Die Anzahl der berufspolitisch engagierten und aktiven Pflegepersonen in der Bundesrepublik ist im Vergleich zur Gesamtheit der professionell Pflegenden eher als gering anzusehen. Die Interessenvertretung der Pflege ist aufgeteilt in eine fast unüberschaubare Zahl (> 100) an Berufs- und Interessenverbänden. Erst seit Bestehen des Deutschen Pflegerates (DPR) wird der konkrete Versuch unternommen die unterschiedlichen Pflegeinteressen der Verbände zu bündeln und auf Bundesebene mit einer Stimme zu artikulieren.
In der Klausurtagung im Jahre 2005 hat der DPR sich erneut mit dem Thema Selbstverwaltung auseinandergesetzt und sich klar für eine Errichtung von Pflegekammern auf Landes- und Bundesebene ausgesprochen (Strausberger Erklärung). Diese Erklärung kann jedoch m. E. nur dann Wirkung erzielen, wenn sie auf breiter beruflicher Ebene diskutiert, analysiert und deren mögliche Umsetzung geprüft und dann gemeinsam forciert wird. Es gilt dabei eine enge Verzahnung der Information zwischen den berufspolitisch Aktiven, den Führungskräften, der Basis und insbesondere auch dem (Führungs-)Nachwuchs herzustellen. Ein Referat mit diesem Thema vor und mit den Studenten des Pflegemanagements und der Pflegepädagogik aus unterschiedlichen Semestern der Evangelischen Fachhochschule ermöglicht eine solche Auseinandersetzung zeitnah und gibt mir persönlich die Möglichkeit zusätzlich meine eigene Sichtweise zu reflektieren und mit anderen auszutauschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Strausberger Erklärung
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Deutscher Pflegerat
3.2 Pflegekammern im rechtlichen Umfeld
4. Zweck und Funktion einer kammer im Gesundheitswesen
4.1 Zweck und Funktion einer Pflegekammer (Beispiele)
4.1.1 Sicherstellung einer sachgerechten professionellen Pflege für die Bevölkerung
4.1.2 Beratung und Beteiligung bei Gesetzgebungsverfahren
4.1.3 Einheitliche Berufsordnung, -bildung, –ethik
4.1.4 Registrierung, Lizenzvergabe, Sanktionierung
4.1.5 Gutachtertätigkeit, Schiedstellentätigkeit, Sachverständigenbenennung, Prüfungsabnahme
4.1.6 Informationsweitergabe, Statistiken relevanter Daten
4.1.7 Nationale und internationale Kontaktpflege
4.2 Gegenüberstellung Pflegekammer – Bundesärztekammer - Bundespsychotherapeutenkammer
5. Pflegekammern im Europäischen Ausland
6. Erste Umsetzungsschritte
6.1 Registrierung wo und wie
6.2 Registrierung warum
6.2.1 Aus Sicht der Pflegenden
6.2.2 Aus Sicht der Arbeitgeber
6.2.3 Aus Sicht der Klienten/ Patienten / Angehörigen
6.2.4 Aus Sicht der Berufspolitik
7. Finanzielle Vorteile und Gründe der Verhinderung durch andere
8. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Notwendigkeit und den Nutzen von Pflegekammern in Deutschland unter Bezugnahme auf die Strausberger Erklärung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine berufsständische Selbstverwaltung die Qualität der pflegerischen Versorgung stärken und die Professionalisierung des Pflegeberufs durch politische Teilhabe vorantreiben kann.
