Zeit des Umbruchs, bedarfsgerechte Führung, soziales Aufgabenfeld

Zum Zusammenhang dieser drei Phänomene


Textbook, 2019
118 Pages

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zeit des Umbruchs

- Zukunft als permanente Aufgabe und Herausforderung für verantwortungsbewusst Handelnde
- Verfehltes politisches Handeln als gesellschaftliches
Problem
- Verschobenes politisches Spektrum und resultierende Konsequenzen
- Zunehmende Differenzierung, Verlust an Gemeinsamkeit und Relativierung von Grundwerten
- Verlorenes Vertrauen, ein zu überwindendes Grundübel in unserer Zeit
- Hass und Gewalt als kontraproduktive Reaktionen auf subjektiv empfundene Ohnmacht und erlittene Gerechtigkeitsdefizite
- Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Resultat eigener Verunsicherung, Angst und Identitätszweifel
- Politische Vereinnahmung, Machtspiele und Showmen- ship statt ernsthafter Problembewältigung
- Anderen Perspektiven schaffen, eine unabweisbare Notwendigkeit

Bedarfsgerechte Führung

- Das komplexe Aufgabenfeld Führung – eine nur unvoll­kommen zu bewältigende Herausforderung
- Herausforderungen meistern als Auftrag
- Zu berücksichtigende Aspekte für erfolgreiches Führungshandeln
- Führung, Entwicklung, Teilhabe und Gesundheit
- Teilhabe und Integration, eine Notwendigkeit in unserer Gesellschaft
- Führungsaufgabe der Politik zur Bewahrung des sozialen Friedens
- Sinnstiftung und Beitrag der Kirchen
- Führung und Bildungsgerechtigkeit – eine Heraus- forderung und ein Streitobjekt
- Führung und Digitale Bildung – Quantensprung oder Modeerscheinung?

Soziales Aufgabenfeld

- Soziales Aufgabenfeld als Teil einer Gesamtheraus-forderung
- Wohlfahrts- und Sozialarbeit – mehr als ein Reparatur- instrument für gesellschaftliche Verwerfungen
- Neue Form der Wohlfahrts- und Sozialarbeit – eine zeitgemäße Antwort auf veränderte Herausforderungen
- Hilfe zur Selbsthilfe in sozialen Problemlagen als Kern-aufgabe der Wohlfahrts- und Sozialarbeit
- Ergebnisorientierte Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt
- Eigensinn und Gemeinsinn im Ehrenamt
- Institutionelle Identität versus wirtschaftliches Gewinn-streben
- Gemeinwohlorientierung als zentrale Orientierungsgröße
- Aufgabenteilung zwischen Staat, Kirchen, Wohlfahrts-verbänden und Bürgern

Gesamtzusammenfassung

Anhang

- Zentrale Aufgabenbereiche der Führung im Rahmen der Wohlfahrts- und Sozialarbeit
- Fragen zur persönlichen Beantwortung
- Über den Autor
- Eigene Anmerkungen

Vorwort

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, die einer bedarfsgerechten Führung be­darf. In besonderer Art und Weise wird dies im sozialen Aufgabenfeld deut­lich. Dies war Anlass für nachfolgende Überlegungen und diese zur Dis­kus­sion zu stellen. Denn in der bewussten Wahrnehmung des Gegebenen, im wech­selseitigen Austausch von Argumenten und in der Suche und dem Rin­gen um bestmögliche Lösungen liegt die wohl begründete Hoffnung auf ei­ne bessere Zu­kunft. Dazu Impulse zu geben, erscheint der aufgewandten Mü ­hen wert.

Mit dem Themenkreis „Zeit des Umbruchs“ greifen wir einen höchst aktuellen Problemkreis auf. Für uns alle ist wohl unübersehbar, dass die Dynamik des Wandels uns herausfordert. Ein reines Abwarten und ein unkritisches Fest­hal­ten am Bestehenden wird denn auch weder den sich entfaltenden Erfor­der­nissen noch den einzelnen Menschen von heute und morgen gerecht. Ih­nen aber gerecht zu werden und positive Spuren zu hinterlassen ist uns als Auftrag erteilt.

Bei Betrachtung des Problemkreises des Wandels wird deutlich, dass es zur Bewältigung der Herausforderungen einer bedarfsgerechten Führung bedarf. Sie soll inspirieren, Visionen entwickeln, in den Prozess der Veränderung ein­binden, ermutigen, Hilfestellung geben und koordinieren. Sie soll dazu beitra­gen, Erfolg zu erzielen und ein verbessertes Morgen zu schaffen. Dies kann eine Führungskraft al ler­dings nicht alleine bewerkstelligen. Insoweit ist eine gemeinsame Anstrengung aller Betroffenen und Beteiligten erforderlich.

Mit dem Blick auf das soziales Aufgabenfeld sollen letztlich erfor­der­li­che Kon­se quenz aufgezeigt und verdeutlicht werden. Dieses Aufgabenfeld verdient nicht zuletzt deshalb besondere Beachtung, da hier ein Wirken für Mitmen­schen ge­schieht, die der Hilfe der Stärkeren bedürfen und aus eigener Kraft nur un­zu­reichend in der Lage sind, am gesellschaftlichen Geschehen, der sich voll­zie­henden Entwicklung und damit am Fort­schritt, dem wir uns nicht ent­ziehen können, teilzuhaben.

In diesem Dreiklang aus Zeit des Umbruchs, bedarfsgerechte Führung und so­ziales Aufgabenfeld liegen vielfältige betrachtens- und bedenkenswerte As­pek­te, die wir im Rah­men einer kleinen Veröffentlichung nur unzureichend an­reißen können. Es erscheint jedoch dennoch sinnvoll, mittels einzelner Kurz­beiträge zum Nachdenken an­zuregen und damit für Interessierte und Auf­geschlossene Impulse zu geben. Sie sind dazu berufen, im Vorfeld von Ent­wicklung diese zu bedenken und letztlich prägend Einfluss zu nehmen.

Hinter dieser Arbeit steckt der Wunsch nach Bewältigung der offenkundigen heutigen Herausforde­run­gen. Diese sollen aufgegriffen, durchdacht und ana­ly siert werden, es sollen schrittweise Lösungskonzepte entstehen, deren Um­set­zung für Mensch und Umwelt Verbesserungen schafft. In der Zuversicht auf Bewältigung haben wir uns auf den Weg zu machen um unseren Bei­trag zu leisten, damit die Chancen ge­genüber den Risiken gewinnen und sich das Po sitive weiter entfaltet.

Wenn in diese Publikation neben den Texten auch Bilder aufgenommen wur­den, so deshalb, damit neben den Problemen, Herausforderungen und zu be­wältigenden Aufgaben auch das Vertraute und Aufbauende zur Geltung kommt, die Heimat, die Natur und die Menschen in ihrer Ungezwungenheit und Lebensart. Sie sind für den Einzelnen nicht nur ärgerliches Gegenüber und Lebens­umwelt, sondern auch Quelle der Freude, die Kraft gibt und ermu­tigt, sich zu engagieren und einzubringen.

All Jenen, die mich durch Gespräche oder auf andere Art und Weise ermuntert und damit unterstützt haben, danke ich an dieser Stelle recht herzlich. Für sie und die an der aufgegriffenen Thematik Interessierten ist diese Arbeit letzt­lich ent­standen. Über das Vorgestell­te hinaus zu denken ist aus meiner Sicht überaus er­wünscht. In­so­weit erhebt die Publika­tion nicht den Anspruch, ein abgeschlos­senes Werk zu sein. Es ist – wie alles menschliches Wirken – Stück­werk und da­mit – so hoffe ich – hilfreiche Grundlage für weiterführendes Den­ken und Han­deln.

