Die Arbeit befasst sich, unter Zuhilfenahme verschiedener Grafiken und vielfältiger, aktueller Literatur, mit der sogenannten Belt and Road Initiative, einem von China initiierten Netzwerk aus Handelsrouten, dass Asien, Eurasien, Afrika und Europa künftig verstärkt miteinander verbinden soll.
Um die Belt and Road Initiative, auch neue Seidenstraße genannt, gänzlich zu begreifen, bezieht sich die Arbeit anfänglich auf die legendäre, ursprüngliche Seidenstraße, einem Netzwerk aus See- und Landrouten, dass das heutige Europa von ungefähr 200 vor Christus bis circa 1500 nach Christus mit Afrika und Asien verband und den Namen auf Grund des Handels mit, der damals in Gold aufzuwiegenden, Seide aus China erhielt.
Bei der näheren Betrachtung der ursprünglichen Seidenstraße wird dem Interessierten jedoch schnell klar, dass Seide, Gewürze und Rohstoffe nur einen materiellen, historisch betrachtet weniger bedeutenden Teil, der auf den Routen gehandelten Güter ausmachte. Als weltpolitisch weit einflussreicher, gilt heute der Austausch von immateriellen Gütern wie Kultur, Religion und Ideen über die Route bis in die entlegensten Winkel der Seidenstraße.
Im Anschluss wird die aktuelle politische und wirtschaftlich Situation der Volksrepublik China genauer betrachtet, um die Motivation Pekings für eine Repristination dieser neuen Routen zu begreifen. Hierbei wird im Verlauf der Arbeit immer klarer, dass die Motivation Chinas für diese neue globale Initiative besonders im Hinblick auf die eigene, komplizierte innenpolitische und die schwächelnde wirtschaftliche Situation, besonders sinnvoll erscheint. Dabei soll die neue Seidenstraße sowohl den wirtschaftlich- und infrastrukturell unterentwickelten Westen Chinas über die Landroute stärken, als auch den Zugang zu wichtigen Ressourcen und Handelspartnern über eine vermehrte wirtschaftliche Vernetzung, sichern.
Da die neue Seidenstraße, ein gerade mal fünf Jahre altes Projekt Chinas ist und in der Folge meist noch kaum Resultate zu beobachten sind, befasst sich das nächste Kapitel mit den Chancen und Risiken dieser historischen Initiative. Dabei besteht die größte Chance des Projekts, in der wirtschaftlichen Stärkung und der politischen Stabilisierung einer so komplizierten Region der Welt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit und Zielsetzung
2. Die „alte Seidenstraße“
2.1 Definition der Seidenstraße
2.2 Die Route der Seidenstraße
2.3 Epochen der Seidenstraße
2.4 Sinn und Zweck der Seidenstraße
2.5 Bezug der Seidenstraße zur Gegenwart
3. Die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage der Volksrepublik China
3.1 Die wirtschaftspolitische Geschichte
3.2 Die innenpolitische Lage
3.3 Chinas schwächelnder Handel als Indikator des abgeschwächten Wirtschaftswachstums
4. Die Neue Seidenstraße
4.1 Das Konzept der neuen Seidenstraße
4.2 Der Verlauf der neuen Seidenstraße
4.2.1 Der Verlauf der neuen Landroute
4.2.2 Der Verlauf der maritimen Route
4.3 Die politische und wirtschaftliche Motivation der Volksrepublik China für die neue Seidenstraße
4.3.1 Politische Gründe
4.3.2 Wirtschaftliche Gründe
5. Die Herausforderungen und Risiken der neuen Seidenstraße
5.1 Die Herausforderungen der neuen Seidenstraße
5.1.1 Die Kosten und die Finanzierung der neuen Seidenstraße
5.1.2 Vertrauen schaffen und Politische Stabilität gewährleisten
5.1.3 Korruption und Sicherheitsrisiken
5.2 Die Risiken der neuen Seidenstraße
5.2.1 Hohes Schuldenrisiko verschiedener Länder der neuen Seidenstraße
5.2.2 Risiko einer verstärkten Verschuldung Chinas
6. Die Chancen und Möglichkeiten der neuen Seidenstraße
6.1 Stärkung, wirtschaftlich schwächelnder Städte und Regionen
6.2 Chancen für die Menschen entlang der Route
6.3 Chancen für die Volksrepublik China
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die "Belt and Road Initiative" (neue Seidenstraße) Chinas als ein wirtschaftliches und geopolitisches Großprojekt. Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe Pekings zu analysieren, die potenziellen Chancen und Risiken für die beteiligten Partnerländer zu bewerten sowie die Auswirkungen auf Chinas eigene innen- und wirtschaftspolitische Stabilität zu beleuchten.
- Historische Einordnung und heutige Relevanz der "alten Seidenstraße"
- Aktuelle wirtschaftliche und politische Situation der Volksrepublik China
- Strukturelle Analyse der neuen Handelskorridore und maritimen Routen
- Herausforderungen wie Finanzierung, Verschuldungsrisiken und geopolitische Spannungen
- Chancen für Regionen entlang der Route und für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition der Seidenstraße
Heutzutage ist der Austausch mit Menschen und Gütern aus anderen Ländern und Kulturen nur noch einen Mausklick entfernt. Via Internet, TV und Bücher können wir in sehr kurzer Zeit sehr viel über andere Kulturen lernen. Doch dieses Privileg ist ein sehr junges. Früher musste der Austausch mühsam und direkt stattfinden. Verschiedene Klimazonen und natürliche Hindernisse, wie Wüsten und Gebirge machten das Bereisen der Route zu einem gefährlichen Abenteuer. Es dauerte oft beschwerliche Monate, andere Ethnien und Länder zu erreichen und dort angekommen gestaltete sich die Kommunikation meist zusätzlich als schwierig.
