Diagnostisches Gutachten für geistige Entwicklung und Sprache eines Sechsjährigen


Project Report, 2017
45 Pages, Grade: 1,5

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. Untersuchungsanlass und Fragestellung.

2. Anamnese.

3. Diagnostische Vorgehensweise.
3.1 Untersuchungsbereiche.
3.2 Verwendete Methoden und Verfahren.
3.2.1 SON-R 2 ½-7.
3.2.2 SETK 3-5.
3.2.3 DLBT.
3.2. 4TROG-D..
3.2. 5CFT.
3.2. 6PDSS.
3.2. 7KISTE.
3.2.8Systematische Beobachtung/BESK..
3.2.9VEWU..

4. Ergebnisse.
4.1 SON-R 2 ½ - 7.
4.2 SETK 3-5.
4.3 LBT/DLBT.
4.4 TROG-D..
4.5 CFT 1-R..
4.6 PDSS.
4.7 KISTE.
4.8 Systematische Beobachtung/BESK..
4.9 VEWU..

5. Interpretation.

6. Förderung.

7. Reflexion.

8. Literaturverzeichnis.

9. Anhang.
9.1 Leitfragen für das Anamnesegespräch.
9.2 Diagnostisches Raster
9.3 Verlaufsskizze Fördereinheit
9.4 Material Fördereinheit
9.5 Testbögen.

Hinweis

Dieses Gutachten wurde im Rahmen des Studiums der Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg erstellt und ist eine Prüfungsleistung. Es darf nicht als Grundlage für Entscheidungen über Interventionsmaßnahmen (i.S. von Schullaufbahn-empfehlungen und/oder klinisch-therapeutischen Maßnahmen) die begutachtete Person betreffend verwendet werden.

1. Untersuchungsanlass und Fragestellung

Für die Prüfungsleistung im Rahmen meines Sonderpädagogik Studiums war ich auf der Suche nach einem geeigneten Kind, für das ich ein Gutachten erstellen konnte. Durch eine Freundin bekam ich Kontakt zu einer Lehrerin, die in einer inklusiven ersten Klasse arbeitet und dort den Schüler T. betreut. T. besucht seit Anfang des Schuljahres gemeinsam mit drei weiteren Kindern mit Förderbedarf die ländlich gelegene Grundschule. Der Lehrerin waren von Beginn an die sprachlichen Schwierigkeiten bei ihm aufgefallen, weshalb sie diese genauer abklären lassen wollte. Möglicherweise seien auch T.s kognitive Fähigkeiten weiter entwickelt, als es beim K-ABC vor einem Jahr festgestellt wurde, da dieser Intelligenztest sprachbasiert ist.

Ziel des Gutachtens ist demnach die Feststellung der sprachlichen Fähigkeiten T.s, auch in Bezug auf seine kognitiven Fähigkeiten. In Zusammenarbeit mit der Lehrerin und T.s Mutter ergab sich daraus folgende Fragestellung: Über welche sprachlichen Fähigkeiten verfügt T. und wie können diese gefördert werden?

2. Anamnese

Die folgenden Informationen beruhen auf der Einsicht der Akte am 20.11.2015, sowie auf dem Gespräch mit T.s Mutter und seiner Lehrerin. T. wurde am 15.05.2009 in der 39. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geboren. Während der Schwangerschaft wurden laut der Akte immer wieder unregelmäßige Herztöne bei ihm festgestellt. Die Mutter erinnert sich allerdings an keine Komplikationen. Darauffolgende Untersuchungen blieben ohne Befund, erst in der U4 wurde eine Schädelasymmetrie festgestellt. Die U7 ergab eine Sprachentwicklungsverzöge­rung. Eine Hörbeeinträchtigung wurde bei ihm ausgeschlossen.

T. ging 2,5 Jahre in einen Kindergarten für körper- und geistigbehinderte Kinder. Dies geschah aufgrund eines Gutachtens, von dem allerdings keine auffindbaren Unterlagen mehr existieren. Seit September 2015 besucht T. nun die erste Klasse der örtlichen Grundschule im ländlichen Raum Süddeutschlands im inklusiven Setting. T. lebt mit seinen Eltern und seiner zwei Jahre älteren Schwester, die eine geistige Behinderung und eine Sprachentwicklungsstörung hat, zusammen. Die Schwester besucht seit September 2013 die Außenklasse 2 derselben Schule wie T. und ist seit vier Jahren in logopädischer Behandlung. Außer der Schwester und T. selbst seien der Mutter keine Familienmitglieder mit einer Auffälligkeit im Bereich Sprache bekannt. T. wurde nicht gestillt, der Übergang zur festen Nahrung sei problemlos verlaufen. Dieser Aspekt wurde abgefragt, um eventuelle Schwierigkeiten mit der Mundmotorik abzuklären.

