Work Life Balance. Vergleich zwischen unterschiedlichen Generationen


Hausarbeit, 2018

46 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Work-Life-Balance
2.2 Generation X, Generation Y und Generation Z

3 Empirie anhand des Einsatzes qualitativer Forschungsmethodik 3.1 Forschungsfrage und Forschungsdesign
3.2 Erhebung wissenschaftlicher Daten mittels qualitativer Interviews
3.2.1 Konzeption des Interviewleitfadens
3.2.2 Auswahl von Probanden
3.2.3 Transkription des Tonmaterials
3.3 Inhaltsanalyse des Textmaterials
3.4 Ergebnisse der Interviews
3.4.1 Probandin 1: T. W.
3.4.2 Proband 2: L. L.
3.4.3 Proband 3: F. E.
3.5 Interpretation der Ergebnisse
3.6 Anwendung inhaltsanalytischer Gütekriterien

4 Praxistransfer
4.1 Anwendung im Human Resource Management
4.2 Anwendung im Rahmen der Personalführung

5 Fazit und kritische Würdigung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Auszug aus der Fundstellenbezeichnung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Qualitativer Stichprobenplan

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Man muss nicht alles gleichzeitig schaffen“: so lauten die Überschrift und Kernaussage eines kürzlich veröffentlichten Artikels, der durch die ZEIT zum Modell der Work-Life-Balance online erschienen ist. Beschrieben wird eine Fragestellung, die sich die heutige Gesellschaft gehäuft stellt: „Muss ich sämtliche Lebensbereiche gleichermaßen stark vorantreiben, um im späteren Leben nicht das Nachsehen zu haben?1 Der Titel der vorliegenden Arbeit nennt die Bestandteile des kontrovers diskutierten Modells. Es beschreibt das Zusammenspiel von Arbeit und Privatleben.2 Doch welche Faktoren sind entscheidend für die individuelle Ausgestaltung der Work-Life-Balance? Welches sind die Bedürfnisse, die untereinander konkurrieren und wie wird zwischen ihnen priorisiert? Gerade der Generation Y und der nachfolgenden Generationen wird ein Umdenken konstatiert, was ihre Anforderungen an eine ideale Work-Life-Balance betrifft.3 In dieser Seminararbeit soll darauf eingegangen werden, wie der vermeintliche Konflikt4 bezüglich der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit von unterschiedlichen Individuen wahrgenommen wird. Es sollen hierbei Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Vertretern der Generation X, der Generation Y und der Generation Z untersucht werden. Unter Zuhilfenahme qualitativer Forschungsmethodik sollen konkrete Motive bezüglich des individuellen Anspruchs an die persönliche Work-Life-Balance im Alltag der Befragten herausgearbeitet werden. Die Definition relevanter Termini findet im Kapitel 2 statt. Hierdurch soll ein Grundverständnis für den Forschungsgegenstand geschaffen werden. Im Kapitel 3 wird die angewandte Empirie näher beschrieben Die hierdurch gewonnenen Daten werden systematisch interpretiert. Im anschließenden Praxistransfer werden konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Die Arbeit endet mit einer Reflexion und kritischen Würdigung der Ergebnisse. Da diese Arbeit einen groben Abriss des Themas darstellen soll, werden nicht alle relevanten Fragestellungen im Zusammenhang mit Work-Life-Balance beantwortet. Die Erhebung beschränkt sich auf drei Interviews. Die Literaturrecherche zu dieser Seminararbeit fand via EBSCOhost, anhand der Sichtung des Präsenzbestandes der Bibliothek der Technischen Hochschule Nürnberg, der Stadtbibliothek Nürnberg, sowie Quellensuche im Internet mittels wissenschaftlicher Suchmaschinen statt.

2 Theoretischer Bezugsrahmen

Um einen fließenden Übergang in dieser Seminararbeit zu gewährleisten, werden im folgenden Kapitel relevante Begrifflichkeiten geklärt und inhaltliche Abgrenzungen getroffen. Zunächst wird das Modell der Work-Life-Balance näher erläutert. Da deren jeweilige Ausprägung im Kontext unterschiedlicher Generationen geprüft werden soll, werden diese kategorisiert. Zudem soll die Begrifflichkeit des Stresses im Individuum erklärt werden.

