Das Projekt "Tempelhofer Freiheit" und die verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit


Hausarbeit, 2014

7 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung des Konzeptes der VÖA in die Perspektiven der PR

3. Erfordernis des verständigungsorientierten Ansatzes

4. Die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas

5. Das Modell der verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit von Roland Burkarts

6. Praktische Umsetzung in das Projekt „Tempelhofer Freiheit“ mithilfe der PR-Evaluation

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 30. Oktober 2008 schloss der 286 ha große Berliner Flughafen Tempelhof und wird von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nunmehr als Projekt „Tempelhofer Freiheit“1 bezeichnet. Bürgerinitiativen sind jedoch gegen das Projekt der Nachnutzungspläne. Auf diese Weise entstand ein Interessenkonflikt, den es mithilfe der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere mit einem PR-Konzept, zu lösen gilt. Im Zentrum der Hausarbeit steht somit das PR-Konzept der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit von Roland Burkart.

Eingangs wird die Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit (VÖA) zunächst in die Perspektive der PR eingeordnet. Um das Konzept der VÖA besser zu verstehen, soll als nächstes geklärt werden, warum überhaupt ein solcher auf gegenseitiger Verständigung beruhender PR-Ansatz notwendig sein kann. Bevor schließlich das Konzept der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit von Roland Burkart vorgestellt werden kann, wird die Theorie des kommunikativen Handels von Habermann erläutert. Schließlich erfolgt die praktische Anwendung auf das Projekt „Tempelhofer Freiheit“ mithilfe der PR-Evaluation.

2. Einordnung des Konzeptes der VÖA in die Perspektiven der PR

Die PR lässt sich in drei verschiedene Perspektiven unterscheiden: Die organisationstheoretische, die marketingtheoretische und die gesellschaftstheoretische Sichtweise. Bei den Organisations- und marketingtheoretischen Ansätzen steht die Erreichung von Organisations- oder Marketingzielen im Mittelpunkt. Dagegen sucht die gesellschaftstheoretische Sichtweise primär einen Interessenausgleich und Kompromiss von Öffentlichkeit und PR-Betreiber. (Vgl. Burkart/Hörnberg 1992: S.135-138). Demnach ist die VÖA als gesellschaftstheoretischer PR-Entwurf zu verstehen.

3. Erfordernis des verständigungsorientierten Ansatzes

Die Folgen der Industrialisierung, wie z.B. die Umweltverschmutzung oder Massentierhaltung haben zu einem Umdenken der Öffentlichkeit geführt. Der Begriff der Konfliktgesellschaft etabliert sich in unseren demokratisch organisierten Gesellschaften zunehmend. Die Öffentlichkeit wünscht sich Mitsprache und Mitbestimmung und äußert dies z.B. durch Bürgerproteste. Um dem Mitsprachewillen der Bevölkerung gerecht zu werden, sind Kommunikationsstrategien besonders wichtig. Laut Burkart, dem Begründer der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit, soll ein Klima der Verständigung geschaffen werden, indem das bessere Argument und nicht das Firmeninteresse entscheidet.2

Anlass für die Entwicklung des Konzepts der VÖA war vor 21 Jahren (1993) die Planung des Baus von Sonderabfalldeponien in Niederösterreich; dies sorgte für massiven Bürgerprotest. Infolgedessen wurde Burkart von der österreichischen Regierung beauftragt, sich mit dem Konflikt zwischen den Bürgern und der Regierung auseinanderzusetzen und entwickelte in diesem Rahmen seine Theorien. Erstmals publiziert wurde das VÖA-Konzept Anfang der 1990er Jahre.3

Im Folgenden soll geklärt werden, weshalb sich das Konzept der VÖA an die „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas orientiert.

4. Die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas

Die theoretische Grundlage der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit bildet die Theorie des kommunikativen Handelns des Philosophen Jürgen Habermas. Da das VÖA-Konzept annimmt, dass menschliche Kommunikation aus grundsätzlicher Perspektive heraus auf das Ziel wechselseitiger Verständigung hin angelegt ist, knüpft es so an die Absichten Habermas an.4

In der Habermas’schen Theorie spielen die „universalen Geltungsansprüche“ eine maßgebende Rolle. Dies sind Voraussetzungen für Verständigung, die Habermas auf der Grundlage der Sprechakttheorie herleitet; wobei Verstehen und Verständigung durch kommunikatives Handeln oberstes Ziel ist. 5 Die universalen Geltungsansprüche werden im Folgenden kurz erläutert: Die Verst ä ndlichkeit meint das wechselseitige Verstehen der Aussagen der Kommunikationspartner. Dabei ist ein zu erfüllendes Kriterium die gemeinsame Sprache (also: „verständlich“ formulieren). Die Wahrheit geht davon aus, dass die Kommunikationspartner ihr Wissen über die Inhalte teilen und Aussagen über die Wirklichkeit treffen. Die Wahrhaftigkeit dagegen meint das Vertrauen der Kommunikationspartner ineinander. Zu guter Letzt fasst die Richtigkeit auf, dass die Kommunikationspartner ihre Normen und Werte wechselseitig akzeptieren und nicht verletzen.

