer Mehrwert
- Subjektive oder modale Werte = zusätzliches Wissen oder Können nötig um den objektiven Wert zu erlangen
- Immanente Werte = nicht zyklisch, keine zweckrationale Orientierung
- Transzendente Werte
- Ereignishaft = unvorhergesehen erscheinendes Geschehnis
- Normabweichung im konventionellen Geschehensfluss
- Unterscheidung: nicht-narratives Geschehnis vs. Narratives Ereignis
- Interpretation über eine Zustandsveränderung
- Metapher = Kombination mehrerer Ereignisse, die eine narrative Struktur zwischen Anfang und Ende andeuten, Grundkombination des selegierten semantischen Materials
- Kulturhistorische Inferenzkategorien = kausale bzw. finale Motivation
- Das Warum oder Wozu muss mithilfe des historischen Kontextwissens erschlossen oder als kulturelle Implikation ergänzt werden
- Achtung! = Unterscheidung zwischen Motivation und Motivierung

3.2 Erzählung und Komposition

- Erzählung – Geschichte – Geschehen
- Möglichkeiten der Perspektive, axiologische Implikationen
- Erzählung = sprachlich-artifizieller Entwurf der Geschichte durch eine implizite oder explizite Erzählinstanz
- Immer eine künstliche Komposition
- Sichtbarkeit und Latenz der künstlichen Komposition ergeben 2 Motivierungsbegriffe
- (kausale und finale Motivation)
- Kompositorische und realistische Motivierung
- Gegen die natürliche Chronologie
- Vor- und Rückgriff
- Motivation von hinten
- Kompositorische Motivierung
- Komplexer als Motivationsbegriff
- Schaubarmachen der Konzepte von kausaler und finaler Motivation
- Rein thematisch, überzeitlichen Zusammenhang
- Realistische Motivierung
- Geweckte oder erfüllte Erwartung ist auf die Konstruktion einer konkreten Wirklichkeit ausgerichtet
- Thematisch konstruiert
- Narrative Komposition bringt sich selbst zum Verschwinden
- Isotopie = Geschehensmomente besitzen eine noch unspezifische Bedeutungsgleichheit

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Exzerpt zur Historischen Narratologie
Hochschule
Universität zu Köln  (Institutu für deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Analyse vormoderner Texte
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
3
Katalognummer
V443096
ISBN (eBook)
9783668819467
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exzerpt, historischen, narratologie
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Exzerpt zur Historischen Narratologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443096

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