In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, ob es Unterschiede im Rechtsextremismus zwischen West- und Ostdeutschland gibt und vor allem inwiefern diese durch die Theorie der relativen Deprivation erklärt werden können. Dafür wird zunächst einmal der Begriff Rechtsextremismus definiert, anschließend erfolgt ein Überblick über verschiedene Theorierichtungen, die dieses Phänomen erklären wollen. Danach wird die Idee der relativen Deprivation näher vorgestellt und schließlich auf empirische Befunde angewandt.
Gerade jetzt in Zeiten von Pegida und zum Teil gewalttätigen Aktionen gegen Asylbewerbern ist das Thema Rechtsextremismus wieder sehr aktuell. Die „Patriotischen Europäer“ protestierten zum ersten Mal im Oktober letzen Jahres in Dresden gegen die „Islamisierung des Abendlandes“. Die Kundgebungen weiteten sich schnell auch auf andere Städte in Deutschland aus. Die Zahl der Demonstrationsteilnehmer jedoch schwankt je nach Gebiet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Begriff des Rechtsextremismus
2. Theorien zum Rechtsextremismus im Überblick
3. Die Deprivationstheorie
4. Empirische Befunde aus der Rechtsextremismusforschung
5. Inwiefern kann die Deprivationstheorie Unterschiede im Rechtsextremismus zwischen West-und Ostdeutschland erklären?
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, inwiefern die Deprivationstheorie dazu beitragen kann, die beobachteten Unterschiede im Ausmaß rechtsextremistischer Einstellungen zwischen West- und Ostdeutschland zu erklären. Dabei wird der Fokus auf ökonomische und soziale Faktoren sowie das subjektive Empfinden von Benachteiligung gelegt, um Zusammenhänge zwischen Lebenssituation und politischer Orientierung zu analysieren.
- Definition und konzeptionelle Annäherung an den Begriff Rechtsextremismus
- Überblick über relevante Theorierichtungen der Rechtsextremismusforschung
- Einführung in die Theorie der relativen Deprivation
- Analyse empirischer Befunde zum Rechtsextremismus im Ost-West-Vergleich
- Überprüfung der Erklärungsleistung der Deprivationstheorie für regionale Unterschiede
Auszug aus dem Buch
3. Die Deprivationstheorie
Wenn man an klassische rechte Parolen denkt, kommen einem oft Sätze wie „Die Ausländer nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“ in den Sinn. Dahinter verbirgt sich ein Gefühl der Benachteiligung, da man davon ausgeht, dass „die Ausländer“ einen Vorteil am Arbeitsmarkt erlangen und man selbst dadurch einen Nachteil erfährt. Diese Unzufriedenheit zeigt sich aber nicht nur an Aussagen, die sich auf die ökonomische Situation beziehen, sondern auch bei kulturellen Dimensionen, wie zum Beispiel Religion. Pegida Anhänger demonstrieren gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ (Geiges/Marg/Walter 2015: S. 11). Dies könnte ein Ausdruck davon sein, dass man durch den stark wahrgenommenen Einfluss des Islams eine Benachteiligung der eigenen Religion und Lebensweise erwartet, wenn der islamische Glauben die Strukturen in Deutschland durchdringt. Typisches rechtsextremistisches Gedankengut ist also ein Indiz dafür, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einem Gefühl der Benachteiligung und Rechtsextremismus. Kliche sagt in diesem Zusammenhang, dass Rechtsextremismus „sozialen Abstieg [entschuldigt] durch die Benachteiligung Deutscher als ‚Fremde im eigenen Land‘“ (Kliche 1996: S. 58)
Es sollen nun wesentliche Aspekte der Deprivationstheorie dargestellt werden.
Der Begriff der relativen Deprivation wurde geprägt durch Stouffer, der damit das Material von American Soldier interpretierte, in dem die Zufriedenheit von Soldaten und Gründe dafür untersucht werden sollten (Stouffer 1949). Ein Vorschlag für eine Begriffsklärung ist, dass man unter relativer Deprivation „einen Zustand der Enttäuschung und Unzufriedenheit [versteht], dessen Grund in einer Kluft zwischen dem Ist und dem Wunsch liegt. Deprivation meint also die Nicht-Erfüllung bestimmter Erwartungen beziehungsweise Bedürfnissen (…)“ (Winkler 1996: S. 34)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Aktualität des Themas Rechtsextremismus und Vorstellung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
1. Der Begriff des Rechtsextremismus: Darstellung verschiedener Definitionsansätze des Rechtsextremismus mit Fokus auf ethnische Ungleichwertigkeit und die Ablehnung demokratischer Prinzipien.
2. Theorien zum Rechtsextremismus im Überblick: Einordnung der verschiedenen Erklärungsmodelle für Rechtsextremismus, unterteilt in Persönlichkeitsmerkmale, Ungleichgewichtszustände und gesellschaftliche Integration.
3. Die Deprivationstheorie: Theoretische Herleitung der relativen Deprivation als Zustand der Unzufriedenheit und deren Anwendung auf rechtsextremistische Einstellungsmuster.
4. Empirische Befunde aus der Rechtsextremismusforschung: Analyse aktueller Studien zur Verbreitung rechtsextremistischer Einstellungen und ökonomischer Indikatoren in Ost- und Westdeutschland.
5. Inwiefern kann die Deprivationstheorie Unterschiede im Rechtsextremismus zwischen West-und Ostdeutschland erklären?: Synthese der Befunde und Beantwortung der Forschungsfrage unter Berücksichtigung von ökonomischer und subjektiver Deprivation.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Erklärungsleistung der Deprivationstheorie und Vorschläge für weiterführende Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Deprivationstheorie, relative Deprivation, Ost-West-Vergleich, Fremdenfeindlichkeit, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, sozioökonomischer Wandel, politische Einstellung, Benachteiligungsgefühl, Ideologie, Sozialpsychologie, Demokratiekritik, Ausländerfeindlichkeit, Autoritarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen der Deprivationstheorie und dem unterschiedlich ausgeprägten Rechtsextremismus in den neuen und alten Bundesländern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf Rechtsextremismusforschung, soziologische Theorien zur Ungleichheit, relative Deprivation sowie den sozioökonomischen Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit das Gefühl der relativen Deprivation als Erklärungsmodell für die höheren Zustimmungswerte zu rechtsextremistischen Einstellungen in Ostdeutschland dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung bestehender Ansätze sowie der Analyse empirischer Sekundärdaten, insbesondere aus den sogenannten Mitte-Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, den theoretischen Überblick, die detaillierte Vorstellung der Deprivationstheorie sowie die Anwendung dieser Theorie auf empirische Befunde im regionalen Vergleich.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind relative Deprivation, Rechtsextremismus, ostdeutsche Identität, soziale Ungleichheit und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Lebenszufriedenheit laut der Studie zwischen Ost und West?
Die Studie stellt fest, dass Ostdeutsche insgesamt unzufriedener sind als Westdeutsche, wobei in beiden Gruppen die Zufriedenheit im Erwerbsalter am geringsten ausgeprägt ist.
Werden Westdeutsche von Ostdeutschen als Feindbild wahrgenommen?
Die Analyse zeigt, dass trotz wahrgenommener Benachteiligung durch Westdeutsche keine Abwertung des eigentlichen Bezugssystems erfolgt, sondern der Frust auf andere Gruppen wie Ausländer projiziert wird.
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- Anonym (Author), 2015, Inwiefern kann die Deprivationstheorie Unterschiede im Rechtsextremismus zwischen West- und Ostdeutschland erklären?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456087