Fürth, den 15. Jan. 2019

Prof. Dr. mult. Alfons Maria Schmidt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Blick zum Rathausturm in Fürth aus der Fußgängerzone (geteilt)

Zeit des Umbruchs

Zukunft als permanente Aufgabe und Herausforderung für verantwortungsbewusst Handelnde

Wer auf die Zukunft einer sozialen Einrichtung vorbereitet sein will, der ist gehalten, durch hinreichende Reflexion die sich laufend vollziehenden He­raus­forderungen, Ein­flüsse und Verän­de rungen in unserer Gesellschaft, aber auch die legitimen In­te­ressen und Bedürfnisse der Menschen innerhalb und außer­halb sozialer Gebilde wahr­zu­nehmen und hinreichend zu berück­sich­tigen.

Dabei bewegen wir uns im Spannungsfeld von Bewahren und Verändern, von ethischer Bindung und pragmatischer Bewältigung, von Berücksichtigung des Verbindenden und Eingehen auf das Spezifische vor Ort. Wir sind hier ein­gebunden in einen fort­laufenden Prozess der Entwicklung in die sich ent­fal­tende Wirk­lichkeit, die realen Fort­schritt darstellen und erhöhtes Wohl­be­fin­den schaffen soll. Dies fordert letztlich jedes Mitglied einer Gemeinschaft da­zu he­raus, kon­struktiv beizutragen.

Wenn beispielsweise im Bayerischen Roten Kreuz heute die Schnittstellen­pro­ble­ma­tik, die zu nutzenden Synergieeffekte, die Vernetzung und Transparenz, aber nicht zuletzt auch der wertschätzende Umgang im Zentrum der Betrach­tun­gen stehen, so gibt es dafür gute Gründe. Denn die vorhandenen Schnitt­stel­len sollen keine vermeidbaren Rei­bungsverlus­te her­vorrufen, Synergie­ef­fekte sol­len über die Einzelleistungen hinaus positive Wirkungen zeitigen, Ver­net­zung und Transparenz dienen der Klarheit und der gemeinsamen Aus­rich­tung und wertschätzender Umgang gewährleistet Bereitschaft zu konstruk­ti­vem Mit einander und fruchtbringender Zu­sammenarbeit.

Bei den Herausforderungen und Veränderungen gilt es nicht zuletzt, den tech­no­lo­gischen Wan­del durch Digitalisierung und daraus resultierende Erfor­der­nisse hinrei­chend in Entwicklungsüberlegungen einzubinden. Dies darf al­ler­dings nicht in einer technokratischen Art und Weise geschehen, ohne die be­troffe­nen Menschen und deren Befindlichkeit zu vernachlässigen. Insoweit ste hen hier formale, inhaltliche, soziale und ergebnisbezogene Aspekte gleich­ge wichtig ne­ben­einander.

Bei den formalen Aspekten stehen die neuen Technologien im Vordergrund, bei inhalt­li­chen Aspekten sind die sachlichen Aufgabenstellungen in den ein­zelnen Teil­auf­ga­benfeldern sowie deren Einbindung in die Gesamtaufgabe im Zentrum der Betrach­tung, soziale Aspekte be­fassen sich mit den legitimen In­teressen und Be­dürf­nissen der von den Ver­änderungen betroffenen Men­schen und er­gebnis­be­zo­gene As­pekte be­mü­hen sich darum, voraussichtlich er­zielbare Ef­fekte mit auf­ge­wand­ten Mühen in Bezie­hung zu setzen, damit Aufwand und Ertrag nicht in einem Missverhältnis zueinander steht.

Wenn hinter der Zukunftsorientierung ein offener Blick auf das steht, was bislang er­reicht wurde, was es zu bewahren gilt und was einer Entwicklung bedarf, dann ergibt sich jene Aufgeschlossenheit, die eine sinnvolle Brücke vom Gestern zum Morgen dar­stellt. Letzterem gerecht zu werden fordert Be­weglichkeit, denn künftige Wirklichkeit weicht zwangsläufig von heutigen Ge­gebenheiten und vergangenen Verhältnissen ab. Wer stehenbleibt, fällt hinter die sich wandelnden Erfordernisse zurück. Dabei ginge zwangsläufig wün­schens werte Wirk­samkeit ver­loren.

Erforderliche Fortentwicklung in einzelnen Aufgabenfeldern bedürfen letztlich der Einbindung in ein Gesamtkonzept. Dieses geht – jedenfalls innerhalb des Bayerischen Roten Kreuzes – nach wie vor von der sozialen Zielstellung und der Wahrnehmung von gesellschaftlicher Mitver­ant­wortung aus. Dabei bietet sich an, bislang ungenutzten Sachverstand und brach­lie­gen­de Potentiale stär­ker einzubin­den, damit dringend erforderliche po­sitive Ef­fekte und gebotene Modifikationen er­zielt wer­den.

In der Vergangenheit wurden bedauerlicherweise soziale Aspekte im Binnen­verhältnis zuweilen vernachlässigt. Hier das Wir-Gefühl zu stärken und ein gemeinsames ziel­gerichtetes und erfolgsorientiertes Wirken zu entfalten, wird gerade heute zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit. Denn ein suboptimales Sozialgefüge wird dem Einzel­nen angesichts heute gebotener vielfältiger Alter na­tiven kaum gerecht. In­soweit sind Abwanderungstendenzen ge­ra­de bei fle­xiblen Leistungsträgern zu be­fürchten.

Dass in diesem Zusammenhang gerade Führungskräfte in stärkerem Maße ge­fordert sind, ergibt sich aus den kennzeichnenden Merkmalen unserer Zeit. Sie haben Ori­en­tierung zu geben, zu fordern und zu fördern, Sinn zu ver­mitteln und einzubinden, zu koordinieren und wertzuschätzen. Sie haben da­für zu sorgen, dass das Gesamtgefüge mit ihrer Zielperspektive, aber auch die legitimen Interessen und Erwartungen der jeweils Einzelnen angemessen Be­rücksichtigung finden.

Dass dies angesichts des sich vollziehenden Wandels und der Individualität der jeweils Einzelnen eine immer wie­der neue Herausforderung darstellt, macht die Füh­rungs­aufgabe nicht leichter. Insoweit sind Hilfestellungen ge­boten, um den Heraus­for­de­rungen einerseits, den mitwirkenden Menschen, aber auch den Adressaten des Wir­kens gerecht werden zu können – auch wenn angesichts der relativen Ungewissheit der Zukunft eine angemessene Beurteilung von erzielten Ergebnissen erst in der Zukunft möglich sein wird.

Zukunft als permanente Aufgabe und Herausforderung für verantwortungs­be­wusst Handelnde kann aus langfristiger Betrachtung nicht umgangen wer­den. Ihr gerecht zu werden, ist Zeichen von Qualität, die es zu bewahren und zu steigern gilt. Erfolge der Vergangenheit liegen in der Vergangenheit, in der Gegenwart ist die Zukunft soweit möglich vorzubereiten, da­mit die Bedeutung bestehender sozialer Gebilde die positive Bi­lanz des Wirksamwerdens und die erzielten aufbauenden Effekte nicht schwinden.