2.1 Work-Life-Balance

Generell ist Work-Life-Balance als die Vereinbarkeit von Beruf- und Familienleben zu begreifen.5 Hierbei stellt Work-Life-Balance keinen allgemein gültigen Begriff dar. Eine ausgewogene Work-Life-Balance beschreibt viel mehr den empfundenen Zustand des Individuums, selbstwirksam über das Verhältnis zwischen den Faktoren „Arbeit“ und „Leben“ zu bestimmen. Der Begriff selbst suggeriert eine strikte Trennung von Arbeit und Leben. Da die durch die Arbeit generierte Erwerbsfähigkeit ein wesentlicher Bestandteil für die Realisierung des individuellen Lebenskonzepts darstellt, wird eine strikte Trennung kaum realisiert werden können.6 Das Konzept der Work-Life-Balance als solches ist wissenschaftlich strittig. Kritiker argumentieren, es sei ein Konzept der Integration und optimalen Vereinbarkeit zwischen den einzelnen Lebensbereichen anzustreben, sogenannte Work-Life-Effectiveness.7 Im Alltag kommt es zu Kollisionen der unterschiedlichen Lebensbereiche. Diese Kollisionen können Konflikte auslösen, sogenannte Inter-Rollenkonflikte. Diese treten beispielsweise dann auf, wenn das private Umfeld das Arbeitsumfeld beeinträchtigt und umgekehrt. Die Rolle des Angestellten kollidiert also mit der der privaten Person.8 Dem Work-Life-Balance-Konzept liegt eine Beziehung zwischen den unterschiedlichen Rollen aus Privat- und Berufsalltag zugrunde, in der Fachliteratur werden noch weitere Interdependenzen genannt.9 Die vorliegende Arbeit und die durchgeführte Empirie beschränken sich auf Konflikte zwischen Berufs- und Privatleben der Befragten.

2.2 Generation X, Generation Y und Generation Z

Von Generation X ist nach herrschender Meinung die Rede, wenn über die Geburtenjahrgänge zwischen 1965 und 1979 gesprochen wird.10 Douglas Coupland, ein kanadischer Autor, prägte diesen Begriff mit seinem gleichnamigen Roman, den er 1991 veröffentlichte. Er handelt von der Wertehaltung junger US-Amerikaner und ihrer Lösung von bis dato gültigen Wertvorstellungen und Lebenskonzepten.11 Diese Haltung wird der Generation X, im Vergleich zu vorhergehenden Generationen nachgesagt. Untersuchungen zufolge, liegt hier die Bereitschaft höher als bei nachfolgenden Generationen, private Bedürfnisse hinten an zu stellen, um einen gewünschten Status zu erreichen. Gleichwohl herrscht innerhalb der Generation X die Erwartung, ausreichend Zeit für die Familie und die Freizeit zu haben.12 Bezüglich der konkreten Einordnung der Geburtenjahrgänge zur Generation Y gibt es verschiedene Auslegungen. Erstmals wurde der Begriff von der Marketing-Fachzeitschrift „Advertising-Age“ gewählt, um die bis 1994 geborenen zu charakterisieren.13 Die Namensgebung dieser Geburtenkohorte beschreibt zum einen die Nachfolge an die Generation X, zum anderen kann das „Y“ auch im Kontext des englischen Wortes „Why“ verstanden werden. Dies soll eine Strömung innerhalb der Generation ausdrücken. Der Generation Y wird eine ausgeprägte Sinnsuche zugeschrieben. Der Fokus der Generation Y liegt auf einer herausfordernden und reizvollen Aufgabe bei angemessener und leistungsbezogener Vergütung. Ihr ist hierbei wichtig, dass die Arbeitsbedingungen flexibel hinsichtlich Arbeitszeit und -ort sind. Die Work-Life-Balance hat hierbei hohe Priorität.14 Als Generation Z wird die Geburtenkohorte bezeichnet, die je nach Auslegung ab dem Jahr 199515 bzw. 199816 auf die Welt gekommen ist. Sie wird auch häufig als die der „Digital Natives“ bezeichnet. Sie ist vertraut mit der Digitalisierung und einer vernetzten Umwelt. Dies wirkt sich auf die Art der Kommunikation innerhalb der Generationen Y und Z aus. Diese findet in einem erheblichen Maße online statt. Die beiden jüngsten Generationen weisen moralisches Verhalten und das Streben nach sozialer Zufriedenheit im beruflichen und privaten Kontext auf. Statusorientierung rückt bei ihnen in den Hintergrund.17

3 Empirie anhand des Einsatzes qualitativer Forschungsmethodik

Im folgenden Kapitel werden die Forschungsfrage und das Forschungsdesign sowie die Datenerhebung und -analyse näher erläutert. Es wurde qualitative Forschung mittels teilstandardisierter, qualitativer Interviews betrieben. Auf diese Art der Interviewform wird ebenfalls näher eingegangen.

