Warum sollten Auslassungszeichen Teil des Deutschunterrichtes sein? Funktion und Bedeutung unterschiedlicher Auslassungszeichen im schulischen Kontext


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeichensetzung

3. Interpunktion im historischen Zusammenhang

4. Auslassungszeichen
4.1. Ergänzungsstrich
4.2. Gedankenstrich
4.3. Apostroph
4.4. Auslassungspunkte

5. Auslassungszeichen im Schul- & Unterrichtskontext

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einleitung

Auslassungszeichen sind nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der Interpunktion, sondern auch ein häufiger Bestandteil unseres Alltags. Letzteres wird jedoch oft nicht bewusst wahrgenommen. Die folgenden zwei Beispiele zeigen jedoch einen kleinen Ausschnitt, wie unterschiedlich und dennoch alltäglich Auslassungszeichen auftreten können.

Die "Schwalbe" fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug
wie Flocken vom Schnee,
von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
die Herzen aber sind frei und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Frau’n
im Dämmerlicht schon das Ufer schau’n
und plaudernd an John Maynard heran
tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund’:
" Noch dreißig Minuten...Halbe Stund’."

Auszug aus „John Maynard“ von Theodor Fontane (Lyrikwelt1 )

In dem Auszug aus dem Gedicht „John Maynard“ von Theodor Fontane, welches von vielen Schülerinnen und Schülern im Deutschunterricht behandelt wird, finden sich verschiedene Auslassungszeichen, wie ein Gedankenstrich (Buffalo -), mehrere Apostrophe (Frau’n / schau’n / Rund’ / Stund’) und Auslassungspunkte (noch dreißig Minuten...Halbe Stund’). Doch nicht nur in der Lyrik sind Auslassungszeichen zu finden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Abbildung wurde aus redaktionellen Gründen entfernt.

Wie dieser Screenshot der Applikation „WhatsApp“, einem Instant-Messaging-Dienst, zeigt, finden sich Auslassungszeichen im ganz alltäglichen Gebrauch in vielerlei Hinsicht. Gerade auch im Instant-Messaging selbst werden Auslassungszeichen immer wieder verwendet und Nachrichten durch diese ergänzt.

Doch welche Bedeutung haben diese besonderen Satzzeichen? Welchen Zweck erfüllen sie? Und wieso ist es wichtig, diese bewusst zu einem Teil des Deutschunterrichts zu machen?

Diesen und weiteren Fragen wird die vorliegende Arbeit in den nächsten Kapiteln auf den Grund gehen. Dazu wird im folgenden Kapitel zunächst die Zeichensetzung näher erläutert, da Auslassungszeichen einen wesentlichen Teil der Interpunktion bilden, woraufhin diese auch im historischen Zusammenhang, besonders im Rahmen der Rechtschreibreform, erläutert werden. Anschließend werden Auslassungszeichen und ihre allgemeine Funktion beschrieben, woraufhin die verschiedenen Auslassungszeichen einzeln definiert werden. Um die Bedeutung der Auslassungszeichen für den schulischen Kontext aufzuzeigen, wird abschließend, unter anderem anhand des aktuellen Bildungsplanes, analysiert, welche Rolle die Auslassungszeichen im schulischen Kontext bereits spielen und wieso die Vermittlung dieser im Deutschunterricht sehr wichtig ist. Den Schluss bildet ein Fazit der Arbeit mit einem Ausblick auf weitere Fragestellungen, welchen noch näher nachgegangen werden kann.

