Die "Eingeborenenpolitik" im System Leutwein. Grundsteinlegung für den Hereroaufstand von 1904?


Term Paper (Advanced seminar), 2014
31 Pages, Grade: 1,7

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Inhalt

1. Einleitung

2. Deutsch-S dwestafrika in der Zeit vor Theodor Leutwein
2.1 Kolonialpolitik unter Bismarck in Bezug auf Deutsch-S dwestafrika
2.2 Die Situation im Schutzgebiet 1894

3. Leutweins Zeit im Schutzgebiet
3.1. Herrschaftserrichtung
3.2. Herrschaftssicherung

4. Die deutschen Siedler

5. Schlussbetrachtung

Quellen- und Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

„Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.“[1] Mit diesen Worten u erte sich Generalleutnant Lothar v. Trotha zu seiner Vorstellung des weiteren Vorgehens gegen die St mme der Herero, die am 11. August 1904 in der Schlacht am Waterberg von den deutschen Schutztruppen geschlagen wurden. Was im Januar desselben Jahres als für die damalige Zeit nicht ungew hnlicher Kolonialkrieg seinen Ursprung hatte, nahm in der Folgezeit die Z ge eines V lkermords, begangen an den Herero und den Nama, an, der ca. 80.000 Menschen in den Tod riss und die gesellschaftlichen und konomischen Strukturen der indigenen Bev lkerung Namibias auf lange Sicht ver nderte.[2]

Die Tatsache, dass die deutsche Besatzung in S dwestafrika in einer solch humanit ren Katastrophe m ndete, war sicherlich nicht vorauszusehen. Doch lassen sich in den Jahren zuvor, in denen Theodor Leutwein als Kolonialgouverneur in Deutsch-S dwestafrika eingesetzt war[3], Tendenzen und Prozesse erkennen, die auf einen Zusammenschluss und Aufstand der indigenen St mme schlie en lassen.

Als Leutwein im Jahre 1894 seinen Dienst in der Kolonie antrat, hatte er von Seiten der Reichsregierung den Auftrag bekommen, den deutschen Herrschaftsanspruch gegen ber der indigenen Bev lkerung durchzusetzen und zu manifestieren, wobei er stets darauf achten sollte, die finanziellen Mittel m glichst gering zu halten. Dabei konnte er auf die lediglich 340 Mann starke Schutztruppe als exekutives Organ zur ckgreifen, die in Relation zu der indigenen Bev lkerungsanzahl die Angeh rigen der verschiedenen St mme summierten sich ann hernd auf 250.000 verschwindend gering anmutete und mit der er die ihm vorgeschriebene Politik nicht durchsetzen konnte.[4]

Mit der indigenen Bev lkerung bestanden bis dato nur vereinzelt Schutzvertr ge und die Machtverh ltnisse im Land wurden durch den stets latent vorhandenen Widerstand der verschiedenen Stammesh uptlinge bestimmt, der sich allerdings aufgrund der vorkolonialen Rivalitäten zu keinem gemeinsamen Widerstand formieren konnte. In seiner Amtszeit schaffte es Leutwein, durch geschicktes Taktieren sukzessive mit den wichtigsten H uptlingen Schutzvertr ge abzuschlie en, das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen und somit den Machtanspruch gegen ber der indigenen Bev lkerung durchzusetzen.[5]

In seiner Politik spielten vor allem die Schutzvertr ge eine gro e Rolle, die für die zwei wohl wichtigsten einheimischen St mme, die Herero und die Nama, gravierende Folgen mit sich brachten, grenzten sie doch ihren Lebensraum und die Weidefl chen für ihr Vieh so stark ein, dass sich der Bestand drastisch verkleinerte. Dadurch, dass der Herero „seine ganze Person, Kraft und Leben für seine Rinder einzusetzen (pflegte)“[6], verlor er durch diese Ma nahmen nicht nur an konomischen Kapital, sondern verlor auch politische Macht und soziales Prestige, welches sich nach der Anzahl der Rinder richtete, die er besa .[7] Neben dem Entzug ihrer Lebensgrundlage, der die Einheimischen weiter in die deutsche Abh ngigkeitätrieb, wurde zeitgleich zu diesem Prozess der Unterwerfung der Aufbau des Schutzgebietes als deutsche Siedlungskolonie betrieben, an dessen Ende das Erstarken einer deutschen Siedlerschaft im Schutzgebiet die Herero und Nama weiter einschr nkte und vor Probleme stellte.[8]

