Dank der umfangreichen und innovativen Streaming-Angebote im Internet, erfahren wir ein nie da gewesenes Unterhaltungserlebnis, an denen sich die meisten Internetnutzer erfreuen. Allerdings geht diese Entwicklung auch mit einem Alltagsphänomen einher, was die Audio-Branche als Lautheitssprünge bezeichnet. Denn im Gegensatz zum Radio oder Fernsehen, gibt es keine Übereinkunft bei den Streaming-Portalen, welcher Lautheitspegel flächendeckend angewandt werden soll. Eine Folge daraus ist, dass jedes Portal eigene Standards vorgibt, welche in der Praxis stark voneinander abweichen. So ist davon auszugehen, dass der Benutzer gezwungen wird, den Lautstärkeregler permanent zu bewegen, um die Lautheitssprünge in den Audio-Inhalten auszugleichen. Im schlimmsten Fall verlässt er das Angebot, da er sich genervt fühlt. Studien zu Lautheitssprüngen und diverse Richtlinienempfehlungen der Organisation Audio Engineering Society, erzeugten zuletzt ein weitreichendes Interesse in der Fachpresse. Darüber hinaus beeinflussen Lautheitssprünge im Allgemeinen, die Benutzerfreundlichkeit der einzelnen Streaming-Portale. Diese sind grundsätzlich bemüht die Usability ihrer Angebote zu verbessern, um deren Attraktivität für den Benutzer sicher zu stellen. Die Hypothese dieser Untersuchung ist, dass eine praktikable Lautheitsempfehlung für Audio-Inhalte im Internet, zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit beiträgt. Dementsprechend ist das Ziel, unterschiedliche Ansätze bestehender Forschung zu Lautheitssprüngen und Usability darzustellen und auf ihre Kombination in der Anwendbarkeit zu prüfen, um eine neue Lautheitsempfehlung entwickeln zu können. Bisher verfehlte es die Audio-Branche einen Standard auf Online-Ebene durchzusetzen und Portalbetreiber für die Wichtigkeit dieses Themas ausreichend zu sensibilisieren. Zu konstatieren bleibt, dass zwar Lautheitsnormalisierungen stattfinden, allerdings nicht portalübergreifend, was teilweise zu extremen Lautheitssprüngen während der Benutzung führt. Die vorliegende Honours-Thesis schlägt einen innovativen Ansatz zur Betrachtung von Audio-Inhalten vor, indem sie die bestehenden Forschungsergebnisse um den wesentlichen Gesichtspunkt der Benutzerfreundlichkeit erweitert. Die Zielgruppe dieser Arbeit sind die Betreiber der Streaming- Angebote. So sollen die Streaming-Anbieter zur Verbesserung der Benutzbarkeit motiviert werden und die erarbeitete Empfehlung umsetzen.
1. Einleitung
2. Kontext
2.1. Existierende Empfehlungen zur Lautheitsbewertung
2.2. Das Online-Angebot von audiovisuellen Medien
2.2.1. Aufkommen und Einsatzgebiet von Audio-Inhalt
2.2.2. Streaming als Nachfolger des konventionellen Fernsehens
2.3. Dynamik-Trends von relevantem Programmmaterial
2.3.1. Musik
2.3.2. Wortproduktionen
2.3.3. Filmtonproduktionen
2.3.4. Funk- und Fernsehton
2.3.5. Werbespots
2.4. Problemanalyse und Lösungsansatz
2.4.1. Pegelsprünge im Internet als Resultat der unterschiedlichen Lautheitseigenschaften im Mischprogramm
2.4.2. TV-Sender als Vorreiter von Audio-Funktionalität durch Broadcast-Normalisierungen
2.5. Benutzerfreundlichkeit
2.5.1. Generelle Rahmenbedingungen
2.5.2. Toleranzgrenze der Nutzer
2.5.3. Wirtschaftliche Aspekte
2.6. Fazit
3. Methodik
3.1. Entwicklung eines geeigneten Normalisierungsverfahrens
3.2. Usability-Test mit Probanden
3.3. Experteninterview
4. Durchführung
4.1. Entwicklung eines geeigneten Normalisierungsverfahrens
4.1.1. Aufzeichnung
4.1.2. Messung
4.1.3. Nachbearbeitung zu Usability-Szenarien
4.1.4. Usability der Integrated Loudness
4.2. Usability-Test mit Probanden
4.3. Interview
5. Ergebnisse
5.1. Auswertung der Lautheitsmessung
5.2. Auswertung der Szenarien und des Use-Cases
5.3. Auswertung des Usability-Tests mit Probanden
5.4. Auswertung des Experteninterviews
5.5. Empfehlung
5.6. Vergleich zur EBU R 128
5.7. Vergleich zur AES TD1004.1.15-10
5.8. Bestätigung der These
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Benutzerfreundlichkeit von Audio-Inhalten im Internet im Hinblick auf Lautheitssprünge. Das primäre Ziel ist es, eine praktikable Lautheitsempfehlung für Streaming-Anbieter zu erarbeiten, um ein konsistentes Hörerlebnis zu gewährleisten und die Benutzerzufriedenheit zu steigern.