2. Zeichensetzung

Die Zeichensetzung der deutschen Orthographie beinhaltet verschiedene Aspekte. Der Begriff Zeichensetzung selbst ist gleichbedeutend mit dem Begriff Interpunktion. Betrachtet man geschriebenen Sätzen, so findet sich immer eine Struktur, die durch Interpunktionszeichen vorgegeben wird. Daher stehen diese nie unverbunden nebeneinander (vgl. Duden-Grammatik4, S. 1079). Vereinfacht ausgedrückt kann also festgestellt werden, dass geschriebene Texte durch Satzzeichen gegliedert sind, woraus eine erhöhte Lesbarkeit resultiert (CanooNet2 ). Die verschiedenen Interpunktionszeichen können auf Wort-, Satz-, oder Textebene vorkommen (vgl. Duden-Grammatik4, S. 1083). Dabei spiegeln sie syntaktische Bezüge wider und sind auf verschiedene Art und Weisen textuell zu deuten, da Interpunktionszeichen inhaltlich oft nur geringfügig festgelegt sind. Hierbei nehmen sie jedoch eine Sonderstellung ein, denn sie sind „eng mit den kulturellen Normen des Schreibens verbunden“ (Duden-Grammatik4, S. 1079). Laut Nerius (2007) hingegen, ist die Interpunktion im Vergleich mit der Aussage des Dudens (vgl. Duden-Grammatik4, S. 1079) mehr als nur geringfügig festgelegt, denn es bestünde zwar eine gewisse Variabilität, jedoch halte sich diese in einer Vielzahl von Texten und Stilrichtungen in engen Grenzen. Die unterschiedlichen Satzzeichen erfüllen dabei ganz unterschiedliche Funktionen (CanooNet3 ).

Im Amtlichen Regelwerk werden Satzzeichen als „Grenz- und Gliederungszeichen“ definiert. Das Amtliche Regelwerk betont auch die Funktion der Satzzeichen, „besondere Aussageabsichten, [...] Einstellungen [...] oder stilistische Wirklungen“, zu verdeutlichen (Amtliches Regelwerk 2006, S. 73). Zu den verschiedenen Interpunktionszeichen zählen der Punkt, das Fragezeichen, das Ausrufezeichen, das Komma, der Strichpunkt, der Doppelpunkt, der Gedankenstrich, der Aufzählungsstrich, die Anführungszeichen, Klammern, drei Auslassungspunkte und der ansteigende Schrägstrich (vgl. Duden-Grammatik4, S. 1079-1083).

Maas (1992) stellt ein Reihenschema auf, um die Interpunktionszeichen der deutschen Orthographie „nach den Konsequenzen für die weitere Textgestaltung im Hinblick auf Klein- und Großschreibung“ zu gruppieren (vgl. Maas 1992, S. 81).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik „Reihenschema“ (Maas 1992, S. 81)

Folglich stehen Satzschlusszeichen, wie der Punkt, das Ausrufezeichen und das Fragezeichen in der ersten Reihe seines Schemas, da diesen folgend mit einem Großbuchstaben weitergeschrieben werden muss. In der zweiten Reihe seines Schemas kategorisiert Maas den Doppelpunkt, da dieser sowohl eine Schlußzeichenfunktion haben kann, in welchem Fall groß weitergeschrieben werden kann, aber auch in anderer Funktion vorkommt (mit folgender Kleinschreibung). In gleicher Weise mehrfunktional sind die Anführungszeichen, die außer in [zweiter Reihe hier] in [fünfter Reihe] als paarige Zeichen zusammen mit den Klammern aufgeführt werden; bei der direkten Rede erfordern sie die Großschreibung unmittelbar nach dem ersten Anführungszeichen, [weshalb diese auch in der zweiten Reihe gruppiert sind], nicht aber bei der Benutzung zur Hervorhebung [...] (Maas 1992, S. 81).

In der dritten Reihe dieses Schemas stehen das Semikolon und das Komma, während sich der aufsteigende Schrägstrich und der Gedankenstrich in der vierten Reihe befinden (vgl. Maas 1992, S. 81). Im Gegensatz zum Duden (vgl. Duden-Grammatik4, S. 1079-1083) zählt Maas (1992) den Aufzählungsstrich sowie die drei Auslassungspunkte als Interpunktionszeichen in seinem Schema nicht auf.

Das Amtliche Regelwerk hingegen unterscheidet Satzzeichen zur Kennung des Schlusses von Ganzsätzen (Punkt, Ausrufezeichen, Fragezeichen), zur Gliederung innerhalb von Ganzsätzen (Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Gedankenstrich, Klammern), zur Anführung von Äußerungen oder Textstellen bzw. zur Hervorhebung von Wörtern oder Textteilen (Anführungszeichen), zur Kennzeichnung der Wörter bestimmter Gruppen (Punkt nach Abkürzungen bzw. Ordinalzahlen, Schrägstrich) sowie zur Markierung von Auslassungen (Apostroph, Ergänzungsstrich, Auslassungspunkte) (Amtliches Regelwerk 2006, S. 73).