3.1 Forschungsfrage und Forschungsdesign

Mittels qualitativer Forschung wird versucht, ein tiefergehendes und gleichzeitig strukturiertes Verständnis für die subjektive Sicht eines Probanden zu erhalten, indem man ihn dazu veranlasst, Aussagen bezüglich seiner Meinung und Erfahrungen zum Erhebungsgegenstand zu treffen.18 Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet danach, wie Individuen zwischen den unterschiedlichen Bereichen „Arbeit“ und „Freizeit“ priorisieren und welche Art von Konflikten zwischen den Lebensbereichen auftreten. Es herrscht die Annahme, dass es unterschiedliche Vorstellungen bezüglich einer optimalen Work-Life-Balance gibt. Zudem wird angenommen, dass soziodemografische Merkmale einen Einfluss auf den Zielzustand hinsichtlich der individuellen Work-Life-Balance haben. Um dies zu prüfen, wurden Personen befragt, die unterschiedliche, soziodemografische Charakteristika aufweisen. Das Forschungsdesign lehnt sich an das der Sozialforschung an. Ein soziales Problem aus dem Alltag soll untersucht werden.

3.2 Erhebung wissenschaftlicher Daten mittels qualitativer Interviews

Die Erhebung erfolgt anhand halbstandardisierter, qualitativer Interviews. Für diese Arbeit wurde das problemzentrierte Interview gewählt, da es theoriegeleitete Forschung zu einer bestimmten, gesellschaftlichen Problemstellung zulässt.19 Durch die offene und persönliche Erhebungssituation soll die Nähe zum Forschungsgegenstand geschaffen werden.20 Der Interviewer kann kurze Rückfragen stellen, die nicht ausdrücklich im Leitfaden aufgeführt sind.21 Zur zielgerichteten Steuerung des Gesprächs wird ein Leitfaden konzipiert, wodurch eine teilweise Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglicht werden soll.22 Bei der Empirie handelt es sich um eine Einzelfallstudie. Diese verfolgt den Zweck, Erkenntnisse zu vergleichsweise kleinen Stichproben zu erhalten und zeichnet sich durch eine eher interpretative Methodik aus.23

3.2.1 Konzeption des Interviewleitfadens

In Anlage Nr. 1 ist der endgültige, zur Erhebung verwendete Interviewleitfaden angefügt. Dieser stellt einen themenzentrierten Leitfaden dar, denn er führt die im Zusammenhang mit der Erhebungssituation relevanten Themenfelder auf. Die Richtung der Beantwortung ist durch die zentrale Themenstellung eingeschränkt.24 Zu Beginn des Interviews erfolgt eine Mitteilung über die Vertonung des Gesprächs sowie die Anonymisierung personenbezogener Daten. Der Leitfaden kann aufgrund der zu untersuchenden Gesichtspunkte in drei Themenblöcke unterteilt werden, die in einer logistischen Reihenfolge angeordnet sind. Durch eine sogenannte „Eisbrecher-Frage“ soll eingangs zum Thema hingeführt werden.25 Im ersten Themenblock „Work-Life-Balance“ soll der Proband sich mit dem zentralen Modell der WLB auseinandersetzen. Durch die sehr offen gehaltene Frage „Wie stellst du dir eine optimale Work-Life Balance vor?“ soll der Befragte offen schildern, wie der Zielzustand bezüglich seiner persönlichen WLB aussieht. Im weiteren Verlauf des Gesprächs werden persönlichen Motive und Prioritären bezüglich der unterschiedlichen Lebensbereiche erfragt.26 Die anschließenden Themenblöcke heißen „Konflikt“ und „Stress“. Hier sollen Konfliktsituationen sowie Stressempfinden und -bewältigung im Kontext der WLB durch die Probanden beschrieben werden. Im Rahmen der Forschung werden verstärkt offene Fragen gestellt, um differenzierteres und umfangreicheres Datenmaterial zu erhalten.27 Am Ende des Interviews wird dem Befragten noch eine Abschlussfrage gestellt.28 Hier fragt der Interviewer nach Wünschen bezüglich einer Veränderung der aktuellen WLB. Der Interviewer möchte somit weitere Informationen hinsichtlich der Motivkonstellation des Probanden sammeln. Vor der Interviewdurchführung wurde ein Pretest durchgeführt, um die Fragestellung und die Richtung der Beantwortung zu prüfen.29 Der Pretest ergab, dass es Fragen gab, die bereits eine bestimmte Richtung der Beantwortung impliziert haben. Es wurde versucht, die Fragen offener zu halten, um die Freiheit der Beantwortung nicht im Voraus zu beschränken.

