Ein kranker, schwerstkranker oder sterbender Mensch bringt ebenso sehr wie ein gesunder Mensch bleibende Werte in die Gesellschaft ein. Dennoch wird dieser Beitrag meistens nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrgenommen.
Dieses Buch zeigt deshalb die tatsächliche Rolle eines kranken Menschen in der Gesellschaft auf. Dabei betrachtet es zunächst die unterschiedlichen Einstellungen kranker Menschen in ihrer Krankheit und wie das unmittelbare Umfeld auf sie reagiert. So kommt der Autor zu einem praktischen Kommunikationsmodell für Pflegekräfte.
Der kranke und sterbende Mensch ist und kann, in der Familie und im Gesundheitswesen selbst, ein Schöpfer neuer personalen Interaktionen (Dialogprozesse) sein. In diesem Zusammenhang sind dem Autor zwei Faktoren von besonderer Wichtigkeit: die Rolle der Familie und ihre Einstellung zu kranken Menschen.
Es ist ein wichtiges Ziel pflegerischen Tuns, Andere wahrzunehmen, zu beobachten und zu beurteilen. Häufig hilft einer Pflegekraft die Mimik eines Patienten bei dieser Beurteilung. Der Gesichtsausdruck eines Patienten kann beispielsweise die Intensität von Schmerzen anzeigen (die manchmal von dem abweicht, was er sagt), und seine Gesten können die Art seiner inneren körperlichen Empfindungen veranschaulichen.
Im pflegerischen Bereich könnte es sein, dass sich die Genauigkeit der pflegerischen Beobachtung verbessern würde, wenn man der nonverbalen Kommunikation mehr Beachtung schenken würde. Die engere Einbeziehung der nonverbalen Kommunikation in den Pflegealltag wird die Gestaltung der Pflegebeziehung und des Dialogprozesses noch ein wenig besser und effektiver machen. Das Verständnis für die Art und Weise, in welcher der individuelle Pflegebedürftige kommuniziert, veranlasst eine intensivpflegerische Betreuung, die nicht nur medizinisch notwendige Maßnahmen ausführt, sondern den Patienten in seiner individuellen Bedarfssituation umfassender berücksichtigt und damit seiner Würde gerecht wird.
Inhaltsverzeichnis
Zur Einführung
Teil I: Mensch - Krankheit
1.1. Homo creator - schöpferischer Mensch in der Krankheit
1.2. Die Allgemeinheit der Krankheit
1.3. Die Dramaturgie des Krankheitsprozesses
1.4. Die Haltungen in der Krankheit
1.4.1. Die positiven (schöpferischen) Haltungen
1.4.1.1. Der Geber
1.4.1.2. Der Samariter
1.4.1.3. Der Helfer
1.4.1.4. Der Verschwörer
1.4.1.5. Der Suchende
1.4.1.6. Der Soldat
1.4.1.7. Der Künstler
1.4.1.8. Der Held
1.4.2. Die negativen (egoistischen) Haltungen
1.4.2.1. Der Nehmer
1.4.2.2. Der Hypochonder
1.4.2.3. Der Nörgler
1.4.2.4. Der Rühmliche
1.4.2.5. Der Statist
1.4.2.6. Der Bettler
1.4.2.7. Der Profi
1.4.2.8. Der Scheinheilige
1.5. Der kranke Mensch als Wertekreator im Gesundheitswesen
1.6. Der kranke Mensch als Wertekreator neuer Beziehungen
1.7. Der kranke Mensch als Wertekreator in der Familie
1.7.1. Die Einstellungen zu kranken Menschen innerhalb der Familie
1.7.1.1. Die Hilfe
1.7.1.2. Das Fehlen an gleichbleibendem Interesse
1.7.1.3. Die Müdigkeit durch einen langen Krankheitsprozess
1.7.1.4. Die Gleichgültigkeit
1.7.1.5. Die Ablehnung
1.7.1.6. Die Gewinnabschöpfung aus der Krankheit eines Familienmitgliedes
Teil II: Nonverbale Kommunikation in der außerklinischen Intensivpflege und Beatmung
2.1. Außerklinische Intensivpflege als Beziehung
2.2. Kommunikation und ihr Stellenwert in Modellen und Theorien der Pflege
2.3. Annäherung an die nonverbale Kommunikation
