Die Satzgliedanalyse im Unterricht. Ein Vergleich zweier Grammatiken


Hausarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sachanalyse der Satzgliedanalyse
2.1 Definition „Syntax“ und „Satz“ in verschiedenen Grammatiken
2.2 Satzgliedanalyse
2.2.1 Duden
2.2.2 Satzgliedanalyse nach Pittner und Berman

3 Didaktische Analyse
3.1 Die Verankerung der Satzgliedanalyse im Bildungsplan der Grundschule
3.2 Satzgliedanalyse in Lehrwerken der Grundschule
3.2.1 Duden Sprachbuch 3
3.2.2 LolliPop Sprach-Sach-Buch 4

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Wort „Grammatikunterricht“ wird häufig sowohl von Lehrpersonen als auch von Schülern negativ konnotiert. Dieser Teilbereich des Deutschunterrichts wird oft mit trockenem Auswendiglernen und unveränderbarem Regelwerk verbunden. Auch die Umbenennung in „Sprache untersuchen“ im Bildungsplan der Grundschule konnte an dieser Ansicht kaum etwas ändern. Die Aufgabe der Lehrkraft ist es nun den Grammatikunterricht und damit das Werkzeug „Sprache“ für die Schülerinnen und Schüler attraktiv zu gestalten. Die Kinder sollen Sprache als wichtiges Instrument kennenlernen, neugierig gemacht und sensibilisiert werden. Die Satzgliedanalyse stellt hierbei ein zentrales und komplexes Thema dar, welches die Struktur der deutschen Sprache näher beleuchtet.

An diesem Punkt stellt sich sowohl die Frage nach der wissenschaftlichen Theorie der Satzgliedanalyse in Grammatiken als auch die praktischen Umsetzung in Lehrwerken der Grundschule. Wie kann die Satzgliedanalyse im Unterricht der Primarstufe den Schülerinnen und Schülern entdeckend, handlungsorientiert nahegebracht werden und dabei gleichzeitig begriffliches und strategischen Wissen vermitteln?

Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, wie die Satzgliedanalyse in zwei verschiedenen Grammatiken eingeführt und behandelt wird. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend für die konkrete Umsetzung der Einführung der Satzgliedanalyse mit zwei verschiedenen Lehrwerken für die Grundschule genutzt werden. Zu diesem Zweck muss zunächst die grundlegende Terminologie der Syntax geklärt werden, um anschließend die verschiedenen Definitionen des Satzes als Einheit zu beleuchten.

Nachdem die grundlegenden Begrifflichkeiten behandelt wurden, soll die Satzgliedanalyse in der Dudengrammatik genau untersucht werden, um sie anschließend in Bezug zu der Grammatik von Pittner/Bermann zu setzen.

Im zweiten Abschnitt liegt der Fokus auf der Satzgliedanalyse in den Lehrbüchern „Duden Sprachbuch 3“ und „LolliPop Sprach-Sach-Buch 4“. Dazu wird die Satzgliedanalyse im Bildungsplan der Grundschule genauer betrachtet. Es soll anschließend geklärt werden, welche Vor- und Nachteile die Herangehensweisen zur Einführung von Satzgliedern in der Primarstufe mit sich bringen, um sie miteinander zu vergleichen.

2 Sachanalyse der Satzgliedanalyse

2.1 Definition „Syntax“ und „Satz“ in verschiedenen Grammatiken

Im ersten Schritt wird nun ein Blick auf die Grundlagen der Satzgliedanalyse geworfen. Dazu muss geklärt werden, was man unter dem Begriff Syntax versteht. Die Syntax ist die Lehre von den Satzgliedern und der Satzstellung. Sie erläutert, wie man Wörter strukturieren muss, um grammatisch sinnvolle Sätze zu bilden. Die Bedeutung des Wortes Syntax geht auf das altgriechische Wort syntaxis zurück, was so viel wie „Zusammenstellung“ oder „Anordnung“ bedeutet.

Von Bedeutung ist hier auch die Tatsache, dass der Satz als Einheit in den verschiedenen Grammatiken unterschiedlich behandelt und definiert wird.

Der Duden versteht den Satz als eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten Satzgliedern besteht (Duden, 2006, S. 773) Der Satz wird hier als abgeschlossene Einheit aufgefasst, die mit den Regeln der Syntax gebildet wird.

Ebenso wie in der Grammatik von Pittner und Bermann ist der Satz die größte Einheit der syntaktischen Beschreibung. Hier wird allerdings unterschieden zwischen einfachen Sätzen, die nicht zerlegt werden können, und komplexen Sätzen, die aus mehreren Teilsätzen bestehen. Diese können sowohl nebengeordnet als auch untergeordnet sein.

Abhängig von den verschiedenen Grammatiken unterscheidet sich auch der Umgang mit dem Satz. Die Dependenzgrammatik (Valenzgrammatik) beruht auf dem Prinzip der Valenz (Wertigkeit), wobei das Verb als zentrale Konstituente die anderen Konstituenten wie Aktanten und Umstandsangaben steuert. Die Aktanten oder auch Ergänzungen sind Substantive oder Pronomina und werden vom Verb semantisch verlangt. Umstandsangaben sind hingegen freie Angaben wie Adverbien oder adverbiale Ausdrücke.

