Kulturelle Globalisierung und der Islam in Südostasien


Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Globalisierung und der Islam
2.1 Kolonialzeit und Globalisierungsprozesse
2.2 Globalisierung, Modernisierung und die wirtschaftlichen Folgen
2.3 Die islamische Antwort auf Globalisierung
2.4 Globalisierung und Wirtschaft in Malaysia

3 Indonesien: „Werteverfall“ und Reaktionen
3.1 Das Anti-Pornographie Gesetz
3.2 Traditionalismus, Modernismus und radikaler Islam

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Geschichte des Islam ist selbst eine Geschichte der frühen Globalisierung, da in seinem Namen unterschiedliche Reiche erobert wurden, welche die Großreiche Byzanz, Persien und Ägypten in ihre aufnahmen und neue Gesellschaften entstehen ließen (Moten 2005: 236). Doch heutzutage rufen die Prozesse der Modernisierung und der damit verbundenen Globalisierung in der islamischen Welt gemischte Gefühle von Angst, Misstrauen und Widerstand hervor. Sie werden als ein westliches, insbesondere amerikanisches Projekt, um die Welt zu homogenisieren und zu dominieren aufgefasst. Ist dieses Konzept überhaupt mit dem Islam vereinbar und wie nehmen Muslime diesen Prozess war? Wie lautet ihre Antwort darauf und welche Alternativen bieten sie an? Dürfen westliche Werte, Institutionen und Kultur als universell und somit für alle geltend propagiert bzw. aufgezwungen werden oder stellt dies doch eher eine moderne Form des Imperialismus dar? Ist Globalisierung also untrennbar von Verwestlichung beziehungsweise Amerikanisierung? Der Westen benutzt den Begriff des islamistischen Fundamentalismus, um Muslime als irrationale, tatsächliche oder potentielle Terroristen darzustellen. Ist die Zunahme islamistischer Tendenzen eine Art der Antwort auf Globalisierung mit ihren westlichen Werten (Moten 2005: 231-232)? Neben diesen Fragen, auf die womöglich keine eindeutige Antwort gefunden werden kann, wird in dieser Arbeit ein genereller Überblick über das Verhältnis der Globalisierung zum Islam gegeben. Danach wird insbesondere auf Indonesien, das größte muslimische Land der Welt und zugleich einen säkularen Staat und auf Malaysia, einen Staat, in dem der Islam die offizielle Religion darstellt, eingegangen. Der Begriff der kulturellen Globalisierung wird in der Arbeit eng mit der Globalisierung an sich, der Modernisierung und der Moderne verknüpft.

2 Globalisierung und der Islam

Die Globalisierung und Modernisierung hatten auf die gesamte Welt große Auswirkungen, indem die Entstehung einer jugendlichen, konsumaffinen Gesellschaft propagiert wurde. Die junge Generation genießt westliche Musik, benutzt Computer, isst bei Mc Donalds und trägt Jeans mit T-Shirt. Sie kennt die Namen international bekannter Sportler, Hollywood und Bollywood Schauspieler und Musik-Stars. Manche sehen diese Gesellschaft daher als wertlos, da sie materielle Dinge über Spiritualität stellt. Für den Westen mag dieses neue Modell der Gesellschaft und den zunehmenden Veränderungen funktionieren, doch Entwicklungsländer und speziell muslimische Länder sind am meisten von diesem Wandel betroffen und getroffen. Muslime sehen diese Veränderungen als eine Bedrohung für ihre Religion und Traditionen. Das Ziel des Westens, Entwicklungsländern nicht bei der Entwicklung zu helfen, sondern diese für ihre Zwecke auszunutzen wird als eine reale Bedrohung und als ein Grund des Wiederauflebens des Islam gesehen (Moten 2005: 243).

