Cashflowbasierte Kennzahlen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit


Hausarbeit, 2001

29 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung und Problemstellung

2. Traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung mit Cashflow–Kennzahlen
2.1. Begriffsabgrenzung finanzwirtschaftlicher Kennzahlen
2.2. Einzelne Cashflow-Kennzahlen zur Kreditwürdigkeitsprüfung
2.2.1. Erfolgswirtschaftliche Cashflow – Kennzahlen
2.2.2. Finanzwirtschaftliche Cashflow–Kennzahlen
2.3. Mängel der Cashflow–Kennzahlen Analysen

3. Moderne Verfahren der Kreditwürdigkeitsprüfung mit Cashflow–Kennzahlen
3.1. Die lineare multivariate Diskriminanzanalyse zur Trennung von solventen und insolventen Kreditnehmern
3.2. Technische Verfahren in der Cashflow – Kennzahlen Kreditwürdigkeitsprüfung
3.3. Anwendung von Bonitätsindikatoren im Rahmen von Kreditwürdigkeitsprüfungen
3.4. Kritische Beurteilung des Einsatzes moderner Verfahren in der Cashflow – Kennzahlen Kreditwürdigkeitsprüfung

4. Grenzen der Kreditwürdigkeitsprüfung mit Cashflow–Kennzahlen

5. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung und Problemstellung

Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber verfolgen mit dem Analyseziel der Kreditwürdigkeit die Feststellung einer Prognose der Kreditrückzahlungsfähigkeit einschließlich der Zinsen[1]. Für die Überwachung und Kontrolle z.B. der Großkredite von Kreditinstituten hat der Rat der Europäischen Gemeinschaften eine Richtlinie mit einer Nomenklatur der Kreditrisiken erlassen mit dem Ziel, die maximalen Verlustrisiken von Kreditinstituten zu begrenzen[2]. Ziel dieser Untersuchung ist es, das bilanzanalytische Instrument der Cashflow-Kennziffern für die quantitative Beurteilung von Kreditwürdigkeit zu diskutieren. Ferner soll untersucht werden, welche Gewichtung die Cashflow–Kennzahlen im Rahmen von Risikobeurteilungen, und deren Tragweite in bezug auf Eintrittswahrscheinlichkeit und auf die quantitativen Auswirkungen haben können[3].

Die Partialprüfungsfelder der quantitativen Kreditwürdigkeitsprüfung umfassen die Liquidität, den Erfolg, das Vermögen und das Wachstum[4]. Dabei ist die Liquiditätsprognose die wichtigste Untersuchung im Rahmen von Kreditwürdigkeitsprüfungen, weil bei einer drohenden Illiquidität der Verlust des Kredites droht. In dieser Arbeit sollen die qualitativen Merkmale der Kreditwürdigkeitsprüfung ausgeklammert werden, und aus dem breiten Spektrum der bilanzanalytischen Kennziffern nur die Cashflow– Kennziffern in ihrer Bedeutung für die Kreditwürdigkeit diskutiert und beurteilt werden.

2. Traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung mit Cashflow–Kennzahlen

Die Messung und Steuerung von Kreditrisiken steht nach jahrelanger Thematisierung der Notwendigkeit eines differenzierteren Risikomess-, Bewertungs- und –Steuerungssystems bei den Teilnehmern der Finanzmärkte im Brennpunkt der wissenschaftlichen Diskussion[5]. Ziel der Kreditwürdigkeitsprüfung ist die Minimierung von Kreditausfällen sowohl bei der erstmaligen Kreditvereinbarung als auch bei Kreditprolongationen.

