Um eine Arbeit zu schreiben, die sich mit Hellenisierungsprozessen auseinandersetzt, ist es von Nöten sich vor Augen zu führen, was der Begriff des Hellenismus oder der Hellenisierung beinhaltet und beschreibt. Der allgemeine Epochenbegriff geht auf Johann Gustav Droysen zurück, der diesen erstmals verwendete. Er bezog sich dabei offensichtlich, laut Hans-Joachim Gehrke, auf Hegel, für den „das Voranschreiten in der Geschichte in einer spezifischen Dialektik [besteht], einem Widerspiel von Gegensätzen und Spannungen, die zu einer Synthese führen, in der die Gegensätze aufgehoben sind.“ Weiter heißt es bei Gehrke: „Eine solche Synthese stellte für Droysen der Hellenismus dar, in dem sich die gegensätzlichen Kulturen von Morgenland und Abendland, Orient und Okzident, verkörpert durch die griechische und altorientalische Tradition, miteinander verbanden.“
Welche zeitliche Einordnung ist aber mit dieser Kulturepoche verbunden? Wenn man Droysen folgen will, so beginnt die Epoche des Hellenismus mit der Machtergreifung vom Alexander dem Großen 336 v. Chr. Er begründet diese Ansetzung damit, dass er schreibt: „Die zweihundertjährigen Kämpfe der Hellenen mit den Persern, das erste große Ringen des Abendlandes mit dem Morgenlande, von dem die Geschichte weiß, schließt Alexander mit der Vernichtung des Perserreiches, mit der Eroberung bis zur afrikanischen Wüste und über den Jaxartes, den Indus hinaus, mit der Verbreitung griechischer Herrschaft und Bildung über die Völker ausgelebter Kulturen, mit dem Anfang des Hellenismus.“
Jedoch gehen heutzutage nicht alle Forscher mit dieser zeitlichen Ansetzung konform. Für viele ist der Epochenbeginn erst nach dem Tode Alexanders anzusetzen. Meißner zum Beispiel begründet diesen Fakt damit, dass seiner Meinung nach Philipp II. bereits mit einbezogen werden müsste, da dieser die Griechen einte um im Korinthischen Bund gegen das Achämenidenreich vorzugehen. Meiner Meinung nach wäre es korrekter die Epoche mit Alexander beginnen zulassen, da das, was den Hellenismus auszeichnet, nämlich die Monarchie, mit diesem seinen Anfang nahm. Somit gehe ich von einem Beginn im Jahre 336 v. Chr. aus, also dem Regierungsantritt von Alexander dem Großen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Was ist Hellenismus bzw. Hellenisierung?
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 geschichtlicher Abriss über die Zeit der frühen Seleukiden
1.3.1 Die Entstehung des Diadochenreiches unter Seleukos I.
1.3.2 Die Zeit von Antiochos I. bis Seleukos III.
2. Die einheimischen Religionen im Bereich des späteren Seleukidenreiches
2.1 Die Kleinasiatischen Religionen
2.1.1 Lykier
2.1.2 Karier
2.1.3 Lydier
2.1.4 Phrygier
2.2 Die aramäische Religion
2.3 Die mesopotamische Religion
2.4 Zoroastrismus
3. Die göttliche Verehrung der Seleukidenherrscher
3.1 Allgemeines
3.2 Seleukos I. Nikator
3.2.1 Stätten der kultischen Verehrung
3.2.2 numismatische Zeugnisse
3.3 Antiochos I. Soter
3.3.1 Stätten der kultischen Verehrung
3.3.2 numismatische Zeugnisse
3.4 Antiochos II. Teos – Seleukos II. Kallinikos – Seleukos III. Keraunos
4. Die kultische Entwicklung in den Städten
4.1 Stadtgründungspolitik der Seleukiden
4.2 Kleinasien
4.2.1 Sardes
4.2.1.1 Allgemeine Informationen
4.2.1.2 Der Tempel der Artemis
4.2.2 Magnesia am Mäander
4.2.2.1 Allgemeine Informationen
4.2.2.2 Der Tempel der Artemis Leukophyene
4.3 Syrien
4.3.1 Abriss zur Geschichte Syriens
4.3.2 Seleukeia Pieria
4.4 Mesopotamien
4.4.1 Uruk
4.4.1.1 Geschichtlicher Überblick
4.4.1.2 Anu-Zikkurrat
4.4.1.3 Irigal
4.4.1.4 Bīt Reš
4.4.2 Ikaros/Failaka
4.4.2.1 Tempel A
4.4.2.2 Tempel B
4.5 Baktrien – Ai Khanoum
4.5.1 ‚Temple à niches indentes‘ bzw. ‚Temple à redans‘
4.5.2 Das Heroon des Kineas
5. Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit im Seleukidenreich ein Prozess der "Hellenisierung von Kulten" stattfand und welche Auswirkungen dieser auf die Sakralarchitektur und den Herrscherkult in ausgewählten Städten hatte.
