Seit den 2000er Jahren gab es immer wieder umfassende Umstrukturierungen im Renten-, Gesundheits-, und Arbeitsmarktsystem des deutschen, konservativen Wohlfahrtsstaates. Daher stellt sich konsequenterweise die Frage, ob bei den aktuellen Entwicklungen überhaupt noch von einem deutschen konservativen Wohlfahrtsstaat im Sinne Esping-Andersens gesprochen werden kann? Was zeichnet Deutschland als konservativen Wohlfahrtsstaat aus? Gibt es mittlerweile Angleichungsprozesse in Richtung der liberalen Wohlfahrtsstaaten wie England und Kanada? Oder kann von einer Annäherung an den sozialdemokratischen Typ gesprochen werden wie Dänemark und Schweden ihn vertreten?
Um diese Veränderungen zu erfassen und zu analysieren soll in dieser Arbeit zunächst die Typologisierung der Wohlfahrtsstaaten nach Gøsta Esping-Andersen, unter Berücksichtigung der Theorie der „drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“ beschrieben werden und anhand dieser, werden dann die Veränderungen des deutschen Staates erörtert, wobei mit der Beschreibung der Typologie begonnen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Typologie von Esping Andersen
Veränderungen im deutschen Wohlfahrtsstaat
Maßnahmen im deutschen Wohlfahrtsstaat
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die strukturellen Veränderungen des deutschen Wohlfahrtsstaates seit den 2000er Jahren vor dem Hintergrund der Typologie nach Gøsta Esping-Andersen kritisch zu analysieren, um zu prüfen, ob sich Deutschland vom konservativen Modell entfernt hat.
- Grundlagen der Typologie von Gøsta Esping-Andersen
- Merkmale liberaler, sozialdemokratischer und konservativer Wohlfahrtsstaaten
- Demografischer Wandel und Globalisierung als Veränderungstreiber
- Analyse der Hartz-Gesetze und ihrer Auswirkungen
- Kritische Einordnung des deutschen Wohlfahrtsstaates in das aktuelle System
Auszug aus dem Buch
Typologie von Esping Andersen
Die Theorie „der drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“ von Gøsta Esping-Andersen gilt als eine der wichtigsten Publikationen der vergleichenden Wohlfahrtsstaatenforschung und hat unverzichtbare Anhaltspunkte zur Typologisierung von Wohlfahrtsstaaten geliefert (vgl. Siegel 2007: 261-262). Bei der Theorie von Esping-Andersen werden Profile der Wohlfahrtstaatlichkeit kategorisiert indem empirisch messbare Indikatoren betrachtet werden (vgl. Frevel 2008: 196). Im Besonderen werden die folgenden sechs Indikatoren betrachtet, aus denen sich die Einteilung der Wohlfahrtsstaaten ableiten lassen.
Das Ausmaß der sozialen Sicherung, unabhängig vom Anbieten der Arbeitskraft am Markt, wird mit dem Grad der Dekommodifizierung ausgedrückt (vgl. Esping-Andersen 1998: 36-37). Außerdem wird die Stratifikation, als Maß der sozialen Ungleichheit aufgrund von Markteinflüssen betrachtet und in das Modell eingebettet (ebd. 39-40). Ebenso betrachtet Esping-Andersen den Grad der Privatisierung verschiedener Staaten anhand der Relation von privaten und öffentlichen Sozialausgaben. Bei der Umverteilungskapazität werden die sozialpolitischen Maßnahmen der Steuer- und Sozialabgabenprogression gemessen und analysiert. Weiterhin wird die Vollbeschäftigungsgarantie gemessen, die die Aufwendungen eines Staates anzeigt um Vollbeschäftigung herzustellen. Des Weiteren wird die einheitliche Organisation der sozialen Sicherung für die Risikobereiche Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter mit dem Indikator Korporatismus/Etatismus gemessen (vgl. Frevel 2008: 196). Anhand dieser Kategorien unterteilt Esping-Andersen die Wohlfahrtsstaaten in drei verschiedenen Typen, den liberalen Wohlfahrtsstaat, den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat und den konservativen Wohlfahrtsstaat (Esping-Andersen 1998: 43-47).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Umstrukturierungen im deutschen System seit den 2000er Jahren und wirft die Forschungsfrage auf, ob Deutschland noch dem konservativen Modell Esping-Andersens entspricht.
Typologie von Esping Andersen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Wohlfahrtsstaatsforschung, insbesondere die sechs Indikatoren zur Kategorisierung von Staatstypen.
Veränderungen im deutschen Wohlfahrtsstaat: Hier werden die externen Einflussfaktoren wie Globalisierung, demografischer Wandel und Tertiarisierung diskutiert, die das deutsche Wirtschaftsmodell unter Druck setzen.
Maßnahmen im deutschen Wohlfahrtsstaat: Dieses Kapitel analysiert konkrete Reformen wie die Hartz-Gesetze und Rentenanpassungen hinsichtlich ihrer kommodifizierenden und privatisierenden Wirkung.
Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich zwar liberale Tendenzen zeigen, der konservative Grundtyp Deutschlands jedoch weiterhin erkennbar bleibt.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Esping-Andersen, Dekommodifizierung, Hartz-Gesetze, Konservativer Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik, Privatisierung, Arbeitsmarktpolitik, Rentenreform, Stratifikation, Korporatismus, Sozialversicherung, Umverteilungskapazität, Strukturwandel, Soziale Sicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob das deutsche Wohlfahrtsstaatssystem durch die Reformen seit den 2000er Jahren seinen konservativen Charakter beibehalten hat oder sich anderen Typologien angenähert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Wohlfahrtsstaats-Typologie nach Esping-Andersen, die Analyse aktueller Reformen und die Auswirkungen globaler und demografischer Veränderungen auf den Sozialstaat.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Einordnung des deutschen Wohlfahrtsstaates in die „drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“ unter Berücksichtigung jüngster politischer Maßnahmen zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf der Literaturrecherche und der Anwendung der Typologie von Esping-Andersen auf aktuelle Entwicklungen in Deutschland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Kategorien Esping-Andersens definiert und anschließend die Auswirkungen der Hartz-Gesetze sowie Veränderungen im Renten- und Gesundheitswesen untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wesentliche Begriffe sind die Dekommodifizierung, der Korporatismus, die Privatisierungstendenzen und die Rolle des männlichen Alleinernährers.
Welche Rolle spielt die „männliche Alleinernährer-Rolle“ in diesem Kontext?
Die Rolle des männlichen Ernährers wird als problematischer Eckpfeiler des deutschen Modells identifiziert, der durch den gesellschaftlichen Wandel und die Erwerbsbeteiligung von Frauen zunehmend unter Druck gerät.
Führen die Hartz-Gesetze zu einer Angleichung an den liberalen Wohlfahrtsstaat?
Laut der Analyse führen die Hartz-Gesetze aufgrund der stärkeren Koppelung von Leistungen an den Markt und die Förderung von Eigenverantwortung zu einer Entwicklung in Richtung des liberalen Modells.
- Citation du texte
- Nadine Bliedung (Auteur), 2013, Soziologie des Wohlfahrtstaats. Die aktuelle Entwicklungen des deutschen Wohlfahrtstaates, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/452959