Die bis in die fünfziger Jahre hinein von amerikanischen Finanzanalysten verwendete Price–Earning–Ratio wurde abgelöst von der Cashflow Analyse, die als erfolgsversprechendes Instrument für Aktienanalysen galt, weil sie bilanzpolitische Bewertungswahlrechte weitgehend ausblendete[6]. Die Kennzahl Cashflow soll den in einer Periode aus eigener Kraft erwirtschafteten Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben ausdrücken und spiegelt das aus der Betriebstätigkeit nachhaltig zu erwirtschaftende Zahlungsmittelreservoir zur Deckung besonderer betrieblicher Ausgaben wie Investitionen, Darlehenstilgungen, Dividendenzahlungen u.ä. wieder.[7]

Zu den Analysemethoden der Kreditwürdigkeitsprüfung können, um den Rang der Cashflow–Kennzahlen zu verdeutlichen, folgende Analysen gerechnet werden:[8]

- Fragebogenanalyse (Rechtsform, wirtschaftliche Verhältnisse, Besicherungsmöglichkeiten),
- Analyse der fünf C´s (Character, Capacity, Capital, Collateral, Conditions),
- Cashflow – Analyse (Schuldentilgungsdauer),
- Reingewinn (Schuldentilgungskraft),
- Current Ratio (Erfordernis der doppelten Deckung der kurzfristigen Geldmittelbeanspruchung),
- Profilanalysen (Verlauf von Kennzahlen),
- Qualitative Analysen,
- Qualitativ – quantitative Ranganalysen.

Der Cashflow als Liquiditätsindikator, als Erfolgskennzahl und als ein Maß für die Schuldentilgungskraft eines Unternehmens gibt den Anteil am finanziellen Überschuss an, der aus der betrieblichen Tätigkeit entstanden ist, nachdem die laufenden finanziellen Erfordernisse erfüllt sind, und der zur Tilgung von Fremdkapital verwendet werden kann.[9] Aus diesem Grunde liegt es nahe, den Cashflow als ein zentrales Element der Kreditwürdigkeitsprüfung zu verwenden. Je kürzer die Schuldentilgungsdauer ist, desto kreditwürdiger ist ein Unternehmen.

2.1. Begriffsabgrenzung finanzwirtschaftlicher Kennzahlen

Bezogen auf die Kreditrisikoanalysen für Unternehmen wurden betriebswirtschaftliche Kennzahlen und Kennzahlensysteme entwickelt, die als hochverdichtete Maßgrößen einen schnellen Überblick über die Finanz- Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens ermöglichen[10]. Eine allgemein gültige Methodenvorschrift zur Durchführung der Bilanzanalyse existiert weder in der betrieblichen Praxis noch wurde sie bisher in der betriebswirtschaftlichen Forschung entwickelt.[11] Für die Methodenwahl gilt die Forderung, zwischen der Informationsmöglichkeit und dem Informationsbedürfnis einen Kompromiss zu realisieren.[12] Für das partielle Analyseziel der Kreditwürdigkeit ist die Analyse und Prognose adäquater Fremdfinanzierung maßgebend. Für die Aufbereitung der Bilanzanalysen zur Insolvenzprognose als Negativabgrenzung zur Kreditwürdigkeitsprognose verwendet beispielsweise Feidicker[13] zweiundsiebenzig Kennzahlen, von denen sechzehn Kennzahlen cashflowbasiert sind. Diese sind wiederum gegliedert in neun Kennzahlen bezogen auf den Cashflow I, und sieben Kennzahlen bezogen auf den Cashflow II. Definiert wird in dem Zusammenhang der Cashflow I als erfolgswirtschaftlicher Cashflow, der Aussagen über die gegenwärtige und künftige Ertragskraft geben soll.[14] Er wird als Indikator der Ertragskraft bezeichnet. Der Cashflow II hingegen wird definiert als finanzwirtschaftlicher Cashflow, der Aussagen ermöglichen soll darüber, wie viel Finanzmittel dem Unternehmen aus der Innenfinanzierung zur Verfügung stehen können für Investitionen, Dividenden und zur Schuldentilgung. Die ertragswirtschaftliche Cashflow I Kennzahlenvariante und die finanzwirtschaftliche Cashflow II Kennzahlenvariante spiegeln auch die beiden konkursrechtlichen Tatbestände der Zahlungsunfähigkeit und der Überschuldung wieder, die im Normalfall erfolgs- und finanzwirtschaftliche Ursachen haben.[15]

