Asiatisches Jahrhundert. So werden Historiker in ferner Zukunft womöglich unsere Gegenwart bezeichnen. Zu den spannendsten Entwicklungen dieses asiatischen Jahrhunderts gehört der Aufstieg Chinas zur bestimmenden Wirtschaftsmacht der Welt. Also die Rückkehr zu der Dominanz, über die die Chinesen verfügten, bevor Europas Seemächte die Welt eroberten.
Ein Symbol für diese chinesische Dominanz war die antike Seidenstraße. Eine mehrere tausend Kilometer lange Route durch Trockengebiete, Wüsten und hohe Gebirge, die Ostasien mit dem Mittelmeer verbunden hat. Gewürze, Glas, politische und religiöse Ideen und eben auch innovative, teure Textilgewebe wie Seide wurden über den Handelsweg transportiert. Zurzeit ist die antike Seidenstraße allenfalls nur noch eine touristische Attraktion. Doch dabei soll es nach chinesischer Auffassung nicht bleiben. Rund 900 Milliarden US-Dollar beabsichtigt die chinesische Führung in die Wiederbelebung der Handelsstraße zu investieren und damit ihre Handelswege nach Europa und Afrika auszubauen. Mit dem Großprojekt „Neue Seidenstraße“ auch bezeichnet als „Belt and Road Initiative“ (BRI) möchte China ein neues Handelsnetz zwischen Asien und Europa spannen, um den Warenverkehr per Eisenbahn, LKW oder Schiff zu beschleunigen. Dafür ist ein Landweg entlang der historischen Handelsrouten von China bis Europa sowie die Errichtung einer maritimen Seidenstraße über Südostasien durch den indischen Ozean bis nach Europa vorgesehen. Entlang dieser Routen sollen Straßen, Zugstrecken und Häfen errichtet werden mit dem Ziel, auf diese Weise ein modernes Verbindungsnetz zu etablieren.
Die Initiative gilt als favorisiertes Projekt des amtierenden Staatspräsidenten Xi Jinping. Um den Rest der Welt für dieses Vorhaben zu begeistern, hat das chinesische Staatsoberhaupt seit dem Jahr 2013 zahlreiche Staatsbesuche durchgeführt, gemeinsame Austauschplattformen geschaffen und 40 Milliarden US-Dollar für einen Seidenstraßen-Fonds bereitgestellt. Chinas offizielle Botschaft in der Kommunikation ist eindeutig und transparent. Alle Länder entlang der Seidenstraßen sollen von dem Projekt profitieren. Die Volksrepublik China (VR) will eine Infrastruktur finanzieren und zugleich erbauen, die die Länder so dringend benötigen. Auf diese Weise sollen Win-Win-Kooperationen geschaffen werden. Laut Xi Jinping sei die BRI das Zeichen einer neuen Ära der Globalisierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terminologische Grundlagen
2.1 Globalisierung im 21. Jahrhundert
2.1.1 Definition der Globalisierung
2.1.2 Dimensionen der Globalisierung
2.1.2.1 Wirtschaftliche Globalisierung
2.1.2.2 Politische Globalisierung
2.1.2.3 Rechtliche Globalisierung
2.2 Politische Strategie
2.3 Politische Globalisierungsstrategie
3. Darstellung der Belt and Road Initiative
3.1 Verkündungsrede durch Xi Jinping
3.2 BRI in Zahlen
3.3 Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel als Landweg
3.3.1 Öl- und Erdgaspipelines im SREB
3.3.2 Wirtschaftskorridore im SREB
3.3.3 Charakter des SREB
3.4 Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts als Seeweg
3.4.1 Bau und Pachtung von Häfen
3.4.2 Ausbau der Perlenkette
3.4.3 Charakter der MSR
3.5 Luftseidenstraße als Luftweg
3.6 Ziele der BRI
4. Projekte der Belt and Road Initiaitive
4.1 Asien
4.1.1 Pakistan
4.1.2 Sri Lanka
4.1.3 Kasachstan
4.2 Afrika
4.2.1 Ägypten
4.2.2 Kenia
4.3 Europa
4.3.1 Deutschland
4.3.2 Griechenland
5. Implizite Strategien der Belt and Road Initiative
5.1 Darstellung der BRI in der Öffentlichkeit
5.2 Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung
5.3 Stabilisierung der Grenzen und Entwicklung des Hinterlandes
5.4 Gestaltung der multipolaren Weltordnung
5.5 Errichtung internationaler Organisationen
5.6 Internationalisierung des Renmimbi
5.7 Durchsetzung der Hoheitsansprüche im Südchinesischen Meer
6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die "Belt and Road Initiative" (BRI) als ein zentrales Instrument der chinesischen Außen- und Wirtschaftspolitik. Dabei wird untersucht, wie China durch das Projekt seine politische Strategie zur aktiven Gestaltung der Globalisierung umsetzt, den Einfluss im eurasischen Raum ausbaut und wirtschaftliche sowie geopolitische Interessen verfolgt.
- Analyse des Globalisierungsbegriffs in den Dimensionen Wirtschaft, Politik und Recht.
