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Ein ausgedachter Krieg? Zur Bedeutung des Ersten Heiligen Krieges im sechsten und vierten Jahrhundert v. Chr.

Title: Ein ausgedachter Krieg? Zur Bedeutung des Ersten Heiligen Krieges im sechsten und vierten Jahrhundert v. Chr.

Seminar Paper , 2004 , 12 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Johannes Huhmann (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

Der Erste Heilige Krieg galt lange als „ziemlich das umfangreichste stück beglaubigter kriegsgeschichte aus so alter zeit“. In dem durch allerlei Quellen gut überlieferten Ereignis soll eine Koalition zwischen Sikyon (unter Kleisthenes), Athen (unter Solon), Thessalien (Eurylochus) und Mitgliedern der pylaeischen Amphiktyonie dafür gesorgt haben, dass die phokische Stadt Krisa eingenommen und zerstört wurde. Mit dem Krieg sollte das sündige Krisa für Überfälle auf Pilger und Umwohner des Heiligtums von Delphi bestraft werden. Auch soll die Stadt zu hohe Zölle genommen und sich nicht zuletzt an den Opfergaben bedient haben. Was die Überlieferung der archaischen Zeit Griechenlands angeht, stechen wohl wenige Ereignisse so heraus wie der Erste Heilige Krieg.

Bei Betrachtung der heutigen Forschung bemerkt man jedoch, dass Zweifel an der Überlieferung dieses Ereignisses durchaus angebracht sind. Diese Zweifel gehen teilweise so weit, dass das gesamte Ereignis als Fiktion gewertet wird. In dieser Hausarbeit möchte ich zunächst beleuchten, warum Zweifel an der Überlieferung des Ersten Heiligen Krieges bestehen und ob diese jeweils angebracht sind. Im letzten Teil möchte ich dann meine eigene Position darstellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Die Zweifel an der Überlieferung und der modernen Darstellung des Ersten Heiligen Krieges

2 Die Quellen

2.1 Die archäologischen Befunde

2.2 Die literarischen Befunde

3 Versuch einer Klärung

3.1 Die Hintergründe des Kriegs

3.2 Die Datierung

3.3 Die Kriegsteilnehmer

4 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Authentizität des sogenannten Ersten Heiligen Krieges und prüft, inwiefern die im vierten Jahrhundert v. Chr. entstandenen Berichte über diesen Konflikt einer kritischen historischen Überprüfung standhalten oder als propagandistisches Instrument zur Rechtfertigung zeitgenössischer politischer Ziele zu werten sind.

  • Historische und archäologische Plausibilitätsprüfung des Ersten Heiligen Krieges.
  • Analyse der Quellenlage und des Einflusses der Geschichtsschreibung des vierten Jahrhunderts v. Chr.
  • Untersuchung der Parallelen zwischen dem Ersten und dem Dritten Heiligen Krieg.
  • Kritische Würdigung der Rolle prominenter Akteure wie Kleisthenes, Solon und Phillip von Makedonien.
  • Dekonstruktion des Mythos um den Konflikt als Instrument der Machtpolitik.

Auszug aus dem Buch

1 Die Zweifel an der Überlieferung und der modernen Darstellung des Ersten Heiligen Krieges

Bei genauerer Betrachtung der Überlieferung zum Ersten Heiligen Krieg fallen viele Ungereimtheiten auf: So scheint die Großstadt Krisa außer als Ziel dieses Feldzuges nirgendwo aufzutauchen; auch scheint es keine archäologischen Befunde zu geben, die die Quellen bestätigen. Ferner drängt sich die Frage auf, warum eine so mächtige Koalition wie die weiter oben genannte nur wegen der Befunde der Gottlosigkeit und Wegelagerei die Stadt Krisa jahrelang belagern sollte.

Was jedoch am meisten stutzig macht, ist die Tatsache, dass gerade die Quellen über dieses Ereignis schweigen, die darüber hätten berichten müssen: Gerade bei Platon und Herodot sucht man Hinweise auf diese Auseinandersetzung vergeblich, obwohl Delphi ziemlich lange der Nabel der griechischen Welt war. Doch plötzlich, im dritten Viertel des vierten Jahrhunderts, wurde der Erste Heilige Krieg für einige der damaligen Autoren zu einem zentralen Thema: Etwa 15 Jahre lang treten massiv Befunde auf, in denen sich Schreiber wie Kallisthenes und Aristoteles, Redner wie Aischines sowie unbekanntere Zeitgenossen wie Speusippos zu der Auseinandersetzung äußern. Speusippos (342, Brief an Phillip) stützte sich dabei auf die Arbeit des aufstrebenden Historikers Antipatros von Magnesia, dessen Werke heute verschollen sind. Kallisthenes und Aristoteles berichten vom Ersten Heiligen Krieg im Rahmen ihrer Bearbeitung der pythischen Siegerliste. Auch in seiner Monographie über den Dritten Heiligen Krieg berichtet Kallisthenes von dem über zwei Jahrhunderte zurückliegenden Konflikt. Schließlich spricht Aischines zweimal von der Auseinandersetzung: 339 vor dem Rat der Amphiktyonie sowie 330 bei seiner Rede im Kranzprozess.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des Ersten Heiligen Krieges ein und skizziert die Forschungsdebatte zwischen historischer Authentizität und der These einer bewussten Fiktionalisierung.