2.1 Kolonialzeit und Globalisierungsprozesse

Die Kolonialzeit kann berechtigterweise als der Wegbereiter der westlichen Hegemonie gesehen werden. Der Prozess der Globalisierung begann unter anderem mit der Kolonialisierung der Länder Afrikas und Asiens. Bereits während der Kolonialzeit gab es zahlreiche Proteste gegen eine westliche Kulturhegemonie, doch dabei überwog der Drang nach politischer Unabhängigkeit. Die Bevölkerung dachte, dass wenn ihr Land erstmal befreit wäre, auch die Kolonialstrukturen verschwinden würden und die einheimische Kultur wieder an deren Stelle treten würde. Doch die koloniale Kultur beherrschte weiterhin die einheimische Kultur, da die herrschende Elite in der Kolonialkultur aufgegangen war und die Regierungsinstitutionen dementsprechend aufgebaut waren. Heutzutage ist beinahe jedes Entwicklungsland durch den Prozess der Globalisierung mit der Bedrohung einer damit verbundenen kulturellen Gleichschaltung konfrontiert (Engineer 2001: 123). Nach der Unabhängigkeit umfassten die geographischen Grenzen der befreiten Länder oft verschiedene linguistische und kulturelle Gruppen, da ungleiche Gebiete früher aus verwaltungstechnischen Gründen zusammengefasst wurden. Die herrschenden Eliten der unabhängig gewordenen Länder übernahmen diese Einheiten, wollten diese beibehalten und versuchten daraus Nationalstaaten zu schaffen. Daraus entstanden die zahlreichen neuen Nationalstaaten des 20. Jahrhunderts. Dies bietet sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Dagegen sind westliche Länder trotz wachsender Migration hingegen oft kulturell und sprachlich homogen. Der Prozess einer westlichen Akkulturation begann also schon mit der Kolonialisierung, aber der Begriff der Globalisierung ist dabei erst kürzlich in Gebrauch. Der Grund dafür ist, dass die Kolonien hauptsächlich von ihrer Kolonialmacht beeinflusst wurden, während heute die kulturellen und politischen Einflüsse nicht mehr genau auf ein Land zurückgeführt werden können. Medien wie Fernsehen und Internet beseitigen alle kulturellen Grenzen und erschaffen ein globales kulturelles Netzwerk. Der Begriff der Globalisierung ist gleichzeitig irreführend, da es kaum Interaktion zwischen den Kulturen aller Länder gibt, sondern die westliche, speziell die Kultur der USA als eine globale hegemoniale und dominante Kultur verstanden werden kann. Andere Kulturen definiert man als „ethnisch“, welcher dem kolonialen Begriff „einheimisch“ (englisch: native) entspricht, was mit Rückständigkeit konnotiert wird. Globalisierung meint also praktisch Verwestlichung und insbesondere Amerikanisierung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstand eine unipolare Welt und eine amerikanische Hegemonie, das heißt der Begriff der Globalisierung sollte auch als ein postsowjetisches Phänomen gesehen werden (Engineer 2001: 125-126).

2.2 Globalisierung, Modernisierung und die wirtschaftlichen Folgen

In den letzten Jahrzehnten wurde der Prozess der Modernisierung, welcher sich in Import-Substitutionen, Industrialisierung und Verwestlichung durch Transfer von technischem und nicht technischem Wissen (Moten 2005: 241), der gesellschaftlichen Mobilität und auch der Säkularisierung der Gesellschaft, von der Globalisierung nur noch beschleunigt. Globalisierung kann als eine Intensivierung von weltweiten sozialen Beziehungen und gegenseitige Beeinflussung von Ereignissen verstanden werden, egal wie weit voneinander entfernt und als ein technologisch angetriebener Prozess, welcher geschäftliche und politische Beziehungen von Menschen aus den verschiedensten Ländern entstehen lässt. Außerdem beinhaltet Globalisierung einen kapitalistischen Wettbewerb mit einem freien Umlauf von Gütern, Dienstleistungen, Kapital, Ideen und sogar Werten. Kurz gesagt ist Globalisierung also ein Prozess der Stärkung grenzüberschreitender Verbindungen, welche die Welt zu einer transnational politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einheit machen. Es ist vor allem die USA, welche diesen Prozess antreibt um alle nationalen Barrieren zu beseitigen, insbesondere durch globale Institutionen wie den International Monetary Fund IMF, die Weltbank und die World Trade Organisation WTO (Moten 2005: 231-232).

