Soziale Isolation und Marginalisierung am Arbeitsmarkt sind zwei der Mechanismen, die Exklusionsprozesse kennzeichnen. Jedoch sind sie in der Vergangenheit häufig für eine Einschätzung der individuellen und gesellschaftlichen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit herangezogen worden. Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung war die Frage, ob beides in vergleichbarem Maße für Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen gilt. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die vom Normalarbeitsverhältnis abweichen und durch eine vergleichsweise große Unsicherheit der Lebensbedingungen gekennzeichnet sind, könnten ebenso zu Exklusionsprozessen führen, wie Langzeitarbeitslosigkeit. Durch qualitative Interviews mit Betroffenen wurde versucht, dieser Frage nachzugehen. In Fallanalysen wurden die fallspezifischen Situationscharakteristika ermittelt und auf das Beschäftigungsverhältnis zurück bezogen. Die Ergebnisse zeigen insbesondere Unterschiede in der Situation von prekär abhängig Beschäftigten und prekär unabhängig Beschäftigten, also Personen, die durch die neuere Arbeitsmarktpolitik in prekäre Selbstständigkeit entlassen wurden (z. B. Ich-AG). Ebenso unterscheiden sich die Bewältigungsanstrengungen der Betroffenen. Zu diesen Bewältigungsstrategien gehört auch ein Urteil über die Gesellschaft, das einen mit dem Grad der Prekarität der Beschäftigung variierenden Grad von Resignation sichtbar macht. Insgesamt ist durch die Untersuchung der Eindruck entstanden, dass sie prekär Beschäftigte in einem Niemandsland zwischen dem Integration anbietenden ersten Arbeitsmarkt und der Exklusion Langszeitarbeitsloser befinden, wodurch die Charakteristika ihrer spezifischen Situation mit den auf den Arbeitsmarkt oder die Langzeitarbeitslosigkeit bezogenen Begriffen und Instrumenten nicht mehr hinreichend erfasst werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prekäre Beschäftigung – eine theoretische Annäherung
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Abgrenzung der Zielgruppe
2.3 Marginalisierung am Arbeitsmarkt und soziale Isolation: Kriterien und Indikatoren
3. Prekäre Beschäftigung – eine empirische Erkundung
3.1 Methodik
3.2 Ergebnisse
3.2.1 Formen von Prekarität und Exklusion
3.2.2 Die sozialen Bedingungen
3.2.3 Zwischen Arbeit und Leben
3.2.4 Integration und Exklusion
4. Prekäre Beschäftigung – Konsequenzen
4.1 Zusammenfassung
4.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob prekäre Beschäftigungsverhältnisse die soziologischen Kriterien für Marginalisierung am Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Isolation erfüllen und somit als Teil eines Exklusionsprozesses zu betrachten sind, wobei die Forschungsfrage das subjektive Erleben Betroffener in den Mittelpunkt stellt.
- Analyse prekärer Beschäftigungsformen und ihrer theoretischen Einordnung
- Empirische Untersuchung mittels qualitativer Interviews
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen Erwerbsbiographie und gesellschaftlicher Teilhabe
- Untersuchung der Entmündigung durch staatlich verordnete "Zwangsintegration"
- Diskussion über Konsequenzen für die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Formen von Prekarität und Exklusion
Bevor weitere Ergebnisse dargestellt werden können, muss zunächst geklärt werden, welche Formen von Exklusion ausgemacht werden konnten. Als Indikator für ökonomische Ausgrenzung soll finanzielle Schlechterstellung dienen, wie sie beispielsweise in Interview 5 zum Ausdruck kommt:
B: Was mich ein bisschen daran ärgert ist, also im öffentlichen Dienst, als Facharbeiter ist man normalerweise eine Stufe höher. Das machen die aber nicht. Warum weiß ich nicht.
Für institutionelle Ausgrenzung soll der Ausschluss von der Nutzung institutioneller Angebote als Indikator gelten.
B: Also es fängt mit der Krankenkasse an. Da bin ich ja nur genervt, wenn ich da mal hingehe und irgendetwas Frage und da nehm ich dann schon en Zettel mit: Da haben Sie in Ihrer Zeitung geschrieben, so und so ist das, und da möchte ich das jetzt mal so beantragen - ja, bei ihnen geht das aber nicht, oder irgend etwas sagen se immer. Irgendwie geht's dann doch nie, wegen irgendwas.