3.2.2 Auswahl von Probanden

Im Gegensatz zur quantitativen Forschung wurde die Stichprobe nicht zufallsbedingt, sondern bereits vor der Untersuchung festgelegt. Der Forscher geht bei der Auswahl der Interviewten davon aus, dass die Probanden in einer relevanten Beziehung zum Forschungsgegenstand stehen und somit qualitativ verwertbares Material liefern.30 Um eine Vielfalt in der Stichprobe zu gewährleisten, bietet es sich an, einen Stichprobenplan zu erstellen. Er umfasst mitunter die soziodemografischen Gesichtspunkte, von denen ausgegangen wird, dass sie das Ergebnis der Befragung beeinflussen.31

Tabelle 1: Qualitativer Stichprobenplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei allen Befragten handelt es sich um Angestellte in der privaten Wirtschaft. Es herrscht die Annahme, dass es bei ihnen in der Vergangenheit aufgrund ihrer persönlichen Zielsetzungen, sozialen Verpflichtungen sowie beruflichen Hintergründe schon zu Konflikten zwischen den Lebensbereichen „Arbeit“ und „Freizeit“ gekommen ist. Entsprechend der Forschungsfrage wurden verschiedene Generationen für die Befragung herangezogen. Um eine Ablenkung der Befragten zu vermeiden wurde versucht, die persönliche Befragung in einer neutralen Atmosphäre durchzuführen.32 Die Dauer der drei Befragungen lag bei jeweils fünf bis sechs Minuten.

3.2.3 Transkription des Tonmaterials

Das aufgezeichnete Tonmaterial wurde mittels wörtlicher Transkription verschriftlicht.33 Hierdurch wurde Textmaterial gewonnen, welches der weiteren Analyse diente. Das Material wurde in Schriftdeutsch übertragen. Die Transkriptionsregeln finden sich in Anlage Nr. 2.

3.3 Inhaltsanalyse des Textmaterials

Das Textmaterial wurde mittels strukturierender, qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Dieses Verfahren ermöglicht eine systematische Interpretation des Materials und geht nach einem regelgeleiteten Ablauf vor.34 Zentrale Elemente dieser Methodik stellen die Bildung und Anwendung eines Kategoriensystems dar. Dies soll dabei helfen, die Nachvollziehbarkeit der Interpretation zu gewährleisten und somit zu einer verbesserten Reliabilität und Strukturierung der Ergebnisse gelangen.35 Das Ablaufschema der Inhaltsanalyse nach Mayring ist in der Anlage Nr. 6 zu erkennen. Die Kategorisierung ergab drei zentrale Themenblöcke. Den ersten stellt die Kategorie „Arbeit im Kontext der WLB“ dar, darauf folgt die Kategorie „Arbeit vs. Leben“ sowie „Konflikt vs. Bewältigung“. Diese Kategorien wurden wiederum in Unterkategorien zerlegt. Anhand des Ablaufbeispiels der Inhaltsanalyse wurden inhaltsanalytische Analyseeinheiten gebildet. So konnten mittels Fundstellenbezeichnung konkrete Auswertungseinheiten benannt werden.36

