Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und Nonprofit-Organisationen am Beispiel der Bekämpfung von Tuberkulose


Seminararbeit, 2016
27 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abstract

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 NPO
2.2 Abgrenzung zu NGO
2.3 Der dritte Sektor

3. Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Staat und NPOs
3.1 Gidron, Kramer und Salamon
3.2 Coston
3.3 Brinkerhoff

4. Zusammenarbeit in der Praxis
4.1 Zusammenarbeit in der Schweiz
4.2 Lungenliga
4.3 Beispiel: Leistungsvertrag Tuberkulose

5. Diskussion

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichn

Abstract

Die öffentliche Debatte im Bereich Wohlfahrt und soziale Dienste dreht sich häufig darum, welchen Bereich der Staat, der Markt oder der gemeinnützige Sektor übernehmen soll. Nicht selten wird dabei vergessen, inwieweit die drei Sektoren miteinander verflochten sind. Stattdessen dienen Vorurteile und Stereotypen als vereinfachte Erklärungsversuche. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem Ausmass der Verknüpfungen und Beziehungen zwischen dem ersten Sektor, dem Staat, und dem dritten Sektor, dem Nonprofit-Sektor. Diese Zusammenarbeit soll anhand eines Fallbeispiels der Beziehung zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung veranschaulicht werden. Dafür werden drei Theorien von Gidron et al., Coston und Brinkerhoff erörtert, die ihrerseits unterschiedliche Prioritäten setzen. Dabei wird das Fazit gezogen, dass sich die Theorie von Jennifer Coston die genauste Kategorisierung des Fallbeispiels zulässt.

1. Einleitung

Der öffentliche Diskurs im Bereich Wohlfahrt und soziale Dienste dreht sich häufig darum, welchen Bereich der Staat, der Markt oder der gemeinnützige Sektor übernehmen soll. Dabei wird die Debatte häufig von Stereotypen und Vorurteilen dominiert. Dem Staat wird nachgesagt, er sei monolithisch, aufdringlich, unbeholfen und aufgebläht. Vertreter der freien Marktwirtschaft fordern daher Downsizing und die Einführung Business-ähnlicher Praktiken. Der freie Markt wird dagegen so wahrgenommen, dass er die Ressourcen am effektivsten aufteilt und stets die kostengünstigste Lösung zu nutzen versucht. Allerdings wird Märkten auch vorgehalten, dass sie kompromisslos und gleichgültig seien und ihre wirtschaftlichen Interessen über jene der Gesellschaft stellen. Im Gegensatz dazu gelten NPOs als nachsichtige und gutherzige Akteure, denen es gelingt Freiwillige zu motivieren, die mit der Gemeinschaft verbunden und von Idealen angetrieben sind. Wenn der eine Sektor den anderen gegenüber in der Debatte bevorzugt wird, geht häufig vergessen, inwieweit die drei Sektoren miteinander verflochten sind (Brinkerhoff/Brinkerhoff 2002: 3).

Grundsätzlich sind sich Experten einig, dass kein Sektor alleine fähig ist alle Bedürfnisse abzudecken. Ein genauerer Blick macht die Zusammenhänge und Verknüpfungen zwischen allen drei Sektoren offensichtlich und betont nicht nur ihre Unterschiede, sondern auch deren gemeinsame Interessen (Brinkerhoff/Brinkerhoff 2002: 3). Der Schwerpunkt in dieser Arbeit liegt auf dem Ausmass der Staat/Nonprofit-Beziehungen. Das Verständnis davon, wie Nonprofit-Organisationen und die Regierungen zusammenarbeiten, hat sich dabei stets gewandelt. Das Fazit war jeweils dasselbe: Die Arten der Interaktionen zwischen den beiden sind nicht nur vielfältig, sondern variieren während unterschiedlicher Zeitperioden und in verschiedenen Dienstfeldern (Ramanath 2011: 530).

Ziel dieser Arbeit ist es, die Zusammenarbeit zwischen dem Staat und NPOs in der Schweiz anhand eines Fallbeispiels zu veranschaulichen. Bei der ausgesuchten Organisation handelt es sich um die Lungenliga, einem national bekannten Verband, der sich für die Anliegen und Interessen von Lungenerkrankten einsetzt.

Dabei soll die folgende Frage im Zentrum stehen:

- Inwieweit eignen sich soziologische Modelle zur Erklärung von Staat/Nonprofit- Beziehungen um die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung zu beschreiben?

