Konzepte und Strategien der Selbstdarstellung im Social Network Bereich

Wie haben sich die Konzepte und Strategien der Selbstdarstellung durch soziale Netzwerke am Fallbeispiel Facebook entwickelt?


Hausarbeit, 2013
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpersonale und computervermittelte Selbstdarstellung
2.1. Die Begrifflichkeiten des „Selbst“ und der „Identität“
2.2. Interpersonale Selbstdarstellung
2.2.1. Theoretische Konzepte
2.2.2. Strategien.
2.3. Computervermittelte Selbstdarstellung
2.3.1. Theoretische Konzepte
2.3.2. Strategien
2.4. Zusammenfassung

3. Selbstdarstellung in Sozialen Netzwerken .
3.1. Definition
3.1.1. Soziale Netzwerke
3.1.2. Facebook
3.2. Selbstdarstellung in Sozialen Netzwerken
3.3. Konzepte der Selbstdarstellung am Fallbeispiel Facebook
3.4. Chancen und Risiken
3.5. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Abbildung 2

1. Einleitung

"Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.- Vor wem man glänzt, den lässt man als Licht gelten".1

Dieses Zitat verdeutlicht, dass Menschen danach streben, sich selbst in gewisser Weise versuchen gegenüber anderen Personen darzustellen. Doch was bewegt sie dazu? Wie kommen sie überhaupt zu Erkenntnissen über sich selbst?

Social Media bietet den Menschen der heutigen Gesellschaft neue Möglichkeiten, sich selbst der Welt zu präsentieren. Das mit Abstand erfolgreichste soziale Netzwerk in Deutschland ist Facebook. Ungefähr zwei Drittel der jungen Erwachsenen und Jugendlichen nutzen Facebook täglich"2". Aufgrund dieses Erfolgs wird Facebook als geeignetes Fallbeispiel für diese Hausarbeit erachtet, um die neuen Möglichkeiten der medialen Selbstdarstellung zu verdeutlichen.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen möglichst umfassenden Überblick über die Entwicklung im Bereich der Selbstdarstellung vom interpersonalen zum computervermittelten Bereich mit besonderem Augenmerk auf soziale Netzwerke zu bieten und Strategien sowie Konzepte aufzuzeigen. Welche Intentionen stecken hinter Selbstdarstellung?

Einleitend hierzu wird definiert, was überhaupt das „Selbst“ und „Identität“ sind, um den Übergang zum Begriff der Selbstdarstellung zu ebnen. Anschließend werden die Unterschiede zwischen interpersonaler und computervermittelter Selbstdarstellung aufgezeigt. Aus dem erlangten Wissen werden dann die Konzepte und Strategien im Social Network Bereich ermittelt. Auch hier werden zuerst die Begrifflichkeiten „soziale Netzwerke“ sowie „Facebook“ erläutert. Wer nutzt überhaupt Facebook? Was macht Facebook gegenüber anderen sozialen Netzwerken so attraktiv? Anhand von Facebook werden anschließend die Chancen und Risiken ausgemacht, die durch die Entwicklung der Selbstdarstellung im computervermittelten Bereich entstehen können.

Abschließend kommt das Fazit, in dem die Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst werden und welches die Entwicklungen der menschlichen Selbstdarstellung durch den Social Network Bereich in kompakter Form wiedergibt.

2. Interpersonale und computervermittelte Selbstdarstellung

Das allgegenwärtige Phänomen der menschlichen Selbstdarstellung und wie damit umgegangen wird soll in diesem Abschnitt klar definiert werden.

Um verstehen zu können, wie Menschen ein Verständnis über sich selbst bekommen, wird der Begriff des „Selbst“ und der „Identität“ in Kapitel 2.1.definiert.

Kapitel 2.2 erläutert Konzepte sowie Strategien der Selbstdarstellung im interpersonalen Bereich. Anschließend wird die Selbstdarstellung im computervermittelten Bereich betrachtet (Kap. 2.3), da es hier die meisten Möglichkeiten gibt, sich selbst der breiten Masse zu präsentieren. Die Erkenntnisse über die Selbstdarstellung werden in Kapitel 2.4 zusammengefasst.