Nach der traditionellen Grammatik sind die Einheiten der Sprache Wortarten und Satzglieder. Sätze bestehen nicht aus Wörtern sondern aus größeren Einheiten, den Satzgliedern, die im Satz beliebig verschoben werden können.

Laut der Phrasenstrukturgrammatik, oder auch Konstituentengrammatik, bestehen Sätze aus einer Nominalphrase, die aus Artikel und Nomen gebildet wird und einer Verbalphrase, die aus Verb und Nominalphrase besteht. Der Satz wird in Konstituenten zerlegt, welche auch noch in Unterkonstituenen zerteilt werden können.

2.2 Satzgliedanalyse

Nachdem nun geklärt wurde wie sowohl die Syntax als auch der Satz als Einheit in verschiedenen Grammatiken behandelt wird, soll nun in der folgenden Sachanalyse die Satzgliedanalyse untersucht werden. Auch hier gibt es in den Grammatiken unterschiedliche Ansichten zur Analyse und Unterscheidung von Satzgliedern.

2.2.1 Satzgliedanalyse der Dudengrammatik

Im ersten Schritt soll zunächst die Satzgliedanalyse der Dudengrammatik genauer untersucht werden. Hier finden sich verschiedene Gesichtspunkte der Analyse von Satzgliedern und Gliedteilen. Diese unterschiedlichen Perspektiven schließen sich gegenseitig allerdings nicht aus, sondern können auch miteinander verbunden werden.

Aus der Perspektive der inneren Struktur können Wörter in Sätzen zu unterschiedlich komplexen Einheiten verbunden werden. Diese Einheiten bezeichnet man als Phrasen. „Jede Phrase hat genau eine Wortform als Kern, und jede Wortform bildet den Kern einer eigenen Phrase.“ (Duden 2006, S. 777) Die Wortart des Kerns bestimmt hier die syntaktischen Eigenschaften der Phrase. Um zu überprüfen, ob es sich bei dem Zusammenschluss einer Worteinheit um eine Phrase handelt, kann man sowohl die Verschiebprobe als auch die Ersatz- und Erweiterungsprobe nutzen. Bei der Verschiebprobe werden hauptsächlich die Satzglieder festgestellt, indem man eine geschlossene Abfolge von Wörtern im Satz verschiebt. Allerdings können bei dieser Probe Phrasen, die in Satzglieder eingebettet sind, nicht erkannt werden. Um diese ausfindig zu machen lässt sich die Ersatzprobe anwenden. Dabei wird eine komplexe Phrase nachgewiesen, indem eine Abfolge von Worformen durch ein einfaches Wort ersetzt wird. Die Erweiterungsprobe dient dazu, den Kern einer Phrase zu identifizieren. Ein einfaches Wort wird erweitert und damit zu einer komplexen Phrase ausgebaut. Wenn das Erweitern möglich ist, bildet das Wort den Kern einer Phrase.

Für den Fall, das nicht ganz klar ist, welches Wort den Kern einer Phrase bildet, kann die Weglassprobe helfen. Bestimmte eingebettete Phrasen können jedoch nicht weggelassen werden, ohne den Ausdruck damit ungrammatisch werden zu lassen.

Eine weitere Perspektive, unter der sich Satzglieder und Gliedteile analysieren lassen, ist die Verschiebbarkeit. Der Aufbau einfacher Aussagesätze im Deutschen sieht meist wie folgt aus: Vorfeld - finites Verb - Mittelfeld - übrige Verbformen.

Das Vorfeld ist gewöhnlich mit einer Phrase besetzt, die auch komplex seinkann, während die übrigen Phrasen das Mittelfeld belegen. Es ist nicht möglich, dass zwei oder mehr eigenständige Phrasen im Vorfeld stehen. Diese Position kann von Phrasen unterschiedlicher Art belegt werden. Bei der Verschiebprobe untersucht man nun, welche Satzglieder man vor das finite Verb stellen könnte. Damit lassen sich Satzglieder folgendermaßen definieren: „Ein Satzglied ist eine Einheit des Satzes, die allein die Position vor dem finiten Verb besetzen kann.“ (Ebd, S. 783) Bei diesen Einheiten handelt es sich charakteristisch um Ergänzungen und Angaben zum Verb bzw. Prädikats. Daher erklärt sich auch die Wichtigkeit der Verschiebprobe für verschiedene deutsche Grammatiken. Mit ihrer Hilfe lassen sich die für einen Satz wesentlichen Bestandteile herausfinden.

Als Gliedteil bezeichnet man eine Phrase, die in ein Satzglied eingebettet ist (vgl. Ebd., S. 784). Sie kann also nur gemeinsam mit dem Satzglied verschoben werden. In der Dudengrammatik werden nur Gliedteile als Attribute bezeichnet, die sich auf ein Substantiv beziehen, und damit Teil einer Nominalphrase sind.

