Etwa 17 Prozent des Bruttoinlandproduktes, das sind anders ausgedrückt rund 370 Milliarden Euro, beklagt der Staat an Mindereinnahmen derzeit jährlich durch Schwarzarbeit. Der Umfang ist dabei in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, neben Deutschland auch in den restlichen OECD-Staaten. In Deutschland hat sich der Umfang allein in den letzten 20 Jahren verdoppelt und eine Eindämmung der Expansion ist momentan nicht zu erkennen. Zu diesem Thema werden in der Öffentlichkeit zwei wesentliche Standpunkte vertreten. Die eine Seite empfindet die Schattenwirtschaft als effizienteste Form des Wirtschaftens oder als Freiraum in einem Staat der als vollkommen überreguliert gilt. Die andere Seite betrachtet die damit verbundenen wirtschaftspolitischen Probleme wie Steuerhinterziehung, sinkende Einnahmen bei den Sozialversicherungen und Arbeitsplatzverluste. In Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit kommt es wegen dieser differenzierten Standpunkte immer wieder zu kontroversen Diskussionen, die einerseits den Informationsbedarf und andererseits den Handlungsbedarf aufzeigen.
Interessant sind vor allem die Motive, die den Einzelnen dazu bewegen, schwarzarbeitend tätig zu werden. Die allgemeine Ursachenanalyse in Bezug auf die Schwarzarbeit ist daher Schwerpunkt dieser Hausarbeit. Zum Verständnis der Problematik, was unter Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft zu verstehen ist, werden zunächst die Begriffe definiert und dargestellt in welcher Wechselwirkung sie zueinander stehen. Anschließend werden als Ausgangspunkt die Folgen auf makroökonomischer Ebene erläutert. Ausführlich werden die fiskalischen Auswirkungen analysiert, andere werden nur kurz erwähnt. Nachdem die vorwiegend negativen Folgen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht verdeutlicht sind, wird im Hauptteil geklärt, auf Grund welcher Einflussfaktoren die einzelnen Individuen gesetzeswidrig handeln, obwohl die meisten der negativen Auswirkungen der Öffentlichkeit bekannt sind.
Darauf aufbauend werden Ansätze gezeigt, die zur Eindämmung der Schwarzarbeit sinnvoll erscheinen. Schlussendlich wird die Frage, warum die Schwarzarbeit seitens des Staates unter Mitwirkung der Bevölkerung nicht mit vollem Einsatz bekämpft wird, näher betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit
3. Folgen der Schwarzarbeit auf makroökonomischer Ebene
3.1. Auswirkungen auf die Steuereinnahmen
3.2. Andere ausgewählte Wirkungen
4. Das neoklassisches Einkommen-Freizeit-Modell als Ausgangspunkt zur Ursachen- und Wirkungsanalyse
4.1 Präferenzen und Restriktionen
4.2 Graphische Darstellung des Grundmodells
4.3 Erweitertes Grundmodell
5. Ursachen- und Wirkungsanalyse auf mikroökonomischer Ebene
5.1. Regelarbeitszeit und Arbeitszeitverkürzungen
5.2. Steuer- und Abgabenbelastung
5.3. Transferzahlungen
5.4. Regulierungsdichte auf dem Arbeitsmarkt
5.5. Steuermentalität und Steuermoral
6. Bekämpfungsbereitschaft
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die ökonomischen Ursachen und Wirkungen der Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf den Motiven der handelnden Individuen sowie den Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen liegt. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis des neoklassischen Einkommen-Freizeit-Modells zu analysieren, welche Faktoren zur Ausweitung der Schwarzarbeit führen und welche Ansätze sinnvoll erscheinen, um diesem Phänomen entgegenzuwirken.
- Definition und Abgrenzung von Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit
- Analyse makroökonomischer und fiskalischer Auswirkungen
- Mikroökonomische Ursachenanalyse mittels Einkommen-Freizeit-Modell
- Einfluss von Steuerbelastung, Sozialabgaben und Regulierungsdichte
- Untersuchung von Steuermoral und staatlichen Bekämpfungsstrategien
Auszug aus dem Buch
5.2 Steuer- und Abgabenbelastung
Die Öffentlichkeit favorisiert die zunehmende Steuern- und Abgabenlast als wichtigsten Grund für die Zunahme der Schwarzarbeit.
In Bezug auf die Steuerbelastung wirkt sich vor allem der Umstand des progressiven Steuersatzes negativ aus. Pro zusätzliche Arbeitsstunde ergibt sich aus steuerlicher Sicht eine überproportionale Zunahme der Einkommensteuer und somit ein geringeres Nettoeinkommen, was eine Nutzeneinbuße darstellt.
