Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der individuelle Nutzen von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess


Hausarbeit, 2017

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahrnehmung
2.1 Wahrnehmungsverzerrung
2.2 Johari-Fenster

3 Interpersonelle Kommunikation und Feedbackgespräche
3.1 Kommunikationstheoretische Grundlagen
3.2 Feedback
3.2.1 Feedback-Regeln
3.2.2 Wirkung von Feedback

4 Anwendung der Inhaltstheorien in der Praxis
4.1 Beschreibung der Ausgangssituation
4.2 Analyse und Lösungsansätze für die Praxis

5 Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Johari-Fenster, Grundmodell

Abb. 2: Johari-Fenster nach Interaktion

Abb. 3: Die vier Seiten einer Nachricht

1 Einleitung

In der heutigen Zeit zeichnet sich ein Unternehmen nicht mehr allein durch den gewinnbringenden Verkauf seiner Produkte aus. Ein immer entscheidenderer Erfolgsfaktor ist ein erfolgreiches Personalmanagement, denn wenn die Bedürfnisse der Mitarbeiter unbefriedigt bleiben, wirkt sich dies negativ auf den gesamten Unternehmenserfolg aus. Ein Unternehmen ist also besonders dann erfolgreich, wenn sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter zufrieden sind (vgl. Wöhe, Döring 2013: 122).

Um diese allgemeine Zufriedenheit zu erreichen, spielt eine Vielzahl von Einflussfaktoren, z.B. der Abgleich von Selbstbild, also wie wir uns selber sehen, und Fremdbild, wie andere uns sehen, eine entscheidende Rolle, denn Störungen im Selbstbild können im Rahmen der interpersonellen Kommunikation zu Konflikten führen. Zur Angleichung dieser beiden Bilder steht u.a. das Kommunikationsinstrument des Feedbackgesprächs zur Verfügung. Durch Rückmeldung kann in Feedbackgesprächen die Ab- und Angleichung von der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung erreicht werden.

Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und der Beschreibung des Aufbaus dieser Hausarbeit in Kapitel eins, beschäftigt sich der zweite Teil dieser Arbeit mit dem Begriff der Wahrnehmung. Mit Hilfe des Modells des Johari-Fensters wird erklärt, wie Menschen wahrnehmen und wie es zu Differenzen zwischen dem Selbst- und Fremdbild kommen kann. In Kapitel drei erfolgt über kommunikationstheoretische Grundlagen die Überleitung zum Feedbackgespräch. Es werden zunächst die Regeln dargestellt, anschließend wird die Wirkung von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess erläutert.

Im Praxisbeispiel, dem vierten Teil dieser Hausarbeit, werden die möglichen Auswirkungen von Differenzen zwischen Selbst- und Fremdbild im Feedbackgespräch dargestellt und erläutert. Abschließend erfolgt im fünften Kapitel dann eine Zusammenfassung dieser Arbeit im Resümee.

In der Hausarbeit wird zugunsten der guten Lesbarkeit entweder die männliche oder die weibliche Sprachform verwendet. Die jeweils andere Form ist inhaltlich immer mit eingeschlossen.

2 Wahrnehmung

Wahrnehmung steht immer in Verbindung mit dem Prozess er interpersonellen Kommunikation, einem Prozess, in dem Menschen miteinander in Beziehung treten, um Nachrichten, z.B. durch Übertragung von Gedanken, Besprechung von Anliegen, Treffen von Entscheidungen oder Lösen von Problemen, an einen oder mehreren Empfängern zu übertragen. Um diesen Prozess besser verstehen zu können, wird zunächst der Begriff der Wahrnehmung erläutert. Wahrnehmung ist „ein Prozess, in dem der Wahrnehmende Reize aus der Außenwelt aufnimmt, selektiert, interpretiert und bewertet“ (Winkler, Hofbauer 2010: 146). Anders als bei dem Begriff der Empfindung, hat das Individuum sich bei dem Begriff der Wahrnehmung bereits geistig mit dem jeweiligen Ereignis auseinandergesetzt. Durch die Wahrnehmung konstruiert ein Mensch somit seine eigene, subjektive Realität, wodurch auch sein Verhalten geprägt wird (vgl. Winkler, Hofbauer 2010: 144, 216).