Optimierte Teilaufgabenbewältigung und Gesamtkonzept sind wechsel­sei­tig ab­zu­stim­men. Nur dann kann es gelingen, auf der Höhe der Zeit be­darfs­gerechte Leis­tungen anzubieten, eine sinnvolle Hilfe zur Selbsthilfe ­zu­ leis­ten, Befriedigung zu schaffen, der gesellschaftlichen Mitverantwortung ge­recht zu werden, Schutz und Sicherheit zu geben, aber auch gebotene Stabi­lität im Rahmen der sich vollziehenden Ver­ände­run­gen zu bieten. Es gilt, durch Of­fen­heit, Flexibilität und gemeinsame Anstrengung das Feuer am Le­ben zu hal­ten und nicht durch unreflektiertes Festhalten am Überkommenen die Asche zu be­wah­ren.

Verfehltes politisches Handeln als gesellschaftliches Problem

Wider Populismus, überzogenes Machtdenken, Vernachlässigung von Zusammenhängen und rein emotional bestimmtes Agieren

Wahrgenommene gesellschaftliche Mitverantwortung zeigt sich an Hand der Gemeinwohlorientierung der Handelnden und nicht in der Verfolgung von Par­tikularinteressen. Jüngste Auseinandersetzungen in der Politik haben diese Erkenntnis überlagert und es lässt sich fragen, ob jene daran Beteiligten da­mit nicht nur der Parteienverdrossenheit, sondern auch der um sich greifen­den grundlegenden Enttäuschung und Politikdistanz Vorschub geleistet ha­ben.

Gerade im Hinblick auf anstehende Wahlen erscheint ein kurzfristiges Hauen und Stechen ungeeignet, Vertrauen wachsen zu lassen. Dies gilt nicht zuletzt dann, wenn man bei hochgejubelten Randproblemen Extremisten in ihren Ex­tremposition noch zu überbieten sucht um ihnen das Wasser abzugraben, wenn man Maß und Ziel beiseiteschiebt und eine faktische Systemgefährdung betreibt, die über legitime Anliegen hinaus zerstörerisch wirkt. Stamm­tisch­pa­rolen sind nun einmal kein Ersatz für eine gute Politik.

Verträge und rechtliche Normen außer Kraft setzen zu wollen zeugt nicht von Seriosität, vielmehr von einer panischen Angst um Macht­minderung oder Machtverlust. So wird die neue Ausrichtung zum Motor für eine verstärkte Ab leh­nung, der sich zeigende kurzfristig ausgerichtete Populismus zum To­ten gräber gefestigter Verhältnis­se, wachsender Hass, zunehmende Gewalt und Intoleranz zu einer Minderung an gesell­schaftlicher Kultur und Lebens­qua li­tät. Darin liegt wahrlich keine tragfähige Lösung für real existierende Pro­ble­me.

Die Überwindung von bestehenden Herausforderungen erfordert, den Dingen auf den Grund zu gehen und langfristig tragfähige Antworten zu suchen und zu finden. Platte Sprüche und verbalradikale Ansätze tragen da kaum den be­stehenden Erfordernissen hinreichend Rechnung. Sie überwinden auch nicht liebge­wordene Lebens­lügen. Scheinlösungen zeugen eher von blindem Ak­tionismus, dem es nicht um die Sache geht, sondern um ganz andere Anlie­gen.

Parteipolitische Anliegen sind durchaus legitim. Sie sind jedoch den Gesamt­interessen und den zwingenden Erfor­der­nissen des Gemeinwesens unterzu­ordnen. So ist im Rahmen von einfachen Antworten damit zu rechnen, dass

- Stammtischparolen Populisten nicht davon abhalten, das Original zu wäh­len,
- ein Ruck von der Mitte weg Mitdenkende und Verantwortungsbewusste da­von abhält, zuzu­stim­men,
- die Tendenz zur Wahlenthaltung gestärkt und damit das Gegenteil er­for­der­lichen Mittragens bewirkt wird und
- Parteien mehr und mehr zur größten Gefahr für Akzeptanz und Fort­be­stand der De­mo­kratie werden?

Seriösen Mitbürgern sind überzeichnete Positionen und taktische Spielchen ein Greul. Am Rande einsammeln zu wollen und in der Mitte zu verlieren ist im Übrigen langfristig betrachtet wohl nicht der Weisheit letzter Schluss. Zählt nur die anstehende nächste Wahl oder doch eine anzustrebende langfristig positive Entwick­lung der Gesellschaft? Letztere ist dem Gemeinwesen zu wün­schen, lässt sich aber kaum mit emotional geprägten Hauruck-Methoden be­werkstelligen.

Rationalität ist einzufordern, auch wenn zurückliegende Versäumnisse die Un duldsamkeit wachsen lassen, wenn Teilaspekte herausgegriffen und der Blick auf die komplexe Ge­samtproblematik vernachlässigt wird. Natürlich las­sen sich die Verhältnisse schön träumen. Schönträumen ist nicht Realität son dern Wunschdenken. Und ein Zurück in die Vergangenheit mit Lösungs­konzepten, die an veränderten Gegebenheiten vorbeigehen, ist kaum hilfreich, gemeinsam das zu Leistende zu vollbringen.

Manche Zeiten bringen besondere Belastungen mit sich. Heute leben wir in ei­ner solchen Zeit. Erscheint es da nicht vernünftig,

- möglichst vorurteilsfrei die Wirklichkeit und die in ihr vorhandenen Defi­zi­te zu erfassen,
- ethische, rechtliche, professionelle, wirtschaftliche, soziale und auch prak­tische Ge sichts­punkte zu berücksichtigen,
- im fairen Austausch von Argumenten um bestmögliche und verantwort­ba­re Lö­sun­gen zu ringen,
- in einem Stufenprogramm die Umsetzung des im Konsens gefundenen We­ges anzugehen und
- auf dem Weg angesichts neu gewonnener Erkenntnisse erforderlich wer­den­de Anpassungen vorzunehmen?

Wir wissen, dass einfache holzschnittartige Antworten in aller Regel ungeeig­net sind, Aufgaben zu bewältigen, Probleme zu überwinden und He­raus­for­de­rungen zu meistern. Gerade im letzten Jahrhundert haben wir dies im­mer wie­der gesehen. Auch dem Letzten muss klar sein, dass es keinen Sinn macht, offenkundige Fehler zu wiederholen. Sie machen keinen Sinn und bie­ten keine langfristig tragfähigen Lösungen. Gerade diese aber sind gerade heute er­for­der lich.

So erscheint geboten, das Drängende und Wichtige anzugehen und sich nicht mit Nebenkriegsschauplätzen zu verzetteln. Es erscheint vielmehr erforder­lich, in zentralen Fragen um best­mögliche Lösungen bemüht zu sein und Ar­gu­mente anderer auf de­ren Wert hin zu prüfen. Es erscheint erforderlich, ethi­sche Aspekte nicht aus Bequemlich­keit auszuklammern und langfristige Fol­ge­wirkungen zu be­denken. Da mag es sein, dass nicht unmittelbar die Ideal­lösung offenkundig wird. Aber eine zügige schrittweise Fortentwicklung der Ge ­ge­ben­heiten in die richtige Richtung ist nicht zu verachten.

Wer die Forderung erhebt: „ich will alles und dies sofort“, dem ist hinreichen­d notwendiger Realismus ab­zusprechen, der bewegt sich jenseits der Wirk­lich­keit und des Machbaren. Dies zu erkennen und anzuerkennen führt uns dazu, erforderliche Mühe ein­zusetzen und Anstren­gung auf uns zu nehmen. Es führt uns dazu, den Din­gen auf den Grund zu gehen und sich nicht mit blin­dem Aktionismus und Scheinlösungen zufrieden zu geben. Letzteres ver­schlim­mert die Ver hält­nisse anstatt diese zu bessern.