- Prozesse der Hellenisierung von Kulten
- Einfluss auf die Sakralarchitektur
- Etablierung und Bedeutung des Herrscherkultes
- Synkretismus zwischen griechischen und einheimischen Gottheiten
- Vergleich zwischen Neugründungen und bestehenden Städten
Auszug aus dem Buch
1.1 Was ist Hellenismus bzw. Hellenisierung?
Um eine Arbeit zu schreiben, die sich mit Hellenisierungsprozessen auseinandersetzt, ist es von Nöten sich vor Augen zu führen, was der Begriff des Hellenismus oder der Hellenisierung beinhaltet und beschreibt. Der allgemeine Epochenbegriff geht auf Johann Gustav Droysen zurück, der diesen erstmals verwendete. Er bezog sich dabei offensichtlich, laut Hans-Joachim Gehrke, auf Hegel, für den „das Voranschreiten in der Geschichte in einer spezifischen Dialektik [besteht], einem Widerspiel von Gegensätzen und Spannungen, die zu einer Synthese führen, in der die Gegensätze aufgehoben sind.“ Weiter heißt es bei Gehrke: „Eine solche Synthese stellte für Droysen der Hellenismus dar, in dem sich die gegensätzlichen Kulturen von Morgenland und Abendland, Orient und Okzident, verkörpert durch die griechische und altorientalische Tradition, miteinander verbanden.“
Der Begriff des Hellenismus ist abgeleitet vom griechischen Wort ἑλληνίζειν, welches, nach Burkhard Meißner, soviel bedeutet wie Reden und Schrieben wie ein Grieche oder auch etwas zum Griechen machen. Das daraus folgende Substantiv ἑλληνίσμος diente als Epochenbegriff.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Hellenismus-Begriffs und Darlegung der Zielsetzung sowie Forschungsfragen der Untersuchung.
2. Die einheimischen Religionen im Bereich des späteren Seleukidenreiches: Kurze Vorstellung der vorfindlichen religiösen Systeme in Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Zentralasien.
3. Die göttliche Verehrung der Seleukidenherrscher: Analyse der Entwicklung des Herrscherkultes von den frühen Seleukiden bis Antiochos III. unter Einbeziehung numismatischer Quellen.
4. Die kultische Entwicklung in den Städten: Untersuchung spezifischer Stadtbeispiele hinsichtlich ihrer Sakralbauten und der baulichen Umsetzung von Hellenisierungstendenzen.
5. Ergebnisse: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Beantwortung der eingangs formulierten Forschungsfragen zu Hellenisierung, Sakralarchitektur und Herrscherkult.
Schlüsselwörter
Seleukidenreich, Hellenisierung, Herrscherkult, Sakralarchitektur, Synkretismus, Kleinasien, Mesopotamien, Baktrien, Stadtgründungen, Seleukos I., Antiochos I., Artemis-Tempel, Ai Khanoum, Numismatik, Götterverehrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Prozessen der Hellenisierung im Seleukidenreich in der Zeit von Seleukos I. bis Seleukos III. und untersucht deren Einfluss auf die religiöse Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte sind die Entwicklung einheimischer Religionen, die Einführung und Ausgestaltung des Herrscherkultes sowie die architektonische Gestaltung sakraler Bauten in seleukidischen Städten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob es einen als "Hellenisierung von Kulten" bezeichenbaren Prozess gab und wie sich dieser regional sowie architektonisch widerspiegelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Untersuchung anhand ausgewählter Städte und deren architektonischer Befunde sowie numismatischer Zeugnisse durch, um ein repräsentatives Bild der religiösen Entwicklung zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der einheimischen Religionen, die Untersuchung des Herrscherkultes und eine detaillierte Betrachtung der Stadtentwicklung und Tempelbauten in Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Baktrien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Seleukidenreich, Hellenisierung, Sakralarchitektur, Herrscherkult und antike Religionsgeschichte charakterisiert.
Was unterscheidet die seleukidische Stadtgründungspolitik in Baktrien von anderen Regionen?
In Baktrien, insbesondere in Ai Khanoum, zeigen sich deutlichere Mischformen zwischen griechischen und orientalischen Elementen, etwa bei der Bauweise und der Verehrung lokaler Götter unter griechischer Namensgebung.
Welche Rolle spielte der Herrscherkult in der frühen seleukidischen Zeit?
Er spielte eine eher untergeordnete Rolle, war regional auf die Westküste Kleinasiens beschränkt und diente primär der Legitimation der Herrschaft und der Einbindung in lokale Privilegiensysteme.
Wie reagierten bestehende mesopotamische Städte auf hellenistische Einflüsse?
In Städten wie Uruk blieben die alten religiösen Strukturen und Bauweisen größtenteils bestehen; es fand keine tiefgreifende Hellenisierung der sakralen Architektur statt.
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- Martin Richter (Author), 2010, Die Zeit des Wandels. Die Hellenisierung einheimischer Kulte im Seleukidenreich in der Zeit von Seleukos I. bis zu Seleukos III., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451399