Untersucht wird die Entstehung, Entwicklung und die Akzeptanz des chinesischen Arbeitsrechts. Im historischen Teil werden aufgrund der Einflussnahme und Wechselwirkungen zunächst der Konfuzianismus und der Legalismus betrachtet und sodann die Entstehung erster arbeitsrechtlicher Regelungen während der Kolonialzeit behandelt bis zum in Kraft treten des AVG. Nachfolgend werden Grundzüge der Wirtschaftstransformation und das Phänomen der Wanderarbeiter und des Hùkǒu-Meldesystems aufgezeigt.
Im darauffolgenden Kapitel wird das kollektive Arbeitsrecht untersucht und die für besonders wichtig erachteten Regelungsinhalte aufgeführt. Der Fokus liegt hier verstärkt auf der Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaften. Dies liegt an der besonderen Rolle der chinesischen Gewerkschaften, welche noch heute stark vom westlichen Gewerkschaftsverständnis abweichen. Im individualrechtlichen Teil wird dargestellt, welche Geltungs- und Anwendungsbereiche vorliegen und wie Staat und Rechtssubjekte erfasst sind. Regelungen die weiterhin aus dem ArbG oder aus anderen arbeitsrechtlichen Regelungen hervorgehen, werden anschließend gesondert behandelt, ebenso wie der Schutz besonderer Personengruppen und Anti-Diskriminierungsnormen. Im anschließenden Kapitel wird die Diskrepanz zwischen dem Recht und der Realität thematisiert. Es werden Arbeitsrechtsverstöße aufgezeigt und Gründe für bestehende Missverhältnisse untersucht. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik stattfinden soll.
A. Die Entwicklung des Arbeitsrechts und die Frage nach ihrer Umsetzung
B. Historischer Rückblick
I. Der Dualismus zwischen Konfuzianismus und Legalismus
1. Entstehung und Sichtweise des Konfuzianismus und des Legalismus
2. Auswirkungen auf das chinesische Rechtssystem und die Gesellschaft
II. Erste arbeitsrechtliche Entwicklungen
III. Die Öffnungspolitik und ihre Folgen
IV. Das Phänomen der Wanderarbeiter und das Hukou-System
C. Kollektives Arbeitsrecht und die Rolle der Gewerkschaften
I. Die Entstehung und die Funktion der Gewerkschaften
II. Gewerkschaftsrecht
III. Kollektivverträge
IV. Arbeitskämpfe und die Legitimationskrise der Gewerkschaften
D. Individuelles Arbeitsrecht
I. Das Arbeitsvertragsgesetz
1. Zielsetzung
2. Geltungs- und Anwendungsbereich
a. Arbeitgeber
b. Arbeitnehmer
3. Formerfordernis und Mindestinhalt
4. Dauer, Teil- und Probezeit
a. Befristete Arbeitsverträge
b. Unbefristete Arbeitsverträge
c. Teilzeit Arbeitsverträge
d. Mindestbeschäftigungsdauer
5. Arbeitsentsendung
6. Vergütung und Abfindungsansprüche
7. Kündigung
a. Arbeitnehmer
aa. Fristgemäße Kündigung
bb. Fristlose Kündigung
b. Arbeitgeber
aa. Fristgemäße Kündigung
bb. Fristlose Kündigung
c. Betriebsbedingte Kündigung
d. Auswirkung einer unrechtmäßigen Kündigung
II. Das Arbeitsgesetz und weitere arbeitsrechtliche Bestimmungen
1. Arbeitszeit
2. Urlaub
3. Mindestlohnbestimmungen
4. Besondere Personengruppen und Diskriminierungsschutz
III. Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten
E. Diskrepanz zwischen Recht und Realität und ihre Ursachen
I. Arbeitsrechtsverstöße und Missstände
1. Untersuchung auf der Mikroebene
2. Untersuchung auf der Makroebene
II. Gründe für die Missverhältnisse
1. Das Nachwirken des Konfuzianismus und die Ablehnung von Gesetzen
2. Die staatliche und gewerkschaftliche Umsetzung des Arbeitsrechts
3. Zusammenfassung
F. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, den Inhalt sowie die praktische Akzeptanz des chinesischen Arbeitsrechts im Kontext der wirtschaftlichen Transformation der Volksrepublik China und beleuchtet die Diskrepanz zwischen den gesetzlichen Bestimmungen und der gelebten Realität von Arbeitnehmern.