Die Bündelung von Kompetenzen und Erfahrungen, einer verantwortbaren Grundeinstellung und der Bereitschaft, das Notwendige gemeinsam in Angriff zu nehmen lässt sich nicht ersetzen. Dabei sind letztlich alle gefordert, ihren Teil bei­zu­steu­ern. Es erscheint da nicht so interessant, von wem die zündende Idee kommt. In­teressant ist vielmehr, dass die Herausforderungen im Mit­ei­nander zu­frie­denstellend gemeistert werden. Dann sind wir am besten ge­rüs tet für die Zu­kunft und deren immer wieder neue Zumutungen.

Verschobenes politisches Spektrum und resultierende Konsequenzen

Der Blickwinkel auf das politische Spektrum zeitigt erhebliche Auswirkungen, da sich aus abweichender Betrachtung zwangsläufig differierende Einschät­zun­gen ergeben. Ist in einer Gesellschaft das Spektrum beispielsweise nach rechts verscho­ben, ergibt sich vor allem hinsichtlich der Wahrnehmung des Umfangs an Rechts­extre­mismus ein deutlicher Unterschied, der hinsichtlich der für angemessen erachteten Kon­sequenzen und des vorhandenen Hand­lungs­bedarfs zu deutlichen Fehl­ein­schät­zungen führt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein nach rechts verschobenes politisches Spektrum hat zur Folge, dass nur ein Teil des real vorhandenen Rechtsextremismus als solcher wahrgenommen wird. Tatsächlich vorhandener Rechtsextremismus, der nicht wahrgenom­men wird aber vorhanden ist, lässt im politischen Handeln letztlich angezeigte und erforderliche Maßnahmen vermissen. Denn die regional dominierende ge­sell­schaftliche Wahr nehmung prägt das allgemeine Bewusstsein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies gilt jedenfalls für Menschen, die traditions- oder extrinsisch geleitet sind und sich stark beeinflussen und tendenziell fremdbestimmen lassen. Uns führt dies zu der Erkenntnis, dass angesichts des unverkennbaren heutigen Rechts­rucks in Deutschland und der abneh­menden Bindungswirkung von früheren Volksparteien sich eine verän­der­te Wirklichkeit zeigt, die deutliche Folge­wir­kungen er­kennen lässt. Sie zeigen sich im noch demokratischen Spek­trum ebenso wie in der veröffentlichten Meinung.

Besondere Bedeutung haben hier ungeachtet von „fake news“ auch die vom Zeitgeist geprägte „Schere im Kopf“, sowie durch Normierungsdruck und ten­denzielle Gleich­schaltung geprägte Unsicherheit, die Angst auch ohne direkte Bedrohung erwachsen lässt. In Teilen der Bundesrepublik Deutschland kann angenommen werden, dass die vorhandene Tendenz einer Spek­trums­verlage­rung nach rechts zurückzuführen ist auf

- Frustration durch die heute stattfindende Dynamik des Wandels, die wech­selseitige Überlage­rung vielfältiger, gleichzeitig sich ergebender Verän­de­rungsprozesse, die Globalisierung, neu auftretende Handlungs- und An­pas sungs erfor­der­nisse, sowie die wachsende Kom­plexität in einer vernetzt agie ­renden Welt.
- Aber auch eine Rückwärtsgewandtheit und Bindung an das Vertraute, das Empfinden von Überforderung, fehlender Hilfe und Erläuterung, sowie sub jektiv empfundene Un­durch­schau­barkeit des Geschehens. Aber auch das bewusste Ausnutzen der Ver­unsi­che­rung durch extreme politische Kräf­te lassen diese Positions­ver­la­ge­rung verständlich werden.

Die Diskrepanz zwischen tatsächlichem und wahrgenommenem Rechtsextre­mismus wirken sich nicht nur im politischen Handeln, sondern auch hin­sicht­lich der Attraktivität des Standortes, der Ansiedlungsbereitschaft von Unter­nehmen, auf Zu- und Abwanderung aus. Dass hier einzelne Urlaubsregionen leiden, ist denn auch höchst verständlich und nachvollziehbar, auch wenn zu konstatieren ist, dass der Rechtsruck nur einen gewissen Teil der Bevölkerung betrifft.

Da ist wohl zu vermitteln, dass Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen eine ganzheitliche Annahme dieses Geschehens erfordert und das Streben nach einem Herauspicken von Rosinen Zeichen der Unreife darstellt. Wir wissen doch, dass jedes Gemeinwesen Licht- und Schattenseiten hat und es die Auf­gabe der Mitglieder des Gemeinwesens ist, die Lichtseiten zu vermehren und die Schattenseiten abzubauen. Dies wird nur im Miteinander geschehen kön­nen, nicht durch das Verfolgen von unrealistischen Wunschträumen und das Bestimmen von Sündenböcken.

Politisch Verantwortliche sind gut beraten, nicht nur auf den Erhalt der Mehr­heit zu schielen, sondern in Verantwortung langfristig wirksam werdende Kon­sequenzen aus einer Sehschwäche auf dem rechten Auge zu bedenken und im Handeln zu berücksichtigen. Wer Realität nicht wahrzunehmen bereit ist, der ändert letztlich im positiven Sinne Nichts an der Realität. Fehlende Wahr­nehmung und Verharmlosung sind letztlich ein Anschlag auf die Zu­kunfts- und Konkurrenz­fähigkeit einer Region im internationalen Wettbewerb.

Was Not tut ist eine neue Kultur des Miteinanders. Eine Kultur, die Ungewiss­heiten zulässt und Probleme angeht, eine Kultur die einbindet statt auszu­gren­zen, die um Fortschritt im positiven Sinne bemüht ist und die Würde je­des Einzelnen achtet. Dass durch individuelle Selbstentfaltung und Selbst­ver­wirklichung sich eine Bandbreite ergibt, ist eine Bereicherung, sofern anderen gleiche Rechte zugestanden und Mitverantwortung für das Ganze wahrgenom­men werden.

Dass geschichtlich zurückliegende Unterschiede in einzelnen Teilen der Bun­desrepublik Deutschland bestehen ist Fakt. Dies ändert aber nichts an dem Erfordernis, für die Gesellschaft, das Gemeinwesen und Demokratie einzu­tre­ten. Wohin die Alternative aus Intoleranz, Gleichschaltung und Repression ge­führt hat, konnte man schließlich oft genug sehen. Dass Bewältigung von He­rausforderungen in einem schrittweisen Prozess stattfindet, steht gegen das Einfordern ra­scher einfacher Antworten. Letztere wird es nicht geben.

Rationale Betrachtung und Verantwortungsbewusstsein raten uns, Diskre­pan­zen zwischen wahrgenommenem und real bestehendem Rechtsextremis­mus als Warnsignale ernst zu nehmen. Sie raten uns dazu, berechtigte Sor­gen aufzugreifen, aber destruktiven Extremismus abzuwehren. Sie raten uns da­zu, auf jeden Einzelnen zu achten und das Gemeinwohl als Orientierungs­größe zu betrachten. Dann kann es gelingen, sowohl der Gesellschaft Zu­kunfts fähig­keit als auch dem Einzelnen Wohlbefinden zu sichern.