Um dies Frage zu beantworten werden zuerst die wichtigsten Begriffe rund um das Thema NPOs und den dritten Sektor genauer erläutert. In einem zweiten Schritt werden verschiedene Modelle vorgestellt, die die Zusammenarbeit und Partnerschaften zwischen dem Staat und dem dritten Sektor möglichst umfassend zu erklären versuchen. Namentlich werden eine Theorie von Gidron, Kramer und Salamon, eine von Jennifer Coston, sowie eine weitere von Jennifer Brinkerhoff vorgestellt. Im Anschluss daran werden Hintergrundinformationen über die verschiedenen Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Schweiz und ein konkretes Beispiel über die Beziehung zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung beschrieben. In Kapitel 5 wird dann die Relevanz der vorgestellten Modelle im Zusammenhang mit dem Fallbeispiel und dem erweiterten Kontext betrachtet. Schliesslich wird noch ein Fazit über die gesamte Thematik gezogen.

2. Definitionen

Um den Nonprofit-Sektor und dessen Organisationen zu beschreiben und zu definieren, existieren vielseitige Begriffe, die sich je nach Art der Literatur stark überschneiden. Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Synonyme eingeschlichen, überwiegend im angelsächsischen Raum. Beispiele hierfür sind major group, Interessengruppe, private Freiwilligenorganisation, unabhängiger Freiwilligensektor, Zivilgesellschaftsorganisation, Dritter-Sektor-Organisation, Graswurzelorganisation, Aktivistenorganisation, gemeinnützige Einrichtung oder professionelle Bürgerorganisation. (Frantz/Martens 2006: 22). Eine ausführliche Begriffsdiskussion würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten. Trotzdem wird hier aus Gründen der Verständlichkeit kurz auf die am häufigsten verwendeten Begriffe NPO, NGO und dritter Sektor und deren zentrale Unterschiede eingegangen.

2.1 NPO

Allgemein ist die Definition von Nonprofit-Organisationen sehr breit und oftmals werden sie als all jene Organisationen verstanden, die weder privatwirtschaftliche Firmen noch öffentliche Behörden des Staats- oder Kommunalapparats sind. Überdies werden NPOs als Organisationen bezeichnet, die einen gesellschaftlich als sinnvoll und notwendig angesehen Leistungsauftrag ausführen, dabei aber nicht primär auf die Profitmaximierung fokussiert sind. Darüber hinaus dürfen NPOs keine Überschüsse an ihre Eigentümer oder Mitglieder ausschütten. Sie weisen ein Minimum an Selbstverwaltung und Entscheidungsautonomie auf und sind ferner durch einen gewissen Grad an Freiwilligkeit charakterisiert. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen NPO sowohl professionelle als auch freiwillige Arbeitskraft. Daneben gilt es Finanz- und Betriebsmittel rationell zu beschaffen und einzusetzen, um die effizienteste Zweckerfüllung zu geringstmöglichen Kosten zu erreichen (Gabler Wirtschaftslexikon a). Zu den Tätigkeitsfeldern der NPO zählen hauptsächlich folgende Bereiche: Kultur- und Erholungsbereich, Bildungs- und Erziehungswesen, Gesundheits- und Katastrophenhilfewesen, Entwicklungszusammenarbeit, Sozialwesen und die Politische Landschaft. Zu ihren Aufgaben gehören dabei: Erstens die kollektive Selbsthilfe von Gruppen, das heisst die direkte Unterstützung, Förderung der Mitglieder durch Leistungen wie Informationen, Beratung, Schulung, Versicherung und ähnlichem. Zweitens die karitative Fremdhilfe, das heisst beispielsweise die Abgabe von Dienst- oder Finanzleistungen an bedürftige Dritte, oft unentgeltlich oder zu geringen Gebühren. Drittens die Interessenvertretung, das heisst die Durchsetzung der Trägerinteressen oder -ideologien durch die Beeinflussung politischer Prozesse - das Lobbying (Gabler Wirtschaftslexikon a).

2.2 Abgrenzung zu NGO

Ebenfalls häufig wird in diesem Zusammenhang von NGOs gesprochen, was sich als Akronym des englischen Begriffs Non-Governmental Organization herleitet. Im deutschen Sprachraum ist auch die Übersetzung Nichtregierungsorganisation oder die Abkürzung NRO gebräuchlich. Der Begriff ist auf den Artikel 71 der UNO-Charta zurückführen. In diesem Artikel wurde das grundsätzliche Prinzip der Konsultation von NGOs mit der UNO niedergeschrieben. Seit dessen Einführung stieg die Bekanntheit des Begriffs stetig (Frantz/Martens 2006: 20).