- Bedeutung und Aufgaben des Deutschen Pflegerates (DPR)
- Funktionen einer Pflegekammer im Gesundheitswesen
- Vergleich der Kammerstrukturen in Deutschland und Europa
- Prozess und Ziele der freiwilligen Registrierung
- Berufspolitische Argumente für eine pflegerische Selbstverwaltung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Sicherstellung einer sachgerechten professionellen Pflege für die Bevölkerung
Durch die erheblichen Veränderungen der altersmäßigen Zusammensetzung der Wohnbevölkerung Deutschlands (Demographie) einerseits, der zunehmenden Anzahl von Singlehaushalten und der durchschnittlichen Lebenserwartungandererseits, verbunden mit dem Fortschritt der Medizin und den verkürzten Verweildauern in den Kliniken, wird sich der Bedarf an Pflege von den so genannten Akutkliniken mehr und mehr hin zu außerklinischen Bereichen verschieben. Hierzu gehört das Heranbilden von Pflegenachwuchs welcher sich an den künftigen Bedürfnissen der Klienten orientiert. Die Sicherstellung einer sachgerechten und professionellen Pflege für die Bevölkerung benötigt wissenschaftlich begründete Maßnahmen vonseiten der Pflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die aktuelle Situation der berufspolitischen Zersplitterung der Pflege wird dargelegt und die Strausberger Erklärung als Impulsgeber für eine notwendige Selbstverwaltung eingeführt.
2. Strausberger Erklärung: Der Originaltext der Erklärung des Deutschen Pflegerates (DPR) vom 31.08.2004 wird dokumentiert, um die Positionierung zur Kammerbildung zu verdeutlichen.
3. Begriffsdefinitionen: Es werden der Deutsche Pflegerat als Akteur und das rechtliche Umfeld von Pflegekammern näher definiert.
4. Zweck und Funktion einer kammer im Gesundheitswesen: Hier werden die Kernaufgaben einer Kammer detailliert sowie im Vergleich mit Ärztekammern und Psychotherapeutenkammern gegenübergestellt.
5. Pflegekammern im Europäischen Ausland: Anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern wird aufgezeigt, dass die eigenständige Interessenvertretung durch Kammern international etablierter Standard ist.
6. Erste Umsetzungsschritte: Die Bedeutung der freiwilligen Registrierung als strategisches Instrument zur Vorbereitung einer gesetzlichen Selbstverwaltung wird erläutert.
7. Finanzielle Vorteile und Gründe der Verhinderung durch andere: Es wird die wirtschaftliche Dimension der Selbstverwaltung beleuchtet und die Widerstände innerhalb der politischen Landschaft analysiert.
8. Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird die Etablierung einer Pflegekammer als notwendiger Schritt zur Professionalisierung und Stärkung der Pflege gegenüber staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren gefordert.
Schlüsselwörter
Pflegekammer, Strausberger Erklärung, Deutscher Pflegerat, Selbstverwaltung, Berufsstand, Professionalisierung, Freiwillige Registrierung, Gesundheitspolitik, Qualitätssicherung, Heilberuf, Berufsethik, Interessenvertretung, Pflegebedarf, Pflegepädagogik, Pflegemanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der berufspolitischen Forderung nach der Errichtung von Pflegekammern in Deutschland, um eine eigenständige Selbstverwaltung der Pflegeberufe zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Rolle des Deutschen Pflegerates (DPR), die Funktionen einer Kammer, der internationale Vergleich sowie die Bedeutung einer freiwilligen Registrierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen von Pflegekammern aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie die Pflege als Profession politische Mitsprache und Qualitätssicherung eigenverantwortlich gestalten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Der Autor nutzt eine strukturierte Analyse von Dokumenten, insbesondere der Strausberger Erklärung, sowie einen Vergleich mit bestehenden Kammerstrukturen im Gesundheitswesen.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Im Hauptteil werden Funktionen wie Qualitätssicherung, Registrierung, Berufsordnung und die finanzielle sowie politische Bedeutung der Kammerbildung detailliert erörtert.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstverwaltung, Professionalisierung, politische Teilhabe und Qualitätssicherung geprägt.
Warum wird die „Freiwillige Registrierung“ als so wichtig erachtet?
Die freiwillige Registrierung dient als „Zwang des Faktischen“, um Daten über die Profession zu gewinnen und Stärke zu demonstrieren, bevor eine gesetzliche Kammerpflicht etabliert werden kann.
Wie unterscheidet sich die Pflegekammer von den Kammern der Ärzte oder Psychotherapeuten?
Die Arbeit verdeutlicht durch einen direkten Tabellenvergleich die bisherige Nichtpräsenz der Pflege in Entscheidungsgremien im Gegensatz zur etablierten Macht der ärztlichen Selbstverwaltung.
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- Iris Meyenburg-Altwarg (Author), 2005, Strausberger Erklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45384