Ziel der Arbeit ist die Darlegung verschiedener Diskursinhalte in Streitschriften, um zuletzt die Fragestellung beantworten zu können, welche sozialwissenschaftlichen Perspektiven sich darin im Diskurs über Jungen als Bildungsverlierer verbergen. Im ersten Teil wird das methodische Vorgehen erläutert und auf die Bedeutung der Diskurse eingegangen. Aus Gründen der Komplexität werden im inhaltlichen Teil ausschließlich die genannten Beiträge auf ihre Erklärungsansätze der Bildungsbenachteiligung der Jungen ergründet und letztlich auf Übereinstimmungen sozialwissenschaftlicher Annahmen untersucht.
Bildungs- und Ungleichheitsforschungen bringen stets wesentliche Erkenntnisse über die erforderlichen Ressourcen für den Erwerb von Bildung. Dahingehend wird der persönliche, soziale, finanzielle oder auch kulturelle Kontext von verschiedenen Gruppen an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ergründet, der die individuellen Möglichkeiten zur Erreichung von Bildungszielen bestimmen kann.
Bislang beschäftigte man sich dabei mit der Erkenntniserlangung bildungsbenachteiligter Gruppen, worunter beispielsweise in den 1960er Jahren die berüchtigte katholische Arbeitertochter vom Lande fiel. Großen öffentlichen Diskussionsbedarf boten seither Studien der geschlechtlichen Leistungsunterschiede im mathematischen und sprachlichen Kompetenzbereich. Aber was bedeutet das für die Bildungssituation der Jungen? Sind Mädchen heutzutage immer noch bildungsbenachteiligt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der pädagogische Diskurs über „Jungen als Bildungsverlierer“
2.1 Diskursanalyse
2.1.1 Bedeutung für die Sozialwissenschaften
2.1.2 Methodisches Vorgehen nach Siegfried Jäger
2.2 Über den pädagogischen Diskurs der „Jungen als Bildungsverlierer“
2.2.1 Ein pädagogischer Diskurs?
2.2.2 Bildungsungleichheit im Interesse öffentlicher Diskurse
2.3 Heike Diefenbach: „Jungen – die „neuen“ Bildungsverlierer“
2.3.1 Datengrundlage und Fakten der Bildungsbenachteiligung
2.3.2 Erklärungsansätze der Bildungsnachteile von Jungen
2.3.2.1 (Sozio-) biologische Geschlechtsunterschiede
2.3.2.2. Geschlechterspezifische Identitäten und Verhaltensweisen
2.3.2.3 Einfluss der Feminisierung schulischer Rahmenbedingungen
2.3.2.4 Diskrepanz von Schulkultur und (typischem) Verhalten von Jungen
2.4 Ursula Kessels: „Sind Jungen die neuen Bildungsverlierer?“
2.4.1 Indikatoren zur Messung der Bildungsbenachteiligung von Jungen
2.4.2 Erklärungsansätze der Bildungsbenachteiligung von Jungen
2.4.2.1 Die Problematik der Formulierung von Forschungsergebnissen
2.4.2.2 Geschlechtstypische Kompetenzzuschreibung und Selbstdisziplin
2.4.2.3 Inszenierung der Geschlechter
2.4.2.4 (Außer-) schulische Einflüsse auf Kompetenzen der Schüler
2.4.2.5 Feminisierung der Schule
2.5 Inhaltliche Diskursverschränkungen
2.5.1 Inwiefern werden Jungen als „Bildungsverlierer“ betitelt?
2.5.2 Perspektiven der Erklärungsansätze
2.5.3 Diskrepanz im Schulsystem bzw. der Schulkultur
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den pädagogischen Diskurs über "Jungen als Bildungsverlierer" und analysiert, welche sozialwissenschaftlichen Perspektiven sich hinter dieser Thematik verbergen. Dabei werden insbesondere die Erklärungsansätze von Heike Diefenbach und Ursula Kessels gegenübergestellt, um zu prüfen, ob und wie Bildungsnachteile von Jungen wissenschaftlich begründet und interpretiert werden.