Heutzutage stehen muslimische Länder zwar unter dem Einfluss der Globalisierung, sind aber kaum mit der Weltwirtschaft verbunden. Die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung lebt in armen Ländern oder Ländern mit niedrigem Einkommen, darunter befinden sich bevölkerungsreiche Länder wie Indonesien, Bangladesch und Pakistan. Die wenigen reichen muslimischen Länder sind diejenigen mit dem Öl-Vorkommen und machen nur zwei Prozent der muslimischen Bevölkerung aus. Auch beim Technology Achievement Index hängen islamische Länder noch weit zurück (Moten 2005: 239). Malaysia ist eines der wenigen muslimischen Länder, welches gut in die Weltwirtschaft integriert ist. Es besitzt zwar nur 2,8 der muslimischen Weltbevölkerung, trägt aber 25 Prozent zu den gesamten Exporten muslimischer Länder bei. Sonst liegt der Anteil der muslimischen Länder, die 15 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen am globalen Handel bei 4,6 Prozent und auch der Anteil an Exporten verglichen mit den Ländern Ostasiens oder Lateinamerikas ist äußerst gering. Auch erhalten muslimische Länder im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern kaum ausländische Direktinvestitionen. Dies liegt nicht an ihrer anti-globalen Politik. Sie haben aber keine Möglichkeit noch die Fähigkeit, die Früchte der Globalisierung zu ernten und die Einschränkungen und Verluste, welche auch mit der Globalisierung einhergehen, zu vermindern. Viele Menschen bemerken, dass die globale Wirtschaft in dem Sinne gar nicht global ist, sondern sich auf Europa, Nordamerika und Japan konzentriert. Auch mehren sich die Sorgen, dass diese neue Globalisierungswelle, wie in der Vergangenheit auch, untrennbar von Verwestlichung und Amerikanisierung ist. Die meisten muslimischen Länder bleiben treue Diener des Westens und seiner Märkte und können dennoch keine Entwicklung, geschweige denn Wachstum, aufweisen (Moten 2005: 240), denn Nordamerika und der Westen kontrollieren ihre Wirtschaften und üben eine politisch-militärische Hegemonie über die globale politische Ökonomie aus. Die Unterordnung der muslimischen Länder wird durch scheinbar multilaterale Organisationen, bei welchen sie theoretisch gleichwertige Mitglieder sind, garantiert und überwacht, wie etwa der UN und der WTO. Der IMF und die Weltbank kontrollieren die meisten dieser Länder und verbreiten dort ihre westlichen wirtschaftlichen Dogmen. Die Structural Adjustment Programms SAP dieser Institutionen fordern eine Deregulierung oder Abwertung des Währungsmarktes und –systems, eine Privatisierung öffentlicher Unternehmen, eine Kürzung öffentlicher Angestellter, Liberalisierung der Wirtschaft, freien Wettbewerb und eine Kürzung in Wohlfahrtsprogrammen. Da dies zu wenig positiven Resultaten geführt hat und zugleich auch die Legitimität der westlichen Staaten in Frage gestellt, kann durch diese neoliberale Restrukturierung als eine Form des Wiederstand dagegen auch eine radikale islamistische Opposition entstehen, welche sich gegen die Globalisierung und zugleich die damit einhergehende kulturelle Globalisierung richtet (Moten 2005: 241). Die muslimische Welt befindet sich wie viele andere Länder in einer Zeit der Re-Kolonialisierung, nicht unter einzelnen europäischen Mächten, aber unter der Patronage der IMF und der Weltbank und der westlichen NGO`s (Moten 2005: 242).

2.3 Die islamische Antwort auf Globalisierung

Viele islamische Gesellschaften durchlebten noch keine industrielle Revolution, erfuhren aber als eine Folge der Kolonialisierung eine zunehmende Kommerzialisierung und den Einfluss westlicher Institutionen, Werte und Ideologien (Moten 2005: 233). Nicht nur islamische Gesellschaften, sondern die ganze Welt erlebt die westlich-amerikanische Dominanz und Kontrolle über Medien, Berichterstattung und Kultur (Moten 2005: 250). In muslimischen Ländern wird argumentiert, dass diese Faktoren die traditionellen Werte, Glaubenssätze und politische Institutionen schwächen. Doch auch der Islam bietet grundsätzlich Möglichkeiten für Modernisierung und Demokratie (Moten 2005: 233).