In dieser Arbeit soll folglich untersucht werden, welche Gr nde es genau waren, die zun chst die Herero und anschlie end die Nama dazu bewegten, sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft aufzulehnen, und welche Verantwortung Gouverneur Leutwein hierbei trug. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 1894 bis 1904, da erst mit dem Amtsantritt Leutweins von dem Beginn einer deutschen Herrschaftsaus bung gesprochen werden kann.[9]

Um die Entwicklungen des Schutzgebietes unter Leutwein gut nachvollziehen zu können, teilt sich diese Arbeit in drei gro e Themengebiete. In einem ersten Schritt werden dem Leser die Vorbedingungen und Voraussetzungen in Deutschland und im Schutzgebiet n her gebracht, indem zun chst knapp auf die Kolonialpolitik unter Bismarck hinsichtlich Deutsch-S dwestafrikas eingegangen und darauffolgend die Situation im Schutzgebiet vor Leutweins Zeit dargestellt wird. Dabei stehen vor allem die St mme der Herero und der Nama im Mittelpunkt, da sie den meisten Einfluss auf Leutweins Politik aus bten. Im zweiten Teil der Arbeit soll der Fokus auf die Kolonialverwaltung, auf das „System Leutwein“ gelegt und die Vorgehensweise, die zur Machtgewinnung und stabilisierung angewandt worden ist, untersucht werden. Der dritte Teil wird den Aufstieg der deutschen Siedler beleuchten, der die ohnehin schon konfliktgeladene Situation im Land weiter versch rfte. Ein Fazit wird meine Abhandlungen vollenden.

Zum aktuellen Forschungsstand dieses Themas l sst sich sagen, dass die eurozentrische Sichtweise auf die Kolonialzeit allgemein, nicht nur in Afrika, trotz Zunahme postkolonialistischer Str mungen immer noch berwiegt. Die indigene Bev lkerung wird deshalb oft nur als Objekt der europ ischen Akteure wahrgenommen, das lediglich passiv dem Einfluss der Kolonisatoren ausgesetzt war und selbst keinen Einfluss ausge bt hat, was sicherlich die Realität verkennt. Quellen in Form von Briefen, Memoiren (z.B. die Briefe Witboois oder die Biografie Leutweins) oder Zeitungsberichten sind zahlreich vorhanden, wobei das Material ber die deutschen Akteure den meisten Platz einnimmt. Das kann daran liegen, dass „die Geschichtstradierung der afrikanischen V lker eine vorwiegend orale ist.“[10] Ein anderer Grund für die Fokussierung auf das Handeln deutscher Akteure k nnte darin bestehen, dass viele Historiker (vor allem zur Nachkriegszeit) den sog. deutschen Sonderweg untersuchten und dabei vor allem nach Fehlern politischer deutscher Akteure in der sp ten Kolonialzeit suchten, die u.a. für die Entstehung des Nationalsozialismus´ h tten ausgemacht werden können.[11]

Darstellungen gibt es ebenfalls viele, wobei insbesondere die bereits lteren Ausf hrungen von Helmut Bley[12], Horst Drechsler[13] und Gert Sudholt[14] noch Aktualität genie en und in aktuelleren Ausf hrungen von z.B. Catherina Gr nwald[15], Dominik J. Schaller[16] oder Udo Kaulich[17] noch immer zitiert werden. Man erh lt in vielen Werken ein umfassendes Bild von der Situation in der Kolonie und von Leutweins politischem Handeln w hrend des Untersuchungszeitraumes.

2. Deutsch-S dwestafrika in der Zeit vor Theodor Leutwein

Wie bereits in der Einleitung erw hnt, kann von einer deutschen Herrschaftsaus bung in Deutsch-S dwestafrika (DSW) erst seit dem Regierungsantritt Leutweins im Jahr 1894 gesprochen werden. Da diese Arbeit jedoch ein umfassendes Bild der Beziehungen des deutschen Kaiserreiches zu DSW aufzeigen soll, ist es unausweichlich, dass die innenpolitische Entwicklung im Kaiserreich in Bezug auf koloniale Belange und deren au enpolitische Konsequenzen für die sp tere Kolonie kurz erl utert wird.