Die Begrifflichkeiten dieses Abschnittes orientieren sich maßgeblich an sozialpsychologischen Theorien und berücksichtigen andere theoretische Ansätze nicht.

2.1. Die Begrifflichkeiten des „Selbst“ und der „Identität“

„Identität“ und „Selbst“ sind Begrifflichkeiten, die oft vermischt werden, jedoch zur Erläutern der Selbstdarstellung von entscheidender Bedeutung sind. Sie werden beide in diesem Abschnitt definiert.

Das Identitätskonzept stellt generell die Frage nach dem Selbst. Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Welches sind originäre, individuelle Merkmale meiner Person? Was grenzt mich von Anderen ab?

Das Selbst lässt sich aus sozialpsychologischer Sicht „[…] als die Gesamtheit der auf die eigene Person bezogenen Inhalte samt der auf ihnen operierenden Prozesse auffassen.“3

Identität wird immer in sozialen Situationen vollzogen, also in Auseinandersetzung mit einer Person oder einer Gruppe. Zusätzlich ist sie reflexiv, d.h. dass das Individuum andere Individuen oder Gruppen beobachtet und dann überlegt, welche Trends oder Stilrichtungen es von diesen übernehmen möchte.

„Unter Identität im modernen Sinne versteht man das Bewusstsein einer Person, sich von anderen Menschen zu unterscheiden (Individualität) sowie über die Zeit (Kontinuität) und über verschiedene Situationen (Konsistenz) hinweg im Kern dieselbe, durch bestimmte Merkmale ausgezeichnete Person zu bleiben.“4

Nach dieser Definition wird versucht, bis zum Abschluss der Jugend die einzelnen Identifikationen der eigenen Identitätsmerkmale (z.B. Augenfarbe, Körpergröße, Adresse) und die Aspekte der Selbstwahrnehmung, also welche Wertvorstellung man selbst hat und welche Ziele man sich z.B. setzt, zu einem Ganzen zusammen zu führen. Diese Sicht der Dinge hat sich jedoch im postmodernen Zeitalter, welches Mitte des 20. Jahrhunderts begann und bis in die Gegenwart andauert, grundlegend verändert. Ein schwerwiegender Umbruch in unserer Gesellschaft, welcher ökonomische, technische sowie ökologische Folgen hat und sich auf unseren Alltag, unser Handeln und auf unsere Wertehaltung auswirkt, ist charakteristisch für die Postmoderne. „[…] daß die Welt prinzipiell pluralistisch verfaßt und kein inneres Band mehr denkbar ist, das die einzelnen Splitter zu einer großen Einheit zusammenbinden könnte.“5 Der normale Alltag heutzutage ist also durch eine partikularisierte Gesellschaft gekennzeichnet, in der die Individuen in verschiedene Lebenswelten handeln, für die sie eine entsprechende Teilidentität haben. Das heißt, man hat nicht nur eine einzige Identität, welche ein einheitliches Ganzes bildet, sondern Teilidentitäten, z.B. eine Teilidentität für den Arbeitsplatz, eine für den Sportverein und wiederum eine andere für seine wöchentliche Skatrunde. Laut Keupp ist die Identität also in fortwährender Entwicklung und bekommt von ihm die Bezeichnung „Patchwork“.

Im Bereich der Identität unterscheidet man zusätzlich allgemein zwischen personaler und sozialer Identität. Personale Identität beantwortet die Frage, was uns als Individuum ausmacht. Beispielsweise Haarfarbe, Körpergröße, Gewicht und Beschaffenheit sind ausschlaggebend für die personale Identität. Die soziale Identität hingegen beschäftigt sich mit der Identitätskonstruktion des Individuums in einer Gruppe und greift den Aspekt der Teilidentitäten Keupps auf. „Social identity is defined as that part of the individual’s self-concept which derives from their knowledge of their membership of a social group (or groups) together with the value and emotional significance of that membership.”6

Das Individuum ist also in der Gruppe vertreten, die Gruppe ist aber auch Teil des Individuums und wird als soziale Identität kognitiv repräsentiert.

