Kaiserin Kunigunde - Die politischen Spielräume einer Frau zu Beginn des 11. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2000
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft - Heirat - Krönung
2.1 Das Haus Luxemburg
2.2 Die Heirat mit Heinrich und der Weg zur Krone

3. ,,consors regni" - Teilhabe an der Macht
3.1 Kunigunde als Vermittlerin zum König
3.2 Stellvertreterin im Osten und in Bayern

4. Kunigunde nach dem Tod ihres Gatten

5. Schlußbetrachtung

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über Kunigunde und ihr Leben sind die Informationen sehr zwiespältig. Zum einen berichten uns zahlreiche Legenden und die um 1200 in Bamberg geschriebene Vita von einer treuen Ehefrau und überaus frommen Persönlichkeit, die allen Gläubigen als Vorbild dienen sollte, und lassen vor unseren Augen das volkstümliche Bild einer Heiligen entstehen. Zum andern jedoch sind weder die Legenden, noch die lange nach ihrem Tod entstandene Lebensbeschreibung eine seriöse Quelle um der historischen Kunigunde auf die Spur zu kommen[1]. Die Informationen fließen hierzu nur sehr spärlich, denn sowohl bei Thietmar von Merseburg, als auch bei Adalbold von Utrecht steht ihr Gatte Kaiser Heinrich II. im Mittelpunkt , während sie nur am Rande Erwähnung findet. Die einzige Möglichkeit etwas näher an die historische Person heranzukommen, bieten die Urkunden Heinrichs II., in denen Kunigunde häufig als Intervenientin genannt wird. Durch eine differenzierte Fragestellung läßt sich so zumindest etwas über die politischen Handlungen der Kaiserin feststellen. Ihr Charakter und Privates bleiben jedoch auf Grund der fehlenden Quellen völlig im Dunkeln[2].

2. Herkunft - Heirat - Krönung

2.1 Das Haus Luxemburg

Da bei mittelalterlichen Eheschließungen die Herkunftsfamilie von großer Bedeutung war, muß diese hier auch beachtet werden. Schließlich hatte diese sicher auch Auswirkungen auf die politischen Möglichkeiten der Frau.

Kunigunde entstammte einem ,,aufsteigendem Grafengeschlecht"[3] aus dem Moselgebiet. Ihr Vater war Graf Siegfried, ihre Mutter hieß Hadwig. Dieser Siegfried erwarb im Jahre 963 das Kastell Luxemburg, das sich schnell zum Zentrum seines Machtbereiches entwickelte, und später nannte sich diese Familie auch nach dieser Burg. Graf Siegfried dehnte ab 950 seine Macht kontinuierlich aus und es gelang ihm im Moselgebiet eine beachtliche Adelsmacht zu schaffen.

Und obwohl die Luxemburger erst unter ihm zu einem der wichtigsten Adelsfamilien in Oberlothringen wurden, läßt sich ihr Stammbaum in kognatischer Linie bis auf Karl den Großen zurück verfolgen[4] und war somit mit dem wichtigsten Herrschergeschlecht des Mittelalters, den Karolingern, verwandt.

Siegfried war ein treuer Anhänger der Ottonen. Er begleitete Otto II. nach Italien und war auch bei ihm, als er starb. Danach unterstützte er Otto III. im Kampf gegen Heinrich den Zänker und dessen Verbündeten. Er wurde allerdings vom westfränkischen König Lothar bei der bei der Belagerung von Verdun gefangen genommen und erst nach mehreren Monaten Haft freigelassen. Otto III. belohnte ihn für seine Treue mit dem Münzrecht für die Abtei Echternach, dessen Vogt er war.[5]

2.2 Die Heirat mit Heinrich und der Weg zur Krone

Die Heirat Kunigundes mit Heinrich war für die Luxemburger ein Glücksfall. Sie kamen so in direkte verwandtschaftliche Nähe zum Kaiserhaus.

Das Jahr der Heirat ist uns ebenso unbekannt, wie auch die genaueren Umstände ihres Zustandekommens. Als terminus ante quem wird allgemein das Jahr 1000 angenommen[6]. Der terminus a quo ist allerdings stark umstritten. Während Sven Pflefka der Meinung ist, die Verleihung Bambergs als dos beweise, daß Heinrich bereits im Besitz des Herzogtums Bayern war, das er nach dem Tod seines Vaters Heinrich der Zänker im August 995 erbte[7]. Merkt Anna Gebser an, daß Heinrich schon zu Lebzeiten seines Vaters Bamberg besessen haben könnte[8]. Beide Annahmen lassen sich jedoch nicht zweifelsfrei beweisen. Und da wir auch das Geburtsdatum Kunigundes nicht kennen, fehlt auch diese Möglichkeit dem terminus a quo näher zu kommen.

