In den letzten 20 Jahren ist die Kaiserschnittrate in Deutschland kontinuierlich angestiegen. Den Großteil davon stellen nicht-medizinisch indizierte Kaiserschnitte dar.
Das Ziel dieser Arbeit ist die Einflussfaktoren, welche Frauen zu dem Entschluss einer Kaiserschnittentbindung bewegen, sowohl auf gesellschaftlicher als auch individueller, persönlicher Ebene zu untersuchen. Zur Bearbeitung der Thematik und Beantwortung der Forschungsfragen ist eine systematische Literaturanalyse durchgeführt worden.
Als Haupteinflussfaktoren sind ein hohes Sicherheitsbedürfnis, die risikoarme, öffentliche Darstellung des Kaiserschnittes, prägende Persönlichkeitsmerkmale wie Introvertiertheit etc., Unsicherheit und Angst identifiziert worden. Darauf aufbauend wird im nächsten Schritt ein interdisziplinäres Beratungskonzept im Kontext des Expertinnenstandards zur Förderung der physiologischen Geburt theoretisch konzipiert und dessen einzelne Interventionsschritte erläutert. Der Fokus wird dabei auf die Aufklärung hinsichtlich des Kaiserschnittes, dem Aufzeigen der gesundheitsförderlichen Perspektive und der psychischen Betreuung mit Schwerpunkt auf der Bearbeitung von Emotionen gelegt.
Da Frauen, gerade zu Beginn der Schwangerschaft Informationen, professionellen Empfehlungen und einer Beratung offen gegenüber sind, verspricht dieser Interventionsansatz eine hohe Wirksamkeit, die Frauen in ihrer Entscheidung für einen Kaiserschnitt umzustimmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Geburtsprozesse und ihre Veränderungen
1.1 Physiologische Geburt
1.2 Sectio Caesarea
1.3 Der moderne Trend zur Kaiserschnittkultur
1.4 Gesundheitsbezogene Problemlagen bei Kaiserschnitt
1.5 Lösungsansatz des Expertinnenstandards
2 Methodisches Vorgehen
3 Einflussfaktoren und Entscheidungsprozesse in der Phase der Geburtsvorbereitung
3.1 Gesellschaftliche Einflussfaktoren
3.2 Individuelles Bedingungsgefüge
4 Professionelle und individuelle Abwägungsprozesse für die Geburt
4.1. Gesundheits- und lebensweltbezogene Aspekte bei physiologischer Geburt
4.2 Gesundheits- und lebensweltbezogene Aspekte bei Kaiserschnitt
5. Notwendigkeit eines effizienten Lösungsansatzes
6 Konzeptentwicklung einer interdisziplinären pränatalen Beratung
6.1 Struktur einer gesundheitsbezogenen Einzelberatung
6.2 Theoriebasierte Konzeptskizze
6.3 Eckpfeiler eines Beratungskonzeptes
6.3.1 Haltung, Konsens und Widersprüche
6.3.2 Kompetenzen der Beratenden
6.4 Zugangswege zur Zielgruppe
6.5 Beratungsinhalte
6.5.1 Beziehungs- und Vertrauensaufbau
6.5.2 Analyse und Förderung der Gesundheitskompetenz
6.5.3 Analyse einflussnehmender Beweggründe
6.5.4 Informationsweitergabe zur physiologischen Geburt
6.5.5 Aufklärung über die Auswirkungen eines Kaiserschnittes
6.5.6 Indizierung einer Umstimmung
6.5.7 Aspekte der Gesundheitsförderung
6.5.8 Bearbeitung von Emotionen
6.5.9 Psychosoziale Betreuung und Angstmanagement
6.6 Evaluation
7 Diskussion der Umsetzungspotentiale im Hinblick auf eine Praxisimplementierung
8 Zusammenfassung und Zukunftsausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, der steigenden Rate nicht medizinisch indizierter Kaiserschnitte entgegenzuwirken, indem ein theoretisches Konzept für eine interdisziplinäre, pränatale Beratung entwickelt wird, die Pflegefachkräfte und Hebammen einbezieht, um Frauen eine informierte Entscheidung für eine physiologische Geburt zu ermöglichen.