Da ein Mensch nicht immer alle Eindrücke bzw. Reize auf einmal aufnehmen und verarbeiten kann, beschränkt er sich auf die besonderen Merkmale und Eigenschaften. Das Wahrgenommene ist begrenzt und läuft sozusagen zunächst durch ein Filtersystem. Zum einen erfolgt aus anatomischer Sicht eine natürliche Filterung über die menschlichen fünf Sinne, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, die den Übergang von Innen- und Außenwelt des Menschen bilden. Zum anderen erfolgt eine weitere Filterung der Wahrnehmung durch sogenannte psychologische bzw. gesellschaftliche Filter. Einflussfaktoren wie Werte und Normen, die Erziehung durch die Eltern, die Kultur, die eigenen Gefühle oder das soziale Umfeld prägen die subjektive Wahrnehmung entscheidend. Letztendlich entscheidet die Intensität der Reize, welche Eindrücke der Mensch aktiv aufnimmt und verarbeitet. Entscheidend ist also nicht was wirklich ist, sondern was der Mensch aktiv wahrnimmt (vgl. Winkler, Hofbauer 2010: 147 f.).

2.1 Wahrnehmungsverzerrung

Da jeder Mensch anders ist, kann nie von einer objektiven Wahrnehmung gesprochen werden, Wahrnehmung ist immer subjektiv. Jeder schaut durch seine „persönliche Brille“, macht sich sein eigenes Bild von seinen Mitmenschen und versucht aus seiner eigenen Perspektive sich in die Gedanken, Eigenschaften und Absichten des Gegenübers hineinzuversetzen. Dadurch kann es zu Differenzen und Fehleinschätzungen kommen, den sogenannten Wahrnehmungsverzerrungen. Die im Folgenden aufgeführten möglichen Wahrnehmungsverzerrungen sind im Arbeitsprozess, sowohl in der Interaktion von Vorgesetztem und Mitarbeitern, Kollegen wie auch Kunden von besonderer Bedeutung und werden daher nachfolgend bespielhaft erläutert:

- Projektionen/ Übertragungen

Im Rahmen der Projektion werden Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensmuster aus der Vergangenheit auf sein gegenwärtiges Gegenüber übertragen. Der Mensch erwartet, dass das Verhalten seines Gesprächspartners, dem der Personen aus der Vergangenheit entspricht. Übertragung findet aber auch statt, wenn der Mensch seine eigenen Eigenschaften, insbesondere die negativen Eigenschaften, 1:1 auf sein Gegenüber überträgt. Projektion liegt also beispielsweise dann vor, wenn ein Gespräch misslingt, weil man selber unmotiviert ist, dem Gesprächspartner aber für das Misslingen beschuldigt und ihm ein Desinteresse an dem Gespräch vorwirft. Das eigene Desinteresse wird also auf sein Gegenüber übertragen .

- Erster Eindruck/ Sympathie-Fehler

Um die eigene Unsicherheit zu vermeiden, werden bei einem ersten Kontakt mit einem anderen Menschen einzelne, markante Merkmale wie Mimik und Gestik, Körperbau, Kleidung, Sprache oder Gang gesucht, die, bedingt durch seine eigene Erfahrung mit ähnlichen Menschen, Rückschlüsse auf den Gesamtcharakter der entsprechenden Person schließen lassen. Dieser erste Eindruck überlagert dann in der Zukunft alle anderen Eigenschaften. Ein weiterer entscheidender Faktor im Zusammenhang mit dem ersten Eindruck ist die Sympathie (Halo-Effekt). Gesprächspartner, die man sympathisch findet, werden automatisch positive Eigenschaften zugeordnet. (vgl. Holz 2012: 18; Crisand 1994: 56, 60).