- Methodische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
- Empirische Datengrundlagen zur Bildungsbenachteiligung
- Sozialisationsprozesse und geschlechtstypische Verhaltensweisen
- Einfluss von Schulkultur und Feminisierung des Lehrerberufs
- Wissenschaftliche Perspektiven auf Geschlechterrollen und Bildungserfolg
Auszug aus dem Buch
(Sozio-) biologische Geschlechtsunterschiede
Geschlechtliche Bildungsungleichheit auf eine eindeutige biologische Ursache zurückzuführen ist vermutlich aufgrund des breit gefächerten Bereichs und verschiedener Stimmen biologischer Forscher nicht ganz einfach.
Biologische Unterschiede der Geschlechter nehmen, neben anatomischen und psychischen Gegebenheiten, auch auf Verhaltens- und Persönlichkeitsunterschiede Bezug, die auf kognitiven Fähigkeiten, Hormonen und weiteren biologischen Konstellationen basieren. Dahingehend beruhen biologische Erklärungsansätze auf dem Konsens der Naturgegebenheiten, die sich bereits hinsichtlich der Geschlechter von Geburt an differenzierten. Weiterhin interessiert man sich für Zusammenhänge geschlechtlichen Verhaltens und biologischen Prozessen, die sich nicht nur auf neurologische Beschaffenheit beziehen, sondern alle organischen Abläufe des menschlichen Körpers beobachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfragen zur Bildungssituation von Jungen ein und skizziert das methodische Vorgehen der Diskursanalyse anhand zweier zentraler Streitschriften.
2. Der pädagogische Diskurs über „Jungen als Bildungsverlierer“: Dieses Hauptkapitel erläutert theoretische Grundlagen der Diskursanalyse und untersucht detailliert die Erklärungsansätze von Heike Diefenbach und Ursula Kessels hinsichtlich biologischer, sozialisationstheoretischer und schulstruktureller Faktoren.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bildungsnachteile von Jungen heute multiperspektivisch betrachtet werden, wobei sich soziologische und psychologische Ansätze mit pädagogischen Anforderungen an Schulkultur und Rollenbilder verknüpfen.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Bildungsverlierer, Diskursanalyse, Geschlechterrollen, Schulkultur, Bildungsungleichheit, Jungenpädagogik, Sozialisation, Selbstdisziplin, Schulleistung, Gender, Bildungserfolg, Bildungsforschung, Pädagogik, Meritokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich kritisch mit dem Diskurs über "Jungen als Bildungsverlierer" und untersucht, wie dieses Phänomen in den Sozialwissenschaften und der Pädagogik gerahmt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern, die Rolle der Sozialisation, der Einfluss der Schulkultur sowie die Debatte um eine vermeintliche "Feminisierung" des Bildungssystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse und der Vergleich zweier bedeutender Diskursbeiträge (Diefenbach und Kessels), um zu klären, welche wissenschaftlichen Perspektiven hinter der Betitelung von Jungen als Bildungsverlierer stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger, um die inhaltlich-ideologischen Aussagen der untersuchten Quellen systematisch zu erfassen und zu interpretieren.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Argumentationslinien von Heike Diefenbach (fokussiert auf formale Bildungsindikatoren) und Ursula Kessels (fokussiert auf psychologische Aspekte und Sozialisation).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Schlüsselbegriffe sind Bildungsbenachteiligung, Schulkultur, Geschlechterrollen, Sozialisation und der pädagogische Diskurs über Bildungsverlierer.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Heike Diefenbach von der von Ursula Kessels?
Diefenbach identifiziert Jungen stärker als Bildungsverlierer anhand formaler Daten und weist auf strukturelle Benachteiligungen hin, während Kessels den Begriff des Bildungsverlierers kritischer betrachtet und die Bedeutung individueller Selbstdisziplin und Sozialisationsprozesse betont.
Welche Rolle spielt die "Feminisierung" der Schule im Diskurs?
Die "Feminisierung" wird als ein Erklärungsfaktor diskutiert, wobei hinterfragt wird, ob der hohe Frauenanteil unter Lehrkräften oder die Anpassung an "weibliche" Verhaltensnormen den Bildungserfolg von Jungen beeinflussen kann.
- Citar trabajo
- Carmen Monika Demer (Autor), 2018, Zu geschlechtsspezifischen Bildungsunterschieden. Der pädagogische Diskurs über "Jungen als Bildungsverlierer", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446158