Zunehmende Differenzierung, Verlust an Gemeinsamkeiten und Relativierung von Grundwerten

Ein Gemeinwesen, dem das Verbindende verloren geht, das zer­fällt. Da wird eine im­mer stärkere Differenzierung, das Schwinden zentral er­for­der­licher Über ein­stim­mung und die Relativierung von Grundwerten zu ei­nem ech­ten Problem. Denn das Gemeinsame verbindet, lässt ein „Wir-Ge­fühl“ entstehen und subjektiv Sicherheit erfahren. Dies macht Mut und be­freit dazu, im Empfinden des Angenommenseins Neues zu wagen, Persönlichkeit zu ent­fal­ten und Individualität als Bereicherung zu empfinden.

Der Konflikt zwischen dem Bewahrung des Gemeinsamen und dem legitimen Streben nach Selbstverwirklichung gestaltet sich bei näherer Betrachtung nur dann als Gefahr, wenn zwischen der Rückbindung und der Verfolgung indivi­dueller Ziele das Gleichge­wicht verloren geht. Denn

- der Mensch ist unweigerlich auf andere angewiesen, die ihm erforderlichen Schutz und Sicherheit, Orientierung und Maßstäbe bieten, von ihm aber auch Rück sichtnahme einfordern.
- Und nur in Auseinandersetzung mit sozialen Gebilden ist der Einzelne letzt­lich in der Lage, sein individuelles Sein zu entwickeln und zu einer Per­sön­lich­keit heran­zu­reifen.

Wenn heute also das Verbindende zunehmend verloren geht, durch immer stär­kere Differenzierung und Schwinden zentral erforderlicher Über­ein­stim­mun­gen, so­wie eine Relativierung von essentiellen Grundwerten die Substanz des Ge­meinsamen schwinden lässt, dann ist der Einzelne ohne Rück­halt schutz los den Stürmen des Lebens ausgeliefert. Er ist alleine, auf sich gestellt und viel ­fältigen Unwägbarkeiten ausgeliefert – wie ein dahintreibendes loses Blatt im Wind.

Wir brauchen den Rückhalt, Orientierung und Sicherheit, wie wir auch den Freiraum benötigen, um Individualität zu entfalten, um eigene Akzente zu set­zen und mit den jeweiligen persönlichen Ideen, Kompetenzen und Erfah­run­gen einen konstruktiven Beitrag zur Evolution und damit zur positiven Fort­entwicklung des Gemeinwesens zu leisten. Spuren zu hinterlassen ist uns als Menschen aufgetragen und wir erfahren in diesem Wirken sowohl Sinn als auch Be­frie­di­gung.

Mitmenschen sind für uns also Erfordernis, manchmal aber auch Är­ger­nis. An ihnen können wir uns abarbeiten und unsere eingenommenen Positio­nen überprüfen, um zu tragfähigen sozialverträglichen Lösungen zu kommen. Was wir an Freiraum in Anspruch nehmen, dies steht aus rationaler Sicht auch den jeweils anderen zu. Und auch sie haben gute Gründe, ihre Auf­fas­sungen und Erwartungen zu vertreten, Rücksicht auf uns zu nehmen und Rücksicht von uns einzufordern.

Immer wieder sind wir in dieser Auseinandersetzung gehalten, den erfor­derlichen Grundkonsens zu bewah­ren und nicht aufgrund kurzfristig er­ziel­barer Vorteile ein langfristig förder­li­ches Zusam­men­leben zu gefährden. Nicht im Egoismus, aber auch nicht in der totalitären Gleich­schaltung liegt Wert, sondern in der Berücksichtigung legitimer Inte­res­sen, in einem fai­ren Aus­gleich und im Ringen um bestmögliche Lö­sun­gen. Dazu bedarf es der Sensi­bilität anderen gegenüber, aber auch der Geltendmachung eigener be­rech­tig­ter An­sprü­che.

Im Rahmen einer sozial verpflichteten Organisation haben wir hier ein ideales Übungsfeld, das zudem den Vorzug aufweist, immer wieder auftretende gesell­schaft­liche Benachteiligun­gen abbauen zu wollen, bislang Unverstandenen und Un­be­rücksichtigten die Chan­ce zur Teilhabe zu schaffen und sinn- und werthafte Zugehörigkeit zu einem größeren Gan­zen zu vermitteln. Dies wird sich nicht immer ohne Reibungen bewerkstelligen lassen. Doch was wäre dazu die Al­ter­na­tive?

Wenn wir in unserer kleinen Welt der Familie, den sozialen Gruppierungen, der Wohlfahrtsorganisationen nicht die Kurve bekommen, wie soll dann der friedvolle gesell­schaftliche Fortbestand unseres Gemeinwesens gesichert wer­den? Wenn es uns nicht gelingen sollte, jedem das Seine zuzubilligen und ihn oder sie als wert­vollen Teil der Gemeinschaft anzunehmen, wie kann dann in einem Prozess wech­selseitigen Zu­sam­menwirkens etwas Wün­schenswertes und Wertvolles entstehen?

Neben dem Blick auf die eigene Person ist also immer wieder der Blick auch auf andere, auf die einzelnen Mitglieder sozialen Grup­pierungen in denen wir stehen er­for­derlich. Letztlich zählt das gemeinsame Wohl und dies ist dauer­haft kaum gegen Bezugspersonen oder an ihnen vorbei zu schaffen. Orga­ni­sationen im sozialen Be­reich haben hier aufgrund ihrer Aufgabenstellung eine besondere Verpflich­tung und Verant­wortung. Diese richten sich sowohl nach innen, wie auch nach außen.

Eine Gefährdung sozialer Gebilde können wir uns letztlich nicht leisten und ein Miss­brauch von Freiheit fällt früher oder später auf den Missbrauchenden, aber auch auf an­dere zurück – z.B. durch die Einschränkung von Frei­heits­rechten. Zudem leiden hier das soziale Klima und die gesellschaftliche Kultur. Beide zu erhalten ist letztlich zwingend geboten. Ein brachiales Durchsetzen von Gel­tungs­ansprüchen und Machtinteressen kann dies nicht ernsthaft aus­glei­chen.

So liegt der erfolgversprechende und auch angemessene Weg im rechten Maß begründet. Rücksicht zu nehmen und legitime Ansprüche einzufordern wird bei stärkerer Differenzierung der Gesellschaft sicherlich nicht einfacher, aber die Bewahrung des Gemeinsamen und ein Festhalten an unveräußerlichen Grundwerten bietet uns ein klares Erkennen des Erforderlichen, eine Bewah­rung der die Gemeinschaft kennzeichnenden Maßstäben und den Erhalt des emotional verbindenden und bestärkenden „Wir-Gefühls“.

Das Verbindende zu betonen und das Trennende zu überwinden ist und bleibt auch weiterhin eine dauerhafte Herausforderung. Ihr sich zu stellen ist ein Kennzeichen von erlangter Reife. Nicht nachzulassen, dies bringt voran und lässt die Hoffnung als gerechtfertigt erscheinen, Herausforderun­gen zu meis­tern, Auf­gaben zu erfüllen, Ziele zu erreichen und letztlich rückblickend er­sehnte Be­frie­digung zu er fah­ren. Weniger individuelle Durchsetzung kann dann durch­aus zu einem erhöhten gemeinschaftlichen Gewinn führen. Damit wird auch der Einzelne zum letztendlichen Gewinner.

Wir werden nicht alles haben können. Aber Geborgenheit und relatives Wohl­be­finden in Freiheit und Sicherheit sind nicht zu verachten – auch wenn wir dafür gefordert werden.

