Die Manipulierbarkeit der Zeit bei H. G. Wells und Immanuel Kant


Essay, 2012
9 Seiten, Note: 1,30

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Zeitbegriff nach Kant

Die Zeitreise

Fazit.

Literaturverzeichnis.

Einleitung

Im folgenden Text sollen Immanuel Kants Zeitbegriff und das Phänomen der Zeitreise mit Bezug auf die er Science-Fiction Literatur dargestellt werden. Ziel dieser Arbeit ist es nicht nur, einen umfassenden Eindruck von "der Zeit" nach Kant zu vermitteln sondern vor allem darzustellen, warum eine Zeitreise laut Kant nicht möglich sein kann. Dies wird hauptsächlich vor dem Hintergrund seines Werkes "Die Transzendentale Ästhetik" aus "Die Kritik der reinen Vernunft" geschehen, mit besonderem Bezug auf den Abschnitt "Von der Zeit". Die Zeitreise an sich wird natürlich ebenfalls dargestellt um Verwirrungen zu vermeiden und klar zu machen was darunter zu verstehen ist, wenn sich in diesem Text darauf bezogen wird. Um das Problem der Zeitreise noch ein wenig zu erweitern und dem Leser einen umfassenderen Eindruck zu verschaffen, soll außerdem eine weitere naturwissenschaftliche Problematik an selbigem Phänomen aufgezeigt werden.

Das Interesse an Zeitreisen ist seit dem 1895 veröffentlichten Science-Fiction Klassiker "The Time Machine" von H. G. Wells, das als erstes literarisches Werk gilt in dem sich mit dieser besonderen Art der Reise auseinandergesetzt wurde, ungebrochen. Auch auf Grund von Albert Einsteins 1905 erstmals erwähnter, und 1915 als "spezielle Relativitätstheorie" betitelter, Erkenntnis über Raum und Zeit, wuchs das Interesse an dieser Art der Science-Fiction Literatur immens an. Durch diesen gewaltigen Schritt in der Forschung auf diesem Gebiet schien eine Zeitreise nicht mehr völlig undenkbar, was kreative Köpfe und Schriftsteller auf den Plan rief, die sich nun intensiver denn je mit möglichen Geschichten und Szenarien beschäftigten, die sich um einen Sprung in der Zeit drehten. Unter anderem werden immer wieder Paradoxa Kernproblem von diversen Geschichten dieser Art, die für diese Untersuchung nicht uninteressant sind. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass keine Geschichte durch Einsteins Überlegungen möglich wird, wenn sie auch nicht mehr völlig unerreichbar erscheinen. An diesem Punkt soll also angesetzt werden und auf einer elementarer, auf einer von Naturwissenschaften annähernd unberührten Ebene unter Zuhilfenahme von Kants philosophischen Veröffentlichungen zu Raum und Zeit die Unmöglichkeit einer Zeitreise aufgezeigt werden.

Der Zeitbegriff nach Kant

In der "Kritik der reinen Vernunft", genauer in "Die Transzendentale Ästhetik" führt Kant seine Gedanken zu Raum, Zeit und Realität aus. Er präsentiert seine Erkenntnisse weitgehend unabhängig von naturwissenschaftlichen Theorien und schafft einen eigenen Zugang zur Thematik. Kant unternimmt eine Art Erörterung der Begriffe und versucht zu ihrem Kern und zu ihren Kernproblemen vorzustoßen, was ihm -wenn es als Leser auch manchmal schwer nachvollziehbar scheint- gelingt. Dass diese Arbeit den Zeitbegriff Kants zu Grunde legt soll keineswegs bedeuten, dass dieser als die unumstößliche Wahrheit zu akzeptieren ist, es ist lediglich die Grundlage auf der diese Untersuchung fußt. Zur "Zeit" gab es natürlich auch noch weitere interessante Ansätze, wie zum Beispiel von Isaac Newton, der um 1687 den Begriff der "absoluten Zeit" prägte und ihr jede Beeinflussbarkeit absprach. Dieser Begriff fand bis ca. 1905 allgemeine Zustimmung bis, wie oben erwähnt, Albert Einsteins spezielle Relativitätstheorie neue Aspekte und Möglichkeiten aufzeigte. Der newtonsche Zeitbegriff ist von allen Ansätzen der, der der Vorstellung am nächsten kommt, die man im alltäglichen Leben von der Zeit bekommt; Nämlich die, dass sie "gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äußeren Gegenstand (...) verfließt." (Newton, Mathematische Prinzipien der Naturlehre) Newtons Erklärung für das Phänomen Zeit ist also mit einer Art Laufband vergleichbar, dass immer fort arbeitet und weiterläuft. Nun ist aber vor diesem Hintergrund schließlich Kants Zeitbegriff zu erklären, dessen Ansicht sich von diesem sehr pragmatischen Ansatz mit der "Zeit" umzugehen auf interessante Art und Weise unterscheidet.

