Wie in fast jedem seiner Filme hat Quentin Tarantino es auch in "Reservoir Dogs" geschafft, ein Genre auf seine ganz eigene Art und Weise zu definieren. In diesem Fall handelt es sich um das Genre des "Heist"-Movies". Diese Arbeit untersucht Tarantinos Umgang mit dem Genre und zeigt auf, was er getan hat, um ihm seinen Tarantino-Touch zu verleihen.
Quentin Tarantino hat mittlerweile bei neun – für sich jeweils sehr erfolgreichen – Filmen Regie geführt. Doch was macht Tarantinos Filme für seine Fans so faszinierend? Der Hauptfaktor hierbei ist zweifellos Tarantinos Vorgehensweise bei der Verarbeitung bekannter Genres. So macht er aus dem Western in Django Unchained einen Italo-Western mit Blaxploitation-Charakter und in The Hateful Eight ein moralisches Kammerspiel kurz nach dem amerikanischen Sezessionskrieg. Mit Inglorious Basterds liefert er einen kontrafaktischen Kriegsfilm über eine Nationalsozialisten abschlachtende Guerillatruppe und mit Kill Bill – Volume 1 einen vom Eastern angehauchten Martial-Arts-Actionfilm. Sein Genreverständnis ist also sehr individuell und man „erkennt einen Tarantino, wenn man ihn sieht“. Genauso ist es mit Reservoir Dogs, in dem er 1992 sein Regiedebut gegeben hat. Der Inhalt des Films verläuft nicht linear, was außerhalb des Tarantino-Universums eher ungewöhnlich erscheint, von Tarantino aber folgendermaßen kommentiert wird:
Inhaltsverzeichnis
A) Tarantinos Genreverständnis und einleitende Frage
B) Der Film Reservoir Dogs als Heist-Movie
I. Die Untersuchung
1. Die Reihenfolge
2. Das Phasenmodell
2.1. Die Tabelle
2.2. Die Untersuchung der Kapitel
2.2.1. Die Konstitution
2.2.2. Die Planung
2.2.3. Das Training
2.2.4. Die Durchführung
2.2.5. Die Coda
II. Die Charaktere
1. Mr. White
2. Mr. Orange
3. Mr. Blonde
4. Mr. Pink
5. Mr. Brown & Mr. Blue
6. Joseph Cabot
7. Nice Guy Eddie Cabot
III. Die Dynamik der Dogs
C) Was macht Tarantino mit dem Heist-Movie in Reservoir Dogs?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Quentin Tarantinos Regiedebüt "Reservoir Dogs" unter Anwendung des klassischen Phasenmodells für Heist-Movies, um zu analysieren, wie der Regisseur die erzählerischen Konventionen dieses Genres gezielt durchbricht und neu interpretiert.
- Analyse der nicht-linearen Erzählstruktur und Zeitgestaltung des Films.
- Untersuchung der filmischen Mittel und der spezifischen Inszenierung der verschiedenen Kapitel.
- Detaillierte Charakterstudie der beteiligten Gangsterfiguren und ihrer Rollenbilder.
- Evaluation der Gruppendynamik und des Scheiterns des Heists aufgrund mangelnden Vertrauens.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die Konstituion
Beginnen wir mit der Konstitution: Hier werden die Protagonisten eingeführt, die Herausforderung und die Motivation des Heists werden festgestellt. Häufig sind die truppenführenden Gangster befreundet. Sie sind von dem Gedanken beseelt, ein großes Ding mit idealerweise ebenso großem Profit zu drehen. Es folgt die Rekrutierung der Truppe, die entweder aus befreundeten oder bekannten Gangstern oder aus Amateuren besteht – wie beispielsweise bei Topkapi. Die Motivation dahinter ist klar in der Regel vom rein finanziellen Standpunkt zu sehen, wobei dieser Standpunkt variiert, wie später erwähnt wird.