Mit 13 oder 14 Monaten habe T. mit dem Laufen begonnen, was laut der Mutter auch völlig problemlos ablief. Seine grobmotorischen Fähigkeiten zeigen keine Auffälligkeiten, auch wenn er rasch ermüdet und mitunter zur Bequemlichkeit neige. T. male sehr gerne, zeige aber ansonsten keine altersangemessenen Leistungen im feinmotorischen Bereich. Zahlen und Buchstaben schreiben falle ihm ebenso wie das Schuhe binden schwer.

Seine Mutter erinnert sich leider nicht, wann T. begonnen hat zu sprechen und auch der Akte sind diese Informationen nicht zu entnehmen. Laut der Mutter haben die Eltern sprachliche Auffälligkeiten bei T. bemerkt als dieser 2 Jahre alt war. Seitdem habe er einmal wöchentlich Logopädie. T.s Sprachverständnis sei im Rahmen seiner kognitiven Leistungen gut, allerdings habe er Probleme mit der Phonetik, der Grammatik und dem phonologischen Arbeitsgedächtnis. Er bilde die Laute [g], [k], [r] und [​ʃ { HYPERLINK "https://de.wikipedia.org/wiki/Stimmloser_postalveolarer_Frikativ" \o "Stimmloser postalveolarer Frikativ" } nicht und ersetze sie mit anderen Lauten. Das Nachsprechen von Sätzen falle ihm schwer, hierbei lasse er Wörter weg oder vertausche die Reihenfolge dieser. Artikel verwende er nur manchmal. Nach Beobachtungen wurden in der Akte eine multiple Dyslalie, sowie ein mittelschwerer Dysgrammatismus festgehalten. Die Sprachmotivation hänge vom jeweiligen Thema ab. Erzählt T. von einem Thema, das ihn interessiert, so sei er sehr motiviert. Auf konkrete Fragen antworte er jedoch teilweise gar nicht oder nur sehr eingeschränkt. Die Lehrerin berichtete, dass T. das erste halbe Schuljahr montags Morgen nie etwas vom Wochenende erzählt habe.

Seine kognitiven Fähigkeiten wurden am 18.03.2015 mit dem K-ABC überprüft. Der Akte kann man entnehmen, dass T. in den Skalen einzelheitliches Denken und intellektuelle Fähigkeiten einen Standardwert von 71 erreichte, in der Skala ganzheitliches Denken den Standardwert 72, woraus geschlussfolgert wurde, dass T.s Leistungsvermögen im unterdurchschnittlichen Bereich liege. Generell ließe er sich leicht von seinen Aufgaben ablenken und reagiere bei Aufgaben, die ihm nicht gefallen, bockig.

T. könne momentan Puzzle mit 120 Teilen selbstständig lösen und tue dieses auch mit großer Freude und Ausdauer. Mit seiner Schwester oder Mitschülern spiele er gerne Rollenspiele und Symbolspiele wie Playmobil oder Lego. Er sei manchmal verunsichert im Umgang mit gleichaltrigen Kindern, allerdings verbessere sich dies laut der Lehrerin zunehmend.

3. Diagnostische Vorgehensweise

In diesem Kapitel werden die Untersuchungsbereiche und die verwendeten Methoden und Verfahren näher beleuchtet. Das diagnostische Raster ist im Anhang zu finden.

3.1 Untersuchungsbereiche

Um ein umfassendes, und vor allem vollständiges, diagnostisches Raster zu erstellen, wurde sich an der beschriebenen Sprachentwicklung von Steffi Sachse und Gisela Szagun orientiert (vgl. Sachse, Handbuch Spracherwerb und Sprachentwicklungs-störungen und Szagun, Sprachentwicklung beim Kind). Daraus lassen sich die folgenden Untersuchungsbereiche ableiten.