Abbildung 1: Auszug aus der Fundstellenbezeichnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Mayring stellt unterschiedliche Grundformen des Interpretierens vor, die im Rahmen der Inhaltsanalyse Anwendung finden können. In dieser Arbeit wurden primär die Zusammenfassung und Strukturierung gewählt.37 Die Fundstelle aus dem Beispiel „Familie ist mir einfach wichtiger als die Arbeit“ kann der Unterkategorie „Stellenwert der Arbeit“ beziehungsweise der übergeordneten Kategorie „Arbeit im Kontext der WLB“ zugeordnet werden. Die Textpassagen aus dieser Kategorie wurden gelb markiert. Im Rahmen der Inhaltsanalyse wurden induktiv Kategorien gebildet und anhand des Materials38 der Kodierleitfaden und das Kodierschema erstellt. Diese wurden im Laufe der Analyse kontinuierlich angepasst und präzisiert bis schlussendlich ein vollständiger Materialdurchgang möglich wurde.39 Der Kodierleitfaden sowie die inhaltsanalytisch aufbereiteten Interviews finden sich in den Anlagen Nr. 3 bis Nr. 5 sowie Nr. 7 bis 10.

3.4 Ergebnisse der Interviews

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse zu den jeweiligen Probanden kurz vorgestellt. Es wird nicht ausführlich auf alle Ausprägungen eingegangen. Die Analyse der Inhalte ist insoweit vorgenommen worden, als dass sie Erkenntnisse zur Überprüfung der zentralen Fragestellung der Arbeit liefert.40

3.4.1 Probandin 1: T. W.

Bezüglich der Probandin T. W. kann festgehalten werden, dass sie ihrem Privatleben einen höheren Wert beimisst, als der Arbeit. Sie wünscht sich in diesem Zusammenhang Selbstbestimmung und möchte sich nicht von ihrer Berufstätigkeit einschränken lassen. Sie sieht die Arbeit als Mittel dazu, ihre privaten Pläne zu verwirklichen. Es gab bereits Konflikte zwischen beruflichen und privaten Verpflichtungen. Sie bejaht, dass es deshalb auch schon zu Spannungen in ihrem privaten Umfeld gekommen ist. T. W. versucht, ihre Termine in der Freizeit so zu planen, dass sie nicht mit beruflichen Verpflichtungen kollidieren. Das gelingt ihr nicht immer. Sie empfindet die Arbeitslast und die fixen Fristen zum Teil belastend. Zudem baut sich in ihr Druck auf, wenn hierzu noch private Verpflichtungen kommen. Sie bewältigt diese Spannungen, indem sie versucht, ihre Aufgaben zu priorisieren und sucht den Ausgleich in ihrem privaten Umfeld. T. W. wird ihren Beruf aufgeben, um ein Studium aufzunehmen. Ihre Priorität liegt zunächst auf der Verwirklichung ihrer privaten Ziele.41

3.4.2 Proband 2: L. L.

Das zweite Interview fand mit dem Probanden L. L. statt. Die Analyse des Textmaterials aus dem Interview hat ergeben, dass er sich einen Job wünscht, der ihn fordert. Sein Privatleben hat den höchsten Stellenwert für ihn, was er mehrfach betont. Er möchte durch die Arbeit gefordert werden. Es fand jedoch eine neue Priorisierung seiner Lebensbereiche statt, seitdem er eine Familie hat. Arbeitsthemen beschäftigen ihn gelegentlich zu Hause. Er strebt jedoch generell nach einer Trennung der Lebensbereiche. In der Vergangenheit hatte er Konflikte zwischen beruflichen Aufgaben und privaten Verpflichtungen. Insbesondere durch das Führungsverhalten seines neuen Chefs fühlt er sich gelegentlich angespannt. Bei einer langfristigen Überlastung würde er sich beruflich neu orientieren. Er versucht, durch Sport oder sein privates Umfeld innere Spannungen abzubauen. Langfristig strebt er einen ausgewogenen Zustand zwischen seiner Arbeit und seinem Privatleben an. Er kann sich vorstellen, in der Zukunft sein Arbeitspensum zu reduzieren, um flexibler bezüglich seines Privatlebens zu werden.42

