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Psycho-Paten. Umsetzung einer uneingeschränkten Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene

Wie kann eine Patenschaft anhand des Konzeptes Kwartiermaken gelingen?

Title: Psycho-Paten. Umsetzung einer uneingeschränkten Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene

Bachelor Thesis , 2010 , 51 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Janine Stahlhofen (Author)

Social Work
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Sollten psychiatrieerfahrene Menschen sich an die Gesellschaft anpassen? Oder muss die Gesellschaft sich öffnen und auf diese Menschen zugehen? Diese Bachelorarbeit untersucht, wie mithilfe des Konzepts Kwartiermaken eine uneingeschränkte Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene gelingen kann.

Dass psychiatrieerfahrene Menschen mit Mechanismen der Ausgrenzung tagtäglich konfrontiert werden, erkannte die Autorin während ihrer Tätigkeiten im Psychosozialen Zentrum. Während der Praxisphase und der Einarbeitung in dieses Themenfeld stellte sich ihr immer mehr die Frage: Ob es das Ziel der psychosozialen Versorgung sein sollte, Psychiatrie-Erfahrene an gesellschaftliche Systeme anzupassen, sodass sie an der Gesellschaft teilhaben dürfen? Sollte es nicht Ziel sein, eine sich öffnende Gesellschaft zu schaffen, wo jeder Mensch seinen Platz in der Mitte hat?

Wie schafft man Raum für das Anderssein des Anderen? Im Sinne von: Du bist willkommen, auch wenn du anders bist! Wie ist die momentane Situation der Ausgrenzung entstanden? Was ist der gesetzliche Rahmen für Teilhabe? Wie ist es umsetzbar, dass sich Bürger dem Fremden öffnen? Was beinhaltet das Konzept Kwartiermaken und wie kann eine Umsetzung anhand dessen aussehen? Was ist Freundschaft und welche Funktionen hat diese? Was sind „Psycho- Patenschaften“ und der Freundschaftsdienst? Kann Freundschaft planbar sein? Und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Profession Soziale Arbeit? Und ganz zentral: Wie kann eine Psycho-Patenschaft anhand des Konzeptes Kwartiermaken gelingen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemaufriss und Fragestellung

1.2 Methodische Vorgehensweise

2 Grundlagen

2.1 Gesellschaft und Gemeinschaft

2.2 Begriff der Teilhabe

2.3 Rechtslage

2.4 Zusammenfassung

3 Alltag

3.1 Entwicklung

3.2 Soziale Netzwerke psychisch Kranker

3.3 Zusammenfassung

4 Das Konzept Kwartiermaken

4.1 Inhalte des Konzeptes

4.2 Andersdenken über Anderssein

4.3 Die Gastfreundschaft als Raum für das Anderssein

4.4 Freundschaftsdienst

5 Freundschaft

5.1 Definition von Freundschaft

5.2 Aufgaben von Freundschaft

5.3 Zusammenfassung

6 Psycho-Patenschaften

6.1 Verbundenheit vs. Soziale Unterstützung

6.2 Verbundenheit als wichtigstes Element der Freundschaft nach Anil Ramdas

6.3 Soziale Unterstützung

6.4 Präsenztheorie nach Adries Baart

6.5 Kooperation „Psycho-Paten“-Professionelle

6.6 Schlussfolgerungen für die Profession Soziale Arbeit

7 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie eine Psycho-Patenschaft auf Grundlage des niederländischen Konzeptes „Kwartiermaken“ erfolgreich gestaltet werden kann, um eine uneingeschränkte soziale Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene zu ermöglichen und Ausgrenzungsmechanismen entgegenzuwirken.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen von Gesellschaft, Gemeinschaft und Teilhabe.
  • Untersuchung des Konzeptes Kwartiermaken als Ansatz zur sozialen Integration.
  • Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Freundschaft und den Funktionen sozialer Netzwerke.
  • Reflexion der Umsetzung von Psycho-Patenschaften und der Kooperation zwischen Ehrenamtlichen und Professionellen.
  • Ableitung von Schlussfolgerungen für die professionelle Soziale Arbeit.

Auszug aus dem Buch

4.4 Freundschaftsdienst

Als wesentlicher Bestandteil der sozialen Integration wird der Freundschaftsdienst oder auch die benannte Gastfreundschaft im Konzept Kwartiermaken angesehen. Die Problematik der Gastfreundschaft lässt sich schon an der Übersetzung festmachen. Das lateinische „hostis“- Gastfreundschaft, bedeutet sowohl Gast als auch Feind. Diese Wörter könnte man mit „Fremder“ oder „Fremdling“ assoziieren. Ein Fremder kann Angst haben, dass man ihn für verrückt oder gestört hält, er kann möglicherweise die Sprache nicht sprechen, kennt Codes nicht, beherrscht Umgangsformen nicht, ist unbeholfen, läuft Gefahr, sich nicht verteidigen zu können, weil er nicht weiß, wie er das machen soll. Gastfreundschaft soll „Freunde“ für psychisch kranke Menschen schaffen, die sie durch ihre psychischen Probleme verloren haben. Der Freundschaftsdienst ist eine Antwort auf die Frage: Wer begleitet mich außerhalb der psychosozialen Versorgung, bei der Suche nach einem Platz in dieser oft als ungastlich erfahrenen Welt?