2.2. Einzelne Cashflow-Kennzahlen zur Kreditwürdigkeitsprüfung

Die in der betriebswirtschaftlichen Literatur genannten Finanzierungsregeln enthalten auch eine Vielfalt von Cashflow-Regelungen. Finanzierungsregeln bezeichnet man auch als Regelungskennzahlen, die aussagen, dass konkrete Deckungsgrade der kurz- und langfristigen Fremdmittel durch korrespondierende und fristenkongruente kurz- und langfristige liquide Mittel und Vermögensgegenstände gedeckt sein sollten, um einerseits im Unternehmen ein jederzeit gesichertes Cashmanagement und anderseits die Einhaltung dieser von den Banken geforderten Deckungsgrade zu gewährleisten.[16] Die Aufrechterhaltung von ausreichend Liquidität, die Fähigkeit jederzeit fällige Zahlungen und Kredittilgungen vornehmen zu können, ist eine conditio sine qua non unternehmerischen Handels.[17] Das macht auch deutlich, warum die Cashflow-Kennzahlen Ausgangspunkt jeder Kreditwürdigkeitsprüfung sind.

2.2.1. Erfolgswirtschaftliche Cashflow–Kennzahlen

Die am häufigsten verwendete, indirekte Berechnung des Cashflow kann wie folgt aussehen:[18]

Bilanzgewinn (bzw. Bilanzverlust)

+ Zuführung zu den Rücklagen

- Auflösung von Rücklagen

- Gewinnvortrag aus der Vorperiode

+ Verlustvortrag aus der Vorperiode

= Jahresüberschuss (bzw. Jahresfehlbetrag)

+ Abschreibungen

- Zuschreibungen

+ Erhöhung der langfristigen Rückstellungen

- Verminderung der langfristigen Rückstellungen

= Cashflow.

Eine direkte Errechnung des Cashflow hingegen kann wie folgt aussehen[19]:

Jahresüberschuß

+ finanzunwirksame Aufwendungen

- finanzunwirksame Erträge

+ Bestandsveränderungen mit Einzahlungswirkung

- Bestandsveränderungen mit Auszahlungswirkung

= finanzwirtschaftlicher Cashflow

Die von Feidicker[20] verwendete Definition des ertragswirtschaftlichen Cashflow berechnet sich nach folgendem Schema:

Jahresüberschuss/-fehlbetrag

[...]


[1] Vgl. Schult (1999), S. 155 ff.

[2] Rat der Europäischen Gemeinschaften, Richtlinie Nr. 92/121 vom 21.12.1992.

[3] Institut der Wirtschaftsprüfer, Stellungnahme des Hauptfachausschusses vom 17.11.2000 zu dem Thema

„Das interne Kontrollsystem im Rahmen der Abschlussprüfung“.

[4] Institut der Wirtschaftsprüfer, Die Prüfung des Risikofrüherkennungssystems

nach § 317 Abs. 4 HGB, in: Die Wirtschaftsprüfung vom 25.06.1999.

[5] Vgl. Oehler (2001), S. 189 ff.

[6] Vgl. Behringer (2001), S. 45 ff.

[7] Vgl. Perridon/Steiner (1999), S. 541 ff.

[8] Vgl. Schult (1999), S. 160 ff.

[9] Vgl. Schult (1999), S. 161 ff.

[10] Vgl. Oehler (2001), S. 212.

[11] Vgl. Schult (1999), S. 35.

[12] Zu den speziellen Risiken aus Kreditderivaten vgl.

Institut der Wirtschaftsprüfer, Stellungnahme des Bankenfachausschusses zu

„Bilanzierung von Kreditderivaten“ vom 13.04.2000.

[13] Vgl. Feidicker (1992), S. 79.

[14] Vgl. Feidicker (1992), S. 63.

[15] Vgl. Spremann (1991), S. 469.

[16] Vgl. Buchner (1981), S. 105.

[17] Vgl. Drukarczxk (1999), S. 31.

[18] Vgl. Perridon/Steiner (1999), S. 542.

[19] Vgl. Perridon/Steiner (1999), S. 547.

[20] Vgl. Feidicker (1992), S. 63.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Cashflowbasierte Kennzahlen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
29
Katalognummer
V44649
ISBN (eBook)
9783638422062
ISBN (Buch)
9783638657617
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cashflowbasierte, Kennzahlen, Beurteilung, Kreditwürdigkeit
Arbeit zitieren
Konstantin Dittmann (Autor), 2001, Cashflowbasierte Kennzahlen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44649

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