Es besteht für das einzelne Individuum nach Kosten-Nutzen-Analyse somit ein Anreiz, diesem Umstand durch Schwarzarbeit zu entgehen. Wird zusätzlich der Grenzsteuersatz erhöht und hat der Beschäftigte auf Grund einer schlechter Arbeitsmarktlage keine Gelegenheit seinen Wunsch nach Erhaltung der Einkommenshöhe zu realisieren, legt seine neue Kosten-Nutzen-Analyse das Schwarzarbeiten nah. Auch bei der Erhöhung der indirekten Steuern werden Anreize gegeben, in die Schwarzarbeit auszuweichen. Das beste Beispiel ist die Umsatzsteuer. Wenn nach Erhöhung der Umsatzsteuer, die Individuen in die Schwarzarbeit ausweichen, können sie enorme Preis-, Wettbewerbs- und Kostenvorteile realisieren. Außerdem wird eine Erhöhung der Umsatzsteuer zu einer Kettenreaktion führen. Nicht nur die Ausweichreaktion und Hinterziehung der Umsatzsteuer wird zu beobachten sein, sondern auch bei Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträgen werden Mindereinnahmen verzeichnet werden, da die auf Grund der erhöhten Umsatzsteuer schwarz ausgeführte Arbeit natürlich nicht als entsprechende Einnahmen deklariert werden würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Schattenwirtschaft ein, betont die wirtschaftliche Relevanz durch Mindereinnahmen und skizziert das Ziel der Arbeit, die Motive für Schwarzarbeit zu analysieren.
2. Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit: Das Kapitel definiert den Begriff der Schattenwirtschaft und der Schwarzarbeit im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und grenzt den offiziellen vom inoffiziellen Sektor ab.
3. Folgen der Schwarzarbeit auf makroökonomischer Ebene: Hier werden die fiskalischen Auswirkungen wie Steuerausfälle sowie sekundäre Effekte auf Wettbewerb und Wirtschaftswachstum diskutiert.
4. Das neoklassisches Einkommen-Freizeit-Modell als Ausgangspunkt zur Ursachen- und Wirkungsanalyse: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch das mikroökonomische Modell des Homo oeconomicus, um individuelle Entscheidungsfindungen zwischen Freizeit, Arbeit und Schwarzarbeit zu erklären.
5. Ursachen- und Wirkungsanalyse auf mikroökonomischer Ebene: Hierbei werden spezifische Einflussfaktoren wie Regelarbeitszeiten, Steuerlast, Transferzahlungen, Regulierungen und Steuermoral im Detail untersucht.
6. Bekämpfungsbereitschaft: Dieses Kapitel analysiert das Interesse der Bevölkerung und der Politik an der Bekämpfung der Schwarzarbeit und bewertet die Erfolgsaussichten finanzpolitischer Maßnahmen.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit umfassender wirtschaftspolitischer Reformen zur Eindämmung der Schattenwirtschaft.
Schlüsselwörter
Schwarzarbeit, Schattenwirtschaft, öffentliche Finanzen, Einkommen-Freizeit-Modell, Steuerbelastung, Sozialversicherungsbeiträge, Regulierungsdichte, Steuermoral, Steuereinnahmen, Mikroökonomie, Fiskalpolitik, Arbeitsmarkt, Leistungsanreize, Steuerprogression, Deregulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Ursachen und die Auswirkungen der Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit auf die öffentlichen Finanzen sowie auf die gesamtwirtschaftliche Struktur in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Abgrenzung von offizieller und inoffizieller Wirtschaft, die Auswirkungen auf Steuereinnahmen, die theoretische Modellierung von Arbeitsentscheidungen sowie die Untersuchung von Faktoren wie Steuern, Abgaben und Regulierungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe für Schwarzarbeit auf mikroökonomischer Ebene zu identifizieren und aufzuzeigen, warum staatliche Bekämpfungsmaßnahmen oft nur begrenzte Erfolge erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage das neoklassische Einkommen-Freizeit-Modell, um individuelle Nutzenmaximierung in einer Situation der Ressourcenknappheit grafisch und analytisch darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Einflussfaktoren wie Regelarbeitszeit, Steuer- und Abgabenlast, die Rolle von Transferzahlungen und der Einfluss des Meisterzwangs sowie der Steuermoral detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Schwarzarbeit, Schattenwirtschaft, Steuerbelastung, Regulierungsdichte, Steuermoral und das Einkommen-Freizeit-Modell.
Welche Rolle spielt der Meisterzwang bei der Ausweitung der Schwarzarbeit?
Der Meisterzwang stellt eine hohe Markteintrittsbarriere dar, die besonders kleine Betriebe belastet und Anreize schafft, Arbeiten ohne den entsprechenden Befähigungsnachweis und damit schwarz anzubieten.
Wie beeinflusst die Steuermoral die Entscheidung für Schwarzarbeit?
Eine abnehmende Steuermoral, oft bedingt durch Staatsverdrossenheit oder die Wahrnehmung von Steuerverschwendung, fungiert als treibende Kraft, die illegale Beschäftigung als Ausweg attraktiv erscheinen lässt.
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- Anne Rothkegel (Author), 2004, Die Auswirkungen der Schattenwirtschaft auf die öffentlichen Finanzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44453