Die personale Identität zeigt also deutlich, wer man ist, und die soziale Identität beruht auf der Selbstinterpretation als austauschbares Gruppenmitglied.7 Anzumerken ist, dass diese persönlichen Identitäten auch Gruppenmitgliedschaft hervorrufen können, wenn man also z.B. sagt „Ich bin blond“ in einer individualisierten Identität und in einer kollektiven gehört man dann der Gruppe „Wir Blonden“ an. Blond wäre hier ein salientes, also ein hervorstechendes Merkmal für die persönliche sowie soziale Identität des Individuums, da diesem Attribut Wichtigkeit zugesprochen wird.

Da die Selbstkonstruktion ausdrückt, was man selbst nicht ist, kommt es zu Ingroup- Outgroup-Konfrontationen (z.B. Europäer vs. Amerikaner), und somit geht Identitätskonstruktion einher mit Alteritätskonstruktion verschiedener Grade, die von Akzeptanz bis Ablehnung reichen. Soziale Gruppen werden also unterschiedlich bewertet. Manche erscheinen in der breiten Öffentlichkeit mit einer Mehrheit (z.B. Mainstream) und manche mit einer Minderheit (z.B. Punks).

2.2. Interpersonale Selbstdarstellung

„Wir alle spielen Theater“ 8

Goffman drückt mit diesem Titel seines Buches über Selbstdarstellung im Alltag ganz klar aus, wie Menschen miteinander umgehen und wie gehandelt wird, wenn man unter Beobachtung anderer Personen steht.

Bei der interpersonalen Selbstdarstellung werden bestimmte Teilidentitäten seines Selbst einem Gegenüber face-to-face präsentiert, um einen gewissen Eindruck zu hinterlassen, der vermittelt werden möchte. Selbstdarstellung ist nur dann nötig, wenn das eigene Verhalten öffentlich gemacht wird oder generell unter Beobachtung steht. Im Gegensatz zur computervermittelten Kommunikation spielen bei der interpersonalen Kommunikation auch visuelle sowie körperbezogene Aspekte für das Publikum eine Rolle.

2.2.1. Theoretische Konzepte

Einerseits gibt es den Ansatz, dass sich das Individuum davon überzeugen möchte, gewisse Ziele erreichen zu können und dieses unter Nutzung eines Symbols so versucht darzustellen, dass das Gegenüber Einem zutraut, dass man dieses Ziel erreichen könnte. Beispielsweise könnte eine Person einen Basketball mit sich herumtragen, um sich und andere davon zu überzeugen, dass man selbst besonders sportlich ist. Diese Theorie, in der das Individuum also durch Symbole versucht, dem Gegenüber wichtige Persönlichkeitsmerkmale von sich zu zeigen, wird als symbolische Selbstergänzung definiert9.

Andererseits steuern Menschen ihr soziales Verhalten so, dass der Eindruck, der gegenüber der Öffentlichkeit erzeugt wird, möglichst günstig ist. Günstig ist in diesem Zusammenhang nicht mit positiv gleichzusetzten, da es in manchen Situationen auch das Ziel sein kann, möglichst unfähig oder auch nervenschwach zu erscheinen, um ungewollten Situationen aus dem Weg zu gehen. Mit günstig ist also ein Eindruck gemeint, der vermittelt werden soll, welcher ein bestimmtes Ziel verfolgt, z.B. eine bestimmte Aufgabe nicht bearbeiten zu müssen oder eine bestimmte Arbeitsstelle nicht zu bekommen.10 Das Individuum versucht also zu kontrollieren und zu steuern, wie es anderen Menschen einen gewissen Eindruck über sich selbst vermitteln kann.11