2.1 Kolonialpolitik unter Bismarck in Bezug auf Deutsch-S dwestafrika

Die Entscheidung Otto von Bismarcks, das deutsche Reich nach Jahren der Abstinenz letztendlich doch in den europ ischen Kreis der L nder mit Kolonialbesitz einzuf hren und seine Politik des informell-indirekten Freihandelsexpansionismus´ seit den 1860er Jahren in eine Politik mit direkt-formellen Kolonialbesitz umzuwandeln, fiel im Fr hsommer 1884. In den Jahren zuvor existierten zwar im Reich in Form des Deutschen Kolonialvereins und des Allgemeinen Deutschen Vereins[18] Agitatoren und Kolonialpropagandisten und eine wachsende Anzahl von Befürwortern. Doch bildeten diese keinesfalls die „nationale Bewegung“, die Bismarck stets als existenzielle Voraussetzung für ein Umschwenken seiner Politik forderte. Ein „Impuls aus der Nation“ war es also nicht, der Bismarck zum Umdenken bewegte.[19] 1883 schloss er eine Kolonialpolitik unter seiner F hrung sogar noch g nzlich aus, was sich aus einer Frage an den sp teren Reichskanzler Graf Leo von Caprivi, zu dem Zeitpunkt noch Chef der Admiralität, ableiten l sst: „Ich h re, Sie sind gegen Kolonien? Ich auch.“[20] Als Grund für seine oppositionelle Einstellung zu kolonialem Besitz nannte Bismarck noch bis 1884 die bedenkliche Haushaltslage des Deutschen Reiches. Es war also bereits damals durchaus bekannt, dass Kolonien zun chst Investitionsprojekte darstellten, die erst nach einiger Zeit finanzielle Gewinne versprachen, die noch dazu nicht gew hrleistet werden konnten.[21] Was waren also die Gr nde dafür, dass Bismarck eine politische Kehrtwende vollzog und das Deutsche Reich seit 1884 Kolonialmacht wurde, indem es in rascher Folge DSW, das heutige Togo, das heutige Kamerun, den Gro teil des heutigen Tansanias und mehrere polynesische Archipele zu deutschen Schutzgebieten erkl rte?[22]

Deutungsversuche gibt es viele und sie gehen extrem weit auseinander: Zum Einen besteht eine ltere These, die besagt, dass Bismarck widerwillig dem ffentlichen Druck nachgegeben habe. Dieser gegen ber steht die Meinung, dass Bismarck schon immer auf die M glichkeit zur Expansion gewartet habe.[23] Vieles spricht dafür, dass es innenpolitische Gr nde waren, die Bismarck 1884 dem Dr ngen einiger deutscher Kaufleute und einiger nationalistischer Verb nde zum Nachgeben bewegten, Teile Afrikas zu deutschen Schutzgebieten zu erkl ren. Markku Hyrkk nen ist der Auffassung, dass die Gr nde in der Konkurrenz mit Gro britannien und dem damit einhergehenden Anliegen Bismarcks, das Gleichgewicht der M chte in Europa stabil zu halten, und in den bevorstehenden Wahlen zum Reichstag zu suchen waren. Als diese Gr nde wegfielen, lie auch das Interesse an der Kolonialexpansion nach.[24]

Zum Anderen war aber mindestens gleichrangig der wirtschaftliche Aspekt. Der Gr ndungsaufruf eines Vorl ufers der Deutschen Kolonialgesellschaft warnte beispielsweise davor, dass durch „den rastlosen Eifer anderer V lker (...) mit jedem Jahre, ja, mit jedem Tage die geeigneten Gebiete sp rlicher (werden), an denen die deutsche Kolonisation landen kann.“ [25] Es bestand die Angst, zuk nftig von Waren aus dem Ausland abh ngig zu sein und somit von europ ischen Kolonialm chten politisch erpressbar zu werden. Dem wollte die Regierung entgegenwirken.[26] Dafür spricht auch, dass 1867 in einem abgelegenen Gebiet n rdlich der Kapkolonie reichhaltige Diamantenvorkommen entdeckt worden waren, die staatliche Stellen und private Kaufleute aufhorchen lie en.[27]

Als Bismarck 1890 entlassen wurde, gab sein Nachfolger Graf Leo von Caprivi 1893 in einer Rede vor dem Reichstag seine kolonialen Absichten in DSW preis. Auch bei ihm hatte scheinbar ein Umdenken stattgefunden: „Wir wollen keinen Krieg f hren, wir wollen auf unblutige Weise uns immer mehr zu Herren dieses Landes machen und unsere Herrschaft befestigen. Wir haben S dwestafrika einmal, jetzt ist es deutsches Land und muss als deutsches Land erhalten bleiben.“ [28]