1 Die Zweifel an der Überlieferung und der modernen Darstellung des Ersten Heiligen Krieges: Das Kapitel beleuchtet die auffälligen Lücken in den Quellen der archaischen Zeit und die verdächtige Konzentration von Berichten im vierten Jahrhundert v. Chr.

2 Die Quellen: Hier werden archäologische Indizien sowie die literarische Überlieferung einer kritischen Prüfung unterzogen, um das Fehlen zeitgenössischer Belege zu verdeutlichen.

3 Versuch einer Klärung: In diesem Hauptteil wird versucht, den tatsächlichen Kern des Konflikts von späteren propagandistischen Zudichtungen zu trennen und die Rolle der Akteure zu bewerten.

4 Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass der Krieg zwar wahrscheinlich stattfand, jedoch im vierten Jahrhundert gezielt instrumentalisiert wurde, um politische Ansprüche zur Zeit Phillips von Makedonien zu legitimieren.

Schlüsselwörter

Erster Heiliger Krieg, Antike, Delphi, Krisa, Amphiktyonie, Geschichtsklitterung, Phillip von Makedonien, Aristoteles, Kallisthenes, Quellenkritik, Archäologie, Propaganda, Fiktionalisierung, Historiographie, Griechenland.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die historische Glaubwürdigkeit des sogenannten Ersten Heiligen Krieges und hinterfragt, ob es sich dabei um ein tatsächliches historisches Ereignis oder eine im vierten Jahrhundert v. Chr. geschaffene politische Legende handelt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Quellenlage zur griechischen Frühzeit, die Instrumentalisierung von Geschichte für politische Zwecke sowie die politische Konstellation rund um Delphi und den Aufstieg Phillips von Makedonien.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, zu analysieren, warum Berichte über den Ersten Heiligen Krieg erst nach langer Zeit massiv in der Literatur auftauchen und inwieweit diese Berichte die politische Agenda des vierten Jahrhunderts widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Methode, bei der literarische Berichte mit archäologischen Befunden konfrontiert und in den historischen Kontext der jeweiligen Entstehungszeit eingeordnet werden.

Was sind die Hauptinhalte des dritten Kapitels?

Im dritten Kapitel werden die Hintergründe des Krieges, die Datierungsproblematik sowie die Glaubwürdigkeit der zugeschriebenen Teilnehmer wie Athen und Sikyon einer detaillierten Analyse unterzogen.

Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Quellenkritik, politische Instrumentalisierung von Geschichte, der Erste Heilige Krieg, der Aufstieg Makedoniens und die Problematik archäologischer Belege.

Wie bewertet der Autor den Beitrag von Kallisthenes und Aristoteles?

Der Autor ordnet deren Berichte als gezielte Geschichtsklitterung ein, die im Auftrag Phillips von Makedonien erstellt wurde, um dessen Vorgehen im Dritten Heiligen Krieg historisch zu legitimieren.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Stadt Krisa?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Krisa als städtisches Zentrum existiert haben mag, die Überlieferung über deren Vernichtung im Ersten Heiligen Krieg jedoch stark ausgeschmückt und für politische Zwecke instrumentalisiert wurde.

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Details

Title
Ein ausgedachter Krieg? Zur Bedeutung des Ersten Heiligen Krieges im sechsten und vierten Jahrhundert v. Chr.
College
University of Hamburg  (Institut für Alte Geschichte)
Course
Proseminar Heilige Kriege und ihre Folgen
Grade
Sehr gut
Author
Johannes Huhmann (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V44817
ISBN (eBook)
9783638423397
ISBN (Book)
9783638902397
Language
German
Tags
Krieg Bedeutung Ersten Heiligen Krieges Jahrhundert Proseminar Heilige Kriege Folgen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Huhmann (Author), 2004, Ein ausgedachter Krieg? Zur Bedeutung des Ersten Heiligen Krieges im sechsten und vierten Jahrhundert v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44817
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