- Selektive Wahrnehmung

Aufgrund der Vielzahl der Eindrücke können nur wenige Details des Gesprächspartners wahrgenommen werden. Häufig wird dabei aus Sicht der derzeitigen Rolle selektiert, weitere wichtige Informationen werden nicht wahrgenommen. „Es wird nur das wahrgenommen, was wir wahrnehmen wollen!“ (Crisand 1994: 58).Ein Angestellter der Müllabfuhr nimmt bei Betrachtung einer Straße möglicherweise wahr, dass sie schmutzig ist, ein Polizist hingegen könnte feststellen, dass die Straße sehr gefährlich ist und weitere Verkehrsschilder benötigt (vgl. Crisand 1994: 58 f.).

- Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiungen/ Gegenseitige Beeinflussung

Eine Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung ist ein Prozess, in dem durch eine Erwartung an sein Gegenüber das Verhalten des Gesprächspartners direkt beeinflusst wird. „Man wird, wie man vom Partner gesehen wird.“ (Crisand 1994: 56). Dabei können nur falsche, nicht zutreffende Erwartungen eine Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung auslösen, die dann ein unnatürliches Verhalten provozieren. Obwohl ein Auszubildender bislang immer gute Leistungen abgeliefert hat, sagt ihm sein Chef ständig, dass zum Bestehen der Abschlussprüfung noch mehr kommen muss. Bei dem Lehrling wird dadurch eine Prüfungsangst hervorgerufen, worunter bereits die Vorbereitungsphase leidet und er am Ende, entsprechend der Erwartung seines Chefs, die Abschlussprüfung nicht besteht. (vgl. Bierhoff 2006: 284).

- Augenblickliche Rollen, soziale Situation

Das Bild des Gesprächspartners ist häufig auch abhängig von seiner derzeitigen Rolle bzw. Position, all seine anderen Rollen werden ausgeblendet und bei der Wahrnehmung nicht berücksichtigt. Der Gesprächspartner im Konferenzzimmer wird bspw. nur in der Rolle als Konferenzteilnehmer wahrgenommen, nicht aber als Mutter, die sich nach der Arbeit zuhause noch um ihre Familie kümmern muss. (vgl. Crisand 1994: 59)

- Kategorisierung

Anhand nur eines Merkmals wird dem Gesprächspartner häufig schon eine bestimmte Rolle zugeschrieben und dem nach kategorisiert. Beispielsweise werden große, stämmig gebaute Männer mit Glatze als Rechtsradikal eingestuft, vorgestrafte Menschen als rücksichtslos, brutal und asozial und übergewichtige Menschen werden oft als gelassen und gutmütig angesehen. (vgl. Crisand 1994: 61; Holz 2012: 18).

- Einfrieren

Einmal wahrgenommene Eindrücke werden verfestigt; dass Menschen sich auch ändern können, wird in der Regel zunächst ausgeblendet.Ganz nach dem Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaub man nicht…“ (Crisand 1994: 62). Für Mitmenschen ist es somit schwerer, einen negativen Eindruck zu einem positiven Eindruck zu verändern, als umgekehrt. (vgl. Crisand 1994: 62).

- Vermutungen

Menschen sind auf Vermutungen angewiesen, da ihnen oft wichtige Informationen fehlen. Gefährlich wird es, wenn diese Vermutungen zu Fakten gemacht werden. Beispielsweise dann, wenn vermutet wird, dass sein Gesprächspartner nicht freundlich grüßt, weil er sein Gegenüber nicht mag, er aber in Wirklichkeit mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt ist (vgl. Crisand 1994: 62).