Verlorenes Vertrauen, ein zu überwindendes Grundübel in unserer Zeit

Bedauerndes Bemängeln des Faktischen alleine genügt nicht

Kennzeichen unserer Zeit ist ein verlorengegangenes Vertrauen in sozial und gesell­schaft­lich maßgebli­che Personen und Institutionen. Dieses verlorenge­gangene Ver­trau­en kommt nicht von ungefähr. Ausschlaggebend sind hier so­wohl bislang ge­mach­te Erfahrungen, begünstigende Rahmenbedingungen, als auch gewandelte Grund ein­stellungen und Verhaltensweisen. Aber aktuelle Ge gebenheiten sind bei ent­spre­chen­der Entwicklung des Beziehungsgefüges nicht unveränderlich.

Verlorengegangenes Vertrauen als ein heute bestehendes Grundübel zu be­zeich­nen liegt durchaus nahe. Denn wir treffen auf dieses Phänomen sowohl in Fa­milien, in so­zialen Institutionen und in der Gesamtgesellschaft. Kri­sen­haft er­scheint nicht zuletzt die Diskre­panz des Empfindens von Entschei­dungs­trägern ei­ner­seits und davon Be­trof­fenen an­dererseits. Letztere sehen sich nicht selten als ein­fluss lose fremd­bestimmte Opfer – ungeachtet vorhan­dener sinnvoller Ideen, re­levanter Kompeten­zen und nutz­barer Er­fahrungen.

Fehlendes Vertrauen geht in aller Regel auf ein in der Kindheit gebildetes un­zu­rei­chendes Urvertrauen und auf einen im Zeitablauf erworbenen Ver­trau­ens verlust zu­rück. In beiden Fällen festigen sich auf der Grundlage von Er­fah­run­gen schrittweise erworbene Erwartungen. Wer zurückliegend kaum Ur­ver­trau­en bil­den konn­te oder vor­handenes Vertrauen verloren hat, der tut sich in der Tat schwer, Bezugspersonen ei­nen Vertrauensvorschuss zu ge­wäh­ren. Denn dieser macht angreifbar und ver­letz­lich. Und dies gilt es aus sub­jektiver Sicht und aus Eigenschutz zu ver­meiden.

Was sich gefestigt hat, lässt sich nur langfristig durch neue vertrauens­be­grün dende und vertrauensfestigende Erfahrungen ver­ändern. Vertrauen muss hier in­so­weit erst verdient werden, ehe Vorsicht abgebaut und sich ein konstruktives Mit­einander ein­stellen kann. Denn negative Erfahrungen zeigen in aller Regel ei­ne Lang­frist­wirkung. Insoweit ist hinreichende Geduld ange­sagt. Ein gebote­nes sozialintegrierendes Um­schal­ten im Verhalten zeigt also in der Regel erst lang­fristig erhoffte Wirkung.

Vertrauensverlust aufgrund von Erfahrungen geht in erster Linie auf ein Fehl­ver­hal­ten maßgeblicher Bezugspersonen und Institutionen zurück. Wir er­ken­nen dies bei nä­herer Betrachtung von Verhaltensweisen von Führungs­kräf­ten, von politischen Ent­schei­dungsträgern, sowie sozialen und gesellschaft­li­chen In­stitutio­nen, ge­gen­über denen eine starke sachliche oder emotionale Ab­hängigkeit be­steht. Die faktische und auch die zugebilligte Relevanz ist hier in aller Re­gel maßgeb­lich. Wir sehen dies beispielsweise bei Eltern, Schulen, Ar­beit­ge­bern, Kirchen und son­stig relevanten sozialen Gebilden.

Damit es zu fehlendem Vertrauensaufbau oder Vertrauensverlust kommt, ist allerdings nicht nur Fehlverhalten maßgeblich. Es zählen auch

- zunehmende Undurchschaubarkeit,
- Ausmaß der Veränderungen und Dynamik des Wan­dels,
- fragwürdige Eindruckslenkung statt Offenheit und Wahrhaftigkeit,
- Verfolgen kurzfristiger Effekte statt einer lang­fristigen Ausrichtung, sowie
- Tiefe und Grad der Festigung der Verunsiche­rung.

In einer Zeit zunehmender Komplexität und der Notwendigkeit zu fortlaufen­den An­passungen besteht nun einmal bei einem Teil der Mitbürger die Gefahr der Über­for­derung und der Neigung zu einfachen Antworten auf Herausfor­de­rungen, Rah­men­be­dingungen, Probleme und Aufgaben. Ohne hinreichende Information und Er­läu­te­rung, Bau von Brücken, Mitnahme und Einbindung wird dieser Tatbestand nicht zu überwinden sein. Letztlich hilft es nicht, sich alleine vom Wünschenswerten auszugehen oder Sün­den­böcke für Defizite ver­antwortlich zu machen.

Wenn wir auf maßgebliche Entscheidungsträger blicken, so ist hier sicherzu­stellen, dass nicht ein kurzfristig realisierbarer positiver Effekt zählt, sondern eine langfristig vertrauensbildende und konstruktive Ausrichtung. Kurzfristig erzielbare Vorteile ge­hen zumeist zu Lasten von Fairness und einer kontinu­ierlichen vertrau­ens­vol­len Zu­sam­men­arbeit. Maßgeblich ist letztlich das Aus­maß der aus Erfahrun­gen gefes­tig­ten Verunsicherung bei realer oder sub­jek­tiv em­pfundener Ab­hän­gigkeit oder ge­sell­schaftlicher Unter ord­nung.

Entgegengebrachtes Vertrauen ist in aller Regel abhängig von einer Reihe an Voraus­set­zun­gen. Dazu zählen

- Glaubwürdigkeit und Zuversicht,
- erlebte Fairness, Offenheit und Ehrlichkeit,
- Chance zur Beteiligung, Teilhabe und erlebte Zuwendung, aber auch
- schrittweise Überwindung negativer Erfahrungen und empfundener fehlender Gerech­tigkeit.

Die Einschätzung der Wirklichkeit gestaltet sich faktisch höchst subjektiv und die re­a­len Verhältnisse von Einzelnen und sozialen Gruppen differieren heute in ho­hem Maße. Dies macht es schwer, jene erforderliche Glaubwürdigkeit von Eliten, von Fair­ness, Offenheit und Ehrlichkeit, aber auch von Chancen zur Beteiligung und Teil­habe möglichst allen erlebbar zu machen. Dies aber wäre gerade heute notwendig um noch vor­han­de­nes Ver­trauen zu bewahren und Ver­trau­ens­ver­luste ab­zu­bau­en.

Gegen negative Erfahrungen und erlebte Ungerechtigkeit nur deklaratorisch Stel­lung zu beziehen erscheint unzureichend. Erforderlich ist hier, dem Ne­gativen positives Er­leben gegenüber zu stellen. Dass dies im privaten, politi­schen und gesell­schaft­lichen Han­deln einen Paradigmenwechsel nach sich zie ­hen dürfte, liegt auf der Hand. An Be­deutung gewinnt hier einerseits der be stehende legitime Be­darf des jeweils Ein­zel­nen und andererseits der in­di­vi­duell von ihm zu leis­tende zumutbare Beitrag zum Ge­mein­wohl.