Das Interesse an einer unblutigen Inbesitznahme und Beherrschung dieses Landes gr ndete sich nicht auf Humanität oder auf den Glauben, dass europ ische und indigene Bev lkerungsgruppen ohne Konflikte nebeneinander leben und dabei gleichzeitig ihre jeweiligen Interessen durchsetzen k nnten. Der Prozess der Inbesitznahme sollte m glichst kosteng nstig verlaufen. Eine m gliche Aussendung von deutschen Truppen zur Niederwerfung von Aufst nden w re sehr teuer gewesen und h tte die Leistungsbilanz der berseeischen Besitzungen drastisch geschm lert. Die Tatsache, dass die Bewilligung der Mittel zur Aufstellung von Truppen vom Reichstag eingeholt werden musste, h tte der Opposition reichlich Gelegenheit gegeben, die Regierung zu attackieren und weitere Gegner der Kolonialpolitik zu generieren.[29]

Mit diesen Voraussetzungen sah sich Leutwein konfrontiert, als er 1894 seinen Dienst in DSW antrat. Die ihm von Graf von Caprivi erteilte Instruktion gab ihm zum Einen den Auftrag, sich in der Kolonie ein Bild ber die bestehenden Verh ltnisse, gerade in Bezug auf die indigenen St mme und deren Zusammenleben, zu machen, aber ermahnte ihn andererseits, die von der Regierung bewilligten Finanzmittel für DSW nicht zu berschreiten: „Gr ere Mittel als die in dem Etatsentwurf (sic!) für 1894/1895 vorgesehenen in Anspruch zu nehmen, wird tunlichst vermieden werden m ssen.“ [30] Weiterhin bestand sogar der Wunsch nach einer „Verminderung der Truppe in absehbarer Zeit.“ [31]

Leutwein sah sich demnach von Beginn an mit strengen Vorgaben aus der Heimat konfrontiert, die schnellen Erfolg und gleichzeitig einen niedrigen finanziellen Aufwand von ihm verlangten.

2.2 Die Situation im Schutzgebiet 1894

Den Anfang der deutschen Landerwerbungen in S dwestafrika[32] machte der Bremer Gro kaufmann Adolf L deritz[33] 1883. In Gestalt seines Beauftragten Heinrich Vogelsanges schloss er mit dem H uptling Fredericks von Bethanien am 1. Mai und 25. August 1883 die ersten Vertr ge ber gr ere Landabtretungen im Gebiet von Angra Pequana, der sp teren L deritzbucht, ab.[34] Teil dieses Gebietes war der g nstig gelegene Hafen Walfischbucht, der bereits 1876 von den Briten in Besitz genommen worden war. Das Hinterland schien den Briten zu unattraktiv zu sein.[35]

Die zwei wichtigsten Gruppen der indigenen Bev lkerung DSW waren die St mme der Herero und der Nama, die sich wiederum aus mehreren Unterst mmen zusammensetzten. Im folgenden Verlauf der Arbeit werden nur diese beiden Hauptgruppen untersucht werden, da sie zahlenm ig am gr ten und daher innerhalb des Gebietes am m chtigsten waren. Demzufolge hatten beide den gr ten Einfluss auf Leutweins sp tere Politik im Schutzgebiet und es kam w hrend seiner Herrschaftsaus bung vermehrt zu Konflikten und Zusammenst en mit beiden indigenen Bev lkerungsgruppen.[36]

Die verschiedenen St mme der Nama bewohnten den unwirtlichen S den und die Mitte des Landes. Sie lebten von der Jagd, der Viehzucht (Rinder, Schafe, Ziegen) und vom Viehraub. Die St mme der Herero besiedelten das Gebiet im Norden von Windhoek bis zum Waterberg und stlich davon als Nomaden. Sie lebten ausschlie lich von der Viehzucht, wobei sie ihr Vieh auf Sommer- und Winterweiden trieben. Obwohl sie aufgrund der Jahreszeiten stets mit ihrem Vieh umherzogen, besa jeder Stamm der Herero einen festen Wohnsitz in einer Werft. Bei der Suche nach Weidefl chen stie en die Nama und die Herero h ufig aufeinander, was oftmals zu kriegerischen Gefechten f hrte.[37] Aufgrund ihrer gro en Rivalität gelang es ihnen nicht das kann an dieser Stelle bereits vorweggenommen werden eine starke und vor allem gemeinsame Opposition gegen die deutsche Besetzung zu bilden.