Trotz dieser zunehmenden Popularität im Verlaufe der Jahre sucht man vergebens nach einer einheitlichen Definition. Statt darzulegen, was den Organisationstyp charakterisiert und auszeichnet, wird primär erläutert, was nicht unter den Sammelbegriff fällt (Frantz/Martens 2006: 21). Oftmals führt dies zu Verwechslungen mit dem Begriff NPO und sie werden synonym verwendet. In dieser Arbeit sollen die Begriffe jedoch klar voneinander abgegrenzt werden. Als NGO soll daher eine international agierende Organisation bezeichnet werden, die sich auf politischer Ebene für die Rechte Dritter einsetzt. Somit bildet eine NGO eine Unterkategorie der NPOs und des dritten Sektors (von Schnurbein 2008: S13).

2.3 Der dritte Sektor

Wie bereits eingangs erwähnt, lassen sich Organisationen und Institutionen grundsätzlich in drei Sektoren unterteilen. Beim ersten Sektor, dem Staatssektor, lassen sich Institutionen des politischen Systems und der Gerichtsbarkeit zuordnen, sowie einem verfassungsrechtlichen Regelwerk, auf das die Institutionen gegründet sind. Aktivitäten in diesem Sektor können nebst auf der lokalen und nationalen, auch auf der transnationalen respektive der supranationalen Ebene stattfinden. Schliessen sich Staaten auf dieser Ebene zu Institutionen zusammen, werden sie als supranationale Organisationen oder Regierungsorganisationen bezeichnet. Die wohl bekanntesten Beispiele hierfür sind Institutionen wie die UNO oder die EU (Frantz/Martens 2006: S. 18).

Beim zweiten Sektor handelt es sich um den privaten Wirtschaftssektor oder schlicht um den Markt. Der Markt lässt sich auch als Treffpunkt des gesamtwirtschaftlichen Angebots und Nachfrage definieren. Personen und Unternehmen treten als Nachfrager oder Anbieter auf und die Deckung individueller Bedürfnisse und Bedarfe respektive die Maximierung des Profits steht dabei im Zentrum der Marktteilnehmer (Frantz/Martens 2006: 18f).

Neben diesen beiden traditionellen Sektoren, existiert allerdings noch ein dritter Sektor, der die Nonprofit-Organisationen umfasst (Frantz/Martens 2006: 19). Der dritte Sektor versteht sich als Zwischenform zu den beiden bekannten Sozialkonstrukten. Einerseits sollen deren Schwächen, das heisst die Bürokratielastigkeit beziehungsweise Gewinnmaximierung um jeden Preis, miniert und andererseits deren Vorzüge, also die Vorhersehbarkeit und öffentliche Kontrolle respektive die Flexibilität und Effektivität, inkorporiert werden. Hiermit werden die beiden am häufigsten genannten Erklärungsversuche für die Entstehung des Dritten Sektors impliziert: Staatsversagen und Marktversagen (von Schnurbein 2008: 13).

In der Vergangenheit wurde oft argumentiert, dass es allein dem Staat überlassen bleibt, Kollektivgüter zu produzieren, da die Erwerbswirtschaft diese aufgrund des Trittbrettfahrer- Problems nicht anbieten will. Allerdings geschieht es häufig, dass der Staat beispielsweise aufgrund demokratischer Mehrheiten nicht willig oder im Stande ist, diese Kollektivgüter auch tatsächlich anzubieten. Demokratien orientieren sich am Willen der demokratischen Mehrheit und dies kann dazu führen, dass Bedürfnisse einer bedeutenden Minderheit nicht berücksichtigt werden können. An diesem Schwachpunkt setzten die Nonprofit-Organisationen an, um ein pluralistisches Angebot sicherzustellen (von Schnurbein 2008: 14).