Doortje Kal nennt die ehrenamtlichen Bürger, die diesen Freundschaftsdienst leisten, ´Buddys`. In Deutschland selbst, nennen sich Freundschaftsdienstleistende Bürger und Bürgerinnen ´Psycho-Paten`. Diese Bezeichnung hat mit dem Begriff des Psychopathen nichts gemeinsam. Die provozierende Bezeichnung soll allerdings die Gemeinschaft anregen sich mit dieser Begrifflichkeit und den Hintergründen des Konzeptes auseinanderzusetzen. Somit geht diese Benennung wieder im Gesamtkonzept auf. Einen wichtigen Betrag zur Teilhabe psychisch kranker Menschen leistet der Freundschaftsdienst. Der allgemeine Gedanke ist der, dass die ´Psycho-Paten` mit dem Adressaten oder der Adressatin eine Beziehung der Freundschaft aufbauen. Der „Psycho-Pate“ ist im Sinne Kals ein Katalysator, ein Motivierender, ein Inspirierender, ein Vermittler und Makler bzw. ein Netzwerkentwickler, Kampangenführer und Wegbereiter, der alles ankurbelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation und Relevanz des Themas vor, formuliert die Forschungsfrage und erläutert die methodische Gliederung der Arbeit.

2 Grundlagen: Hier werden die soziologischen Begrifflichkeiten Gesellschaft und Gemeinschaft sowie der Begriff der Teilhabe erörtert und in den rechtlichen Kontext der Behindertenrechtskonvention eingebettet.

3 Alltag: Dieses Kapitel beleuchtet die geschichtliche Entwicklung des Umgangs mit psychisch kranken Menschen und analysiert die Bedeutung sozialer Netzwerke für deren Lebensalltag.

4 Das Konzept Kwartiermaken: Es wird das niederländische Konzept Kwartiermaken als Ansatz zur Schaffung von Gastfreundschaft und sozialen Räumen für ausgegrenzte Menschen vorgestellt und dessen Kerninhalte beschrieben.

5 Freundschaft: Das Kapitel definiert den vielschichtigen Begriff der Freundschaft und untersucht deren zentrale Aufgaben sowie deren Stellenwert für das psychische Wohlbefinden.

6 Psycho-Patenschaften: Hier findet die praktische Umsetzung der Psycho-Patenschaft unter Einbeziehung von Theorien wie der Präsenztheorie statt und es wird die Kooperation mit der professionellen Sozialen Arbeit reflektiert.

7 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer gelingenden Psycho-Patenschaft.

Schlüsselwörter

Kwartiermaken, Psycho-Paten, Soziale Integration, Psychische Erkrankung, Teilhabe, Freundschaftsdienst, Soziales Netzwerk, Inklusion, Gastfreundschaft, Soziale Arbeit, Präsenztheorie, Bürgerschaftliches Engagement, Stigmatisierung, Sozialpsychiatrie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelor-Thesis befasst sich mit der sozialen Integration von psychisch kranken Erwachsenen durch die Umsetzung von „Psycho-Patenschaften“ basierend auf dem niederländischen Konzept „Kwartiermaken“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Inklusion und Teilhabe, die Bedeutung sozialer Netzwerke, die Definition von Freundschaft sowie die praktische Ausgestaltung von Freundschaftsdiensten und deren professionelle Begleitung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet: „Wie kann eine Psycho-Patenschaft anhand des Konzeptes Kwartiermaken gelingen?“

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung vorhandener Konzepte, Literatur und Studien, die durch eine professionelle Reflexion und Zusammenfassung ergänzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Grundlagenkapitel zur Gesellschaft und Teilhabe, eine Analyse des Alltags psychisch Kranker, die detaillierte Darstellung des Konzeptes Kwartiermaken, eine Untersuchung des Freundschaftsbegriffs sowie die Erörterung von Psycho-Patenschaften und der Kooperation zwischen Freiwilligen und Fachkräften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Kwartiermaken, Inklusion, soziale Teilhabe, Psycho-Paten, soziale Netzwerke und professionelle Soziale Arbeit charakterisiert.

Was unterscheidet einen „Psycho-Paten“ von einem therapeutischen Begleiter?

Ein Psycho-Pate agiert auf Basis von Freundschaft und Verbundenheit, nicht als Therapeut. Die Beziehung ist nicht lösungsorientiert oder instrumentalisiert, sondern zielt auf die Teilhabe am normalen Leben und gegenseitige Wertschätzung ab.

Warum ist die Abgrenzung von Therapie und Freundschaft so wichtig?

Die Autorin verdeutlicht, dass eine gleichzeitige Freundschaft und professionelle Therapie problematisch sein kann, da die unterschiedlichen Rollen zu Verunsicherung und zur Gefährdung der therapeutischen Beziehung führen können.

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Details

Title
Psycho-Paten. Umsetzung einer uneingeschränkten Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene
Subtitle
Wie kann eine Patenschaft anhand des Konzeptes Kwartiermaken gelingen?
College
Erfurt University of Applied Sciences
Grade
1,7
Author
Janine Stahlhofen (Author)
Publication Year
2010
Pages
51
Catalog Number
V453273
ISBN (eBook)
9783668858886
ISBN (Book)
9783668858893
Language
German
Tags
Integration Teilhabe Psychische Erkrankungen Freundschaft Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janine Stahlhofen (Author), 2010, Psycho-Paten. Umsetzung einer uneingeschränkten Teilhabe für psychisch kranke Erwachsene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453273
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