Immanuel Kant postuliert im Abschnitt "Von der Zeit", dass sie a priori zu Grunde liegt, sie also nicht aus der Erfahrung heraus verstanden oder gelernt werden kann. Kant beschreibt die Zeit als ein nicht aufhebbare oder veränderbare Vorstellung, die nur eine Dimension hat. Ein Nebeneinander-sein verschiedener Zeiten ist laut Kant also nicht möglich, da sich verschiedene Zeiten durchs Nacheinander-sein voneinander unterschieden. Weiterhin beschreibt Kant die Zeit als "reine Form der sinnlichen Anschauung" oder auch als "Form des inneren Sinnes". Hierdurch trennt Kant die Zeit von allen in der Welt (im Raum) auftretenden Erscheinungen und stellt die Behauptung auf, dass sie nicht "den Dingen als objektive Bestimmung anhinge". (KrV, §6; a Schlüsse aus obigen Begriffen) Er nennt sie die "formale Bedingung a priori aller Erscheinungen überhaupt" und gleichzeitig die "wirkliche Form der inneren Anschauung". (KrV, §6; b, c) Ihm zufolge ist die Zeit also etwas, dass dem Subjekt, dem Beobachter, dem Menschen anhängt, nicht aber dem Objekt, den Erscheinungen im Raum. Es sind aber sowohl Objekt als auch Subjekt notwendig um von der Zeit sprechen zu könne, da er sie eine "subjektive Bedingung unserer (menschlichen) Anschauung" nennt, die außerhalb des Subjekts Nichts ist. (KrV, §6; c) Dies bedeutet nun aber nicht, dass die Zeit nicht existiert; es ist lediglich der Versuch klar zu machen, wie eng sie mit dem Subjekt, mit dem Menschen also, verbunden ist. Kant führt weiterhin an, dass "sie in Ansehung aller Erscheinungen, mithin auch aller Dinge, die uns in der Erfahrung vorkommen können, notwendiger Weise objektiv" sein muss. (KrV, §6; c) Die Zeit gehöre unter der Bedingung der Anschauung in die Vorstellung der Gegenstände, was ein das Objekt anschauendes Subjekt voraussetzt; Die Dinge sind also nur als Erscheinungen in der Zeit. In dieser Wechselwirkung findet sich bei Kant die Begründung für seine Aussage, dass die Zeit a priori zu Grunde liegt, da ein Gegenstand jederzeit sinnlich erfasst, also angeschaut wird. Diese Eigenschaft der Zeit nennt Kant "Empirische Realität der Zeit", die nicht im Widerspruch zur zu Beginn erwähnten These steht, dass die Zeit kein empirischer Begriff für sich allein ist. Die Zeit ist also ein synthetischer Begriff, der sich aus der Verbindung von Subjekt und Objekt ergibt. Die Zeit ist folglich etwas, das durch die Anschauung eines Objekts durch ein Subjekt real wird. Ein Gegenstand, der angeschaut wird, kann also niemals nicht unter die Bedingungen der Zeit fallen. Kant bestreitet jedoch den Anspruch der Zeit auf absolute Realität. Abstrahiert man sie nämlich von den subjektiven Bedingungen der sinnlichen Anschauung ist sie schlicht Nichts, da sie den Gegenständen nicht als Eigenschaft innewohnt. Dies nennt Kant die "Transzendentale Idealität". (KrV, §6; c)

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Details

Titel
Die Manipulierbarkeit der Zeit bei H. G. Wells und Immanuel Kant
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,30
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V451851
ISBN (eBook)
9783668847088
ISBN (Buch)
9783668847095
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitreisen, Kant, H. G. Wells, Relativitätstheorie, Zeitdilatation
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Felix Jeschonnek (Autor), 2012, Die Manipulierbarkeit der Zeit bei H. G. Wells und Immanuel Kant, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451851

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