Alternativ wird die Entstehung des dritten Sektors mit den Schwächen der Erwerbswirtschaft begründet. Sie vertreten die Ansicht, dass besonders im Bereich der Sozialdienste und der privaten Wohlfahrt Konsumenten Nonprofit-Organisationen den wirtschaftlichen Unternehmen vorziehen, da den NPOs altruistische Motive zugesagt werden. Hingegen erscheinen wirtschaftliche Unternehmen weniger vertrauenswürdig, da ein asymmetrischer Zugang zu Informationen über die Qualität der Leistung zwischen dem Anbieter und dem Klient besteht (von Schnurbein 2008: 14f). Unter bestimmten Umständen der Informationsasymmetrie kann es zu Markversagen kommen. Da der Nachfrager die Qualität der Dienstleistung kaum überprüfen kann, besteht für den Anbieter die Verlockung, minderwertigere Leistungen zu einem verhältnismässig zu hohen Preis anzubieten. Bei einer Nonprofit-Organisation besteht diese Gefahr nicht, da sie dem non-distribution-constraint oder zu Deutsch, dem Ausschüttungsverbot unterliegen. NPOs wirken daher vertrauensvoller, weil sie sich bei der Erbringung ihrer Leistungen einer Leitidee verpflichten und das Profitinteresse nicht über das Interesse dieser Leitidee stellen (Aldoff 2010:142).

Im alltäglichen Sprachgebrauch findet der Begriff dritter Sektor jedoch eher wenig Verwendung. Vermutlich auch deshalb, weil darunter der Dienstleistungssektor als Teil der drei Wirtschafssektoren nebst der Landwirtschaft und der Industrie verstanden wird (Gabler Wirtschaftslexikon b).

3. Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Staat und NPOs

Die Kollaborationen von NPOs und Regierungen wurden aus allmöglichen Blickwinkeln untersucht. Wie sich schon die Definition und Beschreibung des gemeinnützigen Sektors als sehr komplex herausstellte, zeigt sich bei der Zusammenarbeit mit dem Staat ein ähnliches Bild. Ein gutes Modell soll sowohl der Vielfältigkeit der Organisationen des Sektors selbst, sowie den Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern weltweit Rechnung tragen. Des Weiteren gilt es dabei, die Schlüsselelemente des Sektors zu klären und einen sinnvollen Vergleich zu ermöglichen. Diese angesprochene Vielfalt führt zu teilweise erheblichen Einschränkungen, wenn es um die Verallgemeinerbarkeit von Schlussfolgerungen geht. Trotz dieser Probleme wurden in Theorie und Praxis zahlreiche Modelle, nuancierte Analysen und Theorien durchgeführt und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen (Brinkerhoff/Brinkerhoff 2002: 3).

Folgend soll eine Auswahl von möglichst umfassenden Frameworks präsentiert werden, die darauf abzielen, verschiedene Arten von zwischenstaatlichen und sektorübergreifenden Beziehungen zu unterscheiden. Alle der hier vorgestellten Modelle versuchen, der Vielfalt und Kontexte der Beziehungen gerecht zu werden und gleichzeitig das Verständnis von Optionen und Möglichkeiten zu verbessern (Brinkerhoff/Brinkerhoff 2002: 7f). Zudem sollte festgehalten werden, dass die nachfolgende Auswahl von Theorien und Modellen nicht den Anspruch hat, der Vielfalt der Theorie gerecht zu werden. So werden zum Beispiel Modelle, die sich nur auf die Angebots- beziehungsweise auf die Nachfragereite beschränken, nicht miteinbezogen.

3.1 Gidron, Kramer und Salamon

Im Fokus des Modells von Gidron, Kramer und Salamon liegt das Verhältnis zwischen Regierung und dem freiwilligen Sektor im modernen Wohlfahrtsstaat (Dollery et al. 2002: 159). Dabei behaupten sie, dass die sozialwissenschaftliche Forschung lange von der Ansicht über ein angeblich kompetitives Verhältnis zwischen dem Staat und NPOs dominiert wurde. Die Wahl habe dabei jeweils nur zwischen staatlicher Dominanz oder der Dominanz des dritten Sektors bestanden. Diese Ansicht sei vor allem durch die ökonomische Sicht des Nullsummenspiels geprägt gewesen – des einen Gewinn ist des anderen Verlust. Nach dieser Auffassung geschah die Ausweitung des Wohlfahrtsstaates in den vergangenen fünfzig Jahren weitgehend auf Kosten des freiwilligen Sektors. Dieser Ansicht treten sie deutlich entgegen. Tatsächlich werde keiner der beiden Sektoren vom anderen dominiert, sondern die Unterscheidung entstehe lediglich bezüglich des Ausmasses der Zusammenarbeit (Dollory et al. 2002, 9).