Wie schon gesagt liegt auch das Zustandekommen der Ehe im Dunkeln. Man kann allerdings davon ausgehen, daß sie im Sinne Ottos III. war. Kam es doch so zu einer verwandtschaftlichen Verbindung mit seinen treuen Anhängern. Inwieweit Otto III. jedoch auf die Eheschließung einwirkte, ist nicht zu klären.[9]

Zum Zeitpunkt der Heirat, war an die Erlangung der Königswürde nicht zu denken. Erst als Otto III. 1002 überraschend in Italien starb, kam die Krone für den Liudolfinger in greifbare Nähe. Da der Weg Heinrichs II. zur Krone allgemein bekannt ist, soll hier nur kurz auf die Krönung Kunigundes und ihre Bedeutung bei der Königserhebung ihres Mannes eingegangen werden.

Während des gesamten Thronstreits tritt Kunigunde nicht in Erscheinung und sie ist auch nicht in Mainz anwesend, als Heinrich II. dort gekrönt wird. Heinrich II. ließ seine Gemahlin auch in seiner Herrschaftsbegründung außen vor, obwohl ihre edle Herkunft allgemein bekannt gewesen sein mußte[10]. So daß man also zu dem Schluß kommen muß, daß Kunigunde bei der Königserhebung Heinrich II. keine, oder zumindest keine für uns heute greifbare Rolle spielte[11].

Die Krönung Kunigundes konnte auf Grund ihrer Abwesenheit nicht gemeinsam mit der Heinrichs stattfinden. Und obwohl vor Kunigunde keine Königin im Reich gekrönt wurde, war es um das Jahr 1000 nun unbedingt notwendig, dies nachzuholen.

Dies geschah, nachdem sich Heinrich II. auf seinem Königsumritt der Loyalität der Thüringer und Sachsen[12] versichert hatte, und Kunigunde in Paderborn zu ihm stieß. Man muß hier Ingrid Baumgärtner widersprechen, die schreibt: ,,Die eigenständige Krönung der Kunigunde zu Beginn des Königsumritts, also des sukzessiven Herrschaftsantritts mit Huldigung in den verschiedenen Teilen des Reiches, veranschaulicht das gemeinsam Vorgehen bei der Erfassung des Reiches."[13] Denn zu diesem Zeitpunkt war der größte und wichtigste Teil des Umrittes bereits zurückgelegt, und da die Bayern, Franken und Oberlothringer schon in Mainz dabei waren[14], fehlte nur noch die Huldigung der Schwaben und Lothringer. ,,Folglich kann von einem gemeinsamen Vorgehen bei der Erfassung des Reiches nicht gesprochen werden."[15]

3. ,,consors regni" -Teilhabe an der Macht

3.1 Kunigunde als Vermittlerin zum König

Heinrich II. beanspruchte für seine Herrschaft Absolutheit, sie ,,besaß christlich sakralen Amtscharakter"[16]. Nun stellt sich aber die Frage, wie Kunigunde am Königtum

teilhaben konnte und wie sie in die Konzeption eingebunden werden konnte.

Ebenso wie für ihren Gemahl bildeten auch für Kunigunde die vornehme Abstammung und die Krönung (und die damit verbundene Salbung[17]) die beiden Stützen ihrer Herrschaftsbegründung. Die Krönung wurde nach dem Mainzer Ordo durchgeführt, das schon um 960 im Kloster St. Alban bei Mainz abgefaßt wurde[18]. Dieses Ordo nennt die Aufgaben der Königin und weist ihr somit den Platz innerhalb der gemeinsamen Herrschaftsausführung von König und Königin zu.

Sven Pflefka hat das Zeremoniell sehr ausführlich dargelegt, so daß ich mich hier nur auf eine kurze, die wichtigsten Punkte enthaltende Zusammenfassung beschränken möchte[19].

Den Anfang macht ein Gebet[20], das die Königin mit der Judith des Alten Testaments vergleicht, ihr somit einen aktiven Part bei der Bekämpfung des hostis saevissimus und des visibilis seu invisibilis hostis zuteilt und sie zur Mitstreiterin des Königs ,,bei der Verteidigung des Gottesvolkes und damit des Reiches"[21] macht. Außerdem wird der Königin durch die Nennung von Sara, Rebecca, Lea und Rachel die Aufgabe auferlegt, einen Thronfolger zur Welt zu bringen (fructu uteri sui).

[...]