Doch entgegen aller Anstrengung überwog und überwiegt auch heute noch das Interesse, am Fremden, mit seinen Menschen, seinen Waren und seiner Kultur, allen Strapazen. Für die Menschen jener früheren Tage war die Route die den fernen Osten, über den Orient bis zum Okzident, verband noch der Alltag um zu Handeln und Namen gab es für die vielen unterschiedlichen Routen viele. Der heute gängige Begriff Seidenstraße jedoch wurde erstmals von einem deutschen Abenteurer und Geografen namens Ferdinand Freiherr von Richthofen geprägt. Dieser verwendete den Begriff in seinem mehrbändigem Werk China, welches er im Zeitraum zwischen 1877 und 1912 verfasste.
Richthofen verwendete in seinem Werk jedoch sowohl die Singular-, als auch die Plural Form des Wortes Seidenstrasse/n was verdeutlicht, dass die Seidenstraße nicht ein einzelner Weg, sondern ein Netzwerk an Land und See Routen war, die den Osten mit dem Westen verband. Ursprünglich umschrieb er damit alle Handelsrouten, über die Europa zu Zeiten Christi durch das Han-Kaiserreich mit Seide versorgt wurde.5 Obwohl sich dieser Begriff heute als übliche Beschreibung weltweit eingebürgert hat, sind sich Historiker heute einig, dass in der über 3000-jährigen Geschichte der Seidenstraße, die nicht als einzelner Pfad, sondern als Netzwerk aus Straßen und Meeresrouten gesehen werden sollte, Seide und später andere Güter nur ein Teil der Kostbarkeiten ausmachten, die über die weit verzweigten Routen transportiert wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen globalen Kontext, insbesondere die Handelsspannungen mit den USA, und führt in das Forschungsinteresse zur neuen chinesischen Seidenstraßen-Initiative ein.
2. Die „alte Seidenstraße“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Seidenstraße historisch als komplexes Netzwerk aus Handels- und Kulturrouten, das über den reinen Gütertausch hinausging.
3. Die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage der Volksrepublik China: Hier werden die historische wirtschaftliche Entwicklung, innenpolitische Spannungen und das schwächelnde Handelswachstum als Motivationshintergrund für neue Strategien untersucht.
4. Die Neue Seidenstraße: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der "Belt and Road Initiative", deren geographischen Verlauf und die expliziten politischen sowie wirtschaftlichen Gründe Chinas für dieses Megaprojekt.
5. Die Herausforderungen und Risiken der neuen Seidenstraße: Es werden kritische Hürden wie Finanzierung, politisches Vertrauen, Korruption und insbesondere die hohen Verschuldungsrisiken für China und die Anrainerstaaten analysiert.
6. Die Chancen und Möglichkeiten der neuen Seidenstraße: Dieses Kapitel diskutiert die positiven Potentiale, wie die wirtschaftliche Stärkung benachteiligter Regionen und die Chance Chinas auf eine internationale Vorreiterrolle im Bereich erneuerbarer Energien.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz zwischen den Chancen für globale Entwicklung und den Risiken chinesischer Hegemonie zusammen und betont die Notwendigkeit von Transparenz und Dialog auf Augenhöhe.
Schlüsselwörter
Seidenstraße, Belt and Road Initiative, Volksrepublik China, Außenpolitik, Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Handelsrouten, Geopolitik, Verschuldungsrisiko, Globalisierung, Sonderwirtschaftszonen, Energiepolitik, Internationale Kooperation, Xi Jinping, Konnektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die chinesische "Belt and Road Initiative" und untersucht deren wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung im Kontext der aktuellen Weltpolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historische Herleitung der Seidenstraße, die aktuelle Lage Chinas, die Struktur der neuen Handelsrouten sowie die Analyse von Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, warum China dieses Projekt initiiert, wer davon profitiert und welche Risiken bzw. Chancen sich daraus für das Land und die globale Gemeinschaft ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse sowie die Auswertung von Statistiken, Grafiken und aktuellen Wirtschaftsdaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das Konzept der neuen Seidenstraße, die Land- und Seerouten, die innen- und außenpolitische Motivation Chinas sowie die finanziellen und sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Belt and Road Initiative, Geopolitik, Wirtschaftswachstum, Verschuldungsrisiko und globale Vernetzung.
Welche Rolle spielt die Verschuldung bei diesem Projekt?
Das hohe Verschuldungsrisiko einiger Partnerländer gilt als zentrales Risiko, da es China im Falle einer Zahlungsunfähigkeit ermöglicht, direkten Einfluss auf strategische Orte auszuüben.
Wie bewertet der Autor die Rolle Deutschlands?
Deutschland wird als bedeutender Endpunkt einer wichtigen Handelsroute (Duisburg) und als lohnende Partnerschaft für China in einer ansonsten instabilen Weltregion hervorgehoben.
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- Michael Nebollieff (Author), 2018, Die chinesische Seidenstraße. Wirtschaftliche und geopolitische Darstellung eines internationalen Projekts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454070