Ausgehend von Gidron, Kramer und Salamon können vier Modelle von sozialen Wohlfahrtsstaaten unterschieden werden. Es wird stets zwischen der Autorisierung und Finanzierung sowie der tatsächlichen Ausführung unterschieden. Hierbei liegt die Verantwortung für die erste Aufgabe eher beim Staates, während die zweite Aufgabe von NPOs oder privatwirtschaftlichen Unternehmen übernommen wird (Salamon/Anheier 1998):

1. Das government-dominant model, beschreibt ein Modell, in dem der Staat die höchste Rolle bei öffentlichen Versorgungsdiensten übernimmt (Salamon/Anheier 1998). Steuereinnahmen garantieren dabei die notwendige Finanzierung und die Beamten erbringen die Dienstleistungen. Diese Art ist in hohem Masse repräsentativ für den modernen Wohlfahrtsstaat (Dollery et al. 2002, 15).
2. Das third sector-dominant model, indem solche Aufgaben hauptsächlich von Nonprofits übernommen werden (Salamon/Anheier 1998). Dieses Modell ist typischerweise vorherrschend, wenn aus ideologischen oder sektiererischen Gründen erhebliche Opposition für die Beteiligung der Regierung besteht (Dollery et al., 15).
3. Sowohl das dual model, wie auch das collaborative model fallen zwischen die beiden Extreme, bei denen sich die Finanzierung und die Ausführung auf den Staat und die NPOs verteilen (Salamon/Anheier 1998). Gidron, Kramer und Salamon identifizieren unterschiedliche Formen, die im dual model auftreten können: Beispielsweise können Nonprofits die Leistungen des Staates ergänzen und dieselben Dienste ausführen, aber an andere Gruppen gerichtet, die aus bestimmten Gründen nicht vom Staat erreicht werden. Allerdings kann der dritte Sektor das Angebot auch des Staates komplementieren, indem sie Aufgaben übernehmen, die nicht durch staatliche Handlungen gedeckt werden. Die dabei wohl zentralste Auffälligkeit ist das Nebeneinanderbestehen von zwei grossen, aber relativ autonomen Sektoren, die wenig miteinander interagieren (Dollery et al. 2002, 15). Das collaborative model ist ebenfalls eine Zwischenform, jedoch arbeiten die beiden Sektoren im Gegensatz zum dual model stärker zusammen. Zusätzlich wird bei diesem Modell nach Grad der Entscheidungsfreiheit von NPOs unterschieden. Bei der vendor variante übernehmen die NPOs weniger Verantwortung und sind primär als Vermittler tätig. Hingegen verfügen sie bei der partnership variante über wesentlich mehr Entscheidungsfreiheit (Salamon/Anheier 1998). Sie dürfen einen wesentlichen Teil der Verantwortung für sich beanspruchen, indem sie die Programme entweder verwalten oder dem politischen Prozess bei der Entwicklung teilhaben (Dollery et al. 2002, 16).

Abschliessend halten Gidron, Kramer und Salamon fest, dass nicht nur das Vorkommen dieser vier Modelle von Land zu Land differiert. Selbst innerhalb eines Landes kann die Vorherrschaft eines bestimmten Modells unter bestimmten Teilsektoren ziemlich verschieden sein (Dollery et al. 2002, 16).

3.2 Coston

Nach dem Modell von Coston können die Beziehungen zwischen Regierung und NPOs auf einem Kontinuum gesetzt werden, das von Repression and Rivalry an einem Ende, bis zu Collaboration am anderen Ende reicht. Auf diesem Kontinuum existieren ausserdem die Zwischenformen Competition, Contracting, Third-party government, Cooperation und Complementarity (Furneaux/Ryan 2014: 1121). Miteinbezogen werden dabei unter anderem folgende Faktoren: Der Widerstand der Regierung oder die Akzeptanz von institutionellem Pluralismus, das relative Machtverhältnis in der Beziehung, der Grad und die Häufigkeit der Interaktionen (Coston 1998: 358).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und Nonprofit-Organisationen am Beispiel der Bekämpfung von Tuberkulose
Note
1,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V454866
ISBN (eBook)
9783668872226
ISBN (Buch)
9783668872233
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tuberkulose, NGO, Staat, Gesundheit, Soziologie, Politik, Politikwissenschaft, Lungenliga, Schweiz
Arbeit zitieren
Angela Gubser (Autor), 2016, Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und Nonprofit-Organisationen am Beispiel der Bekämpfung von Tuberkulose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454866

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