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Holocaust und Autobiografie

Das Erinnerungsbuch "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948" von Binjamin Wilkomirski und seine Rezeption

Title: Holocaust und Autobiografie

Term Paper , 2017 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Vanessa Arlt (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reaktionen auf das Buch "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948" von Binjamin Wilkomirski. Erzählt wird das Leben eines noch sehr kleinen Jungen, der aufgrund des Einmarsches der lettischen Miliz in Riga nach Polen flieht und schließlich in das Konzentrationslager "Majdanek" deportiert wird. Er übersteht einen weiteren Transport in ein anderes Lager und wird nach der Befreiung in ein Kinderheim in Krakau gebracht. Daraufhin wird er in die Schweiz geschmuggelt und nach einem weiteren Aufenthalt in einem Schweizer Kinderheim von einer Familie adoptiert.

Das Buch erhielt durchweg positive Kritiken und der Autor mehrere wichtige Preise. Wenige Jahre später stellte sich heraus, dass Wilkomirski weder Überlebender eines Konzentrationslagers noch Jude ist. Dies hatte zur Folge, dass der zunächst unangefochtene literarische Rang des Buches zunehmend kritisiert und in Frage gestellt wurde.

Ziel der vorliegenden Arbeit wird es also sein zu prüfen, ob dem Buch auch nach der Enthüllung ein literarischer Wert zugesprochen werden kann. Darf ein solch sensibles Thema der Erinnerungskultur des Holocaust in einer Biografie erfunden werden? Verliert das Buch damit nicht seine Authentizität? Um sich mit diesen Fragen auseinandersetzen zu können, werden diejenigen Aspekte genauer untersucht, die für Kindheitsautobiografien zur Shoah grundlegend erscheinen. Im weiteren Verlauf soll erörtert werden, ob dieses Werk, unabhängig von der Einordnung als Autobiografie oder fiktionale Geschichte, als angemessen bewertet werden kann. Abschließend erfolgt vor der endgültigen Auswertung der errungenen Erkenntnisse ein Einblick in die Diskussion um Bruchstücke.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.)Einleitung

2.)Definition Autobiographie

3.)Der autobiographische Pakt in Wilkomirskis ,Bruchstücke'

4.) Verwendete Merkmale der Holocaust-Literatur

4.1) Bruchstücke' der Erinnerung

4.2) Sprachlosigkeit

4.3) Traumatisierung

4.4) Selbstentfremdung und Verlust des Weltvertrauens

5) Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den literarischen Stellenwert und die Authentizität des Werkes „Bruchstücke aus einer Kindheit 1939-1948“ von Binjamin Wilkomirski vor und nach der Enthüllung seiner wahren Identität. Ziel ist es zu analysieren, ob das Werk trotz seines Charakters als Fälschung einen literarischen Wert behält und inwiefern der gebrochene autobiographische Pakt die Rezeption beeinflusst.

  • Der autobiographische Pakt nach Philippe Lejeune
  • Rezeptionsästhetische Analyse der Holocaust-Literatur
  • Untersuchung typischer Motive wie Sprachlosigkeit und Trauma
  • Diskussion um Authentizität und Fiktionalisierung in Erinnerungstexten
  • Der Einfluss von Fälschungsvorwürfen auf die literarische Bewertung

Auszug aus dem Buch

4.2) Sprachlosigkeit

Gleich zu Beginn des Textes weist der Erzähler auf ein häufiges Motiv der Zeugnisliteratur hin, indem er auf das Problem der Sprachlosigkeit anspielt, welches in fast allen Texten von Überlebenden thematisiert wird:

Ich habe keine Muttersprache, auch keine Vatersprache. [...] Irgendwann in dieser Zeit hat es mir ohnehin die Sprache verschlagen, und es dauerte lange, bis ich sie wieder fand. [...] Die Sprachen die ich später lernte, wurden aber nie ganz meine eigenen, waren im Grunde immer nur bewusste Nachahmungen der Sprache anderer." 26

Die Sprachlosigkeit des Erzählers bezieht sich in diesem Zusammenhang einerseits auf die Unmöglichkeit das Erlebte sprachlich darzustellen, was vor allem in den neueren Autobiographien häufig explizit thematisiert und reflektiert wird. Andererseits wird in diesem Zitat auch auf die sprachlichen Probleme verwiesen, die die überlebenden Kinder mit dem Verlust der eigenen Muttersprache und dem mühsamen Erlernen einer neuen Sprache hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1.)Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk „Bruchstücke aus einer Kindheit 1939-1948“ und die nachfolgende Debatte um dessen Authentizität und Autorenschaft ein.