- Analyse gesellschaftlicher und individueller Einflussfaktoren auf die Wahl des Geburtsmodus
- Erarbeitung eines evidenzbasierten, pränatalen Beratungskonzeptes unter Nutzung des Expertinnenstandards
- Rolle der Pflegefachkraft in der Beratung und Betreuung von Schwangeren
- Umgang mit Ängsten, psychischen Komponenten und der Förderung der Gesundheitskompetenz
- Strategien zur Implementierung und Evaluation eines Beratungsangebotes in der Geburtshilfe
Auszug aus dem Buch
1.1 Physiologische Geburt
Geburt meint den durch Wehen begleiteten Austritt des Fetus aus dem mütterlichen Organismus (vgl. Sohn u.a. 2017, S. 13). Die Entbindung stellt dabei die Durchführung der Geburt dar (vgl. Sohn u.a. 2017, S. 13). Insgesamt verläuft die Geburt in drei Phasen, welche sich wiederum in Unterformen unterteilen (vgl. Chalubinski 2016, S. 670). Der Beginn der Geburt zeigt sich durch das kontinuierliche Auftreten von Wehen und der Eröffnung des Muttermundes (vgl. Chalubinski 2016, S. 668). Nach der vollständigen Zervixeröffnung tritt das Kind in das untere Becken und die Presswehen beginnen (vgl. Chalubinski 2016, S. 670). Zum Schluss bewirken Nachwehen den Austritt der Plazenta aus dem Uterus (vgl. Chalubinski 2016, S. 670).
Bisher gibt es keine international geltende Definition der physiologischen Geburt, da diese, je nach kulturellen und strukturellen Einflussfaktoren auf die Geburtshilfe, variiert (vgl. Sayn-Wittgestein u.a. 2015, S. 21). Auf Grund dessen wird an dieser Stelle die Begriffserläuterung des Expertinnenstandards zur Förderung der physiologischen Geburt verwendet. Demnach „wird eine physiologische Geburt als eine Geburt verstanden, bei der keine bzw. möglichst wenige, gut begründete Interventionen durchgeführt werden“ (Sayn-Wittgestein u.a. 2015, S. 21). Das bedeutet, neben der Vermeidung einer operativen Geburtsbeendung wird die Verwendung von Medikamenten zur Geburtseinleitung und Schmerzreduktion auf ein Minimum reduziert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Problematik der hohen Kaiserschnittrate in Deutschland dargestellt und das Ziel der Arbeit, ein interdisziplinäres Beratungskonzept zu entwickeln, erläutert.
1 Geburtsprozesse und ihre Veränderungen: Das Kapitel definiert physiologische Geburt und Kaiserschnitt, analysiert den Trend zur "Kaiserschnittkultur" und beschreibt gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind.
2 Methodisches Vorgehen: Hier wird die Durchführung der systematischen Literaturanalyse zur Datengewinnung in wissenschaftlichen Datenbanken und Bibliotheken beschrieben.
3 Einflussfaktoren und Entscheidungsprozesse in der Phase der Geburtsvorbereitung: Es werden gesellschaftliche Faktoren sowie individuelle Bedingungsgefüge und psychologische Ursachen analysiert, die Frauen zu einem Kaiserschnitt motivieren.
4 Professionelle und individuelle Abwägungsprozesse für die Geburt: Das Kapitel beleuchtet die Argumente für und gegen die beiden Geburtsmodi aus der Perspektive verschiedener Professionen sowie der Frauen selbst.
5. Notwendigkeit eines effizienten Lösungsansatzes: Es wird begründet, warum ein strukturierter Beratungsansatz notwendig ist, um Frauen bei der informierten Entscheidung zu unterstützen.
6 Konzeptentwicklung einer interdisziplinären pränatalen Beratung: Das Kernkapitel der Arbeit entwirft ein theoretisches Beratungskonzept, das von Struktur, Kompetenzen der Beratenden, Zielgruppenzugang bis hin zu detaillierten Inhalten und Evaluationsmethoden reicht.