- Detaillierte Untersuchung des geographischen und infrastrukturellen Aufbaus der BRI (Land-, See- und Luftweg).
- Bewertung konkreter Infrastrukturprojekte in Asien, Afrika und Europa.
- Identifikation impliziter strategischer Motive wie der multipolaren Weltordnung und Währungsinternationalisierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Verkündungsrede durch Xi Jinping
Am 07. September 2013 spricht der Präsident der kommunistischen Volksrepublik Chinas, Xi Jinping, an der Nasarbayev-Universität in Astana, Kasachstan, erstmalig öffentlich vom Auf- und Ausbau eines „Silk Road Economic Belt“ für Eurasien. Die BRI wird in einen Landweg „Silk Road Economic Belt“ (SREB) sowie in einen Seeweg „21st Century Maritime Silk Road“ (MSR) unterteilt. Durch eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten und hohe Investitionen sollen Asien, Afrika und Europa über zahlreiche Handelsrouten miteinander verbunden und folglich neues wirtschaftliches Wachstum für alle beteiligten Länder generiert werden. Der Aufenthalt des chinesischen Präsidenten war Bestandteil einer zehntägigen Reise durch Zentralasien. Ziel der Reise war die Teilnahme am 13. Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ). Zuvor besuchte er Turkmenistan, Usbekistan und zuletzt Bischkek in Kirgisistan, wo der Gipfel am 13. September schließlich stattfand. Noch nie zuvor war ein chinesischer Präsident in Zentralasien so lange unterwegs gewesen. Xis Tour ist somit Symbol einer Aufwertung in den wirtschaftlichen Beziehungen mit dieser Region und zugleich ein Zeichen dafür, wie wichtig ihm die Verkündung der Initiative im außenpolitischen Kontext Chinas ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der "Neuen Seidenstraße" als zentrales Projekt Chinas und definiert die Forschungsfragen der Bachelorarbeit.
2. Terminologische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, indem die Begriffe Globalisierung, politische Strategie und politische Globalisierungsstrategie definiert werden.
3. Darstellung der Belt and Road Initiative: Es folgt eine umfassende Darstellung der BRI, die den Aufbau von Land-, See- und Luftwegen sowie die offiziellen Ziele und das geografische Ausmaß detailliert beschreibt.
4. Projekte der Belt and Road Initiaitive: Anhand konkreter Fallbeispiele in Asien, Afrika und Europa wird analysiert, wie die Initiative in der Praxis umgesetzt wird und welche Herausforderungen dabei entstehen.
5. Implizite Strategien der Belt and Road Initiative: Dieses Kapitel beleuchtet die nicht transparent kommunizierten, strategischen Ziele Chinas, wie etwa geopolitische Absicherung und die Gestaltung einer multipolaren Weltordnung.
6. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der BRI als politische Globalisierungsstrategie und gibt einen Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Belt and Road Initiative, BRI, China, Globalisierung, Infrastruktur, Wirtschaftskorridore, Neue Seidenstraße, Geopolitik, Außenpolitik, Xi Jinping, Handelsknotenpunkte, Asien, Afrika, Europa, Internationale Organisationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit den Globalisierungsstrategien Chinas, insbesondere dem Großprojekt "Belt and Road Initiative" (BRI), das darauf abzielt, Handelsrouten durch Eurasien und darüber hinaus neu zu definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung von Globalisierung und politischer Strategie, der detaillierten geografischen Darstellung der BRI-Routen sowie der Analyse der zugrunde liegenden politischen Absichten Chinas.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Charakter der BRI zu interpretieren und einzuordnen, ob und wie diese Initiative als eine bewusste politische Globalisierungsstrategie zur Steigerung des chinesischen Einflusses verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine deskriptive und analytische Vorgehensweise, wobei die Initiative anhand von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und konkreten Projektbeispielen aus verschiedenen Weltregionen untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsdefinition, eine detaillierte Darstellung der physischen Infrastrukturprojekte sowie die Analyse der oft impliziten, geostrategischen Kalküle Pekings.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Belt and Road Initiative", "Geopolitik", "Wirtschaftskorridore", "Internationale Einflussnahme" und "Globalisierungsstrategie" zusammenfassen.
Welche Rolle spielen die "impliziten Strategien" im fünften Kapitel?
Das Kapitel untersucht Motive, die China nicht explizit in seiner offiziellen Rhetorik erwähnt, wie etwa die militärische Nutzung strategischer Häfen oder die Stärkung des Renmimbi, um die Abhängigkeit von westlichen Finanzsystemen zu verringern.
Warum wird die Rolle Pakistans als Fallbeispiel besonders hervorgehoben?
Pakistan dient als Paradebeispiel für die geostrategische Bedeutung der BRI, da das Land als Schnittstelle zwischen Land- und Seeweg fungiert und die chinesische Bereitschaft verdeutlicht, trotz Sicherheitsrisiken massiv in die politische Stabilität und Infrastruktur von Partnerländern zu investieren.
- Citation du texte
- Hannes Ortmeier (Auteur), 2017, Chinas Globalisierungsstrategien zu Wasser und Land, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453197