Im Prozess der Globalisierung gibt es die Idee, dass andere Kulturen, wie etwa die islamische oder chinesische Kultur die Vormachtstellung der westlichen Kultur bedrohen. Diese Arroganz der westlichen Macht ruft in der islamischen Welt oft starke Reaktionen hervor. Erst durch die Akzeptanz der westlichen Kultur und der Vernichtung der eigenen kulturellen Identität gelten diese Länder für den Westen nicht mehr als Bedrohung. Die ethnische Zugehörigkeit eines Menschen ist dabei tolerabel, jedoch nicht seine Kultur und Zivilisation, denn die Globalisierung gilt erst mit dem Triumph der westlichen Zivilisation als abgeschlossen. Die Definition des Westens von Globalisierung kann also als eine Verneinung kultureller und zivilisatorischer Vielfalt verstanden werden. Obwohl manche westliche Akademiker von Pluralismus in der post-modernen Welt sprechen, akzeptiert man nicht-westliche Kulturen nicht als gleichwertig. Die Akzeptanz mit dem Begriff des Pluralismus wird durch den Begriff der Globalisierung wieder zunichte gemacht. Was islamische Reaktionen auf Globalisierung anbetrifft, gilt, dass je traditioneller und politisch autoritärer die Gesellschaft ist, desto heftiger die Reaktion gegen die Globalisierung ausfällt. Eine Verschlechterung der Wirtschaft und das Versagen der herrschenden Eliten die wirtschaftlichen Probleme zu lösen beschleunigen den Prozess einer solchen Reaktion. Bei einer wirtschaftlichen Liberalisierung als einem Aspekt der Globalisierung ist es wahrscheinlich, dass sich die Probleme nur noch verschlimmern. Neben dem Schlüsselfaktor der Wirtschaft ist auch das Konsumverhalten und Bereicherung der herrschenden Elite entscheidend: dies führt einerseits zur riesigen Anhäufung von Reichtum einiger weniger allmächtiger multinationaler Konzerne und gleichzeitig zur Verarmung der Massen (Engineer 2001: 127-128). Wenn man sich die Entstehung von religiösem Fundamentalismus anschaut, entsteht dieser hauptsächlich in urbanen Gebieten, denn die ländliche Gesellschaft der Entwicklungsländer ist allgemein tief in traditioneller Kultur und religiösen Werten verwurzelt. Sie sieht sich von diesen Werten kaum entfremdet. Das einfachere Leben ist gleichzeitig weit weg von Konsumkultur, moderner Erziehung und dem Einfluss der Globalisierung allgemein. Fundamentalismus hat sowohl eine religiöse als auch politische Dimension. Der Einfluss der Globalisierung und Verwestlichung, die lokale religiöse Identitäten zerstört, provoziert die Forderung nach einer Wiederbetonung religiöser Werte, was wiederum zu einer religiösen Revitalisierung führt. In einem demokratischen System hat eine Protestbewegung größere demokratische Ausdrucksmöglichkeiten, die Tendenz zur Gewaltanwendung ist geringer und die Wirkung aufgrund des demokratischen Spielraums auch diffuser. Doch wenn der Druck von unten so stark ist, können auch die demokratisch gewählten Regierungen manchmal nichts dagegen ausrichten (Engineer 2001: 131-132).

Globalisierung beinhaltet auch den Prozess der Demokratisierung, also eine Liberalisierung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Regierung. Die meisten muslimischen Länder wollen dies. Doch die Intentionen der pro-demokratischen Agenda des Westens schüren Verdacht, da Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte für einige Länder als Bedingung für Hilfe und Darlehen gestellt wird und für andere wie die Golf-Monarchien nicht gilt. Auch unterstützt der Westen ungern demokratischen Fortschritt, wenn das Ergebnis anti-westliche Kräfte oder Interessen hervorbringen könnte (Moten 2005: 243-244). Alles, was Amerika betrifft wird sofort zu einem globalen Thema und alles, was seine Interessen bedroht, wird zu einer Gefahr für den Weltfrieden und die globale Sicherheit. Anti-demokratische Revolten können auch entstehen, wenn Demokratisierung als ein aufgezwungenes westliches Konzept gesehen wird. Kissinger sagte dazu, dass „Angriffe auf die Globalisierung sich zu einem neuen ideologischen Radikalismus entwickeln könnten, insbesondere in Ländern, in denen die herrschende Elite klein und die Lücke zwischen arm und reich immer weiter wächst (Moten 2005: 245-246).