[1] Vergl. Anna Gebser, Die Bedeutung der Kaiserin Kunigunde für die Regierung Heinrichs II., S. 3 - 4

[2] Vergl, Sven Pflefka, Kunigunde und Heinrich II. Politische Wirkungsmöglichkeiten einer Kaiserin an der Schwelle eines neuen Jahrtausends, S. 199

[3] Vergl. S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 200 und Ingrid Baumgärtner, Kunigunde - Politische Handlungsspielräume einer Kaiserin, S. 15

[4] Siegfrieds Mutter Kunigunde war eine Enkelin Ludwig des Stammlers. Und von Ludwig den Stammler führt der Stammbaum über Karl den Kahlen und Ludwig den Frommen direkt zu Karl dem Großen.

[5] Vergl. dazu S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 200-204

[6] Vergl. S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 204

[7] Vergl. S. Pflefka. Kunigunde und Heinrich II. S. 204f

[8] Vergl. A. Gebser, Die Bedeutung der Kaiserin Kunigunde, S. 7

[9] Vergl. S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 205

[10] Hätte Heinrich II. die Abstammung seiner Frau als Argument angeführt, hätte er seine eigene Position geschwächt, da seine Konkurrenten Hermann von Schwaben und Pfalzgraf Ezzo beide in kognatischer Linie mit den Ottonen verwandt waren und dann ebenfalls mit ihren Ehefrauen hätten argumentieren können. Das Ignorieren von Kunigunde geschah also aus rein praktischen Überlegungen. Vergl. dazu S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 216-218

[11] Vergl. dazu S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 216

[12] Regesta Imperii II 4 Nr. 1493a und Nr. 1493c

[13] I. Baumgärtner, Kunigunde, S. 22

[14] RI II 4 Nr. 1483yy

[15] S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 215

[16] S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 222

[17] Von einer Salbung berichtet keine der Quellen, die wir über die Krönung Kunigundes haben. Aber auch bei Heinrich II. wird die Salbung nicht ausdrücklich erwähnt, trotzdem aber als sicher angenommen. Vergl. S. Pflafka, Kunigunde und Heinrich II., S. 226

In natali autem sancti martyris Laurentii imponitur corona benedictionis Cunigundae reginae... Annales Quedlinburgenses, MGH SS 3, S. 78 ...Et ibi domna Gunigund regalem benediccionem et coronae imposicionem a predicto metropolitano suscepit. Annales Hildesheimenses, MGH SS 3, S. 92 ..., ibique domna Cunigunda regalem coronam et benedictionem a venerabili Willegiso archiepiscopo accepit. Vita Bernwardi, MGH SS 4, S. 775 Interea regi a Saxonia in regnum Lothariense properanti Gruonae occurrit uxor sua, domina Cunigunda nomine iam extans, sed re cito regina futura. Inde enim Paverbronam veniens in festivitate sancti Laurentii acclamatur, benedictur, coronatur, et fit Cunigunda cuninga, quod latine interpretari potest regia regina. Adalbold von Utrecht, Vita Heinrici II imperatoris, S. 58
..., domna Cunegundis benedictionem et coronam... Thietmar von Merseburg, Chronicon V19, S. 243

[18] Vergl. S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 215

[19] Siehe dazu S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 222-227

[20] Omnipotens sempiterne Deus,..., quique etiam gloriae virtutisque tuae triumphum in manu Iudith feminae olim iudaicae plebi de hoste saevissimo resignare voluisti, respice, quaesumus, preces humilitatis nostrae, et super hanc famulam tuam ill.,..., benedictionum tuarum dona multiplica, eamque dextera tuae potentiae semper et ubique circumda, ut umbone muniminis tui undique secus firmiter protecta, visibilis seu invisibilis hostis nequitas triumphaliter expugnare valeat, et una cum Sara atque Rebecca, Lia et Rachel beatis reverendisque feminis fructu uteri sui fecundari seu gratulari mereatur ad decorem totius regni statumque sanctae Die ecclesiae regendum necnon protegendum...Amen. vergl. dazu Ordines coronationis imperialis, MGH Font. Iur. Germ. 9, S. 7-8

[21] S. Pflefka, Kunigunde und Heinrich II., S. 224

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kaiserin Kunigunde - Die politischen Spielräume einer Frau zu Beginn des 11. Jahrhunderts
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fachbereich Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V4463
ISBN (eBook)
9783638127646
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiserin, Kunigunde, Spielräume, Frau, Beginn, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Tobias Schmid (Autor), 2000, Kaiserin Kunigunde - Die politischen Spielräume einer Frau zu Beginn des 11. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4463

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