Doch nun zu Reservoir Dogs. Die Anfangsszene im Diner stellt alle sechs Gangster vor, wobei ihr „Hobby“ nicht gleich erkennbar ist. Das Kapitel wird aufgrund der verschiedenen Kameraeinstellungen, in drei Teile aufgeteilt: „Like a virgin“, „Joes Adressbuch und K Billy`s Super Sounds“ und „Trinkgeld“. Tarantino selbst hat mit seinem recht eigensinnigen Monolog als Mr. Brown über Like a virgin gleich zu Beginn ein kaum überhörbares Statement abgegeben: Der Zuschauer soll vor allem zuhören. Unterstrichen wird diese Aussage durch die bewegte Kamera: Sie fährt in 360°-Drehungen um den Tisch herum, an dem die Dogs sitzen, fixiert dabei niemanden und wird hin und wieder von einem Rücken verdeckt. Die aktuellen Sprecher kommen nur wie zufällig ins On, was eine Orientierung des Zuschauers an Personen und Räumlichkeiten verhindert. Was Tarantino hier außerdem bezwecken will, ist die Sicht auf die Dogs als Gruppe: Niemand ist die Hauptperson, es herrscht Gleichberatigung. Die Kamerafahrt endet und ruht nach Browns Monolog für einen kurzen Augenblick auf ihm, ehe die Einstellung wechselt.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Tarantinos Genreverständnis und einleitende Frage: Einleitung in Tarantinos individuelles Vorgehen bei der Genre-Verarbeitung und Definition der Fragestellung zur Umsetzung des Heist-Movie-Genres in "Reservoir Dogs".
B) Der Film Reservoir Dogs als Heist-Movie: Zentrale Analyse des Films mittels filmischer Chronologie, eines Phasenmodells und detaillierter Charakterbeschreibungen sowie der Betrachtung der Gruppendynamik.
C) Was macht Tarantino mit dem Heist-Movie in Reservoir Dogs?: Fazit über die abstrakte Rekonstruktion des Heists durch Nicht-Linearität und die Aufwertung der Charaktertiefe trotz des formalen Scheiterns der Gruppe.
Schlüsselwörter
Quentin Tarantino, Reservoir Dogs, Heist-Movie, Filmtheorie, Phasenmodell, Charakteranalyse, Gruppendynamik, Nicht-lineare Erzählstruktur, Flashback, Inszenierung, Filmästhetik, Verrat, Professionalität, Gangster, Erzählweise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht Quentin Tarantinos Debütfilm "Reservoir Dogs" unter dem Gesichtspunkt des Heist-Movie-Genres und analysiert, wie der Regisseur dieses Genre durch unkonventionelle Erzähltechniken neu definiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der narrativen Struktur des Films, der filmischen Inszenierung der verschiedenen Phasen des Raubüberfalls sowie der psychologischen Untersuchung der Charakterkonstellationen innerhalb der Gangsterbande.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Tarantino die klassischen Versatzstücke eines Heist-Movies nutzt, um durch nicht-lineare Erzählung und Fokusverschiebung einen eigenen, "tarantinoisierten" Stil zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch die Einordnung der Filmkapitel in ein klassisches Phasenmodell nach Matthias Hartmann sowie durch eine detaillierte filmästhetische Analyse der Kameraführung und der Dialoge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Untersuchung des filmischen Ablaufs, eine tiefgehende Analyse der einzelnen Charaktere und eine Diskussion über die spezifische Dynamik der Gangstergruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Tarantinos Genre-Verständnis, Heist-Movie, nicht-lineare Narration, Charaktertiefe, Inszenierung und Gruppendynamik.
Warum spielt die Gruppendynamik für das Scheitern des Überfalls eine so entscheidende Rolle?
Die Arbeit argumentiert, dass der Mangel an persönlicher Bindung und das vorherrschende Misstrauen zwischen den Gangstern die zentrale Ursache für das Scheitern des Plans sind, da das rein finanzielle Motiv keine tragfähige soziale Basis bildet.
Welche Bedeutung kommt der "Coda" im Film zu?
Im Gegensatz zu klassischen Heist-Movies, in denen die Coda oft nur eine kurze Rekapitulation darstellt, nimmt sie bei "Reservoir Dogs" einen Großteil des Films ein und dient der Darstellung der verhängnisvollen Gegenwartshandlung.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Mr. Orange im Film?
Orange nimmt eine Sonderrolle ein, da er als verdeckter Ermittler zwischen den Fronten steht; seine Entwicklung von der Undercover-Identität zur tragischen Figur wird maßgeblich durch seine Beziehung zu Mr. White bestimmt.
- Citar trabajo
- Christopher Riedmüller (Autor), 2016, Was macht Tarantinos Filme so faszinierend? Seine Vorgehensweise im Film Reservoire Dogs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443847