In der vorliegenden Arbeit soll in der Auseinandersetzung mit Jacques Ranciére und Jean Joseph Jacotot der Frage nachgegangen werden, inwieweit eine Unterwanderung der Wissenshierarchie zu einer intellektuellen Emanzipation führen kann.
Es gibt verschiedene Theorien und Sichtweisen über effektive Lehr- und Lernmethoden, da dieses ein vieldiskutiertes und strittiges Thema ist. Jedoch möchte ich mich in dieser Arbeit von den klassischen Lehrmethoden abgrenzen und eine andere Sichtweise anhand Rancierés Theorien bearbeiten, indem das aktuelle Lehrer-Schüler-Verhältnis und ihre Lerntheorien hinterfragt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau der Arbeit
2.1 Ziel der Arbeit
3. Lehrer-Schüler-Verhältnis
3.1 Wissenshierarchie und Ungleichheiten zwischen Lehrendem und Lernendem
4. Joseph Jacotot und seine Methode des Universalunterrichts
5. Intellektuelle Emanzipation
6. Zusammenfassende Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das traditionelle Lehrer-Schüler-Verhältnis sowie die Frage, ob durch eine bewusste Unterwanderung der etablierten Wissenshierarchie eine intellektuelle Emanzipation der Lernenden erreicht werden kann.
- Kritische Analyse autoritärer Lehr-Lern-Strukturen
- Untersuchung der Methode des Universalunterrichts nach Joseph Jacotot
- Reflexion über Jacques Rancières Thesen zur intellektuellen Emanzipation
- Hinterfragung der Notwendigkeit einer Wissensdifferenz zwischen Lehrenden und Lernenden
- Diskussion über das Potenzial der Selbstaneignung von Wissen
Auszug aus dem Buch
3.1 Wissenshierarchie und Ungleichheiten zwischen Lehrendem und Lernendem
Ranciére spricht in seinem Buch „Der unwissende Lehrmeister 2009“ von einem Prozess der Verdummung und meint damit, dass der erklärende Lehrmeister der seinen unwissenden Schüler lehrt - durch das Verhältnis der Unterordnung zu einer Zweiteilung der Gesellschaft führt.
„Die Erklärung ist nicht nötig, um einer Verständnisunfähigkeit abzuhelfen. Diese Unfähigkeit ist im Gegenteil die strukturierende Fiktion der erklärenden Auffassung der Welt. Der Erklärende braucht den Unfähigen, nicht umgekehrt. Er ist es, der den Unfähigen als solchen schafft. Jemandem etwas erklären heißt, ihm zuerst zu beweisen, dass er nicht von sich aus verstehen kann. Bevor die Erklärung ein Akt des Pädagogen ist, ist sie der Mythos der Pädagogik , das Gleichnis einer Welt, die in Wissende und Unwissende geteilt ist, in reife Geister und unreife Geister, fähige und unfähige, intelligente und dumme“. (Ranciére 2009, S.53)
Mit dem Prozess der Verdummung ist nicht das gemeint, was man für gewöhnlich darunter versteht. Damit ist viel mehr gemeint, dass das Vertrauen in die eigene Intelligenz untergräbt wird, indem der Lernende bei jedem Lernakt sich hilfesuchend an einen Lehrenden wenden muss, der ihm den Wissensgegenstand vermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik klassischer Lehrmethoden ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Wissenshierarchien und intellektueller Emanzipation.
2. Aufbau der Arbeit: Es wird der methodische Ablauf der Arbeit skizziert, inklusive der Zielsetzung, das Lehrer-Schüler-Verhältnis kritisch zu beleuchten.
3. Lehrer-Schüler-Verhältnis: Ranciére wird zitiert, um das Verhältnis als autoritär und auf Wissensdifferenz basierend zu dekonstruieren, was Gehorsam statt Wissen fördere.
3.1 Wissenshierarchie und Ungleichheiten zwischen Lehrendem und Lernendem: Das Konzept der "Verdummung" durch erklärende Lehrmeister wird erläutert, welche die Unfähigkeit der Schüler erst künstlich erschaffen.
4. Joseph Jacotot und seine Methode des Universalunterrichts: Die historische Figur Jacotot und sein zufällig entdeckter Ansatz, bei dem Schüler ohne direkte Erklärung eine Sprache erlernten, werden als Gegenentwurf vorgestellt.
5. Intellektuelle Emanzipation: Dieses Kapitel definiert Emanzipation als den Zwang zum Gebrauch der eigenen Intelligenz und hinterfragt die notwendige Rolle des Lehrers als Wissensvermittler.
6. Zusammenfassende Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Lehrkräfte eher als Begleiter der Selbstaneignung fungieren sollten und die "Gleichheit der Intelligenzen" ein diskussionswürdiges Konzept bleibt.
Schlüsselwörter
Wissenshierarchie, intellektuelle Emanzipation, Jacques Ranciére, Joseph Jacotot, Universalunterricht, Verdummung, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Selbstaneignung, Pädagogik, autoritäres Verhältnis, Wissensdifferenz, Lernmethoden, Intelligenz, Autonomie, Selbsttätigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das traditionelle Lehrer-Schüler-Verhältnis auf Basis der Theorien von Jacques Ranciére und Joseph Jacotot und hinterfragt, ob eine Unterwanderung der Hierarchie zu mehr Freiheit im Lernen führt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Kerngebiete umfassen das Verhältnis von Autorität im Unterricht, die Methode des Universalunterrichts sowie die philosophischen Konzepte der intellektuellen Emanzipation und der Gleichheit der Intelligenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die gewöhnliche Unterrichtsmethode kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen, ob die Aufhebung von Wissenshierarchien tatsächlich eine intellektuelle Emanzipation begünstigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die auf den Werken von Jacques Ranciére und Nora Sternfeld basiert, um pädagogische Konzepte kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der "Verdummung", stellt das Experiment von Jacotot vor und diskutiert die Bedingungen, unter denen ein Lehrer den Schüler beim eigenständigen Lernen begleiten kann, ohne sein Wissen aufzuzwingen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wissenshierarchie, intellektuelle Emanzipation, Universalunterricht, Selbstaneignung und das autoritäre pädagogische Verhältnis.
Wie definiert Ranciére den Prozess der "Verdummung"?
Verdummung bedeutet bei Ranciére nicht Dummheit, sondern der Prozess, bei dem das Vertrauen in die eigene Intelligenz untergraben wird, weil der Schüler ständig belehrt wird und somit lernt, dass er ohne Hilfe eines Lehrers nichts verstehen könne.
Warum ist Jacotots Methode für die Untersuchung so wichtig?
Jacotots Methode dient als praktischer Beleg dafür, dass Menschen sich Wissen selbstständig aneignen können, auch wenn der Lehrende das jeweilige Fachgebiet selbst nicht beherrscht, was die klassische Hierarchie aufbricht.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Ende?
Die Autorin befürwortet zwar die Selbsttätigkeit im Lernen, äußert jedoch Zweifel an der Hypothese der absoluten "Gleichheit der Intelligenzen", da diese im Widerspruch zu messbaren psychologischen Ansätzen stehen könnte.
- Quote paper
- Esma Benli-Genc (Author), 2017, Inwieweit könnte eine Unterwanderung der Wissenshierarchie zu einer intellektuellen Emanzipation führen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/450930