Werbung wirkt! Aber nur auf andere – nicht auf mich selbst.
Gehen wir davon aus, dass andere Menschen stärker von Medien oder Werbung beeinflusst werden als wir selbst? Und welchen Einfluss hat diese Annahme auf unsere Einstellungen und unser Verhalten? Diese Kernfragen bilden die Medienwirkungstheorie des 3rd-Person-Effekts.
Die nachfolgende Arbeit bietet eine Einführung in diesen Ansatz, die anhand dreier Interviews mit aktiven Medienrezipienten ermittelt wurde. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse wurden mit bestehenden theoretischen Betrachtungen zusammengeführt und in Verbindung gebracht. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Effektwirkung im Sinne einer Wahrnehmungsverzerrung, kongruent zu der Theorie des Ansatzes. Darüber hinaus konnten Auswirkungen auf individuelle Vor- und Einstellungen, Einstellungsänderungen, Verhalten und Verhaltensabsichten festgestellt werden. Die wahrgenommene Distanz zum Empfängerkreis wurde als kritische Komponente bestätigt, wobei selbst geographische Distanz eine wichtige Rolle spielte. Zustimmung zu staatlichen Zensurmaßnahmen „gefährlicher“ medialer Botschaften wurde hingegen unisono abgelehnt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsleitfragen
1.2 Motivation
2 Theoretische Betrachtungen
2.1 3rd-Person-Perception
2.2 3rd-Person-Behavior
3 Methodik
3.1 Forschungsdesign
3.2 Datenauswahl
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung
4 Ergebnisse
4.1 K1 – Art und Häufigkeit der Medienrezeption
4.2 K2 – Einflusswahrnehmung und Verzerrungsordnung
4.3 K3 – Distanz- und Valenzdefinition
4.4 K4 – Vor- und Einstellungen, Einstellungsänderungen
4.5 K5 – Verhalten, Verhaltensabsichten und -änderungen
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht auf Basis qualitativer Interviews mit Medienrezipienten, ob die aus der Kommunikationswissenschaft bekannte Wahrnehmungsverzerrung des 3rd-Person-Effekts existiert und welche Auswirkungen diese Annahme auf die Einstellungen sowie das Verhalten der befragten Personen hat.
- Grundlagen und zentrale Annahmen des 3rd-Person-Effekts.
- Differenzierung zwischen 1st-, 2nd- und 3rd-Person-Perception.
- Einfluss von Distanzfaktoren und Valenz medialer Botschaften.
- Untersuchung von Verhaltensanpassungen und Zensurwahrnehmungen.
- Analyse der subjektiven Medienwirkung auf das eigene Verhalten im Vergleich zu Dritten.
Auszug aus dem Buch
2.1 3rd-PERSON-PERCEPTION
Die erste Basistheorie bezieht sich auf die Wahrnehmung medialer Inhalte sowie die Unterscheidung in Selbst- bzw. Fremdwahrnehmung. Gemäß Davison (1983) unterliegen Individuen der Annahme, dass die Rezeption medialer Botschaften eine stärkere Wirkung auf andere hat als auf sie selbst. Diese Wahrnehmungsdifferenz wird als 3rd-Person-Perception – bisweilen auch als Perceptual-Component (Salwen, 1998) oder Perceptual-Bias (Vallone, Ross, & Lepper, 1985), bezeichnet. Vom 3rd-Person-Effekt als Ganzes abzugrenzen, wird mit der 3rd-Person-Perception alleine jedoch noch keine Medienwirkung deutlich (Dohle, 2013), da diese letztlich nur die differenzierte Wahrnehmung von Individuen im Vergleich mit der Masse beschreibt.
Grundsätzliche Überlegungen lassen drei Schlüsse zu, aus welchen Gründen anderen eine höhere mediale Beeinflussung zugeschrieben wird als sich selbst. Zum einen kann bei Einzelfällen die Vermutung zutreffen, dass diese – z. B. bei sehr einstellungsstarken Persönlichkeiten mit hohem und umfangreichem Bildungsniveau, bzw. Expertenwissen (Willnat, 1996) – medial weniger beeinflussbar sind als die Masse der Rezipienten. Zum anderen kann eine Überschätzung vorliegen, sodass die mediale Wirkung auf andere als stärker angenommen wird als sie tatsächlich ist. Und letztlich ist auch denkbar, dass der Einfluss auf die eigene Person unterschätzt wird.
