Die Hausarbeit beschäftigt sich speziell mit dem Buch "Lob der Disziplin" von Bernhard Bueb und untersucht dieses auf die Begriffe Zwangsmacht und Vollmacht.
Um dem Ziel meiner Hausarbeit, das Buch „Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb auf die Begriffe Vollmacht und Zwangsmacht hin zu unterscheiden, gerecht zu werden, möchte ich zunächst auf die Aktualität des Themas eingehen. Allein der Titel bezeugt die positive Konnotation des Begriffs Disziplin, der in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkriegs grundsätzlich einen eher negativen Beiklang besitzt. Dass es aber auch eine gute Seite daran gibt, darüber schreibt nicht nur Bernhard Bueb in seinem Buch. Auch bekannte Autoren wie Jesper Juul oder Amy Chur lassen anklingen, dass Gehorsam und Disziplin die Grundlage für eine gelungene Erziehung bilden. Dabei sollten aber nicht die Gründe vergessen werden, die diesen Begriff zu seiner negativen, teilweise sogar angsteinflößenden Wirkung führten. Die geschichtlichen und politischen Ereignisse in Deutschland beeinflussten die Erziehung schon immer maßgeblich. Dabei lehrte uns unsere Geschichte, dabei beziehe ich mich vor allem auf das frühe 20. Jahrhundert, dass dies auch in negativer und vor allem ausartender Form geschehen kann. Dabei ist es nicht wunderlich, dass Begriffe wie Disziplin, Gehorsam, Unterordnung oder Macht noch immer an diese Zeit erinnern und damit einen negativen Charakter besitzen.
Bernhard Bueb versucht mit seinem Buch, die negativen Konnotationen, vor allem bezüglich des Begriffs Disziplin, abzulegen um damit ein gutes Mittelmaß zwischen autoritärer und Laissez-faire- Erziehung zu finden.
Auch Jesper Juul ist sich dem Bedarf, die deutsche Erziehungskultur in eine neue Richtung zu leiten, bewusst. „Wir haben alle Extreme von Erziehungsstilen ausprobiert – kein Weg hat sich als der ideale erwiesen. […] Also müssen wir einen neuen Weg finden, und in diesem Prozess stecken wir.“(Kersten/Otto 2011)
Im Folgenden werden die im Buch Lob der Disziplin dargestellten Aussagen auf vorkommende Machtgefüge, vor allem in Bezug auf Zwangsmacht und Vollmacht hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Definition erziehungsrelevanter Grundbegriffe
2.1. Definition Zwangsmacht
2.2 Definition Vollmacht
2.3. Relativierung der Begriffe im Sinne der Erziehung
3. Zwangsmacht oder Vollmacht bei Bernhard Bueb’s Lob der Disziplin
3.1. Grundthesen des Buchs
3.2. Vollmacht oder Zwangsmacht bei Lob der Disziplin
4.Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, das Buch "Lob der Disziplin" von Bernhard Bueb anhand der erziehungswissenschaftlichen Konzepte von Zwangsmacht und Vollmacht zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, um die darin beschriebenen Machtgefüge einzuordnen.
- Unterscheidung zwischen Zwangsmacht und Vollmacht in der Pädagogik
- Analyse der Grundthesen von Bernhard Bueb zur Disziplin
- Kritische Reflexion der Rolle von Strafen und Konditionierung
- Herausarbeitung des Spannungsfeldes zwischen Disziplinierung und Erziehung zur Mündigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1. Grundthesen des Buchs
Um darzustellen, welche Grundaussagen Bueb mit dem Buch treffen möchte, werden in diesem Kapitel einige relevante inhaltliche Punkte dargestellt. Zu Beginn stellt der Autor heraus, welche Missstände derzeit in der deutschen Erziehung herrschen. Er bezieht sich dabei vor allem auf die Bewegung der antiautoritären Erziehung Ende der 60er Jahre und betont, dass dies unter anderem die Grundlage für die heutige „Nicht-Erziehung“ ist. Bueb stellt zwei Formen der Erziehung dar, die des Töpfers und die des Gärtners. Ersteres bedeutet, den Zögling zu formen, herauszufordern und zu disziplinieren um ihn so in die Mündigkeit zu zwingen. Letzteres meint, dem Zu-Erziehenden einen guten Start in Form von guten Bedingungen zu geben. Es geht mehr darum, ihn wachsen zu lassen und zu fördern, ihn jedoch kaum zu etwas zu zwingen (Vgl. Bueb 2006, S. 15ff.).