- Historische Prägung durch Konfuzianismus und Legalismus
- Struktur und Rolle der chinesischen Gewerkschaften
- Regelungen des Arbeitsvertragsgesetzes und individuelle Arbeitnehmerrechte
- Herausforderungen durch das Hukou-System und Wanderarbeit
- Diskrepanz zwischen Gesetzestexten und der Arbeitswirklichkeit
Auszug aus dem Buch
1. Entstehung und Sichtweise des Konfuzianismus und des Legalismus
Der Begriff Konfuzianismus geht auf jesuitische Missionare zurück, welche zum Ende des 16. Jahrhunderts den Namen latinisierten. Im asiatischen Raum war der Meister Kong bekannt als Kǒng Fūzǐ. Der Konfuzianismus ist dabei keine von Konfuzius gegründete Lehre, sondern geht auf ältere Weisheiten zurück, auf die sich Konfuzius stets berief. Karl-Heinz Pohl stellt fest, dass der Konfuzianismus keine Religion im eigentlichen Sinne ist, da ein transzendentes Wesen und ein Leben nach dem Tod keine Bedeutung haben. Dem Sinnieren über das Jenseits sowie allem Übernatürlichen stand Konfuzius ablehnend gegenüber. Das philosophische Interesse gilt den menschlichen und sozialen Beziehungen. Als Rettung für den staatlichen und sittlichen Verfall seiner Zeit sah Konfuzius die Wiederbelebung antiker Sitten und eine von der Sitte getragene Staatsverfassung. Im Zentrum der Lehren Konfuzius steht das richtige Verhalten eines Individuums gegenüber der Gesellschaft und vice versa. Aufgebaut sind die Lehren auf fünf Tugenden/wǔcháng, die sich zusammensetzen aus Menschlichkeit/rén, Gerechtigkeit/yì, Riten und Sitten/lǐ, Weisheit und Bildung/zhì und Aufrichtigkeit/xin. Je nach Literatur ist auch von vier Säulen die Rede, die ähnlich aufgebaut sind: Menschlichkeit, Sittlichkeit, Rechtschaffenheit/Gerechtigkeit und Riten. Der Begriff der Menschlichkeit ist ein konfuzianischer Zentralbegriff, unter dem sich alle Tugenden und Idealvorstellungen vereinen lassen. Die Ordnung einer Gesellschaft beruht auf fünf grundlegenden menschlichen Beziehungen/wǔlún.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Die Entwicklung des Arbeitsrechts und die Frage nach ihrer Umsetzung: Einleitung in die historische und politische Ausgangslage des chinesischen Arbeitsrechts und deren westliche Einflüsse.
B. Historischer Rückblick: Analyse der prägenden Einflüsse von Konfuzianismus und Legalismus auf das chinesische Rechtsverständnis sowie erste Schritte der Arbeitsgesetzgebung.
C. Kollektives Arbeitsrecht und die Rolle der Gewerkschaften: Untersuchung der Entstehung, Funktion und aktuellen Rolle der Gewerkschaften, die stark von westlichen Vorstellungen abweicht.
D. Individuelles Arbeitsrecht: Detaillierte Darstellung des Arbeitsvertragsgesetzes sowie weiterer Bestimmungen zu Arbeitsbedingungen, Kündigungsschutz und Streitbeilegung.
E. Diskrepanz zwischen Recht und Realität und ihre Ursachen: Kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Umsetzung des Rechts, aufgezeigt anhand von Fallbeispielen und soziokulturellen Faktoren.
F. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Resümee über den Stand des Arbeitsrechts und die Herausforderungen für die Zukunft unter Berücksichtigung des sozialen und wirtschaftlichen Drucks.
Schlüsselwörter
Arbeitsrecht, Volksrepublik China, Konfuzianismus, Gewerkschaften, Arbeitsvertragsgesetz, Wanderarbeiter, Hukou-System, Rechtswirklichkeit, Arbeitsbedingungen, Kündigungsschutz, Betriebsbedingte Kündigung, Diskriminierungsschutz, Arbeitsstreitigkeiten, Transformation, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung, die inhaltliche Ausgestaltung und die praktische Anwendung des Arbeitsrechts in der Volksrepublik China.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Prägung des chinesischen Rechtssystems, die Rolle der Gewerkschaften, die Bestimmungen des individuellen Arbeitsvertragsgesetzes und die Diskrepanz zwischen Gesetz und Realität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit das geschriebene Recht in der Praxis umgesetzt wird und welche soziokulturellen Ursachen für die existierenden Missstände verantwortlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literatur- und Gesetzesanalyse, die durch die Auswertung bestehender Statistiken und Berichte ergänzt wird, um die Diskrepanz zwischen Recht und Wirklichkeit darzulegen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Rückschau, die kollektive und individuelle arbeitsrechtliche Analyse sowie eine detaillierte Untersuchung der Missstände auf Mikro- und Makroebene.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsrechtsverstöße, Wanderarbeit, Konfuzianismus, ACGB, Arbeitsvertragsgesetz und soziale Diskrepanz.
Welche Rolle spielt das Konfuzianismus-Verständnis im modernen Arbeitsrecht?
Der Autor zeigt auf, wie konfuzianische Prinzipien der Harmonie und Unterordnung auch heute noch das Verständnis von Arbeitsbeziehungen und die Rolle staatlicher Organisationen beeinflussen.
Warum wird das Hukou-System als zentrales Problem für Wanderarbeiter identifiziert?
Das Hukou-System schränkt die Freizügigkeit ein und führt zu einer sozialen Spaltung, die Wanderarbeitern den legalen Zugang zu sozialen Leistungen und rechtlicher Absicherung in Städten erschwert.
- Citation du texte
- Gökhan Tokay (Auteur), 2018, Arbeitsrecht in der Volksrepublik China. Rechtsentwicklung, Inhalt und Akzeptanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454230