Eine Begünstigung der 3rd-Person-Perception resultiert etwa aus der Wünschbarkeit der erwarteten Wirkung (Sun, Pan, & Shen, 2008) sowie der Valenz einer medialen Botschaft (Gunther & Storey, 2003). Umso negativer der Inhalt bewertet wird, desto ausgeprägter die Tendenz zu einer Wahrnehmungsverzerrung (Sun, Pan, et al., 2008). Ferner hat auch die Bewertung der Quelle (z. B. Reputation) sowie deren Qualität (Newman & Schwarz, 2018) Einfluss auf die Intensität des Effekts.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der medialen Beeinflussung und Definition der Forschungsfragen sowie der eigenen Motivation des Autors.
2 Theoretische Betrachtungen: Erläuterung des 3rd-Person-Effekts mit Fokus auf Wahrnehmungskomponenten und verhaltensbezogene Auswirkungen.
3 Methodik: Beschreibung des qualitativen Forschungsdesigns auf Basis von leitfadengestützten Experteninterviews und der methodischen Auswertung.
4 Ergebnisse: Darstellung der Erkenntnisse aus den Interviews hinsichtlich Medienrezeption, Einflusswahrnehmung, Distanz- und Valenzdefinition sowie Einstellungsänderungen.
5 Diskussion: Synthese der Interviewergebnisse mit dem theoretischen Rahmen und Interpretation im Hinblick auf die Forschungsleitfragen.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Studie, Reflexion der Methodik und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
3rd-Person-Effekt, Medienwirkung, Wahrnehmungsverzerrung, Medienrezeption, qualitative Forschung, 3rd-Person-Perception, 3rd-Person-Behavior, soziale Distanz, Einstellungsänderung, Medienmanipulation, Rezipientenforschung, Einflusswahrnehmung, Kommunikationswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem 3rd-Person-Effekt, einer medienpsychologischen Theorie, nach der Menschen glauben, dass andere stärker durch mediale Botschaften beeinflusst werden als sie selbst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wahrnehmungsdifferenz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung bezüglich Medienwirkungen, der Einfluss von Distanzfaktoren sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für Einstellungen und Verhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch qualitative Interviews zu prüfen, ob sich eine Wahrnehmungsverzerrung im Sinne des 3rd-Person-Effekts bei den Teilnehmern feststellen lässt und welche Auswirkungen diese Annahme auf deren Vorstellungen und Handlungsweisen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt ein qualitatives Forschungsdesign, das auf drei leitfadengestützten Interviews mit Medienrezipienten basiert, deren Aussagen deduktiv analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die theoretischen Grundlagen des Effekts, die methodische Vorgehensweise, die detaillierte Präsentation der Interviewergebnisse sowie eine Diskussion dieser Befunde ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind 3rd-Person-Effekt, Medienwirkung, Wahrnehmungsverzerrung, soziale Distanz und Rezipientenforschung.
Welche Rolle spielt die geographische Distanz bei der Wahrnehmung?
Im Gegensatz zu einigen anderen Studien konnte in dieser Arbeit ein deutlicher Einfluss der geographischen Distanz auf die Einschätzung medialer Beeinflussbarkeit bei Dritten nachgewiesen werden.
Wie stehen die Befragten zu Zensurmaßnahmen bei Medieninhalten?
Die Teilnehmer lehnten allgemeine Zensurmaßnahmen kategorisch ab und beriefen sich teilweise auf Grundrechte wie die Pressefreiheit, zeigten jedoch vereinzelt Offenheit bei der Regulierung von als "Fake-News" eingestuften Inhalten.
- Citation du texte
- Frank Dutine (Auteur), 2018, Der 3rd-Person-Effekt der 4. Gewalt. Zur Autopoiesis impliziter Heuristik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445088