2.4. Aspekte nonverbaler Kommunikation in ihrer Pflegerelevanz
2.4.A. Besondere Pflegesituationen
2.4.A.1. Emotionen
2.4.A.2. Depressionen
2.4.A.3. Sterbebegleitung
2.4.B. Einflussfaktoren bei Dekodierung nonverbaler Signale
2.4.B.1. Persönlichkeitsunterschiede
2.4.B.2. Geschlechtliche Unterschiede
2.4.B.3. Kulturelle Unterschiede
2.4.1. Nonverbal-vokaler Bereich
2.4.2. Bereich der Kinesik
2.4.2.1. Gesichtsausdruck und Mimik
2.4.2.2. Blickverhalten
2.4.2.3. Körperhaltung
2.4.2.4. Körperkontakt und Berührung
2.4.2.5. Gestik und körperliche Bewegungen
2.4.3. Proxemik
2.4.4. Bereich der Artefakte und Kleidung
2.5. Nonverbale Sprachkomponente in Bezug auf das Modell der fördernden Prozesspflege (ABEDL®)
2.5.1. Kommunizieren können
2.5.2. Sich bewegen können
2.5.3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
2.5.4. Sich pflegen können
2.5.5. Essen und Trinken können
2.5.6. Ausscheiden können
2.5.7. Sich kleiden können
2.5.8. Ruhen, schlafen und entspannen können
2.5.9. Sich beschäftigen lernen und sich entwickeln können
2.5.10. Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können
2.5.11. Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können
2.5.12. Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können
2.5.13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
2.5.14. Auswirkung physiologischer Signale auf die Pflege
2.6. Empfehlungen
Teil III: Tabellen, Grafiken, Präsentation
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im Kontext der pflegerischen Versorgung, insbesondere in der außerklinischen Intensivpflege und Beatmung, wissenschaftlich fundiert darzustellen und zu erfassen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie pflegende Personen durch die bewusste Wahrnehmung und Dekodierung nonverbaler Signale die Beziehungsgestaltung und Versorgungsqualität verbessern können, um dem kranken Menschen in seiner individuellen Würde und Bedarfssituation gerecht zu werden.
- Typologie der Haltungen kranker Menschen in der Krankheit
- Die Rolle der Familie und deren Einstellung zu pflegebedürftigen Angehörigen
- Grundlagen und Einflussfaktoren nonverbaler Kommunikationssignale in der Pflege
- Integration nonverbaler Sprachkomponenten in das Modell der fördernden Prozesspflege (ABEDL®)
- Praxisbezogene Empfehlungen für eine dialogische und wertschätzende Pflegebeziehung
Auszug aus dem Buch
1.1. Homo creator - schöpferischer Mensch in der Krankheit
Das Leben ist für jeden konkreten Menschen ein realer Zustand, den wir oft in der Eigenreflexion als unwiederholbaren Fakt und unsere Existenz als einen einzigartigen Prozess erleben. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, seinem Leben einen Sinn (die Wahrheit), ein Wert (das Gute) und eine Einzigartigkeit (das Schöne) zu geben, eben einen schöpferischen Akzent und Charakter.
Jeder Mensch existiert um zu werden. Jeder Mensch ist ein homo creator im Sinne eines philosophisch-anthropologischen Begriffes, der die positive und schöpferische Eigenschaft des Menschen hervorhebt (LANDMANN 1961). Indem wir schöpferisch leben, tragen wir den Lebenskrisen Rechnung: Das Annehmen von Veränderungen, das Ertragen von Verunsicherungen, die Fähigkeit, loszulassen und auf eine neue Idee zu warten, diese dem Bekannten so zu verbinden, dass das Bekannte entweder ausgeweitet oder anders betrachtet werden muss. Das sind wesentliche Aspekte des Schöpferischen und der Lebenskunst überhaupt (GORDON 1978).