Beide St mme[38] organisierten sich, wie bereits erw hnt, in Sippen, an deren Spitze ein H uptling, dessen W rde vom Vater auf den Sohn vererbt wurde, und ein Rat der Gro en standen. Sowohl dieser Rat beschr nkte die Macht der einzelnen H uptlinge stark (ohne seine Zustimmung durfte kein Weideland ver u ert werden), als auch die Tatsache, dass die Weidefl chen im Besitz des ganzen Stammes waren. Oberhalb dieser Stammesebene gab es grunds tzlich keine Leitung des Gesamtvolkes durch einen Oberh uptling, jedoch gelang es dem Herero-Stamm Okahandja unter der Leitung Mahareros[39] in den Auseinandersetzungen gegen die Nama[40] eine gewisse Vorherrschaft zu erlangen. Dies brachte ihm im Kriegsfall das Oberkommando ein, wobei er die Kriegsfolge der anderen St mme nicht erzwingen konnte. Von einer zentralen Oberherrschaft kann deshalb keine Rede sein.[41]

Diese dargestellte Beziehung zwischen den indigenen V lkern verdeutlicht, dass es bereits vor Ankunft der Deutschen und deren Herrschaftserrichtung Anzeichen von Macht und Machtstrukturen in S dwestafrika gegeben hat und diese keine Einf hrung der Kolonisten gewesen ist. Es gab schon vor Leutwein starke soziale Differenzen zwischen den St mmen, es gab beherrschte und herrschende V lker.[42]

[...]


[1] Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (BAL), Bestand Reichskolonialamt (R 1001), 2089: Differenzen zwischen Generalleutnant v. Trotha und Gouverneur Leutwein ber das Verh ltnis von milit rischen und politischen Ma nahmen zur Beendigung des Krieges, Schreiben Lothar v. Trothas an Generalstabschef Schlieffen vom 4. Oktober 1904, Blatt 5.

[2] vgl. Schaller, Dominik J.: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss“: Kolonialkrieg und V lkermord in „Deutsch-S dwestafrika“ 1904 1907“, in: Journal of Genocide Research (2004), 6(3), September, S. 395 430, hier S. 395.

[3] Anm.: Gouverneur Theodor Leutwein war von 1894 1905 in Deutsch-S dwestafrika, wurde 1896 zum ersten Gouverneur ernannt und trat aufgrund von Differenzen mit Lothar v. Trotha wegen der Kriegsf hrung gegen die Herero 1905 von seinem Amt zur ck.

[4] vgl. Kaulich, Udo: Die Geschichte der ehemaligen Kolonie Deutsch-S dwestafrika (1884 1914). Eine Gesamtdarstellung, Frankfurt am Main 22003, S. 217.

[5] Gr nwald, Catherina: Machtstrukturen in Deutsch-S dwestafrika unter Major Leutwein 1894 1904, M nchen 2011, S. 7 f.

[6] Sudholt, Gert: Die deutsche Eingeborenenpolitik in S dwestafrika. Von den Anf ngen bis 1904 (Diss. LMU M nchen), Hildesheim/New York 1975, S. 31.

[7] Gr nder, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, S. 126 f.

[8] Gr nwald, Catherina: Machtstrukturen in Deutsch-S dwestafrika unter Major Leutwein 1894 1904, M nchen 2011, S. 8.

[9] ebenda, S. 8.

[10] ebenda, S. 12.

[11] vgl. Steinmetz, George: The Devil´s Handwriting. Precoloniality and the German Colonial State in Qingdao, Samoa and Southwest Africa, Chicago 2007, S. 140.

[12] Bley, Helmut: Kolonialherrschaft und Sozialstruktur in Deutsch-S dwestafrika 1894 1914, Hamburg 1968.

[13] Drechsler, Horst: S dwestafrika unter Deutscher Kolonialherrschaft. Der Kampf der Herero und der Nama gegen den deutschen Imperialismus (1884 1915), Berlin 1966.

[14] Sudholt, Gert: Die deutsche Eingeborenenpolitik in S dwestafrika. Von den Anf ngen bis 1904, Diss., Hildesheim/New York 1975.