Soziale Ausgrenzung ist jener Mechanismus, der neben der ökonomischen Ausgrenzung am stärksten wirkt. Es ist eine Ausgrenzung, die sich im persönlichen Kontakt mit einem anderen Menschen manifestiert und daher besonders schmerzhaft erfahren werden kann:
B: In dem Moment wo ich arbeitslos bin, bin ich halt Kunde für die, ja, und so werde ich da nicht behandelt. Man wird schon mehr oder weniger als Bittsteller, als, als, weiß ich nicht, als arbeitsscheuer Mensch zweiter Klasse, so ein bisschen behandelt, hab ich das Gefühl.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Arbeitsmarktes und der gesellschaftlichen Exklusion ein, indem sie zentrale Begriffe wie "Underclass" und "Social Exclusion" diskutiert und die Forschungsabsicht darlegt.
2. Prekäre Beschäftigung – eine theoretische Annäherung: Dieses Kapitel definiert prekäre Beschäftigung durch die Abweichung vom Normalarbeitsverhältnis und grenzt die Zielgruppe der Untersuchung näher ein.
3. Prekäre Beschäftigung – eine empirische Erkundung: Der empirische Hauptteil präsentiert Ergebnisse aus qualitativen Interviews, die das subjektive Erleben von Prekarität, soziale Bedingungen, das Verhältnis von Arbeit und Leben sowie Mechanismen der Exklusion beleuchten.
4. Prekäre Beschäftigung – Konsequenzen: Das Abschlusskapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und zieht ein Fazit über die gesellschaftlichen Auswirkungen prekärer Beschäftigungsverhältnisse sowie die Notwendigkeit neuer Integrationswege.
Schlüsselwörter
Prekäre Beschäftigung, Exklusion, Arbeitsmarkt, Marginalisierung, soziale Isolation, Normalarbeitsverhältnis, qualitative Interviews, Zwangsintegration, Erwerbsbiographie, Prekarisierung, Arbeitslosigkeit, Teilzeitbeschäftigung, soziale Sicherung, Entmündigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, inwieweit prekäre Beschäftigungsverhältnisse die Bedingungen für ökonomische Marginalisierung und gesellschaftliche Isolation erfüllen und damit einen Exklusionsprozess darstellen.
Welche thematischen Felder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Definition prekärer Arbeit, die subjektiven Erfahrungen der Betroffenen, das Spannungsfeld zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben sowie die Rolle staatlicher Integrationsmaßnahmen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Studie?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Indizien dafür vorliegen, dass prekäre Beschäftigung die Kriterien der Marginalisierung am Arbeitsmarkt und der gesellschaftlichen Isolation erfüllt und somit Teil eines Ausschließungsprozesses ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin verwendet eine qualitative Untersuchungsmethode, basierend auf Leitfadeninterviews mit Betroffenen, die anschließend transkribiert und nach thematischen Kriterien analysiert wurden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Formen von Prekarität, die sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz, die zunehmende Auflösung der Grenze zwischen Erwerbs- und Privatleben sowie Erfahrungen mit staatlicher Zwangsintegration.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Prekarisierung, soziale Exklusion, Normalarbeitsverhältnis und Erwerbsbiographie charakterisieren.
Was versteht die Autorin unter dem Begriff "Zwangsintegration"?
Dabei handelt es sich um staatlich verordnete Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, die häufig gegen den Willen der Betroffenen erfolgen und bei diesen Gefühle der Entmündigung und Abwertung hervorrufen.
Welche Rolle spielt das "Normalarbeitsverhältnis" in der Untersuchung?
Das Normalarbeitsverhältnis dient als normativer Referenzpunkt für Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe, von dem die untersuchten prekären Beschäftigungsverhältnisse signifikant abweichen.
Wie gehen die Befragten mit ihrer unsicheren Zukunft um?
Die Hoffnung wird als ein wesentlicher Bewältigungsmechanismus identifiziert; viele Befragte heben jedoch hilflos die Schultern, da solange nichts entschieden ist, eine Unsicherheit über die berufliche Zukunft bleibt.
- Quote paper
- Merle Rehberg (Author), 2004, Integration und Exklusion am Arbeitsmarkt- Prekäre Beschäftigung aus der Perspektive Betroffener, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45506