Wenn man liest, welche Art von terroristischen Anschlägen in Europa in den letzten zwei Jahren geschehen sind, wird man emotional. Man verspürt Wut auf die Verantwortlichen und Mitgefühl mit den Betroffenen, vielleicht Demütigung und den Willen nach Rache, sowie ein Zusammengehörigkeitsgefühl als Europäer. Doch welchen Einfluss nehmen solche Emotionen auf Politiker und somit auf die außenpolitischen Entscheidungsprozesse, die solchen Ereignissen folgen? Befasst man sich mit außenpolitischen Entscheidungsprozessen, stößt man vor allem auf das Rational Choice Modell. Dieses besagt, dass Menschen sich immer rational für diejenige Handlungsoption entscheiden, die den größtmöglichen Gewinn bedeutet. Emotionen werden hier traditionell als Gegenteil zur rationalen Handlung und als störend angesehen. Andere Autoren sehen Emotionen allerdings als eine Erweiterung des Rational Choice Modells.
Der Begriff der Emotion umfasst die Bewertung eines situationsbedingten Impulses oder Kontextes sowie gegebenenfalls eine damit verbundene körperliche Reaktion. Ein wichtiger Bestandteil einer Emotion ist außerdem ihre Intentionalität. Emotionen und ihre Äußerung können weiterhin kulturell bedingt sein. Emotionen sind kurzweilig und brauchen einen Auslöser. Sie können aber längerfristig sein, wenn sich die Auslöser wiederholen, wie z.B. bei Patriotismus. Der Akteur oder die Akteurin wird durch eine Emotion in Handlungsbereitschaft versetzt. Dabei spielen Emotionen auch eine evaluierende Rolle, indem sie stark oder schwach ausfallen. Allerdings kann keine Differenzierung in Bezug auf ein Objekt stattfinden, Emotionen sind also ein „homogener state of mind“ (Schnabel 2005). In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie Emotionen außenpolitische Entscheidungsprozesse beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionen und Rational Choice
3. Amerikanische Außenpolitik nach 9/11
4. In-Group/Out-Group Theorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Emotionen auf außenpolitische Entscheidungsprozesse und hinterfragt dabei die traditionelle Sichtweise des Rational Choice Modells, das Emotionen häufig als störend oder irrational betrachtet.
- Interaktion zwischen Emotionen und Rationalität in Entscheidungsprozessen
- Analyse des Rational Choice Modells im Kontext psychologischer Faktoren
- Die Rolle der Demütigung in der amerikanischen Außenpolitik nach dem 11. September 2001
- Mechanismen der In-Group/Out-Group Dynamik und Gruppenemotionen in der internationalen Politik
Auszug aus dem Buch
3. Amerikanische Außenpolitik nach 9/11
Am 11. September 2001 wurde ein massiver Terroranschlag auf die USA verübt (9/11). Terroristen entführten vier Passagierflugzeuge und griffen damit bedeutende Gebäude in den USA an. Zwei der Flugzeuge wurden in jeweils einen der beiden Türme des World Trade Centers geflogen, ein Flugzeug wurde in das Ministerium für Verteidigung gesteuert und das vierte Flugzeug stürzte zwar ab, hatte aber vermutlich das Weiße Haus als Ziel. Bei den Anschlägen starben tausende Menschen und Erschütterung und Entsetzen war zu beobachten (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg). Nach den Anschlägen erklärt der amerikanische Präsident Georg W. Bush einen „war on terror“ gegen alle am Anschlag beteiligten Personen. Dieser Krieg soll der Bekämpfung der Terrororganisation Al Qaida dienen, die sich zu dem Anschlag bekannt hat. Vor allem soll der Kopf der Terrororganisation, Osama bin Laden, und das Taliban Regime in Afghanistan, welches die Organisation stützt, ausgeschaltet werden.
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben sicherlich viele Emotionen, wie Wut oder Trauer, bei allen Beteiligten und Zuschauern hervorgerufen. Als zentrale Emotion, die auch die außenpolitischen Reaktionen auf den Anschlag bestimmt hat, lässt sich aber Demütigung nennen. Mit dem Anschlag auf Amerika wurde die Unangreifbarkeit der USA widerlegt und der Respekt gegenüber Amerika wurde vernichtet. Damit entspricht der Angriff dem Prinzip einer Demütigung, welche sich wie folgt definiert: „[humiliation is a] process that seeks to discipline the humiliated party’s behaviour by attacking and lowering their own (and others’) perceptions of whether they deserve respect” (Saurette 2006, S. 506).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, wie Emotionen außenpolitische Entscheidungen beeinflussen, und stellt die Forschungsfrage sowie den methodischen Ansatz der Arbeit vor.
2. Emotionen und Rational Choice: Das Kapitel untersucht die Beziehung zwischen rationalem Handeln und emotionalen Einflüssen und argumentiert, dass Emotionen eine essenzielle Rolle bei der Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung spielen.
3. Amerikanische Außenpolitik nach 9/11: Anhand des Fallbeispiels der Anschläge vom 11. September 2001 wird aufgezeigt, wie die Emotion der Demütigung die darauf folgende amerikanische Sicherheits- und Außenpolitik maßgeblich geprägt hat.
4. In-Group/Out-Group Theorie: Dieses Kapitel erläutert, wie soziale Identität und Gruppenemotionen das Verhalten von Staaten als In-Group beeinflussen und eine Abgrenzung zu sogenannten Out-Groups zur Folge haben.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Emotionen Rationalität nicht ausschließen, sondern als notwendiger Bestandteil rationalen Handelns fungieren und die Entscheidungsfindung in der Außenpolitik tiefgreifend beeinflussen.
Schlüsselwörter
Außenpolitik, Emotionen, Rational Choice, Demütigung, In-Group, Out-Group, 9/11, Entscheidungsfindung, Soziale Identität, Gruppenemotionen, Internationale Beziehungen, Psychologie, Risikowahrnehmung, Kooperation, Sicherheitsstrategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Emotionen auf außenpolitische Entscheidungsprozesse und prüft, inwieweit diese mit rationalen Modellen vereinbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologischen Grundlagen der Entscheidungsfindung, die Erweiterung des Rational Choice Modells um emotionale Aspekte sowie die Analyse staatlicher Gruppenidentitäten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, wie Emotionen außenpolitische Entscheidungen beeinflussen, erweitern oder sogar erst ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse unter Einbeziehung von Modellen der internationalen Beziehungen und psychologischer Erkenntnisse (wie der Social Identity Theory).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Verbindung von Emotion und Rationalität, das Fallbeispiel 9/11 und die In-Group/Out-Group Dynamiken analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Emotionen, Rational Choice, Außenpolitik, Demütigung, soziale Identität und In-Group-Dynamiken.
Inwiefern hat die Emotion der Demütigung die Reaktion auf 9/11 geprägt?
Die Demütigung durch den Angriff auf die Unangreifbarkeit der USA löste ein starkes Bedürfnis nach Respektwiederherstellung und Rache aus, was die schnelle Entscheidung für militärische Vergeltung beeinflusste.
Warum ist das limbische System für die Entscheidungsfindung wichtig?
Es verarbeitet Informationen schnell und intuitiv, was in Notfallsituationen wie der Entscheidung über Kriege oft das rationale, kognitive Denken überlagert.
- Citar trabajo
- Rosina Saß (Autor), 2017, Wie Emotionen außenpolitische Entscheidungsprozesse beeinflussen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446043