2.2.2. Strategien

Erfolgreiche Selbstdarstellung muss taktisch sowie inhaltlich auf den Gegenüber und dessen Erwartungen als auch Interpretationsmöglichkeiten justiert sein. Je intensiver hierbei der Kontakt ist, desto nötiger und vorteilhafter ist das Justieren der Selbstdarstellung. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass es bei längerem Kontakt zu einer Person auch zu Diskrepanzen zwischen der Darstellung gegenüber anderen und der eigenen Selbstdefinition kommen könnte. Die Auswahl einer gewissen Strategie oder Taktik ist abhängig von einem gewissen Ziel. Wie schon beim Konzept genannt, soll ein möglichst günstiger Eindruck vermittelt werden, der durch unterschiedliche Strategien vermittelt werden kann. Diese Strategien kann man im interpersonalen Bereich unterteilen in vier Dimensionen. Laut Lindskold, Rosenfeld und Tedeschi (1985) kann man die Strategien zum einen in kurzfristige (taktische) und zum anderen in langfristige (strategische) Bereiche der Selbstdarstellung unterteilen.12 Zusätzlich wird auf der menschlichen Verhaltensebene zwischen assertive13 und defensive unterschieden.14 Hier nun die unterschiedlichen strategischen Möglichkeiten im Bereich der Selbstdarstellung:

Vier Dimensionen der strategischen Selbstdarstellung:

1. Beispiele, bei denen man kurzfristig eine assertive Selbstdarstellung intendiert, um den eigenen Einfluss zu vergrößern:

- „self-promotion“: sich als besonders kompetent darstellen
- „supplication“: sich als hilfsbedürftig geben
- „ingratiation“: sich einschmeicheln
- „intimidation“: jemanden einschüchtern

2. Beispiele, bei denen man kurzfristig eine defensive Selbstdarstellung intendiert, um den möglichen Verlust seines eigenen Ansehens zu verhindern:

- „justifications“: sich gegenüber etwas/jemanden rechtfertigen
- „apologies“: sich entschuldigen
- „predicaments“: sich aus einer Situation herauswinden
- „excuses“: sich als nicht schuldig/verantwortlich darstellen

3. Beispiele, bei denen man langfristig eine assertive Selbstdarstellung intendiert, um das eigene Ansehen zu erhöhen:

- „credibility“: sich als glaubwürdig präsentieren
- „prestige“: elitäres Auftreten/Verhalten
- „expertise“: sich als Experte darstellen und erweisen
- „attractiveness:“ sich freundlich und liebenswert präsentieren

[...]


1 Nietzsche, 1880, §254

2 vgl.Klingler et al., 2012

3 Döring, 2002, zit. nach Staudinger et al., 1997, S.7

4 Döring, 2002, vgl. Erkson, 1956/1966, S.107

5 Sistig, 2003, zit. nach Wittstock, 1994, S.7

6 Hastedt, 1998, zit. nach Tajfel, 1981, S.255

7 Vgl. Döring, 2002

8 Goffman, 2003

9 Witte, 2006, vgl. Gollwitzer et al., 2002, S. 22

10 vgl.Döring, 2002

11 Witte, 2006, vgl. Mummendey, 2002

12 Habermas, 1996, vgl. Tedeschi et al., 1985

13 assertive bedeutet so viel wie durchsetzungsbereit

14 Witte, 2006, vgl. Mummendey, 2002

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Konzepte und Strategien der Selbstdarstellung im Social Network Bereich
Untertitel
Wie haben sich die Konzepte und Strategien der Selbstdarstellung durch soziale Netzwerke am Fallbeispiel Facebook entwickelt?
Hochschule
Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V454680
ISBN (eBook)
9783668877221
ISBN (Buch)
9783668877238
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Media, Selbstdarstellung, Soziale Netzwerke
Arbeit zitieren
Else Kunze (Autor), 2013, Konzepte und Strategien der Selbstdarstellung im Social Network Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454680

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