3.4.3 Proband 3: F. E.

Der Proband F. E. möchte mehr Zeit für sein Privatleben haben und gleichzeitig seine beruflichen Ziele verwirklichen. Er wünscht sich eine Vereinbarkeit der Lebensbereiche. Er definiert stellenweise über seine berufliche Position. Die Arbeit dient in seinen Augen auch dem Zweck, sein Privatleben so gestalten zu können, wie er möchte. Er versucht, seine Karriere voranzutreiben, was im Konflikt zu seinen privaten Plänen steht. Bis dato hatte seine Karriereplanung die oberste Priorität. Das änderte sich, seitdem er in einer Beziehung ist. Es kommt in seinem Leben sehr häufig zu Konflikten zwischen seinen beruflichen und privaten Verpflichtungen. Hierin sieht er auch einen Grund, weshalb bereits Freundschaften oder eine Partnerschaft gescheitert sind. Er fühlt sich durch seine berufliche und private Situation sehr angespannt. Er fühlt sich durch sein Zeitmanagement gestresst. Er wünscht sich mehr Zeit für sein Privatleben, möchte gelassener und flexibler sein. Die Reduktion seines Arbeitspensums ist für ihn denkbar, auch wenn das konträr zu seinen Karriere-Plänen wäre.43

3.5 Interpretation der Ergebnisse

Es wird geprüft, ob die zu Beginn der Forschung aufgestellten Annahmen anhand der Ergebnisse der Untersuchung standhalten. Unterstützend hierzu wurde eine Häufigkeitsanalyse vorgenommen.44 Die Ergebnisse der Befragungen wurden in einer Tabelle gegenübergestellt. Diese findet sich in Anlage Nr. 11. Die unter Punkt 3.1 gestellten Annahmen bezüglich des Forschungsgegenstandes werden auf Gültigkeit geprüft.45 Zunächst wird die Annahme geprüft, dass es unterschiedliche Vorstellungen bezüglich einer optimalen Work-Life-Balance gibt. Diese Annahme kann aufrechterhalten werden. Der Proband F. E. möchte seine Karriere vorantreiben. Er nimmt hierzu einen hohen Planungsaufwand bezüglich seiner Lebensbereiche in Kauf. Die Problemstellungen aus seinem beruflichen Umfeld beschäftigen ihn auch in der Freizeit. Er gibt an, dass er sich über seine Arbeit ein Stück weit definiert. Bezüglich seiner Work-Life-Balance strebt er an, seine Karriere und sein Privatleben gleichermaßen zu entwickeln und eine Art Gleichgewichtszustand zu erzielen.46 L. L. hingegen betont innerhalb des Gesprächs mehrfach seine Forderung an eine strikte Trennung der Lebensbereiche. Er möchte durch die Arbeit gefordert werden, jedoch hat er den Anspruch, seine Freizeit zu genießen und möchte nicht an die Arbeit denken. Seine Familie hat die oberste Priorität. Er kann sich vorstellen, nachhaltig seine Arbeitslast zu reduzieren oder sich beruflich umzuorientieren, sollte seine Arbeit ihn zu stark vereinnahmen.47 T. W. schreibt ihrem Privatleben ebenfalls die höchste Priorität zu. Die Arbeit erfüllt in ihren Augen den Zweck, sich hierdurch ihr Leben finanzieren zu können. Ihr ist es wichtig, Zeit für ihr privates Umfeld zu haben. Sie hat stellenweise Konflikte zwischen privaten und beruflichen Verpflichtungen. Sie möchte mehr Zeit für ihr Privatleben und hat sich mitunter deshalb dazu entschlossen, ihren Beruf aufzugeben und zu studieren.48 Die Annahme wird geprüft, dass soziodemografische Merkmale einen Einfluss auf den Zielzustand hinsichtlich der individuellen Work-Life-Balance haben. Alle drei Probanden befinden sich in einer Beziehung. F. E. beschreibt, dass bis dato sein Studium und seine Karriere die oberste Priorität hatten. Seitdem er wieder in einer Beziehung ist, hat sich sein Anspruch an eine optimale WLB verändert. Er kann sich vorstellen, seine Arbeitslast zu reduzieren, um mehr Zeit für sein Privatleben zu haben. Seine Karriere verliert an Stellenwert.49 Besonders L. L. beschreibt, dass sich, seitdem er eine Familie hat, seine Einstellung und seine Erwartungen an eine optimale WLB verändert haben. War er früher ein Karrierist, hat nun seine Familie höchste Priorität für ihn.50 Dass das Alter eine Rolle bei der Erwartung an die WLB hat, ist bei T. W. zu erkennen. Sie beschreibt, dass es zu Konflikten bei der Planung ihrer privaten Termine kommt, da diese durch Verpflichtungen aus der Arbeit torpediert werden. In ihrem sozialen Umfeld gibt es viele Schüler und Studierende, was in ihr den Wunsch nach mehr Freizeit verstärkt hat. Sie sieht sich selbst in einem Alter, in dem sie ihr Leben auskosten muss. Der Bereich „Arbeit“ spielt in ihrer Vorstellung bezüglich einer optimalen WLB keine übergeordnete Rolle.51

[...]


