Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 durch die BRD gewann das Thema Inklusion eine nicht vorherzusehende Präsenz. Seitdem wurde die Integration behinderter Menschen in die Regelschulen flächendeckend umgesetzt. Auf Bundesebene gibt es in 54% der Schulen integrative Lerngruppen. In NRW arbeiten bereits 69% der Schulen integrativ. Die Umsetzung erweist sich jedoch als schwierig. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Chef des Philologenverbands NRW ein Gegenlenken fordert, denn sonst „fahren die Inklusionsbestrebungen in NRW vor die Wand“ (rp-online, 2016). Ein Risikofaktor ist in diesem Rahmen die soziale Integration der behinderten Kinder. Internationale Metaanalysen konnten nachweisen, dass Lernstörungen mit sozialer Ausgrenzung einhergehen.
Vor diesem Kontext sollen in der folgenden Hausarbeit zwei Fragen beantwortet werden. Zunächst wird die Problemlage untersucht, inwieweit inkludierte Kinder in der Primarstufe sozial integriert sind. In einem weiteren Schritt soll die Frage beantwortet werden, welche Bedingungsfaktoren die soziale Ausgrenzung der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf in der Grundschule beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Integration von Kindern mit SFB im Primarbereich in Deutschland
2.1. Aktuelle Forschungsbefunde
2.1.1. Aktuelle Situation der sozialen Ausgrenzung von ErstklässlerInnen mit SFB (Krull, Wilbert & Hennemann, 2014)
2.1.2. Soziale Ausgrenzung von Dritt- und ViertklässlerInnen mit SFB und schwachen Schulleistungen (Huber & Wilbert, 2012)
2.2. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
3. Bedingungsfaktoren der sozialen Ausgrenzung von Kindern mit SFB im Primarbereich in Deutschland
3.1. Aktuelle Forschungsbefunde
3.1.1. Soziale Referenzierungsprozesse und soziale Integration (Huber, 2011)
3.1.2. Der Einfluss von Freundschaften und eine angemessene emotional-soziale Entwicklung auf die soziale Akzeptanz (Voß, Blumenthal, Marten & Hartke, 2016)
3.2. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
4. Pädagogische Konsequenzen für den Schulalltag
4.1. Mögliche Fördermaßnahmen im schulischen und vorschulischen Alltag
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation der sozialen Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SFB) im Primarbereich in Deutschland und analysiert zentrale Bedingungsfaktoren für deren soziale Ausgrenzung oder Integration.
- Soziale Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
- Einfluss von Schulleistungen auf soziale Statusgruppen
- Die Bedeutung der sozialen Referenzierung durch Lehrkräfte
- Schutzfaktoren wie Freundschaften und emotional-soziale Entwicklung
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten zur Förderung der Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Soziale Referenzierungsprozesse und soziale Integration (Huber, 2011)
Zentraler theoretischer Bezugspunkt der Untersuchung ist der aus der Entwicklungspsychologie stammende Begriff der sozialen Referenzierung (engl. social referencing). Dieser bezeichnet das Phänomen, dass sich Kinder in unbekannten Situationen an der Reaktion und dem Verhalten der Eltern orientieren (z. B. McAuliffe, Hubbard & Romano, 2009). Je unsicherer eine neue Erfahrung ist, desto eher greifen Menschen auf eine soziale Referenz zurück (z. B. Asch, 1952). Auf die Schule übertragen heißt dies, dass die Kinder in der Schule einen Fixpunkt suchen, an dem sie ihr eigenes Verhalten ausrichten (z. B. Chang, 2003). Nach Webster & Foschi (1992) nimmt in der Grundschule insb. die Lehrkraft diese Rolle ein. Huber zieht folgenden Schluss aus dieser Perspektive (2011, S. 23):
„[…] dass Schüler insbesondere in der Gründungsphase einer Schulklasse besonders häufig nach sozialen Referenzen suchen, könnte dem Verhalten der Lehrkraft gegenüber den einzelnen Schülerinnen und Schülern der Klasse eine entscheidende Rolle bei der Bildung sozialer Hierarchien zu kommen.“
In einigen Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass die soziale Attraktivität eines Kindes insb. durch negatives Lehrerfeedback verändert werden kann (z. B. White & Jones, 2000). Daraus folgert Huber (2011) drei Hypothesen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Inklusion in deutschen Grundschulen und Darstellung der Problemstellung bezüglich sozialer Ausgrenzung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
2. Soziale Integration von Kindern mit SFB im Primarbereich in Deutschland: Vorstellung empirischer Forschungsbefunde, die belegen, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf häufiger von sozialer Ablehnung betroffen sind.
3. Bedingungsfaktoren der sozialen Ausgrenzung von Kindern mit SFB im Primarbereich in Deutschland: Analyse theoretischer und praktischer Einflüsse wie Lehrerfeedback, Schulleistungen sowie protektiver Faktoren wie Freundschaften und emotional-soziale Kompetenzen.
4. Pädagogische Konsequenzen für den Schulalltag: Ableitung von Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte zur Gestaltung eines inklusiven und weniger von Leistungsdruck geprägten Unterrichts.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten hinsichtlich der Kausalitäten zwischen verschiedenen Bedingungsfaktoren.
Schlüsselwörter
Inklusion, Soziale Integration, Soziale Ausgrenzung, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Primarbereich, Lehrerfeedback, Soziale Referenzierung, Schulleistungen, Freundschaften, Emotional-soziale Entwicklung, Schutzfaktoren, Klassenklima, Soziometrie, Pädagogische Konsequenzen, Grundschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der sozialen Situation von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im inklusiven Unterricht an deutschen Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse des sozialen Status von Kindern mit Förderbedarf, den Faktoren, die zu Ausgrenzung führen, und den Möglichkeiten zur Förderung der Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aktuelle Forschungsergebnisse zusammenzutragen, um zu verstehen, warum Kinder mit Förderbedarf häufiger von sozialer Ausgrenzung betroffen sind und welche Faktoren diese beeinflussen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse aktueller empirischer Studien der Sonder- und Heilpädagogik, die unter anderem soziometrische Erhebungen nutzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung aktueller Forschungsbefunde zur sozialen Ausgrenzung sowie eine theoretische und empirische Analyse der Bedingungsfaktoren, wie etwa das Lehrerfeedback und individuelle Schutzfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, soziale Integration, Lehrerfeedback, Schulleistungen, soziale Referenzierung und protektive Faktoren.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Integration?
Die Lehrkraft dient als zentrale soziale Referenz; ihr Feedback und ihre Wertschätzung beeinflussen maßgeblich, wie ein Kind innerhalb der Klassenhierarchie wahrgenommen wird.
Können schlechte Schulleistungen durch andere Faktoren kompensiert werden?
Ja, Studien zeigen, dass eine positive emotional-soziale Entwicklung und bestehende Freundschaften als Schutzfaktoren wirken und das Risiko einer sozialen Ausgrenzung mindern können.
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- Marco Rickenbrock (Author), 2017, Soziale Integration und Ausgrenzung der inkludierten Kinder im Primarbereich in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444236