Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, ob die Argumente gegen das Ehegattensplitting belegt werden können, inwiefern die Kritik berechtigt ist und ob die in Politik und Wissenschaft vertretenen Reformmodelle die Kritikpunkte beilegen können.
Seit der Einführung des Ehegattensplittings vor 60 Jahren wird von Politikern und Wissenschaftlern eine Diskussion geführt, in der dem Ehegattensplitting vorgeworfen wird, es sei ungerecht, da es Ehepaare gegenüber unverheirateten Paaren bevorzuge; es sei unsozial, da es unverheiratete Paare mit Kindern und Alleinerziehende nicht ausreichend berücksichtige; und es sei frauenfeindlich, da es negative Erwerbsanreize für Frauen schaffe.
Das Thema ist insofern aktuell, als dass zu Bundestagswahlen regelmäßig Modelle zur Reform des Ehegattensplittings Einzug in die Wahlprogramme der politischen Parteien halten. So zuletzt zur Bundestagswahl im Jahr 2017. Doch auch in der Wissenschaft wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Reformmodelle diskutiert und auf ihre Wirkungen untersucht. Die Diskussion wird auch als „steuerpolitischer Evergreen“ bezeichnet, da sie seither ohne Ergebnis geführt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ziel der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Besteuerung des Einkommens
2.1. Einordnung, Prinzipien und Bedeutung der Einkommensteuer
2.2. Ermittlung und Erhebung der Einkommensteuer
3. Öffentliche Diskussion zur Reform des Ehegattensplittings
3.1. Verfassungsmäßigkeit des Ehegattensplittings
3.2. Unzureichende Förderung von Familien
3.3. Ungerechter Splittingvorteil
3.4. Benachteiligung von Frauen
3.5. Ableitung des Reformbedarfs
3.6. Definition der Kriterien zur Bewertung der Reformmodelle
4. Reformmodelle zum Ehegattensplitting
4.1. Familiensplitting
4.1.1. Funktionsweise
4.1.2. Auswirkungen
4.1.3. Bewertung
4.2. Realsplitting
4.2.1. Funktionsweise
4.2.2. Auswirkungen
4.2.3. Bewertung
4.3. Individualbesteuerung
4.3.1. Funktionsweise
4.3.2. Auswirkungen
4.3.3. Bewertung
5. Abschließende Beurteilung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die anhaltende Debatte um das deutsche Ehegattensplitting, prüft die Berechtigung der Vorwürfe hinsichtlich Ungerechtigkeit, Unsozialität und Frauenfeindlichkeit und analysiert, ob existierende Reformmodelle diese Kritikpunkte adressieren können.
- Kritische Analyse der Argumente gegen das Ehegattensplitting
- Einfluss des Splittings auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen
- Vergleich verschiedener Reformmodelle (Familiensplitting, Realsplitting, Individualbesteuerung)
- Bewertung der Reformmodelle anhand steuerpolitischer Kriterien
Auszug aus dem Buch
3.3. Ungerechter Splittingvorteil
Kritiker sehen in dem durch das Splitting entstehenden Unterschiedsbetrag einen vom Staat zugewandten Vorteil an Ehegatten zum Nachteil von Alleinstehenden oder unverheirateten Paaren mit gleich hohem Einkommen. Ungerechtigkeit wird aber auch von Unverheirateten mit Kindern empfunden, weil diese bei gleichem Einkommen mehr Steuern bezahlen als verheiratete Eltern, obwohl deren Leistungsfähigkeit gleichermaßen gemindert sei.