Um das Wünschenswerte erreichen zu können bedarf es eines aktiven Han­delns, welches mit Aufwand verbunden ist. Erst wenn Wort und Tat eine Einheit bilden, kann Glaub­würdigkeit erwachsen. Dazu gilt es,

- eine überzeugende Grundeinstellung den Mitmenschen gegenüber an den Tag zu legen,
- den sozialen Umgang verantwortungsbewusst und wohlwollend zu gestal­ten,
- im gemeinsamen Bemühen mit jeweiligen Bezugspersonen vertrauensbil­dende förder­liche Maßnahmen durchzuführen und
- eine ungebrochene Kontinuität im steten Bemühen um ein sozialver­träg­li­ches Miteinander bei partieller Zurückstellung persönlicher Interessen zu zeigen.

Ohne überzeugende Grundeinstellung, unzureichend verantwortungs­bewuss­tem und wohlwol­lendem Umgang mit Anderen und ausgeprägter Rücksicht­nahme be­steht der Keim des Zweifels an der Aufrichtig­keit fort, denn die In­stru men­ta­lisierung und Nutzung ei­nes maskenhaften so­zialen Erscheinungs­bil­des kann auf Dau­er Mitmenschen nicht überzeugen. Zwar kann man an­deren kurzfristig etwas vormachen, doch allen Be­zugs­per sonen auf Dauer et­was vor­machen zu wollen wird letztlich nicht gelingen und dies ist auch gut so.

Wer hingegen auf andere eingeht und deren Befindlichkeit berücksichtigt, wer dau­erhaft ein Verhalten an den Tag legt, das ethisch gegründet und in sich stim­mig er­scheint, dem öffnen sich früher oder später die Herzen. Ihm wird damit die Chance gegeben, in positiver Art und Weise zu beeinflussen und zu gestalten. Dass hier ein lan­ger Atem erforderlich scheint und dennoch nicht alle überzeugt werden können, ist wahr. Doch so ist nun einmal die soziale Wirklichkeit.

Im Hintergrund der sozialen Ausrichtung steht eine ausgeprägte Gemeinwohl­ori­en­tierung, die Wertgebundenheit des Handelns, Sensibilität und die Be­reit­schaft zu Em­pathie. Es gehört Wahrhaftigkeit statt „Showmenship“ dazu und ein reflektiertes pro­blem­lösendes Denken und Handeln statt einer in erster Li­nie machtpo­li­tischen Prä­ferenz. Wir alle wissen schließlich, dass feh­len­de Nach ­vollziehbarkeit zu fehlender Akzeptanz führt und fehlendes Mit­tra­gen nach sich zieht.

Dass wahrgenommene Ohnmacht, Gerechtigkeitsdefizite und eine undefinier­te diffuse Angst gerade bei Po­pu­listen eher zu Hass, Widerstand und der Su­che nach Sün­den­böcken führt ist erkennbar. Dies gilt besonders bei ei­ner Au­toritätsfixierung, einer überzogenen Erwartungshaltung, fehlendem Glau­ben an die Redlichkeit der ge­sellschaftlichen Entscheidungsträger und ausge­präg­ter Untertanen­men ­ta­li­tät. In der Tat fragen sich aber auch andere, warum es im Laufe der Zeit zu einer immer stär­keren Schieflage der be­ste­hen­den Ver­hält­nisse gekommen ist.

Man fragt sich, wieviel an Ungleichheit eine Gesellschaft verträgt und welche Spreng­kraft sich dadurch ergibt. Man fragt sich, warum Steuerflucht inter­nationaler Kon­zer­ne hingenommen und Aufgaben im Bereich der Bildung, der sozialen und gesund heitlichen Vorsorge nicht bedarfsgerecht angegangen wer ­den. Man fragt sich, warum Konkurrenzfähigkeit im technologischen Be­reich sinkt, Umwelt- und Naturschutz sträflich ver­nachlässigt wird, mächtige Interes­sen grup­pen gegenüber offenkundigen Not­wen­dig­kei­ten bevorzugt wer­den und vieles mehr.

Mit Recht erwarten Mitbürger, dass von Seiten der zur Gestaltung des Ge­mein wesens berufenen Kräfte unter Einbindung aller das Gemeinwohl Vor­rang besitzt, nicht die Realisierung von fragwürdigen Partikularinteressen auf Kosten der Mehr­heit der Men­schen. Vertrauensverlust ist insoweit das Ergeb­nis wach­sen­der Enttäu­schung. Sie ist ungeachtet von erzielten Erfolgen die Folge eines partiellen Versagens, das gesell­schafts­gefährdende Ausmaße an­ge­nommen hat. Ein wei­ter so kann und darf es im Interesse des Gemein­we­sens nicht geben.

Hass und Gewalt als kontraproduktive Reaktion auf subjektiv empfundene Ohnmacht und erlittene Gerechtigkeitsdefizite

In unserer Gesellschaft kommt es immer mehr zu Hass und Gewalt, zur Suche nach Sündenböcken und Extrempositionen, die einfache Lösungen propa­gie­ren. Dies ist nicht zuletzt eine Reak­tion auf subjektiv empfundene Ohnmacht und erlittene Gerechtigkeitsdefizi­te, aber auch des Strebens nach Bewah­rung personaler Würde. Wir kennen dieses Phänomen aus der Tierwelt. Wer sich in die Enge gedrängt fühlt, setzt sich früher oder später zur Wehr – leider al­ler­dings häufig mit unangemessenen Mitteln.

Ein Blick auf die bestehenden Herausforderungen und die von der Politik vor­gestellten unzureichenden Lösungsansätze macht deutlich, dass nicht in der verbalen Auseinandersetzung und im Intrigenspiel das Heil zu suchen ist, son­dern in der Bewältigung defizitärer Verhältnisse, die zumeist Menschen treffen, die ohnedies zu den Benachteiligten innerhalb des Gemeinwesens ge­hören. Sowohl die Liste der bestehenden Herausforderungen wie auch die Lis­te der Problemfelder ist lang.

Wir wissen um die Dynamik des Wandels und daraus resultierender An­pas­sungs­erfordernisse, die negativen Seiten der Globalisierung, von Ungerech­tig­kei­ten, die sich beispielsweise festmachen lassen an der Wohnraumproble­ma­tik, der Rentenproblematik, der Frage der sozialen Sicherheit und der Einbin­dung in das gesellschaftliche Gefüge, an offenkundigen Bildungsdefizite, am Auseinan­der triften der Einkommen und am praktizierten Steuerunrecht, an der nicht hinrei­chen­de Gesund­heits- und Pflegeversor­gung und weiteren Auf­ga­benfeldern.

Wir wissen auch um die Begünstigung von Superreichen, Banken und Groß­kon­zernen, die in der Lage sind, der Politik zu Lasten der Allgemeinheit Rege­lungen aufzunö­tigen, die im Gegensatz zum Gerechtigkeitsgefühl der Mehrheit der Bevöl­ke­rung stehen. Wie leicht ist es da, Sündenböcke verantwortlich zu machen, an­statt die Bewältigung der Herausforderungen einzufordern und an­zugehen. Schon in frühe­ren Zeiten wurden häufig die Schwächsten alleine gelassen und letztlich zu Schuldigen er­klärt.

Sind wir wieder in einer solchen Phase, einer Phase, in der einzelne Mitbürger bemüht sind, die Uhr um achtzig Jahre zurück zu drehen, viele nur Unzu­frie­denheit zum Ausdruck bringen, Ex­trempositionen nachlaufen oder einfach re­signiert zuschauen, in der Wahlverzicht geübt wird angesichts wenig über­zeu­gend empfundener politischer Positio­nen und fehlender positiver Perspek­ti­ven? Da ist es wohl an der Zeit, die Kluft zwischen politischer Klasse und Nor­malbevölkerung zu schließen, der überwiegenden Negativberichterstat­tung in Presse, Funk, Fernsehen und digitalen Medien entgegenzutreten und ihnen positive Fakten gegen­über zu stel­len.