Der schöpferische Mensch ist jemand, der sich seiner Einmaligkeit unter den verschiedenen Lebewesen bewusst ist. Denn nur er erschafft Kultur, Abstraktion, entdeckt die Regel, die die Natur regieren und weißt diese zu nutzen.
Der schöpferische Mensch kann die Routine brechen und die Barrieren der Vorurteile überwinden. Er kann die Monotonie durch die Kraft neuer Ideen und Werken in etwas Neues verwandeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Homo creator - schöpferischer Mensch in der Krankheit: Dieses Kapitel thematisiert den Menschen als schöpferisches Wesen, das auch in Krisenzeiten wie Krankheit nach Sinn und Selbstentfaltung strebt.
Die Allgemeinheit der Krankheit: Hier wird Krankheit als ein universelles Phänomen beschrieben, das nicht nur biologische, sondern auch psychische und soziale Aspekte umfasst und eine tiefgreifende Herausforderung für die Identität des Einzelnen darstellt.
Die Dramaturgie des Krankheitsprozesses: Dieses Kapitel erläutert den Krankheitsprozess als notwendige Lebenserfahrung, die eine bewusste Entscheidung zur Auseinandersetzung erfordert, um sie als Chance zu begreifen.
Die Haltungen in der Krankheit: Es wird eine Typologie von acht altruistischen und acht egoistischen Haltungen vorgestellt, die das Erleben und Verhalten von Patienten maßgeblich prägen.
Der kranke Mensch als Wertekreator im Gesundheitswesen: Dieses Kapitel hebt hervor, dass Pflege eine Beziehung ist, in der der Patient als schöpferische Kraft interagiert, die den interpersonellen Werteausgleich mitbestimmt.
Der kranke Mensch als Wertekreator neuer Beziehungen: Es wird diskutiert, wie Krankheit als Katalysator für neue, intensivere zwischenmenschliche Bindungen fungieren kann, die weit über das ursprüngliche soziale Umfeld hinausgehen.
Der kranke Mensch als Wertekreator in der Familie: Dieses Kapitel beleuchtet die familiären Auswirkungen schwerer Krankheit und analysiert verschiedene Einstellungen innerhalb des Familiensystems, die von helfender Unterstützung bis hin zur Ablehnung reichen.
Nonverbale Kommunikation in der außerklinischen Intensivpflege und Beatmung: Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf das spezialisierte Feld der Intensivpflege und Beatmung, wo verbale Kommunikation oft eingeschränkt ist.
Außerklinische Intensivpflege als Beziehung: Die Pflege wird hier als ein Beziehungsereignis definiert, das insbesondere bei komplexer Beatmungssituation ein hohes Maß an nonverbaler Sensibilität erfordert.
Kommunikation und ihr Stellenwert in Modellen und Theorien der Pflege: Dieser Teil ordnet Kommunikation als zentrales Instrument in den Diskurs verschiedener Pflegemodelle ein.
Annäherung an die nonverbale Kommunikation: Es erfolgt eine historische und wissenschaftliche Herleitung des Konzepts der nonverbalen Kommunikation von der Antike bis zur modernen Forschung.
Aspekte nonverbaler Kommunikation in ihrer Pflegerelevanz: Hier werden spezifische Bereiche wie Emotionen, Depression und Sterbebegleitung analysiert, in denen nonverbale Signale handlungsleitend wirken.
Einflussfaktoren bei Dekodierung nonverbaler Signale: Das Kapitel untersucht, wie Persönlichkeit, Geschlecht und kultureller Hintergrund die korrekte Interpretation nonverbaler Botschaften beeinflussen.