Besonders gilt es zu beachten bei der Verschiebprobe die Sinnhaftigkeit des Satzes durch das Verschieben nicht zu verändern. Es ist nicht zulässig, Satzglieder in Gliedteile umzuwandeln oder umgekehrt. Auch bei Einheiten, die im Mittelfeld stehen, sind unterschiedliche Deutungen möglich wobei es hier abhängig vom Kontext ist, welche Version wahrscheinlicher ist. Außerdem zu beachten ist, dass Prädikatsteile aller Art gemeinsam mit dem Satzglied in die Vorfeldstellung verschoben werden können. Diese komplexen Phrasen gelten jedoch nicht als Satzglieder. Die Prädikatsteile müssen bei der Verschiebprobe also am Ende des Satzes stehen.

Wenn indefinite Nominalphrasen abhängig vom Verb die Funktion eines Subjekts oder Akkusativobjekts haben, können sie im Satz aufgeteilt werden. Diese „zerteilten“ Bestandteile werden als diskontinuierliche Satzglieder bezeichnet.

Zuletzt muss man beachten, dass manche Phrasen gar nicht oder nur mit starker Kontrastbetonung in das Vorfeld gestellt werden können, obwohl sie unmittelbar vom Verb abhängen (vgl. Ebd., S. 786). Hier kann nur untersucht werden, ob es sich um ein Satzglied handelt, indem man Phrasen, die davor oder danach stehen, verschiebt.

Auch unter der Perspektive der Valenz können die Bestandteile eines Satzes betrachtet und in Angaben und Ergänzungen unterschieden werden. Unter der Valenz versteht man die Eigenschaft eines Wortes, Ergänzungen zu fordern oder auch seine „Wertigkeit:

„Eine Ergänzung ist eine Phrase, die im Valenzrahmen eines Wortes vorangelegt ist. Eine Angabe ist eine Phrase, die ein Wort, eine Phrase oder unter Umständen auch den gesamten Satz modifiziert. Sie ist im Valenzrahmen der zugehörigen Wörter nicht angelegt.“ (Ebd., S. 787) Der Valenzrahmen eines Wortes stellt dabei dessen Valenzeigenschaften dar.

Die Phrase, von der die Ergänzungen abhängen, bestimmt eine Reihe von Merkmalen. So gibt es beispielsweise eine semantische Rolle, bei der das Verb eine handelnde Person (Agens) oder eine betroffene Sache (Patiens) fordert. Zudem gibt das Verb in Nominalphrasen auch den Kasus vor oder bei Präpositionalphrasen die Wahl der Präposition. Das nennt man auch Rektion.

Um herauszufinden, bei welchen Phrasen es sich in einem Satz um Angaben und Ergänzungen handelt, kann die Weglassprobe genutzt werden. Wenn es nicht möglich ist, eine Phrase wegzulassen, ohne dass der Satz ungrammatisch wird, handelt es sich um eine Ergänzung. Diese Probe funktioniert allerdings nicht in allen Fällen, da oft auch Phrasen gestrichen werden können, die vorangelegt und damit als Ergänzung anzuerkennen sind. Es ist abhängig vom jeweiligen Kontext, ob eine Ergänzung auch fehlen darf, obwohl sie als nicht weglassbar eingestuft wird.

Als Nächstes wird die Satzgliedanalyse unter der Perspektive der Semantik, also der Funktion von Satzgliedern und Gliedteilen betrachtet. Hier werden den Satzgliedern drei Rollen zugewiesen, die sie voneinander unterscheiden. Als Aktanten bezeichnet man die Rollenträger bei einer Handlung oder einem Vorgang. Die Aktanten sind abhängig von Verben, Adjektiven oder Gradpartikeln und daher in ihrer Bedeutung bereits vorangelegt. Normalerweise erscheinen die Aktanten in Nominalphrasen in einem bestimmten Kasus.

Die Adverbialien haben nun die Funktion, die genaueren Sachverhalte eines Zustandes, einer Handlung oder eines Vorgangs zu beschreiben. Sie können sowohl als adverbiale Ergänzung als auch als adverbiale Angabe auftreten, wobei die Unterscheidung durch Weglassen oft schwierig ist. Es gibt Unterarten, in die die Adverbialien aufgeteilt werden können. Dazu zählen Kommentatoradverbialien, die sich auf die Aussage als Ganzes beziehen, Textadverbialien, welche die Textgliederung verdeutlichen, und Situationsadverbialien die sich auch einen Wort, Prädikatsteil oder einen Satz beziehen. Die Situativadverbialien unterscheiden sich außerdem in Lokal-, Temporal-, Modal- und Kausaladverbiale.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Satzgliedanalyse im Unterricht. Ein Vergleich zweier Grammatiken
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V453529
ISBN (eBook)
9783668874329
ISBN (Buch)
9783668874336
Sprache
Deutsch
Schlagworte
satzgliedanalyse, unterricht, vergleich, grammatiken
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Satzgliedanalyse im Unterricht. Ein Vergleich zweier Grammatiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453529

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