Wenn die Menschen realisieren, dass Globalisierung, Säkularisierung und Modernisierung alles Formen der Verwestlichung sind, bekommen sie das Gefühl, ihres kulturellen und religiösen Erbes beraubt zu werden. All diese Kräfte führen schließlich zur einer kolonialen Hegemonie und einer Klassenpolarisierung der Gesellschaft. Die Antwort darauf kann sich neben Protesten auch in dem Bau von mehr Moscheen und Schulen äußern. Doch vor allem äußert sich dies in der Islamisierung der Gesellschaft, wie dem Tragen von verhüllender Kleidung und Kopftuch. Um die islamische Gesellschaft ummah zu schützen, wendet man sich politischen Maßnahmen zu, wird etwa Teil einer politischen Organisation. So entwickelten manche Länder islamische Alternativen zu Institutionen und Gesetzgebung. Eine andere Möglichkeit der islamischen Gemeinschaften ist es, von den modernen wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnissen Errungenschaften des Westens zu profitieren, ohne dabei dessen Weltbild zu übernehmen, sondern diese in ein islamisches Wertesystem zu integrieren. Dies ist auch auf die Demokratie anwendbar (Moten 2005: 246-247). In der Theorie hat in einer muslimischen Gesellschaft das Interesse der Gemeinschaft Vorrang vor dem Interesse eines Einzelnen und auch die Entstehung von Ausbeutung und sozialer Ungerechtigkeit soll bei Geschäften vermieden werden. Vielleicht liegt auch darin der Widerspruch zu der neoliberalen Wirtschaft des Westens, bei welcher der Eigenprofit das Hauptziel ist. Der Islam zeigt jedoch auch eine positive Einstellung zum Streben nach Gewinn, denn dieser ist der Preis für den Fleiß, welcher ein Teil der religiösen Verpflichtung ist. Das Gewinnstreben unterscheidet sich auch hier theoretisch von der neoliberalen Gewinnmaximierung (Kelbling 2001: 147).

2.4 Globalisierung und Wirtschaft in Malaysia

Einige herrschenden muslimische Eliten, unter ihnen der ehemalige malaysische Premierminister Mahathir Mohamad, sehen die Globalisierung als einen unaufhaltsamen Prozess, an welchen sich Muslime anpassen müssen und sich neues Wissen aneignen müssen, um zukünftige Krisen zu vermeiden. Da es keine Alternative gibt, wäre es notwendig, sich das nötige Wissen anzueignen. Mahathir sagte dazu, dass Malaysia vor 200 Jahren die industrielle Revolution aufgrund der Kolonialisierung und zu wenig Wissen verpasst habe. Aber heute in der Ära einer Informations- und Technologie Revolution sei das Land in der Lage, diese Technologien zu meistern und sogar führend zu sein. Es gebe also keinen Konflikt zwischen den Werten der Globalisierung und Modernisierung und dem Islam. Um Mahathir zu zitieren: “Malaysia is an Islamic state. At the same time, and without contradiction, it is democratic, diverse, tolerant, peaceful, economically and politically stable, progressive and forward looking. There is no inherent conflict between Islam and any of these achievements”. Die herrschenden Eliten fordern die Dominanz des Westens einzudämmen, um hohe Arbeitslosigkeit und Armut zu bekämpfen. Das Konzept der Globalisierung soll re-interpretiert werden und angepasst werden, um Diskriminierung zu vermeiden und die Vorteile der Globalisierung gleichmäßig zu verteilen. Die volle Partizipation und Vorteile der globalen Informations- und Kommunikationsstrukturen dürfen nicht auf Kosten der Gesellschaft geschehen. Der Globalisierung sollen menschliche Werte hinzugefügt werden. Eine aktive und faire Teilnahme der Muslime an der Globalisierung ist der Schlüssel zu diesen Zielen. Eine Möglichkeit dafür ist eine Einheit durch wirtschaftliche und politische Bündnisse. Die Stärkung regionaler Organisationen wie der ASEAN könnte einen positiven Beitrag dazu leisten (Moten 2005: 248-249).

In Malaysia ist der Islam zwar offizielle Religion, doch es ist kein islamischer Staat, da die shari`a nicht die Grundlage der Gesetzgebung ist (Kelbling 2001: 146). Seit der staatlichen Unabhängigkeit des Staates Malaysia 1957 ist in dem Land eine beinahe alle Bereiche umfassende Islamisierung erkennbar. Diese konservative Islamisierung soll gleichzeitig mit wirtschaftlichem Wachstum, einer Integration in den Weltmarkt und der spezifisch malaiischen Umgebung vereinbar sein (Ufen 2008: 111, 133). Es gibt auch in Malaysia

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Details

Titel
Kulturelle Globalisierung und der Islam in Südostasien
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Orient- und Asienwissenschaften)
Note
3,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V454936
ISBN (eBook)
9783668872240
ISBN (Buch)
9783668872257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelle, globalisierung, islam, südostasien
Arbeit zitieren
Lidia Tyurina (Autor), 2018, Kulturelle Globalisierung und der Islam in Südostasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454936

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