Hass, Gewalt, und die Verfolgung von Minderheiten sind keine Lösung. Sie ver­schär­fen nur bestehende Problematiken. In der Vergangenheit, gerade in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, haben wir bzw. unsere Vorfahren dies bereits zu oft erlebt. Kön­nen wir nicht aus den zurückliegend gemachten negativen Erfahrungen lernen? Was wäre die positive Variante eines Gegen­steu­erns gegen eine ver­fehlte Politik und machtgeprägter formal ausge­rich­te­ter Regelungs­mechanis­men?

Die positive Variante setzt sich zusammen aus einer Vielzahl von Maßnahmen und Aktivitäten – Maßnahmen und Aktivitäten im Übrigen von Vielen. Sie im­pli­zieren eine neue Form des Umgangs miteinander, der Berücksichtigung le­gi­timer Inte­res­sen und Bedürfnisse von Allen und einer verwirklichten Teil­ha­be am gesell­schaftlichen Geschehen. Sie implizieren neben der Sicherheit vor rechtswidriger Bedrohung auch soziale Sicherheit und die Bewahrung des na­türlichen Le­bensraumes, einer lebenswerten Lebensum­welt.

Sie impliziert reale Chancen zur Mitgestaltung der Zukunft und der Verbesse rung heute noch unzureichender Verhältnisse, einem Mehr an erlebter Ge­rech­tig­keit, damit wieder neu Mut gefasst, Vertrauen und Zuversicht aufge­baut wer­den kann. Aus dieser Sicht zeigt sich etablierte Politik heute eher ab stoßend denn hilfreich. Aber nicht nur sie ist in der Bringschuld. Diese Bring schuld gilt für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sie dürfen nicht in die Pas­si­vität abgedrängt werden und zu reinen Zuschauern verkommen.

Mitnehmen und Einbinden, offener glaubwürdiger Dialog und ehrliches Be­mü­hen sind hier die nicht einfach zu erfüllenden, aber erfolgversprechenden Antworten auf das aktuelle Debakel. Widrigenfalls würde die Kluft wachsen und die Verfechter von Extrempositionen gestärkt werden. Dass dies nicht im langfristigen Interesse der Gesellschaft und des Gemeinwesens wäre, liegt un­verkennbar auf der Hand. Warum also machtpolitische Spielchen statt Pro­blembewältigung, warum ein weiter so und ein Ausspielen von gesellschaft­li­chen Teilgruppen gegeneinander statt eines mutigen Aufbruchs in eine bes­se­re Zukunft?

Dazu gehört auch der Kampf gegen eine weitere Verrechtlichung und bürokra­tische Knebelung, der Kampf für Freiheit in wahrgenommener Verantwortung für diese Freiheit. Denn mehr kodifiziertes Recht bedeutet ein Weniger an Ge­rechtigkeit für die überwiegende Mehrzahl der Mitbürgerinnen und Mitbürger. Denken wir hier nur an das nicht mehr nachvollziehbare bundesdeutsche Steu­errecht und die daran geknüpften Rechtsverordnungen, an die rechtlich be­stehende Behin­de­rung und Verhinderung erforderlicher Schritte zum Wohl von Menschen und Natur.

Sicherlich werden sich offenkundige Fehlentwicklungen nicht von heute auf morgen aus der Welt schaffen lassen. Aber ein erkennbarer Abbau des inhalt­lich Unver­tretbaren wäre ein erster Schritt. Er könnte von symbolischen Hand ­lungen begleitet werden, die sich aus der Sache heraus ergeben und sich als vernünftig darstellen – auch wenn dies Verfechtern mächtiger Partikular­inte­ressen miss­fällt, längst überlebte Privilegien und ärgerliche ungerecht­fer­tigte Vor­teils­nahmen überwin­det.

Problemlösendes Handeln ist angesagt, nicht ein unreflektiertes Verteidigen des Bestehenden. Information, Überzeugung, Mitnahme und Einbindung von Mitmenschen ist an­gesagt, nicht eine Wahrnehmungsverweigerung, ein Bei­sei­teschieben und eine Verharmlosung des Auftretens hässlicher Deutscher, von Ras­sis­mus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Letztlich hängt letztlich da­ran, inwie­weit Deutschland in der Lage ist, seinen Platz und seine Konkurrenzfähigkeit im internationalen Gefüge der Nationen und Volkswirt­schaften zu behaupten und seiner weltweiten Mitverantwortung gerecht zu wer­den.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Resultat eigener Verunsicherung, Angst und Identitätszweifel

Entfaltete Persönlichkeit als erfolgsträchtige Gegenstrategie

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber anderen ist Resultat ei­ge­ner Verunsicherung und vorhandenen Identitätszweifeln. Andere dürfen anders sein. Sie haben das Recht, ihre jeweilige individuelle Persönlichkeit zu entfalten und da­durch das Gemeinwesen und dessen schrittweiser Fort­ent­wick­lung zu be­rei­chern. Empfundene Verunsicherung, diffuse Angst und vor­handene Identi­täts zwei­fel gegenüber abweichenden Aus­prä­gungen des indivi­du­ellen Seins spre­chen hier eher gegen den Verunsicherten, gegen Angst­be­haftete und Zweifler.

Anders zu sein ist natürlich. Es liegt schließlich im Recht des Einzelnen und mindert nicht dessen unaufheb­bare Menschenwürde. Legitime Grenzen der Selbstent­fal­tung und Selbstver­wirk­li­chung liegen allerdings dort, wo ein un­zulässiger Ein­griff in die Rech­te an­derer er­folgen würde. Rechte, die wir uns selbst zubil­li­gen, stehen denn auch anderen zu, auch wenn wir diese in ihren Be­weg­grün­den und Prioritätsset­zungen nicht unmittelbar verstehen. Deren Wür­de anzuerkennen ist letztlich Grundlage für die Forderung nach der An­er­kennung der eigenen Würde.

Verunsicherung, Angst und Identitätszweifel lassen sich als perso­na­le Defizi­te interpretieren. Sie lassen sich interpretieren als unzureichende Festigung per­sonaler Identität und übergroßer Zweifel am aktuellen indivi­du­ellen Sein. Da­bei müsste uns doch längst bewusst geworden sein, dass andere Ausprä­gungs formen von Indivi­dua­li­tät Alternativen aufzeigen, die bedenkenswert sind und im Zu­ge der ge­sell­schaftlichen Fortentwicklung durchaus hilfreich erscheinen können. Das Positive wird sich letztlich durchsetzen.

[...]

Excerpt out of 118 pages

Details

Title
Zeit des Umbruchs, bedarfsgerechte Führung, soziales Aufgabenfeld
Subtitle
Zum Zusammenhang dieser drei Phänomene
Author
Year
2019
Pages
118
Catalog Number
V455212
ISBN (eBook)
9783668885974
ISBN (Book)
9783668885981
Language
German
Tags
zeit, umbruchs, führung, aufgabenfeld, zusammenhang, phänomene
Quote paper
Prof. Dr. mult. Alfons Maria Schmidt (Author), 2019, Zeit des Umbruchs, bedarfsgerechte Führung, soziales Aufgabenfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455212

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