Diese Arbeit versteht sich als eine Bestandsaufnahme der Debatte um die demokratische Wirkungsmacht von politischen Blogs. Da sowohl einerseits die größte Anzahl an Blogs in den USA zu finden ist und andererseits die Studien, auf die sich diese Arbeit bezieht, die amerikanische Medienlandschaft untersuchen, beschränkt sich der Forschungsgegenstand auf Weblogs in Amerika.
Zunächst wird das demokratiefördernde Potential von politischen Blogs in den USA anhand ihrer Hauptcharakteristika kritisch analysiert, um in einer anschließenden Diskussion zu klären, ob und in welchem Maße Blogs die politische Kommunikation ändern und politische Entscheidungen beeinflussen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Anlass: Weblogs als neue Medien der Nachrichtenberichterstattung
2. Analyse: Merkmale politischer Weblogs
2.1. Die Unabhängigkeit des Amateurs
2.1.1 Intrinsische Motivation
2.1.2 Externe Einflüsse
2.2 Die Netzstruktur der Blogosphäre
2.2.1 Horizontalität und Dialog
2.2.2 Exklusivität und Ausschluss
2.3. Verknüpfung von Meinungen
2.3.1 Verbindung
2.3.2 Fragmentierung
3. Diskussion: Änderung der politischen Kommunikation
3.1 Kongruenz zur Offline-Gesellschaft
3.2 Chancen für die politische Kommunikation
3.2.1 Agenda Setting Effekte
3.2.2 Überprüfungsinstanz traditioneller Medien
3.2.3 Förderung der Bürgerpartizipation
4. Fazit: Weblogs als Ergänzung traditioneller Nachrichtenmedien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das demokratiefördernde Potential politischer Weblogs in den USA und analysiert, inwieweit diese die politische Kommunikation grundlegend verändern und auf politische Entscheidungsprozesse einwirken können.
- Charakteristika und Unabhängigkeit politischer Weblogs
- Struktur der Blogosphäre und ihre Netzwerkeffekte
- Einfluss auf Agenda-Setting-Prozesse
- Die Rolle von Blogs als Überprüfungsinstanz der Presse
- Chancen und Risiken für die Bürgerpartizipation
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Intrinsische Motivation
Zizi Papacharissi charakterisiert online verfügbare Information als „frequently unmediated“ und erklärt genauer „that is, it has not been tampered with or altered to serve particular interests“ (2002: 14). Was und wie auf einem Blog geschrieben wird obliegt ausschließlich der Verantwortung des Autors. Der größte Unterschied von Blogs zu traditionellen Medienformaten wie etwa Tageszeitungen manifestiert sich demnach in der intrinsischen Motivation der Publikation: Blogger veröffentlichen zunächst aus Überzeugung und persönlichem Interesse am Thema, ohne Sekundärmotive wie finanzielle Leistungen oder die Ausrichtung auf eine politisch gewichtete redaktionelle Linie zu verfolgen (Cornfield, Carson, Kalis, & Simon, 2005; Drezner & Farrell, 2008). Neben der Unabhängigkeit von einem mehr oder weniger streng vorgegeben Spektrum an Meinungen innerhalb eines Verlagshauses oder einer Medieninstitution emanzipiert sich die Blogosphäre darüberhinaus von Werbekunden und muss sich so im Gegensatz zu traditionellen Medien nicht konform zu deren Botschaften äußern (Bruns, 2009; Woodly, 2008). Doch nicht nur die Abwesenheit der Finanzierung durch Werbung gewährt Bloggern mehr Meinungsfreiheit, auch sind sie keiner höher gestellten Interessensgemeinschaft oder Ideologie verpflichtet, in deren Sinne sie ihre Artikel zu verfassen haben (Drezner & Farrell, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Anlass: Weblogs als neue Medien der Nachrichtenberichterstattung: Einführung in die medienwissenschaftliche Debatte um die demokratisierende Wirkung des Web 2.0 und die Relevanz politischer Weblogs als Forschungsgegenstand.
2. Analyse: Merkmale politischer Weblogs: Detaillierte Untersuchung der Unabhängigkeit, der Netzstruktur und der Meinungsverknüpfungsprozesse innerhalb der Blogosphäre.
3. Diskussion: Änderung der politischen Kommunikation: kritische Auseinandersetzung mit den Chancen für Agenda-Setting, Medienkritik und Bürgerbeteiligung im Kontext der bestehenden Offline-Strukturen.
4. Fazit: Weblogs als Ergänzung traditioneller Nachrichtenmedien: Zusammenfassende Bewertung von Blogs als wertvolle, jedoch nicht revolutionäre Erweiterung der Medienlandschaft.
Schlüsselwörter
Weblogs, politische Kommunikation, Blogosphäre, Internet, Agenda Setting, partizipativer Journalismus, Demokratie, Gatewatching, Bürgerpartizipation, Online-Medien, Mediennutzung, Homophilie, Netzwerke, Meinungsbildung, USA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit politische Weblogs die traditionelle Nachrichtenberichterstattung und politische Kommunikation beeinflussen und ob sie demokratiefördernde Wirkungen entfalten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Unabhängigkeit der Blogger, die Struktur der Blogosphäre, Agenda-Setting-Effekte, Medienkritik durch "Watchblogs" sowie Fragen der Partizipation und Polarisierung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt kritisch, ob und in welchem Maße Weblogs in den USA die politische Kommunikation verändern und ob sie tatsächlich als demokratiefördernde Instrumente fungieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die den aktuellen Forschungsstand (u.a. Studien von Drezner, Farrell, Bruns, Papacharissi) aufarbeitet und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale von Blogs (Motivation, Netzstruktur), ihre Rolle in Agenda-Setting-Prozessen sowie die Möglichkeiten zur kollektiven Korrektur und Bürgerpartizipation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Blogosphäre, Partizipation, Agenda Setting, Demokratie, Gatewatching, Meinungsvielfalt und Medienkritik.
Welche Bedeutung hat das Konzept der "Produtzung" für die Arbeit?
Axel Bruns' Konzept der "Produtzung" beschreibt die Verschmelzung von Produktion und Konsum in der Blogosphäre, was die traditionelle Trennung zwischen Medienproduzenten und Rezipienten auflöst.
Wie bewertet die Autorin das "Rathergate"-Beispiel?
Das Beispiel dient als Beleg für die Funktion der Blogosphäre als "Wachhund" der Presse, da Blogger durch kollektive Recherche fehlerhafte oder manipulierte Berichte traditioneller Medien aufdecken konnten.
- Citar trabajo
- Theresa Offenbeck (Autor), 2014, Nachrichtenberichterstattung 2.0. Wie Weblogs die politische Kommunikation ändern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448458