7 Diskussion der Umsetzungspotentiale im Hinblick auf eine Praxisimplementierung: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei Potenziale und Barrieren für die praktische Anwendung in Kliniken diskutiert werden.
8 Zusammenfassung und Zukunftsausblick: Die Arbeit schließt mit einer Gesamtschau der Problematik und plädiert für eine bundesweite Etablierung beratender Interventionen durch Pflegefachkräfte.
Schlüsselwörter
Kaiserschnitt, Sectio Caesarea, physiologische Geburt, Expertinnenstandard, Gesundheitskompetenz, Beratung, Schwangerschaft, Entscheidungsfindung, Kaiserschnittrate, Angstmanagement, Gesundheitsförderung, interdisziplinäre Beratung, Empowerment, Geburtsvorbereitung, pränatale Betreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der hohen Rate an nicht medizinisch indizierten Kaiserschnitten in Deutschland und entwickelt ein theoretisches Beratungskonzept für Pflegefachkräfte und Hebammen, um Schwangere bei der Wahl einer physiologischen Geburt zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die psychologischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf die Entscheidung für einen Kaiserschnitt, die medizinischen Risiken dieses Eingriffs, die Stärkung der Gesundheitskompetenz sowie die methodische Beratung zur Förderung einer vaginalen Geburt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, durch die Konzeption einer interdisziplinären pränatalen Beratung eine effektive Intervention zu schaffen, um Frauen evidenzbasiert über Geburtsmodi aufzuklären und so die Rate der Kaiserschnitte zu senken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin hat eine systematische Literaturanalyse durchgeführt, bei der sie wissenschaftliche Datenbanken (z.B. Pubmed, Cochrane) und verschiedene Fachbibliotheken nutzte, um aktuelle Studien und Erkenntnisse zur Problematik zusammenzutragen und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einflussfaktoren (gesellschaftlich und individuell), vergleicht Abwägungsprozesse zwischen Kaiserschnitt und natürlicher Geburt und entwickelt detailliert das interdisziplinäre Beratungskonzept inklusive Struktur, Inhalten und Evaluationsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kaiserschnitt, Sectio Caesarea, physiologische Geburt, Expertinnenstandard, Gesundheitskompetenz, Beratung, Schwangerschaft, Entscheidungsfindung und Angstmanagement charakterisiert.
Warum wird der "Expertinnenstandard" als Basis herangezogen?
Der Expertinnenstandard zur Förderung der physiologischen Geburt dient als wissenschaftlich fundiertes Qualitätsinstrument, das die Basis für die pflegerischen Interventionen innerhalb des neu entwickelten Beratungskonzepts bietet.
Welche Rolle spielt die "Gesundheitskompetenz" bei der Beratung?
Die Gesundheitskompetenz wird als Schlüssel angesehen, damit Schwangere wissenschaftliche Informationen verstehen und kritisch bewerten können, um sich fundiert für ihre Gesundheit und die ihres Kindes zu entscheiden.
Wie gehen die Beratenden mit der Angst der Frauen um?
Das Konzept sieht vor, Ängste durch aktives Zuhören, empathische Kommunikation, den Einsatz von (Selbst-)Reflexionsmethoden und das Vermitteln von Sachwissen über den natürlichen Geburtsablauf gezielt abzubauen.
Welche Rolle nehmen Pflegefachkräfte in diesem Konzept ein?
Pflegefachkräfte fungieren als Fachexpertinnen, die in Kooperation mit Hebammen und unter Einbeziehung ihres pflegewissenschaftlichen Fachwissens die Beratung übernehmen, um die Hebammen zeitlich zu entlasten und eine neutrale, evidenzbasierte Beratung zu gewährleisten.
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- Nadja Jäger (Author), 2018, Die Problematik nicht medizinisch indizierter Sectio Caesarea im Kontext des Expertinnenstandards zur Förderung der physiologischen Geburt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/443859