[15] Gr nwald, Catherina: Machtstrukturen in Deutsch-S dwestafrika unter Major Leutwein 1894 1904, M nchen 2011.

[16] Schaller, Dominik J.: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss“: Kolonialkrieg und V lkermord in „Deutsch-S dwestafrika“ 1904 1907“, in: Journal of Genocide Research (2004), 6(3), September, S. 395 430.

[17] Kaulich, Udo: Die Geschichte der ehemaligen Kolonie Deutsch-S dwestafrika (1884 1914). Eine Gesamtdarstellung, Frankfurt am Main 22003. Dieser bietet in seinem Werk eine sehr detaillierte Forschungs bersicht bis 2001, S. 15 ff.

[18] Der Deutsche Kolonialverein wurde 1882 gegr ndet und 1892 in „Deutsche Kolonialgesellschaft“ umbenannt. Er arbeitete eng mit dem Allgemeinen Deutschen Verein zusammen, der ab 1894 in Alldeutscher Verband umgetauft wurde. Zusammen bildeten sie eine gro e Lobbygruppe im Kaiserreich, die für deutschen Kolonialbesitz propagierten; vgl. Rose, Andreas: Die Au enpolitik des Wilhelminischen Kaiserreichs 1890 1918, Darmstadt 2013, S. 10 f.

[19] Gr nder, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, S. 55.

[20] Zit. nach Richter, Werner: Bismarck, Frankfurt am Main 1962, S. 432.

[21] vgl. Sobich, Frank Oliver: „Schwarze Bestien, rote Gefahr“. Rassismus und Antisozialismus im deutschen Kaiserreich, Diss., Frankfurt am Main 2006, S. 43.

[22] ebenda, S. 42.

[23] Gr nder, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, S. 55.

[24] vgl. Sobich: „Schwarze Bestien, rote Gefahr“, S. 43.

[25] Zit. ebenda, S. 43.

[26] Anm.: Zu den genaueren Hintergr nden der bismarckschen Kolonialpolitik und zur Kolonialdiskussion im Kaiserreich siehe Gr nder, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, S. 55 ff., Stoecker, Helmuth (Hg.): Die Annexionen von 1884/85, in: Drang nach Afrika. Die deutsche koloniale Expansionspolitik und Herrschaft in Afrika von den Anf ngen bis zum Verlust der Kolonien, Berlin 1991, S. 21 35., Brehl, Medarius: Vernichtung der Herero. Diskurse der Gewalt in der Deutschen Kolonialliteratur, M nchen 2007, S. 80 ff.

[27] vgl. Marx, Christoph: Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2004, S. 120.

[28] Zit. in Bley: Sozialstruktur, S. 18.

[29] Mayer, Wolfgang/ Metzger, Franz/ Wilhelmi, J rgen: Schwarz-Weiss-Rot in Afrika. Die deutschen Kolonien 1883 1918, Puchheim 1985, S. 176.

[30] Leutwein, Theodor: Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-S dwestafrika, Berlin 1906, S. 17.

[31] ebenda, S. 17.

[32] Anm.: Bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts besa das Gebiet zwischen dem 17. und 29. Breitengrad an der s dwestlichen K ste Afrikas keinen eindeutigen Namen. Von da an setzte sich dann die Bezeichnung „S dwestafrika“, gepr gt vom schwedischen Abenteurer und Forscher Karl Johan Andersson (1827 1867) durch. Vgl. zur Geschichte vor den deutschen Landerwerbungen in S dwestafrika Hintrager, Oskar: S dwestafrika in der deutschen Zeit, M nchen 1955, S. 7 ff., sowie Vedder, Heinrich: Das alte S dwestafrika. S dwestafrikas Geschichte bis zum Tode Mahareros 1890, Windhoek 51985. Zur Geographie vgl. Sudholt: Eingeborenenpolitik, S. 23 ff., Melber, Henning: Namibia. Kolonialismus und Widerstand, Bonn 1981, S. 283 ff.

[33] Anm.: Franz Adolf Eduard L deritz (1834 1886), Bremer Gro kaufmann und erster Landbesitzer im sp teren Deutsch-S dwestafrika, dem heutigen Namibia. Zur Erinnerung an ihn als Begr nder deutscher Anspr che in dem Gebiet wurde die Bucht von Angra Pequana durch die Kolonialgesellschaft nach ihm benannt (L deritzbucht).