Nonverbal-vokaler Bereich: Es wird die Rolle paraverbaler Signale wie Stimme, Sprechpausen und Schweigen als Ausdrucksmittel innerer Zustände thematisiert.
Bereich der Kinesik: Hier steht die Körperbewegung im Fokus, unterteilt in Mimik, Blickverhalten, Gestik und Körperhaltung, als wesentliche Bestandteile der Interaktion.
Proxemik: Dieses Kapitel behandelt das räumliche Verhalten, wie Distanzzonen und Orientierungswinkel, als Kommunikationsinstrumente.
Bereich der Artefakte und Kleidung: Die symbolische Kraft von Objekten, Kleidung und Umgebung wird als Form der Selbstdarstellung und Kommunikation analysiert.
Nonverbale Sprachkomponente in Bezug auf das Modell der fördernden Prozesspflege (ABEDL®): Die Arbeit verknüpft das ABEDL-Modell von Monika Krohwinkel mit den nonverbalen Elementen, um eine ganzheitliche pflegerische Praxis zu ermöglichen.
Empfehlungen: Das Werk schließt mit konkreten Handreichungen ab, wie nonverbale Kommunikation systematisch in den Pflegealltag integriert werden kann, um eine würdevolle Versorgung sicherzustellen.
Schlüsselwörter
Pflegewissenschaft, Nonverbale Kommunikation, Intensivpflege, Beatmung, Patientenzentrierte Pflege, ABEDL-Modell, Sterbebegleitung, Psychosomatische Medizin, Beziehungsgestaltung, Empathie, Kinesik, Proxemik, Krankheitsbewältigung, Soziale Interaktion, Ganzheitliche Pflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung nonverbaler Kommunikation als Fundament der Pflegebeziehung, besonders dort, wo Patienten aufgrund schwerer Erkrankungen oder Beatmung verbal eingeschränkt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Schwerpunkte sind die Haltungen von kranken Menschen in Krisensituationen, die Einbettung nonverbaler Signale in Pflegemodelle (ABEDL®) sowie eine tiefgehende Analyse von Kinesik, Proxemik und weiteren nonverbalen Ausdrucksformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein wissenschaftliches Verständnis für nonverbale Signale zu schaffen, damit Pflegekräfte diese aktiv in den Pflegeprozess integrieren können, um Patienten besser zu verstehen und ihre Lebensqualität zu stützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus fachwissenschaftlicher Literaturanalyse, jahrelanger Hospiz- und Pflegeerfahrung sowie anonymisierten Fallbeispielen zur Veranschaulichung der Phänomene.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die anthropologische Betrachtung der Krankheit, eine Typologie von Patientenhaltungen, die Analyse familiärer Einstellungen sowie eine detaillierte systematische Erforschung nonverbaler Kommunikationsebenen in der Intensivpflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Pflegewissenschaft, nonverbale Kommunikation, Intensivpflege, Patientenzentrierung, ABEDL-Modell und ethische Beziehungsgestaltung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den Patientenhaltungen?
Er differenziert zwischen altruistischen (kreativen) Haltungen, die der Bewältigung und Mitgestaltung dienen, und egoistischen (negativen) Haltungen, die oft durch Ängste oder ein starres Festhalten an Krankheit als Instrument begründet sind.
Warum ist das "Schwarze Loch" der nonverbalen Kommunikation in der Pflege gefährlich?
Eine mangelnde Dekodierung nonverbaler Signale führt zu einer Fehlinterpretation der Patientenbedürfnisse, was die Pflegebeziehung belastet, den Patienten isoliert und im schlimmsten Fall dessen Würde missachtet.
Welche Rolle spielt die Familie im Kontext der Krankheit?
Die Familie fungiert als primärer Bezugsraum; ihre Einstellung kann den Heilungsprozess massiv stützen, aber bei Überforderung oder Gewinnstreben auch zur Isolation und Verzweiflung des Kranken beitragen.
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- Bronislaw Gembala (Autor), 2019, Dialogische Pflege, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455191