5. Das Modell der verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit von Roland Burkarts

Das von Roland Burkart entwickelte Modell der Verständigungsorientierten Öffentlichkeitsarbeit dient als Instrument zur Planung und Evaluation von Public Relations, insbesondere zur Analyse von Konfliktkommunikationen. Sie arbeitet mit der zentralen Kategorie der „Verständigung“, die Habermas in seiner Theorie entwickelt hat und versucht Interessenkonflikte zwischen dem PR-Auftraggeber und ihren relevanten Teilöffentlichkeiten zu lösen. Dies wird garantiert, wenn Einverständnis über die kommunikativen Geltungsansprüche zwischen der Kommunikationspartnern herrscht. Diese werden im Folgenden kurz beschrieben: Es ist wichtig, dass die Kommunikationspartner über den Sachverhalt aufgeklärt werden (Was versteht man unter dem Sachverhalt?) und die aufgestellten Behauptungen der PR-auftraggebenden Organisation der Wahrheit entsprechen. Darüber hinaus muss unverkennbar der Verantwortungsträger der Organisation erkennbar sein (Wer tr ä gt die Verantwortung?) und Vertrauenswürdigkeit der Organisation muss vorherrschen. An letzter Stelle steht die Absicht bzw. das Ziel der Organisation, welche wahrnehmbar sein muss (Warum werden die Interessen verfolgt?) und das Einverständnis über die Berechtigung bzw. Legitimität der Interessen.

Insgesamt lassen sich schwerpunktartig 4 Phasen und entsprechende Teilziele im VÖA- Konzept feststellen: Voraussetzung für eine Urteilsbildung zu einem Thema ist die zur Verfügung stehende Information bzw. ausreichendes Wissen aller Beteiligten, das die erste Phase „Informations-Phase“ mit sich bringt. Öffentlichkeitsarbeit muss daher die relevanten Sachverhalte zugänglich machen. Erst auf dieser Basis kann entscheiden werden, ob die nächste PR-Phase einzuleiten ist. Wenn Geltungsansprüche angezweifelt werden, dann ist eine „Diskussions-Phase“ einzuführen. Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit ist es umgehend organisatorische Voraussetzungen für einen Kontakt zwischen Unternehmen und Teilöffentlichkeit(en) zu schaffen. Zumal das VÖA-Konzept entwickelt wurde, um besonders konflikthaltige Situationen zu lösen, ist in der Diskussionsphase zu vermuten, dass sich nicht ausreichend Konsens entwickelt. Im Hinblick darauf steht die dritte Phase, „Diskurs-Phase“, bereit, die den Kommunikationspartnern ermöglicht, das gestörte Einverständnis durch argumentative Begründung wiederherzustellen.6 In der letzten VÖA-Phase, „Situationsdefinition“, wird die erreichte Verständigung, zu denen die vertretenden Sachargumente, die Vertrauenswürdigkeit der Handlungsträger und die Legitimität vertretener Interessen, festgehalten und den Teilöffentlichkeiten kommuniziert.

6. Praktische Umsetzung in das Projekt „Tempelhofer Freiheit“ mithilfe der PR-Evaluation

Am 25.05.2014 stimmte die Mehrheit in Berlin dem Gesetz zur Erhaltung des Tempelhofer Felds zu. Die Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ hat sich somit gegen die Bebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof und somit gegen die

[...]


1 In den Medien wird meist vom Tempelhofer Feld gesprochen.

2 Vgl. Burkart 1997: S. 286-288

3 Vgl. Burkart/Probst 1991

4 Vgl: Burkart 2008: S. 224

5 Vgl. Habermas 1988: 410ff.

6 Vgl. Burkart/Probst 1991: S. 64

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Projekt "Tempelhofer Freiheit" und die verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule
Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH Berlin
Note
1,7
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V454672
ISBN (eBook)
9783668867482
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tempelhofer Feld, Öffentlichkeitsarbeit, Evaluation, PR
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Das Projekt "Tempelhofer Freiheit" und die verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454672

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