VOLLMER kritisiert die hälftige Verteilung des Einkommens auf beide Ehegatten. Stattdessen fordert sie die Anknüpfung an die Unterhaltspflichten gegenüber Kindern, Eltern, Lebenspartnern und anderen im Zivilrecht verankerte Unterhaltsberechtigte. Aus ihrer Sicht handelt es sich beim Ehegattensplitting um eine einseitige Begünstigung, von der vor allem gutsituierte Hausfrauen-Ehen profitieren. Unverheiratete Paare mit einem Einkommen sowie Ehepaare, in denen beide Ehegatten Einkommen erzielen, würden benachteiligt. Die Ungleichbehandlung trifft nach Ansicht von VOLLMER jedoch auch die Alleinerziehenden. Dabei wird in der Literatur angemerkt, dass sich die Diskussion um die Reform des Ehegattensplittings vor allem aus einem falsch verstandenen Vorteil für Ehegatten nährt. Der Begriff hätte sich in der Steuerberaterpraxis herausgebildet, um den Mandanten den entstehenden Unterschiedsbetrag zu erklären. Er ist jedoch nicht geeignet, da er eine Besserstellung gegenüber einem vermeintlich „normalen Zustand“ suggeriert. Solange im Ehegattensplitting ein ungerechtfertigter Vorteil gesehen wird, werde es Bestrebungen geben, diese vermeintliche Steuervergünstigung einzuschränken oder zu streichen. Die Schritte gegen das Splitting erweisen sich jedoch als „Verstoß gegen die Prinzipien einer sachgerechten, dem Leistungsprinzip verpflichteten Einkommensbesteuerung“, so SCHERF.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik und Zielsetzung der Arbeit, die das Ehegattensplitting und dessen Reformdiskussion beleuchtet.
2. Besteuerung des Einkommens: Erläuterung der Grundlagen der Einkommensteuer in Deutschland, einschließlich der Prinzipien der Leistungsfähigkeit und der Funktionsweise des Splittingtarifs.
3. Öffentliche Diskussion zur Reform des Ehegattensplittings: Analyse der Argumente gegen das Splitting, insbesondere Verfassungsmäßigkeit, soziale Gerechtigkeit und Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen.
4. Reformmodelle zum Ehegattensplitting: Detaillierte Untersuchung und Bewertung von Familiensplitting, Realsplitting und Individualbesteuerung hinsichtlich ihrer Eignung als Alternativen.
5. Abschließende Beurteilung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Reformmodelle und Ausblick auf die politische Umsetzbarkeit.
Schlüsselwörter
Ehegattensplitting, Einkommensteuer, Steuergerechtigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip, Reformmodelle, Familiensplitting, Realsplitting, Individualbesteuerung, Erwerbsbeteiligung, Gender Pay Gap, Familienförderung, Steuerklassen, Verfassungsrecht, Steuerreform, Ehe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des deutschen Ehegattensplittings, den dagegen vorgebrachten Argumenten in der öffentlichen Diskussion und der Prüfung potenzieller Reformmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Steuergerechtigkeit, der Schutz von Ehe und Familie durch das Steuerrecht, die Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie die Bewertung alternativer Besteuerungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die Argumente gegen das Ehegattensplitting sachlich belegbar sind und ob vorgeschlagene Reformmodelle diese Kritikpunkte wirksam entkräften können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, Verfassungsinterpretationen sowie der Auswertung von Studien und statistischen Daten zur Steuerlastverteilung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Besteuerung, die Kritikpunkte am Splitting sowie die drei Haupt-Reformmodelle: Familiensplitting, Realsplitting und Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ehegattensplitting, Steuergerechtigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip, Erwerbsanreize, Familienpolitik und Reformmodelle.
Wie wirkt sich die Steuerklassenwahl laut Arbeit aus?
Die Arbeit betont, dass die Wahl der Steuerklassen (z. B. III/V) eine reine Erhebungstechnik ist und die Steuerlast lediglich unterjährig beeinflusst, nicht aber die endgültige jährliche Steuerschuld.
Gibt es eine "frauenfeindliche" Wirkung des Splittings?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass sich eine direkte Benachteiligung durch das Splitting kaum belegen lässt; negative Erwerbsanreize für Zweitverdiener ergeben sich eher aus dem progressiven Steuertarif und anderen gesellschaftlichen Faktoren.
Welches Reformmodell wird als realistisch angesehen?
Die Autorin hält die Einführung eines Familiensplittings für am realistischsten, falls eine Reform politisch und gesellschaftlich als notwendig erachtet wird.
Gilt das Ehegattensplitting als Steuervorteil?
Die Arbeit diskutiert, dass der Begriff "Splittingvorteil" in der Praxis irreführend ist, da er eine Privilegierung suggeriert, während das Splitting verfassungsrechtlich als Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit begründet ist.
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- Anonym (Author), 2018, Das System des Ehegattensplittings in der Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453202