Bueb sieht in beiden Erziehungsstilen jeweils die Gefahr in ihren Extremformen. Diese lassen sich in der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert abbilden. Während die erste Hälfte von einem autoritären Erziehungsstil geprägt war, schlug diese in der zweiten Hälfte in eine Nicht-Erziehung um (Vgl. Bueb 2006, S. 12). Trotz des Missbrauchs in der NS-Zeit wird die Notwendigkeit betont, überhaupt zu erziehen. Dies gelingt laut Bueb nur, indem man dem Zu-Erziehenden Disziplin abverlangt und diese auch durchzusetzen vermag. „Disziplin beginnt immer fremdbestimmt und sollte selbstbestimmt enden, aus Disziplin soll immer Selbstdisziplin werden.“(Bueb 2006, S. 18) Die Unterordnung unter eine Autoritätsperson ist notwendig und bildet die Grundlage für das Erwerben von Freiheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Begriffs Disziplin in der deutschen Erziehungsdiskussion und skizziert das Vorhaben, Buebs Werk anhand der Machtbegriffe zu untersuchen.
2. Definition erziehungsrelevanter Grundbegriffe: Dieses Kapitel definiert theoretisch die Begriffe Zwangsmacht und Vollmacht und setzt sie in den Kontext pädagogischer Autoritätsbeziehungen.
2.1. Definition Zwangsmacht: Hier werden Merkmale der Zwangsmacht, wie Konditionierung und Faszination, sowie deren Auswirkungen auf den freien Willen des Kindes erläutert.
2.2 Definition Vollmacht: Der Fokus liegt auf der auf Vertrauen und Einsicht basierenden Autorität, die als positiver Erziehungsansatz zur Mündigkeit dargestellt wird.
2.3. Relativierung der Begriffe im Sinne der Erziehung: Die praktische Einordnung der theoretischen Machtkonzepte zeigt auf, dass diese in der Realität selten isoliert auftreten und als Konstrukte der Pädagogik zu verstehen sind.
3. Zwangsmacht oder Vollmacht bei Bernhard Bueb’s Lob der Disziplin: Eine Analyse von Buebs Positionen im Hinblick auf die zuvor definierten Machtgefüge und deren Legitimierung durch den Erziehungszweck.
3.1. Grundthesen des Buchs: Dieses Kapitel stellt die Kernargumente Buebs vor, insbesondere das Plädoyer für Disziplin als notwendige Grundlage für Selbstbestimmung und Mündigkeit.
3.2. Vollmacht oder Zwangsmacht bei Lob der Disziplin: Die abschließende theoretische Einordnung von Buebs Ratschlägen in das Spektrum zwischen Zwangsmacht und Vollmacht.
4.Fazit: Eine kritische Bilanz, die Buebs Thesen als teils veraltet und vereinfacht bewertet, während sie dennoch als Provokation für eine konstruktive Erziehungsdebatte anerkannt werden.
Schlüsselwörter
Disziplin, Erziehung, Zwangsmacht, Vollmacht, Autorität, Selbstbestimmung, Mündigkeit, Konditionierung, pädagogisches Handeln, Machtverhältnisse, Erziehungskultur, Bernhard Bueb, Kindesentwicklung, Gehorsam, Wertevermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Buch „Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb und untersucht die darin enthaltenen Erziehungsansätze auf ihre theoretische Grundlage von Zwangsmacht und Vollmacht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Machtformen in der Pädagogik, die Rolle von Disziplin in der Erziehung sowie das Spannungsfeld zwischen autoritären Methoden und dem Ziel der kindlichen Mündigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob Buebs Erziehungsplädoyer theoretisch eher der Zwangsmacht oder der Vollmacht zuzuordnen ist und wie dies in der erziehungswissenschaftlichen Praxis zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der zentrale Begriffe der Macht (nach Weber) auf die Aussagen und Fallbeispiele von Bernhard Bueb angewendet und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsdefinition von Macht, die Darstellung von Buebs Grundthesen sowie eine interpretative Untersuchung seiner Aussagen hinsichtlich der Unterscheidung von Zwang und Vollmacht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Erziehung, Disziplin, Vollmacht, Zwangsmacht, Autorität und Mündigkeit charakterisieren.
Warum provoziert Bernhard Bueb laut der Autorin in seinem Buch?
Laut der Autorin setzt Bueb eine aufreizende Wortwahl und überspitzte Thesen bewusst ein, um die deutsche Erziehungskultur aus einem extremen "Nicht-Erziehungs"-Zustand heraus zu einer neuen Mitte zu bewegen.
Wie bewertet die Autorin die Verwendung von Beispielen im Buch?
Die Autorin kritisiert, dass Bueb seine Argumente primär mit sehr individuellen Beispielen aus seiner Zeit als Internatslehrer stützt, was die Allgemeingültigkeit seiner Thesen für die moderne Erziehung einschränkt.
Wie steht die Autorin zum Einsatz von Strafen in der Erziehung?
Sie reflektiert, dass Strafen laut Bueb notwendig für Disziplin sein können, betont jedoch kritisch, dass moderne Erziehung auch auf Vertrauen und rationaler Einsicht basieren sollte, statt nur auf Sanktionen.
- Quote paper
- Angelika Bals (Author), 2018, Vollmacht oder Zwangsmacht bei Bernhard Bueb's "Lob der Disziplin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450127