2.2 Johari-Fenster

Zur Darstellung dieses Unterschiedes zwischen der Selbst- und Fremdwahrnehmung, haben die amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham haben 1955 ein Modell einwickelt. Aus den Abkürzungen ihrer Vornamen ergibt sich der Name dieses Modells, das sogenannten „Johari-Fenster“ (vgl. Luft 1971: 22 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Johari-Fenster, Grundmodell (vgl. Luft 1971: 22 f.)

Mithilfe dieser Vier-Felder-Matrix können mögliche Wahrnehmungsverzerrungen einsortiert werden. Bereits im vorherigen Abschnitt wurde erläutert, dass sich Selbst- und Fremdwahrnehmung in der Regel nicht entsprechen. Denn was von einem Menschen selber wahrgenommen wird, stellt nur einen Bruchteil dessen dar, was vom Gesprächspartner tatsächlich wahrgenommen wird und anders herum. Im Folgenden werden die vier Quadranten des Johari-Fensters erklärt:

- Quadrant A, „Freies Handeln“

Dieser Quadrant beschreibt die „öffentliche Person“, die Verhaltensweisen und Motivationen, die einem Menschen selbst, aber auch anderen bekannt sind. Bei einer neuen Interaktion ist dieser Bereich noch sehr klein, da es noch einen großen Raum an Unbekanntem gibt. Die Person selbst ist zunächst vorsichtig und weiß noch nicht, was sie von ihrem Gesprächspartner halten soll, dementsprechend ist das „freie Handeln“ noch sehr eingeschränkt. Wenn mehr Vertrautheit entsteht und der Mensch freier wird, wird dieser Quadrant größer, im Resultat wird dann auch die interpersonelle Kommunikation einfacher (vgl. Luft 1971: 26).

- Quadrant B, „Blinder Fleck“

In dem Bereich des „Blinden Flecks“ wird das eigene Verhalten von dem Individuum selber kaum, umso mehr aber von seinen Mitmenschen wahrgenommen. Diese Wahrnehmung erfolgt häufig nonverbal durch das Auftreten, also durch den Tonfall, die Kleidung oder auch die Gesten des Menschen. Da dem Menschen selber dieser Bereich kaum bewusst ist, spielt er im Rahmen des Feedbackgesprächs eine ganz besondere Rolle. Denn nur durch aktive, positive Beurteilung durch die Mitmenschen kann dieses Feld verkleinert werden (vgl. Ternes 2008: 127). Besonders groß ist dieser Bereich beispielsweise bei Führungskräften, da viele Mitarbeiter sich davor scheuen, ihrem Vorgesetzten kritische Rückmeldung zu geben (vgl. Rosenstiel 1994: 41).

- Quadrant C, „Bereich des Verbergens“

Dieser Quadrant ist Teil der „privaten Person“. Es handelt sich um ein bestimmtes Verhalten, das der Mensch bewusst vor anderen versteckt, um sich selber zu schützen und Gegenreaktionen zu vermeiden. Durch Vertrauen und Sicherheit kann dieses Feld vergrößert werden. Je größer also der Quadrant A, desto kleiner ist der Quadrant C (vgl. Wien, Franzke 2013: S.84).

- Quadrant D, „Bereich des Unbewussten“

Der „Bereich des Unbewussten“ ist weder dem Menschen selber, noch seinen Mitmenschen bekannt, jedoch wird durch diesen Bereich trotzdem die interpersonelle Beziehung beeinflusst. Dabei handelt es sich beispielsweise um Talente oder Begabungen, die nicht in der Persönlichkeit des Menschen integriert sind. Dieser Quadrant kann nur sehr schwer verändert werden, beispielsweise durch eine tiefenpsychologische Therapie, indem unbewusste Anteile geöffnet und in die Persönlichkeit integriert werden (vgl. Ternes 2008: 127).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der individuelle Nutzen von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V445738
ISBN (eBook)
9783668822269
ISBN (Buch)
9783668822276
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbst-, fremdwahrnehmung, nutzen, feedbackgesprächen, arbeitsprozess
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der individuelle Nutzen von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445738

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