Auslassungszeichen sind folglich in die Thematik der Interpunktion eingebettet und somit auch ein wichtiger und bedeutender Bestandteil der deutschen Rechtschreibung.

Um die unterschiedlichen Interpunktionszeichen gesamthaft aufzuzeigen, findet sich in der nachfolgenden Tabelle eine Übersicht aller erwähnten Satzzeichen inklusive ihrer Funktionen. Verdeutlicht wird dies durch verschiedenen Beispielen:

Übersicht der Interpunktionszeichen und ihrer Funktionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle „Übersicht der Interpunktionszeichen und ihrer Funktionen“ (CanooNet4 )

3. Interpunktion im historischen Zusammenhang

Die Entwicklung der Alphabetenschriften weist zum einen Systeme ohne Leerzeichen (scriptio continua) sowie Systeme mit Leerzeichen (scriptio discontinua) auf (vgl. Bredel 2011, S. 11). Interpunktionszeichen wurden in diesen Systemen relativ willkürlich verwendet und waren keinen Regeln untergeordnet, denn sie dienten lediglich der besseren bzw. schnelleren Lesbarkeit der Texte. Mit dem Durchsetzten der Systeme mit Leerzeichen konnte auch ein starker Rücklauf der Verwendung der Interpunktionszeichen vermerkt werden, da diese infolge der Leerzeichen, vor erst nicht mehr nötig schienen, um Texte leichter lesbar zu gestalten. So wurden Interpunktionszeichen erst zur Zeit des Buchdrucks im 18. Jahrhundert vermehrt verwendet und systematisiert (vgl. Bredel 2011, S.11-13).

Im ersten Volksduden aus dem Jahr 1901 ist keine Regelung zur Interpunktion zu finden (vgl. Bredel 2011, S. 1). Im Jahr 1915 wurde dann jedoch der Interpunktionspassus hinzugefügt, welcher bis zur letzten Dudenauflage vor der Reform übernommen wurde und eigentlich aus dem Jahr 1876 stammte. Dieser Passus befasste sich jedoch nicht mit den vielen unterschiedlichen Abweichungen und Ausnahmeregelungen, die bei Satzzeichen zu beachten sind (Bredel 2011, S. 1). Besonders Auslassungszeichen traten erst später im Laufe der Geschichte der Interpunktionszeichen auf. Laut Bredel (2011) wurden sie erst im 18. Jahrhundert eingeführt und verwendet, um Abbrüche und Umstrukturierungen in der Figurenrede zu markieren (vgl. Bredel 2011, S.13).

[...]


1.Lyrikwelt: John Maynard http://www.lyrikwelt.de/gedichte/fontaneg2.htm (13. Juni 2017).

2 Canoo: CanooNet: Zeichensetzung. http://canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Interpunktion/index.html (05. Juni 2017).

3 Canoo: CanooNet: Zeichensetzung. http://canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Interpunktion/index.html (05. Juni 2017).

4 Canoo: CanooNet: Zeichensetzung. http://canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Interpunktion/index.html (05. Juni 2017).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Warum sollten Auslassungszeichen Teil des Deutschunterrichtes sein? Funktion und Bedeutung unterschiedlicher Auslassungszeichen im schulischen Kontext
Hochschule
Universität Mannheim  (Germanistische Linguistik)
Veranstaltung
Deutsche Orthographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V454907
ISBN (eBook)
9783668875821
ISBN (Buch)
9783668875838
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche Orthographie, Auslassungszeichen, Ergänzungsstrich, Gedankenstrich, Apostroph, Auslassungspunkte, Interpunktion, Zeichensetzung
Arbeit zitieren
Melanie Pongratz (Autor), 2017, Warum sollten Auslassungszeichen Teil des Deutschunterrichtes sein? Funktion und Bedeutung unterschiedlicher Auslassungszeichen im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454907

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