[34] Anm.: Durch den ersten Vertrag erwarb Vogelsang die Bucht von Angra Pequana für 200 Gewehre und 100 Pfund Sterling. Der zweite Vertrag mit Fredericks sicherte den Deutschen den K stenstreifen zwischen dem Oranjefluss und dem 26. Breitengrad und ein Gebiet von 20 (deutschen geographischen) Meilen landeinw rts von jedem Punkt von der K ste aus. Anschlie end stritten beide Parteien dar ber, ob eine englische oder deutsche Meile zugrunde gelegt worden war, was einen erheblichen Fl chenunterschied zu Gunsten der Deutschen bedeutete, vgl. Weber, Otto von: Geschichte des Schutzgebietes Deutsch-S dwest-Afrika, Windhoek 21979, S. 11 ff., Sudholt: Eingeborenenpolitik, S. 45 ff., Drechsler, Horst: „Let Us Die Fighting“. The Struggle of the Herero and Nama against German Imperalism (1884 1915), Berlin 1966, S. 22 ff.

[35] vgl. Huber, Hansj rg Michael: Koloniale Selbstverwaltung in Deutsch-S dwestafrika. Entstehung, Kodifizierung und Umsetzung, Diss., Frankfurt am Main 2000, S. 19 f.

[36] vgl. Gr nwald, Catherina: Machtstrukturen, S. 16.

[37] vgl. Kaulich, Udo: Ehemalige Kolonie Deutsch-S dwestafrika, S. 34., Witbooi, Hendrik: Afrika den Afrikanern! Aufzeichnungen eines Nama-H uptlings aus der Zeit der deutschen Eroberung S dwestafrikas 1884 bis 1894, Berlin/Bonn 1982, S. 29 ff.; Zu den ethnographischen Verh ltnissen von 1892 vgl. Leutwein, Theodor: Elf Jahre Gouverneur, S. 9 ff.

[38] Anm.: Die Gesamtst rke der Herero betrug 1892 laut Leutwein ca. 70.000 80.000, die der Nama, die auch „Hottentotten“ genannt wurden, ca. 15.000 20.000, vgl. Leutwein, Theodor: Elf Jahre Gouverneur, S. 11.

[39] Anm.: Maharero darf nicht verwechselt werden mit seinem Sohn und Nachfolger Samuel Maharero. Dieser spielte w hrend der Herrschaft Leutweins eine bedeutende Rolle, die im weiteren Verlauf der Ausf hrungen noch weiter dargestellt wird.

[40] Anm.: Den nach S dwestafrika vorgedrungenen Nama schlossen sich ab ca. 1820 die eng mit ihnen verwandten Orlam an, deren verschiedene St mme sich in der Folgezeit schnell bis ins Landesinnere verbreiteten. Dieser Prozess bedeutete für S dwestafrika und deren V lker einen markanten Einschnitt, da die Orlam durch den engen Kontakt mit wei en Siedlern in der Kapkolonie (heutiges S dafrika) deren Kultur und Lebensgewohnheiten adaptiert hatten und folglich den indigenen St mmen in S dwestafrika berlegen waren, vgl. Kaulich: Ehemalige Kolonie Deutsch-S dwestafrika, S. 34.

[41] vgl. Gr nwald: Machtstrukturen, S. 17, Helbig, Helga und Ludwig: Mythos Deutsch-S dwest. Namibia und die Deutschen, Weinheim/Basel 1983, S. 120 ff., Kaulich: Ehemalige Kolonie Deutsch-S dwestafrika, S. 32 ff.

[42] vgl. Gr nwald: Machtstrukturen, S. 17; Das Volk der Dama wurde beispielsweise von den Herero unterworfen und versklavt, vgl. Kaulich: Ehemalige Kolonie Deutsch-S dwestafrika, S. 32.

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Title
Die "Eingeborenenpolitik" im System Leutwein. Grundsteinlegung für den Hereroaufstand von 1904?
College
University of Cologne  (Historisches Institut)
Course
Europäische Kolonialgouverneure- und verwalter im 19. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Year
2014
Pages
31
Catalog Number
V446899
ISBN (eBook)
9783668840928
ISBN (Book)
9783668840935
Language
German
Tags
eingeborenenpolitik, system, leutwein, grundsteinlegung, hereroaufstand
Quote paper
Henning Isenberg (Author), 2014, Die "Eingeborenenpolitik" im System Leutwein. Grundsteinlegung für den Hereroaufstand von 1904?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446899

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