- Analyse existierender Lautheitsstandards (z.B. ITU-R BS. 1770, EBU R 128)
- Untersuchung von Dynamik-Trends bei verschiedenen Audio-Formaten
- Durchführung eines Usability-Tests zur Ermittlung der Toleranzgrenzen bei Lautheitssprüngen
- Experteninterview zur Übertragbarkeit von Broadcast-Standards auf den Web-Bereich
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Pegelsprünge im Internet als Resultat der unterschiedlichen Lautheitseigenschaften im Mischprogramm
Die sogenannten „Neuen Medien“ veränderten die Medienlandschaft immens. Dazu zählen auch die Entwicklungen im Umgang mit Benutzerfreundlichkeit. Während das analoge Radio schon relativ lange auf eine Lautheitsangleichung des Audio-Inhalts durch Multibandkompressoren setzte, wurden die Erkenntnisse um die Lautheitsdifferenzen, erst spät im Online-Angebot von audiovisuellen Inhalten berücksichtigt. In dieser Zeit führten sämtliche Anbieter eigene Standards ein, welche heute stark von einander abweichen. Das Resultat sind Lautheitssprünge, welche im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit stets zu vermeiden sind (Liu; Picard: 2014; S. 48ff). Einen technischen Lösungsansatz bietet der Leq(RLB)-Algorithmus der ITU, durch welchen sich Programmmaterial, ohne Veränderung der dynamischen Eigenschaften, in der Lautheit angleichen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Problem der Lautheitssprünge beim Streaming und Vorstellung der Zielsetzung sowie der Hypothese der Arbeit.
2. Kontext: Darstellung des theoretischen Rahmens, existierender Normen, Dynamik-Trends in verschiedenen Medienformaten und der Bedeutung von Benutzerfreundlichkeit.
3. Methodik: Beschreibung der drei methodischen Säulen: Entwicklung eines Normalisierungsverfahrens, Usability-Tests mit Probanden und ein Experteninterview.
4. Durchführung: Detaillierte Dokumentation der technischen Umsetzung der Aufzeichnung, Messung, der Usability-Szenarien und der Befragung.
5. Ergebnisse: Präsentation und Analyse der erhobenen Messdaten sowie der Ergebnisse des Nutzertests und des Experteninterviews, inklusive der finalen Empfehlung.
6. Zusammenfassung: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und abschließende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbeziehung der Limitationen.
Schlüsselwörter
Lautheit, Streaming, Benutzerfreundlichkeit, EBU R 128, ITU-R BS. 1770, Dynamik, Normalisierung, Usability, Pegelsprünge, Audiotechnik, Broadcast, Internet-Medien, Psychoakustik, Integrated Loudness, True Peak
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik unterschiedlicher Lautheitspegel beim Streaming im Internet, die zu störenden Lautheitssprüngen für Nutzer führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft technische Aspekte der Audiotechnik mit Usability-Forschung und wirtschaftlichen Überlegungen zur Attraktivität von Streaming-Portalen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung einer einheitlichen und praktikablen Lautheitsempfehlung, die zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und zur Reduktion von Lautheitssprüngen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Kombination aus quantitativen Messungen (Audio-Analyse), einem empirischen Usability-Test mit Probanden und einer qualitativen Expertenbefragung angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Entwicklung eines Normalisierungsverfahrens, die Durchführung von Tests an verschiedenen Wiedergabegeräten und die Auswertung der gesammelten Daten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lautheit, Streaming-Normalisierung, EBU R 128 und Benutzerfreundlichkeit definiert.
Welcher Wert wird als Zielwert für die Empfehlung vorgeschlagen?
Die Arbeit empfiehlt einen Zielwert von -16 LUFS bei einem maximalen True Peak von -1 dBTP für audiovisuelle Internetinhalte.
Warum ist das Ergebnis für Portalbetreiber relevant?
Da Nutzer bei deutlichen Lautheitssprüngen dazu neigen, das Angebot zu verlassen, kann eine konsequente Normalisierung die Kundenbindung und die Attraktivität für Werbepartner steigern.
- Citar trabajo
- Maurice Kissner (Autor), 2018, Empfehlung für eine einheitliche Lautheitsnormalisierung von Audio-Inhalt im Internet zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452048