2.)Definition Autobiographie: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Schwierigkeiten, die Gattung Autobiographie präzise zu definieren, wobei auf die Definition von Georg Misch zurückgegriffen wird.

3.)Der autobiographische Pakt in Wilkomirskis ,Bruchstücke': Hier wird das Konzept des autobiographischen Paktes nach Philippe Lejeune vorgestellt und auf die Textstellen angewendet, die im Werk eine Identität von Autor, Erzähler und Figur suggerieren.

4.) Verwendete Merkmale der Holocaust-Literatur: Dieses Kapitel analysiert zentrale Erzählmuster der Holocaust-Literatur im Kontext von Wilkomirskis Text.

4.1) Bruchstücke' der Erinnerung: Es wird untersucht, wie Wilkomirski durch die fragmentarische Darstellung seiner Erinnerungen eine rhetorische Authentizität konstruiert.

4.2) Sprachlosigkeit: Dieses Kapitel beleuchtet das Motiv der Sprachlosigkeit als Ausdruck der Unmöglichkeit, das Grauen der Shoah sowie den Verlust der Muttersprache darzustellen.

4.3) Traumatisierung: Hier wird der rhetorische Gebrauch des Traumas im Text analysiert, wobei das Übertragen kindlicher Erfahrungen auf die Nachkriegszeit im Fokus steht.

4.4) Selbstentfremdung und Verlust des Weltvertrauens: Dieses Kapitel analysiert kontroverse Motive wie das „Rattenmotiv“ und deren Wirkung auf die Wahrnehmung des Lesers.

5) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Umgang mit Holocaust-Biographien sowie die Bedeutung der Authentizität in der Erinnerungskultur.

Schlüsselwörter

Bruchstücke aus einer Kindheit, Binjamin Wilkomirski, Holocaust-Literatur, Autobiographie, autobiographischer Pakt, Philippe Lejeune, Authentizität, Fälschung, Erinnerungskultur, Traumatisierung, Sprachlosigkeit, Selbstentfremdung, Zeugnisliteratur, Shoah, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Buch „Bruchstücke aus einer Kindheit 1939-1948“ von Binjamin Wilkomirski hinsichtlich seiner literarischen Qualitäten und seiner Stellung innerhalb der Holocaust-Literatur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind der autobiographische Pakt, die Konstruktion von Authentizität, die Darstellung traumatischer Erfahrungen und die Frage nach dem Missbrauch literarischer Genres.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob dem Buch „Bruchstücke“ auch nach der Enthüllung als Fälschung ein literarischer Wert zugesprochen werden kann und wie sich der Gattungswechsel auf die Rezeption auswirkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen rezeptionsästhetischen Deutungsansatz nach Philippe Lejeune und analysiert gattungstheoretische Konzepte sowie zentrale Motive der Holocaust-Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Definition der Autobiographie, den autobiographischen Pakt und eine detaillierte Analyse literarischer Motive wie Erinnerungsbruchstücke, Sprachlosigkeit und Traumatisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Authentizität, autobiographischer Pakt, Holocaust-Literatur, Trauma, Fälschung und Erinnerungskultur charakterisiert.

Wie bewertet die Arbeit das „Rattenmotiv“ im Buch?

Das Motiv wird als eine sowohl umstrittene als auch stilistisch wirkungsvolle Szene betrachtet, die die naive kindliche Perspektive und die traumatische Verarbeitung des Lageralltags verdeutlicht.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum autobiographischen Pakt?

Die Autorin schlussfolgert, dass Wilkomirski durch die Konstruktion einer falschen Identität den autobiographischen Pakt gebrochen und damit die Grenze des literarisch Zulässigen überschritten hat.

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Details

Title
Holocaust und Autobiografie
Subtitle
Das Erinnerungsbuch "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948" von Binjamin Wilkomirski und seine Rezeption
College
University of Vechta
Grade
1,7
Author
Vanessa Arlt (Author)
Publication Year
2017
Pages
17
Catalog Number
V451628
ISBN (eBook)
9783668878877
ISBN (Book)
9783668878884
Language
German
Tags
holocaust autobiografie erinnerungsbuch bruchstücke kindheit binjamin wilkomirski rezeption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vanessa Arlt (Author), 2017, Holocaust und Autobiografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451628
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