1 Corino, E., WLB, 2018, o. S.

2 Vgl. Nerdinger, F. W. et al., AO-Psychologie, 2014, S. 537

3 Vgl. Hesse, G., Mattmüller, R., Perspektivwechsel, 2015, S. 58

4 Vgl. Ashkanasy et al., Culture, 2011, S. 272

5 Vgl. Kaiser, S., Ringlstetter, M. J., Extremjobber, 2010, S. 67

6 Vgl. Frey, D., Arbeitskultur 2020, 2015, S. 34

7 Vgl. Wieden, M., Liquid, 2012, S. 15

8 Vgl. Ashkanasy, N. M. et al., Culture, 2011, S. 273

9 Vgl. Esslinger, S. A., Schobert, D. B., Umsetzung, 2007, S. 20

10 Vgl. Miebach, B., Handbuch HRM, 2017, S. 372

11 Vgl. Ernst, T., Popliteratur, 2001, S. 71

12 Vgl. Hesse, G., Mattmüller, R., Perspektivwechsel, 2015, S. 87

13 Vgl. Oertel, J., Arbeitnehmer Generationen, 2014, S. 45 ff.

14 Vgl. Frey, D., Arbeitskultur 2020, 2015, S. 353

15 Vgl. Hesse, G., Mattmüller, R., Perspektivwechsel, 2015, S. 77

16 Vgl. Frey, D., Arbeitskultur 2020, 2015, S. 561

17 Vgl. Hesse, G., Mattmüller, R., Perspektivwechsel, 2015, S. 87

18 Vgl. Albers, S. et al., Methodik, 2009, S. 51

19 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 569

20 Vgl. Albers, S. et al., Methodik, 2009, S. 34)

21 Vgl. Albers, S. et al., Methodik, 2009, S. 53

22 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 566

23 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 23

24 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 492

25 Vgl. Diekmann, A., Empirische Sozialforschung, 2010, S. 483

26 Vgl. Buber, R., Holzmüller, H. H., Marktforschung, 2007, S. 875

27 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 678

28 Vgl. Buber, R., Holzmüller, H. H., Marktforschung, 2007, S. 875

29 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 696

30 Vgl. Bohnsack, R. et al., Hauptbegriffe, 2011, S. 95

31 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 53

32 Vgl. Baur, N., Blasius, J., Handbuch Sozialforschung, 2014, S. 860

33 Siehe Anlage Nr. 3 - Nr. 5 und Nr. 8 - Nr. 10

34 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 48

35 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 49

36 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 69

37 Vgl. Albers, S. et al., Methodik, 2009, S. 42

38 Vgl. Kuckartz, U., Qualitative Inhaltsanalyse, 2018, S. 39

39 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 61 f.

40 Vgl. Buber, R., Holzmüller, H. H., Marktforschung, 2007, S. 279

41 Siehe Anlage Nr. 3

42 Siehe Anlage Nr. 4

43 Siehe Anlage Nr. 5

44 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 63

45 Vgl. Mayring, P., Inhaltsanalyse, 2010, S. 116

46 Siehe Anlage Nr. 5

47 Siehe Anlage Nr. 4

48 Siehe Anlage Nr. 3

49 Siehe Anlage Nr. 5

50 Siehe Anlage Nr. 4

51 Siehe Anlage Nr. 3

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Work Life Balance. Vergleich zwischen unterschiedlichen Generationen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
46
Katalognummer
V448456
ISBN (eBook)
9783668833050
ISBN (Buch)
9783668833067
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Work-Life-Balance
Arbeit zitieren
Frank Meyer (Autor), 2018, Work Life Balance. Vergleich zwischen unterschiedlichen Generationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448456

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