Kognition

„Sprachliche Äußerungen sind Ausdruck gedanklicher Inhalte“ (Szagun, 2013, S. 204). Ein Kind muss demnach etwas verstehen, um es anderen mitteilen zu können, woraus folgt, dass die kognitive Entwicklung die sprachliche zumindest teilweise bedingt. Allerdings ist dies auch umgekehrt der Fall. In einem Experiment wurde aufgezeigt, dass sich einjährige Kinder schneller an einen Reiz gewöhnen, wenn dieser gleichzeitig benannt wird und dies auch auf andere Objekte der gleichen Klasse übertragen. Dies lässt darauf schließen, dass die sprachliche Benennung einen Einfluss auf das Kategorisierungsverhalten hat (Szagun, 2013, S. 208). Daraus folgt, dass sich Sprache und Kognition wechselseitig beeinflussen und die kognitive Entwicklung einen entscheidenden Faktor in der Sprachentwicklung darstellt.

Die auditive Merkfähigkeit wird gesondert beleuchtet, da sie noch enger mit der sprachlichen Entwicklung verknüpft ist als die allgemeine kognitive Entwicklung. Im Durchschnitt kann ein Mensch 7 ± 2 informationstragende Elemente im Kurzzeitgedächtnis speichern. Ist diese Möglichkeit eingeschränkt, so fällt es der betroffenen Person schwer, Informationen aus längeren Sätzen zu entnehmen und daraus grammatikalische Regeln abzuleiten (Szagun, 2013, S. 33). Die auditive Merkfähigkeit ist folglich ausschlaggebend für die gesamte Sprachproduktion.

Sprachliche Fähigkeiten

Sprache wird in der Literatur zumeist in drei große Bereiche gegliedert: Lexikon/Semantik, Grammatik und Phonetik/Phonologie. Diese bildet die Gesamtheit der sprachlichen Fähigkeiten. Im Folgenden werden diese Bereiche nun näher beleuchtet.

Lexikon und Semantik

Das Lexikon beschreibt den Gesamtwortschatz einer Person. Man unterscheidet hierbei noch zwischen dem rezeptiven Lexikon, also dem Wortschatz, den die Person versteht, und dem produktiven Lexikon, also dem Wortschatz, den die Person aktiv nutzt (Heuermann, 2012, S. 67). Semantik ist die Lehre der Bedeutung sprachlicher Äußerungen, sowohl einzelner Wörter (Wortsemantik), als auch längerer Sätze (Satzsemantik) und ganzer Texte (Textsemantik) (ebd., S. 101).

Die Entwicklung des Wortschatzes folgt einer relativ klaren Struktur. Mit 8-10 Monaten beginnt das Wortverständnis, ab dem 10. Monat dann die Produktion (Grimm, 2012, S. 31). Die produktive Entwicklung erfolgt zu Beginn noch relativ langsam und umfasst vorrangig Gegenstände, Personen und Lebewesen, die sich im unmittelbaren Erfahrungsbereich des Kindes befinden (Szagun, 2013, S. 129). Ab der 50-Wörter-Schwelle, die ungefähr mit 18 Monaten erreicht wird, kommt es zu einem Wortschatzspurt. Ab diesem Zeitpunkt lernen die Kinder 9-15 neue Wörter pro Tag (Grimm, 2012, Abbildung 2). Kinder, die mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter sprechen, gehören zu den sogenannten „Late Talkern“ und haben ein beträchtliches Risiko, eine Sprachentwicklungsstörung auszubilden (ebd., S. 34).

Grammatik

Grammatik ist der „Oberbegriff für das gesamte formal regulierende System einer Sprache“ und somit auch Überbegriff für die Bereiche Syntax und Morphologie (Heuermann, 2012, S. 43). Syntax ist grobbeschrieben der Satzbau und differenzierter gesagt die Art wie sich Wörter zu größeren Einheiten arrangieren lassen, demnach die Ordnung von Wörtern. Für diese Ordnung findet sich eine Vielzahl an Theorien in der Literatur, auf die hier allerdings nicht näher eingegangen wird (Szagun, 2013, S. 31). Die Morphologie beschreibt die Bestandteile und den Aufbau von Wörtern (Lüdeling, 2009, S. 79).

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Details

Title
Diagnostisches Gutachten für geistige Entwicklung und Sprache eines Sechsjährigen
College
University of Education Heidelberg
Grade
1,5
Author
Year
2017
Pages
45
Catalog Number
V455436
ISBN (eBook)
9783668886803
ISBN (Book)
9783668886810
Language
German
Tags
diagnostisches, gutachten, entwicklung, sprache, sechsjährigen
Quote paper
Luise Kischel (Author), 2017, Diagnostisches Gutachten für geistige Entwicklung und Sprache eines Sechsjährigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455436

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